1937 April 04 Kardinal Schulte: Hirtenbrief zur Schulfrage i

DER ERZBISCH0F VON KöLN schreibt:

Geliebte Erzdiöcesanen! Väter und Mütter !

Euch nur allzu bekannte Vorgänge veranlassen mich, nochmals ein Wort über die Schulfrage an Euch zu richten. Es kann sein - ihr wisst es nicht, ich weiss es nicht - es kann aber sein, dass ihr, sei es nach einiger Zeit oder schon heute und morgen, sei es nach vorheriger Ankündigung oder plötzlich und unvermutet, vor eine Wahl für die sogenannte GEMEINSCHAFTSSCHULE gestellt werdet.

Ihr wisst ja nun, worum es in diesem Schulkampf geht. Ihr seid wach geworden. Es geht um Christus, Unsern Herrn und Heiland, Es geht darum, ob er in den Herzen unserer Kinder bleiben oder daraus verdrängt werden soll. Noch in den letzten Tagen (März 1937) hat eine einflussreiche Zeitschrift, die im Schulkampf in erster Reihe steht, zu verstehen gegeben, dass das Endziel die GEMEINSCHAFTSSCHULE O H N E RELIGIONSUNTERRICHT sei. Aber noch sei es verfrüht, jetzt schon diese Schulform einzuführen. Daher fordere die Stunde zunächst einmal die Gemeinschaftsschule mit Religionsunterricht !! - Deutlicher kann das Endziel nicht mehr verraten werden.

Ich weiss, wie meine treuen Erzdiöcesanen zur Schulfrage stehen. Die herrlichen Zahlen der Elternbefragungen von Essen, Grosssolingen und von verschiedenen andern Pfarreien unseres Erzbistums sprechen ein deutliche, nicht mehr zu überhörende Sprache: Dass nämlich allüberall der weitaus überwiegende Teil, in einigen Pfarreien mehr als 95 % der Eltern für die Katholische Schule eintreten. Ich kann euch nicht beschreiben, wie in einer Zeit, in der soviel Misstrauen gegen Kirche und Priester gesät wird, in der soviel schmählicher Verrat an Christus sich zeigt, wie in solcher Zeit diese Kundgebungen katholischer Treue, mich mit Freude, Trost und Dankbarkeit gegen Gott erfüllt haben. Haben nicht diese überwältigenden Beweise der Standhaftigkeit abermals gezeigt, dass die neuheidnische Greuelhetze gegen die Kirche Christi sich irrt, wenn sie glaubt, mit Ihren allzu billigen Mitteln Priester und Volk trennen zu können ? Wohl trennt jene Hetze den Volksgenossen vom Volksgenossen, aber nicht den katholischen Priester vom katholischen Volk.

Geliebte Erzdiöcesanen ! Väter und Mütter ! Bleibt auch in Zukunft so, dass euer Bischof sich eurer rühmen darf in Christus, unserm Herrn! Es mag sein, dass man selbst katholische Lehrer und Lehrerinnen dahin bringen wird, euch in euren Häusern aufzusuchen, um euch für die Gemeinschaftsschule zu gewinnen, vielen von diesen euren katholischen Lehrern und Lehrerinnen werdet ihr eine stille Freude bereiten, wenn ihr auf ihr Werben antwortet: ICH WäHLE DIE KATHOLISCHE SCHULE ! Es mag auch sein, dass man euch einschüchtern will mit der Androhung wirtschaftlicher Schädigungen. Aber ich glaube, die Zeiten sind vorbei, wo Ihr euch von jeder Drohung einer untergeordneten Stelle, die oft von der massgebenden Stelle hinterher nicht gebilligt wird, beeinflussen lasst. Katholische Väter und Mütter haben auf alles Drängen und Fragen, auf alles Ueberrumpeln und Einschüchtern, auf alles Bitten und Drohen nur eine Antwort: ICH WäHLE DIE KATHOLISCHE SCHULE - DENN DER FüHRER HAT SIE GARANTIERT! Und schliesslich meine ich, euer Bischof, dass man gerade von Werbern, die sich mit Betonung auf die nationalen Interessen berufen , erwarten sollte, dass sie das Wort des Führers respektierten und nicht den Eindruck erweckten, als ob sie das Wort des Führers nicht ernst nähmen.

Einige von euch werden schon über die wirklichen Vorgänge an der Saar unterrichtet sein. Es frommt euch allen aber zu wissen, dass meine bischöflichen Mitbrüder von Trier und Speyer angeordnet haben, am Ostersonntag dieses Jahres an der Saar zum Zeichen der Trauer die Glocken nicht zu läuten, die Orgel nicht zu spielen und frohe Osterlieder nicht zu singen.

Väter und Mutter ! Nicht irgendeine vorübergehende Gefühlsaufwallung will dieser mein Brief in eueren Seelen wecken, Ein anderes erwarte ich von euch, und ich weiss, dass ich es nicht umsonst erwarte:

dass in euch allen, in jedem Vater, in jeder Mutter ein zäher Wille lebt, ein Wille, der durch nichts erschüttert werden kann, der Wille:

so viel an mir liegt, bleiben meine Kinder bei Christus, und bleibt Christus bei meinen Kindern.

Aus besondern Gründen mach ich euch noch darauf aufmerksam, dass bei einer mündlichen oder schriftlichen Befragung ihr nicht »Ja» sagt, und auch nicht »Nein», noch sonst etwas, sondern unter allen Umständen ausdrücklich erklärt: ICH WäHLE DIE KATHOLISCHE SCHULE!

Köln, den 8. April 1937.

(gez.) KARL JOSEF KARDINAL SCHULTE Erzbischof von Köln.


iFundstelle: StaT, B 276. Vervielfältigtes Emplar.