1937 Dez 27 Pfarrer Robert Werr (Spich): Vorladungen i

Schwere und schwarze Tage erlebte[n] die kleine katholische Jungmannschaft und mit ihr katholische Familien gegen Ende des alten (1937) und im Februar des neuen Jahres (1.2.1938). Eines Montagabends patrouillierten junge Leute unter Leitung des Herrn Rektors S. aus Troisdorf in der Nähe des Pfarrhauses, fingen (sie) ab und fragten die heimkehrenden Jungen aus über ihren Heimabend usw. Eine ganze Woche danach wurden vier Schüler der Oberklasse, die Jungscharmitglieder der Jugendschar sowie Herr Kaplan (Mandelartz) nach Sieglar beordert und dort von einem Beamten vernommen. Die Untersuchung bezweckte die Feststellung von - das erlaubte Mass - überschreitenden Gesängen und Spielen bei den Heimabenden.

Am 3. Weihnachtstag (27.12.1937) erhielt Herr Kaplan (Mandelartz) eine telephonische Vorladung - zur (Aufklärung) der obengenannten Fälle - zum Bürgermeisteramte, wo ihm eröffnet wurde, dass der Pfarrjugend jede Tätigkeit verboten sei.

Zwecks näheren Verständnisses begab sich Herr Kaplan (M.) zur Gestapo nach Köln, laut welcher nur die kirchlichen Zusammenkünfte der männlichen Pfarrjugend verboten sind. Dienstag, den 1.11., erschienen 2 Polizeibeamte in Uniform und forderten im Auftrage der Gestapo Vermögen und Fahnen des katholischen Jungmännerbundes und seiner Unterabteilungen.

Beschlagnahmt wurden vor allem Bühnenstücke, teils auf-, teils unaufgeführte. Dazu (die) Aloysiusfahne, ein Geschenk des einstigen Präfekten Heinrich Wischerath, nunmehr Dominikaner-Missionsbruder Robert M. (Maria) - Wert 550,--RM -; sie wurde zusammen mit den 2 XP-Bannern beschlagnahmt und auf dringende Bitte der Polizeibeamten an der Kirchtür in Empfang genommen und nach Sieglar transportiert. Das Einspruchsschreiben des Herrn Cardinals wird verlesen. Januar, am 24.1. [1938], wurden durch die Polizei- bzw. Gestapo- (Beamten) Köln die Bücher des H. K. (Herrn Kaplans) bis auf 18 unter Siegel genommen.


iFundstelle: Aufzeichnungen des Pfarrers Robert Werr, in: Sammlung Dederichs.