1935 Mai 10 Bürgermeister Reinartz an den Landrat wg. gestiegener Fleischpreise i

Der Bürgermeister.

Tgb. II. Nr. 1802

Betr.: Fleischpreise.

Verf. v. 7. Mai 1935. K.V. 4383

An

den Herrn L a n d r a t

zu

S i e g b u r g.

Gemäss der nebenstehenden Verfügung habe ich heute in sämtlichen Metzgereien eine Preiskontrolle vornehmen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass Onfleisch, Rindfleisch und Kalbfleisch dem Stande vom Dezember 1934 gegenüber durchweg im bis zu 0,10 Rmk. pro Pfund im Preise gestiegen sind. Der Preis für Schweinefleisch, für Fettwaren und Wurstwaren entspricht im Allgemeinen noch dem vom Dezember 1934.

Hinsichtlich der Preiserhöhungen für Onfleisch, Rindfleisch und Kalbfleisch habe ich sämtlichen Metzgereien in der ernstesten Weise darauf hingewiesen, dass Fleischpreiserhöhungen gegenüber dem Stand vom Dezember 1934 nicht eintreten dürften. Die Metzger erklärten mir übereinstimmend, dass eine Reduzierung der Preise unmöglich wäre, da die Verteuerung nicht etwa auf eine Erhöhung der Verdienstspanne des Metzgergewerbes beruhe, sondern dass die Einkaufspreise des Rindviehs sehr gestiegen seien. Das Metzgergewerbe bittet daher, um die alten Preise beihalten zu können, dafür Sorge zu tragen, dass auch die Einkaufspreise wieder auf den Stand von Dezember 1934 zurückgeführt worden. Ohne dies sei eine Preisermässigung nicht durchführbar.

Ich bin den Metzgern auf das äusserste entgegengetreten, jedoch ist auf dem Verhandlungswege eine Preisermässigung solange schwerlich kaum zu erreichen, als bis die Preise für das Schlachtvieh gesenkt werden.

Ich werde nach wie vor mit allen Mitteln bemüht bleiben auf eine Preisermässigung, soweit wie möglich hinzuwirken.


iFundstelle: StaT, A 1684.