1937 Sep 23 Erbgesundheitsgericht Bonn, Urteil gegen O. i

XIII 414/37 [Heil-.....

.....1937

Tgb.Nr....ii

Im Namen des Deutschen Volkes !

Das Erbgesundheitsgericht BONN hat in seiner Sitzung vom 23.September 1937 auf Grund der mündlichen Verhandlung vom gleichen Tage unter Mitwirkung von:

1) Amtsgerichtsrat Le[...] als Vorsitzendem,

2) Amtsarzt Dr. Ba[...] als Beamtetem Arzt,

3) San[itäts]Rat Dr. Pe[...] als approbiertem Arzt

beschlossen:

Der O[...] aus Troisdorf,

geboren am 8.Januar 1894 in [...], gesetzlich vertreten durch Kreisamtsleiter Ernst Schulz, BONN, Thielstr[asse] 5, ist auf Grund von § 1 Abs[atz] 2, Ziff[er] 1 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14.Juli 1933, unfruchtbar zu machen.

G r ü n d e

Auf Grund der sich auf den Gesamtinhalt der Akten erstreckenden Beweisaufnahme, insbesondere des ärztlichen Gutachtens sowie der persönlichen Vernehmung der(!) Unfruchtbarzumachenden, ist festgestellt, dass letzterer an der in § 1 Abs.2 Ziff.1 des Gesetzes vom 14.7.1933 genannten Erbkrankheit, nämlich an angeborenem Schwachsinn leidet.

Der Antrag gemäss § 3 des Gesetzes vom 14.7.1933 ist von dem zuständigen Direktor der Prov[inzial-] Heil- u[nd] Pflegeanstalt in Bonn ordnungsgemäss gestellt.

Die Diagnose des Sachverständigen, der das Gericht sich anschliesst, ergibt sich aus der durch den Sachverständigen erfolgten Untersuchung und klinischen Beobachtung, deren Ergebnisse im einzelnen in dem Krankenblatt der Prov. Heil u. Pflegeanstalt in Bonn, sowie Gutachten Blatt 4 a ff. d[er] A[kten] niedergeschrieben sind. Das Krankenblatt hat dem Gericht zur Einsichtnahme vorgelegen.

Bereits in der Schule ist der O[...] verschiedentlich sitzengeblieben. Er kann nicht lesen und nicht schreiben. Es liegt bei ihm hochgradiger Schwachsinn - Imbezillität - vor. Anhaltspunkte für eine exogene Entstehungsursache liegen nicht vor, es sind auch keine Umstände bekannt geworden, die darauf schliessen lassen können, vielmehr ist er von Geburt an schwachsinnig. Dass der Schwachsinn erblich ist, ergibt sich auch daraus, dass ein Bruder des O[...] aus der 3. Klasse der Volksschule entlassen worden ist. Da das festgestellte Leiden auf die Nachkommenschaft vererblich ist, musste die Unfruchtbarmachung angeordnet werden.

gez. Le[...], Dr. Ba[...], Dr. Pe[...]

Ausgefertigt:

Amtsgericht Bonniii

[Unterschrift unleserlich]

Justizangestellter als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle.


iFundstelle siehe Anm. 290, Durchschlag der Ausfertigung.

iiEingangsstempel der HEIL- UND PFLEGEANSTALT, weitgehend unleserlich.

iiiAbdruck des Siegels.