1938 Aug 02 Der Landrat an die Bürgermeister wg. "Zigeunerfahndung" i

Der Landrat des Siegkreises

L.

Siegburg, den 2. August 1938

[mehrere Handzeichen]

Geheim

Am Freitag, den 5. ds. Mts. findet ab morgens 7 Uhr auf höhere Anordnung eine Zigeunerfahndungs-Aktion statt, an der sich sämtliche uniformierten Polizeibeamten beteiligen müssen. Bei dieser Fahndung sind sämtliche im dortigen Bezirk anwesenden oder lagernden Zigeuner zu erfassen (keine Deutsche, die in Wohnwagen als Korbflechter umherziehen). Die angetroffenen Zigeuner sind gründlich in Bezug auf Ausweispapiere (Fingerabdruckverfahren) zu revidieren. Liegt die letzte Fingerabdruckentnahme mehr als drei Monate zurück, so ist ein neuer Fingerabdruck zu entnehmen. Die Ortspolizeibehörden sind angewiesen, die benötigten Vordrucke für das Daktyloskopieverfahren bereit zu halten. Falls die Ausweispapiere eines Zigeuners nicht in Ordnung sind, ist der Betreffende festzunehmen und der zuständigen Ortspolizeibehörde zuzuführen.

Alle übrigen Zigeuner sind in östlicher Richtung und zwar möglichst unter Benutzung der Strasse Siegburg - Hennef - Schönenberg - Waldbröl abzuschieben.

östlich Schönenberg werden die Zigeunertransporte von einem dort befindlichen übernahmekommando des Kreises Gummersbach in Empfang genommen und über die Kreisgrenze abgeschoben. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die abzuschiebenden Zigeuner nur unter polizeilicher Begleitung in Richtung Schönenberg abzutransportieren sind. Die abseits gelegenen Ortspolizeibehörden haben dafür Sorge zu tragen, dass die Zigeunertransporte dem nächstliegenden übernahme- bezw. Transportkommando abzugeben sind. Die übernahme- bezw. Transport-Kommandos befinden sich zwischen Hangelar und Beuel, in Hennef und in Schönenberg.

Die Polizeibeamten des Kreises erhalten in der am 3. ds. Mts. im Sitzungssaale hierselbst stattfindenden Dienstversammlung nähere Anweisungen. Der Begriff "Zigeuner" wird auch hier besprochen.

In Anbetracht dieser Aktion sind alle übrigen Dienstgeschäfte, die nicht ausserordentlich dringlich sind, zurückzustellen.

An den

Herrn Bürgermeister

in Troisdorf

Die Ortspolizeibehörde in Troisdorf hat ab 5.8.1938 - 13 Uhr - zwei Beamte zur Verfügung des Landrats bereit zu halten. Die Beamten haben sich auf Abruf sofort in Marsch zu setzen.

In Vertretung:

gez. Meyer

Beglaubigt:

[gez.] Schumacher

  1. Erforderliches veranlasst
  2. Zu den Akten

Troisdorf, den 4.8.1938

Der Bürgermeister

[Paraphe] Schünemann


iFundstelle: StaT, A 163.