1934 Nov 07 Mantelvertrag zwischen Reichswehrfiskus und Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Aktien-gesellschaft Chemische Fabriken (WASAG), Berlin i

AUSZUG AUS DOCUMENT NO.

NI -7772 OFFICE OF CHIEF OF COUNSEL FOR WAR CRIMES

(Seite 1 des Originals)

Abschrift!

Klietz u. Moschwig

Anl.2

Zwischen dem Deutschen Reich (Reichswehrfiskus), vertreten durch den Reichswehrminister - im nachstehenden kurz der R.W.M. genannt - und der Firma Westfaelisch-Anhaltische Sprengstoff-Aktiengesellschaft Chemische Fabriken, Berlin W 9, Linkstr.25, vertreten durch Herrn Generaldirektor Dr. Matthias, im nachstehenden kurz Firma genannt - wird folgender

Mantelvertrag

geschlossen:

Par[agraph] 1. (1) Die Firma uebernimmt es im Auftrage und fuer Rechnung des RW.M., jedoch in eigenem Namen, auf dem ihr auf Grund eines noch abzuschliessenden Pachtvertrages zur Verfuegung gestellten Gelaende ii nach Massgabe ihrer Erfahrungen eine Fabrik fuer die Herstellung von Nitroglyzerin, Nitroglyzerin-Pulverrohmasse und Nitroglyzerinpulver ohne Lösemittel zu errichten, so dass die Fertigung von 1 000 000 kg Nitroglyzerinpulver ohne Lösemittel und zwar: 600 t Nitroglyzerin Röhrenpulver mit einer Wandstaerke von 2 mm, 300 t Nitroglyzerin-Blaettchenpulver 10.10.1,5 und 100 t Nitroglyzerin-Blaettchenpulver 4.4.1 in 25 Tagen bei dreifacher Schicht gewaehrleistet ist. Eine Anlage zur Herstellung der erforderlichen Nitrocellulose ist nicht zu erstellen.

(2) Die Fabrik ist nach dem Herstellungsverfahren des Werkes Reinsdorf zu bauen [...]

(3) Bei dem Bau der Fabrik ist den Belangen des Luftschutzes weitgehend Rechnung zu tragen. [...]

Par.2. (1) Saemtliche Aufwendungen, die der Firma durch Kauf des Gelaendes, Entwurfsbearbeitung, Errichtung, Verwaltung, Instandhaltung der Fabrik entstehen, traegt der RW.M.

(2) Die Anlieferung der zur Herstellung des Pulvers erforderlichen Nitrocellulose uebernimmt der RW.M.[...]

Par.10. (1) Die Firma darf die Fabrikseinrichtungen zur Erledigung von Auftraegen des RW.M. fuer die Herstellung des Nitroglyzerins, der Pulverrohmasse und des Pulvers benutzen. Vor Inbetriebnahme ist jedoch die Genehmigung des RW.M. einzuholen.[...]

Par.20. (1) Die Firma verpflichtet sich, diesen Vertrag, die ihm folgenden Einzelvertraege und den im Zusammenhang hiermit zu ihrer Durchfuehrung gefuehrten Schriftwechsel sowie die zugehörigen Aufstellungen und Akten geheim zuhalten. [...]

[...]

Berlin, den 7. November 1934

Der Reichswehrminister

Im Auftrage

gez. Liese

Generalmajor und Chef des Heereswaffenamtes [...]

Berlin, den 7. November 1934

Westfaelisch-Anhaltische Sprengstoff-Aktiengesellschaft

Chemische Fabriken

gez. Matthias


iFundstelle: Abschrift in: BA Koblenz, AllProz 2, NI 7772. vgl. dazu das Dokument vom 26.11.1937, ebd.

iiNach dem Krieg (8.11.1945) erklärten deutsche Mitarbeiter der Montanindustrie, dass in der US-Zone die Fabriken Kraiburg und Geretsried nach diesem Schema gebaut worden seien; ebd.