1939 April 12 Der Schulrat des Kreises an die Schulleiter wg. Volksschule i

Schulamt Sieg I

Tgb.-Nr. 324/39.

Siegburg, den 12. April 1939

An sämtliche Herren Schulleiter !

Betrifft: Deutsche Volksschule.

Mit dem 16. April ds. Jrs., dem ersten Tage nach den Ferien, ist überall die deutsche Volksschule einzurichten, Diese Einrichtung ist eine Massnahme des Staates. Jede Gegenwirkung dagegen und jedes Versagen bei der Mitwirkung ist als gegen den Staat gerichtet zu betrachten und schliesst den sich hierdurch schuldig Machenden von jeder weiteren Tätigkeit als Beamter oder Lehrer aus. Deshalb erhält jeder Schulleiter das vorliegende Blatt bis spätestens am 17. ds. Mts. mit der dringenden Verpflichtung, von ihm Kenntnis zu nehmen und es allen Lehrenden seiner Schule spätestens am 18. morgens vor Beginn des Unterrichtes genauestens bekannt zu geben. Falls er die Lehrenden schon am 17. ganz oder teilweise zusammenbekommen kann, darf er es diesen auch schon dann sagen, jedoch frühestens nachmittags um 16 Uhr und mit der unbedingten Verpflichtung aller zum Stillschweigen bis zum anderen Tage. über das Geschehene hat der Schulleiter eine Niederschrift zu den Schulakten zu nehmen, aus der hervorgeht, dass jeder von dem gesamten Inhalt dieser Verfügung des Schulamtes genaue Kenntnis erhalten hat. Die Niederschrift ist nicht nur vom Schulleiter, sondern von sämtlichen Lehrern und Lehrerinnen zu unterschreiben. Sie erklären damit ihren Willen, opferbereit in der deutschen Volksschule zu arbeiten. Wer nicht unterschreibt, ist mir sofort zu melden. Er kann zum Unterrichten nicht mehr zugelassen werden.

Die deutsche Schule sieht in den ihr zugeführten Kindern nur deutsche Kinder; eine Trennung dieser Kinder nach Konfessionen ist völlig ausgeschlossen. Aller Unterricht ist in deutschvölkischem Sinne zu erteilen, er bedeutet also stets und ständig eine Erziehung zum Nationalsozialismus. Deshalb dürfen auch in der Schule keine Kreuze oder Bilder mehr vorhanden sein, die geeignet sind, diese als konfessionelle Schule erscheinen zu lassen. Auch kann der Unterricht nicht mit einem Gebete beginnen oder schliessen, euch ist sonst nicht im Unterrichte zu beten, weil dieses den konfessionellen Charakter wieder aufleben liesse.

Unterrichtsbeginn und Unterrichtsschluss sind stets und ständig in würdiger Weise mit einem nationalsozialistischen Denkspruch, wozu Worte unseres Führers besonders geeignet sind, zu begehen.

So entschieden wie die deutsche Volksschule alles, was einer konfessionellen Spaltung der sie besuchenden. Kinder dienen könnte, ablehnt, ebenso entschieden lehnt sie es ab, irgendwie religionsfeindlich zu sein. Deshalb soll in ihr jedes Kind den seinem Bekenntnis entsprechenden Religionsunterricht durch Lehrer seines Bekenntnisses erhalten. In diesem Religionsunterricht darf selbstverständlich zu seinem Beginn und seinem Schluss gebetet werden. Ebenso selbstverständlich ist es, dass der Religionsunterricht im Sinne des betreffenden Bekenntnisses erteilt wird, doch darf der betreffende Lehrer sich niemals in Gegensatz zur nationalsozialistischen Weltanschauung setzen.

In allem Unterricht der deutschen Volksschule ist jedwede verletzende äusserung gegenüber dieser oder jener Konfession zu vermeiden, Die Herrn Schulleiter haben hierüber zu wachen. Auch wollen sie Wege suchen, dass sich Lehrer finden, die den unter Punkt 4 genannten Religionsunterricht zu erteilen bereit sind. Keinem Lehrer und keiner Lehrerin soll irgendwelcher Schaden oder Nutzen darauf erwachsen, ob sie Religionsunterricht erteilen oder nicht, es ist aber keinesfalls erwünscht, dass die zu dessen Erteilung geeigneten Lehrenden sich ablehnend verhalten.

Jeder Widerstand von Seiten der Elternschaft oder anderer, der sich gegen die deutsche Volksschule zeigen sollte, ist dem Schulamte auf dem Wege über die Herrn Bürgermeister sofort mitzuteilen. Jeder Lehrende, der nur das geringste Anzeichen eines solchen Widerstandes bemerkt, ist dringend verpflichtet, diesem sofort und unter Hinweis auf die schlimmen Folgen zu widerraten. Jeder Lehrende möge bedenken, dass sehr viel daran liegt, dass bei der Einführung der Deutschen Volksschule möglichst jedwedes unliebsame Vorkommnis vermieden wird.

Von jedem Lehrer und jeder Lehrerin wird erwartet, dass sie sich innerlich darüber klar werden, dass es sich bei der Einführung der deutschen Volksschule um eine grosse Tat zugunsten unseres geliebten deutschen Volkes handelt. Tue deshalb jeder aus ganzer Kraft, seine volle Pflicht.

Jede Zusammenlegung von Schulen, Versetzung von Lehrenden usw., die zwecks Einrichtung der deutschen Volksschule erforderlich wurden, sind durch das Schulamt nach eingehender Besprechung und im Einvernehmen mit den zuständigen Herrn Amtsbürgermeistern erfolgt. Sie wurden von diesen am 17.4. ds. Jrs. mitgeteilt und sind unbedingt zu befolgen.

[gez.] Langenbach

Kreisschulrat


iFundstelle: StaT, B 1489.