1935 Juli 04 Gestapo: erste Ausweisung von Pfarrer Böhm i

Staatspolizeistelle

für den Regierungsbezirk Köln

Aktenzeichen: III. 976/35

Köln, den 4. Juli 1935

Zeughausstr.8

Fernruf 224247

An

Herrn Pfarrer Franz Böhm

in Sieglar

Auf Grund des § 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 28.11.1933 in Verbindung mit § 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1.6.1931 untersage ich Ihnen hiermit bis auf weiteres den Aufenthalt im Regierungsbezirk Köln, weil Sie fortgesetzt - insbesondere auch noch nach der notwendig gewordenen Entziehung der Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichtes - ein Verhalten an den Tag gelegt haben, das den Interessen und billigen Anforderungen des nationalsozialistischen Staates entschieden zuwiderläuft und damit die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet.

Falls Sie diesem Verbot zuwider noch nach dem 6. Juli 1935 mittags 12 Uhr im Regierungsbezirk Köln angetroffen werden, haben Sie mit einer Zwangsstrafe bis zu 150 RM und gegebenenfalls Inschutzhaftnahme zu rechnen.

Staatspolizeistelleii

für den Regierungsbezirk Köln

[gez.] [Unterschrift]


iFundstelle: Kopie der Ausfertigung, StaT, Bestand 12.8.1. Die Tatsache wurde am 14. Juli 1935 veröffentlicht im "Kath. Kirchenblatt der Erzdiözese Köln für die Gemeinde Sieglar" auf der ersten Seite. Die zweite Ausweisung erfolgte am 10. Juli 1937.

iiAbdruck des Siegels.