1938 Nov 11 Westdeutscher Beobachter: "Antijüdische Kundgebungen im Siegkreis" i

Als am Mittwoch in den Nachtstunden bekannt wurde, dass der deutsche Gesandtschaftsrat vom Rath in Paris seinen Verletzungen, die ihm der jüdische Mordbube Grüncspan beigebracht hatte, erlegen sei, wurde die Trauer um den Tod des jungen Deutschen schon bald durch eine gewaltige Empörung der Bevölkerung abgelöst. Die berechtigte Wut der Bevölkerung steigerte sich immer mehr und führte zu spontanen Kundgebungen gegen das Judentum. Bei dieser Gelegenheit richtete sich die Volkswut begreiflicherweise auch gegen die jüdischen Geschäfte, die sich noch im Siegkreis, vor allem in Siegburg selbst, breitmachten und teilweise durch raffinierte Tarnung versuchten, die deutschen Volksgenossen in ihre Läden zu locken. In mehreren Fällen wurden jüdische Geschäfte in der Empörung zertrümmert. In den Synagogen in Siegburg, Honnef und Ruppichteroth, die von der Bevölkerung schon lange als Schandflecken im Ortsbild empfunden wurden, brachen Brände aus. Auch in anderen Orten des Kreises schloss sich die Bevölkerung in grosser Empörung zu Kundgebungen gegen die jüdischen Geschäfte und die jüdischen Bewohner zusammen. Der Wutausbruch des durch den feigen Mord in Paris tiefverletzten Volkes machte sich auch in diesen Orten Luft. Trotzdem bewahrte aber die gesamte Bevölkerung den Verhältnissen entsprechend äusserste Disziplin.


iFundstelle: WB, 11.11.1938.