1941 Feb 18 Heil- und Pflegeanstalt Hadamar an Ungenannt i

Abschrift

Landes-Heil-und Pflegeanstalt

Hadamar Tgb.-Nr. …

Hadamar b. Limburg/Lahn, den 18.2.1941

/Anfragen sind nur schriftl. an uns zu richten! Besuche müssen 8 Tage vorher angemeldet werden!

Frau ...

Sehr geehrte Frau ...

Am 3. Febr. 1941 wurden Ihre Brüder Wilhelm und Hermann . .... in die hiesige Anstalt verlegt, da auf Anweisung des Reichsverteidigungskommissars ein Teil der Anstalten geräumt werden müssen, um Platz für Lazarettzwecke, Aufnahme von Flüchtlingen usw. zu erhalten.

Zu unserem grossen Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr Bruder Wilhelm am 17. Febr. 1941 an einer Ruhr-Infektion mit nachfolgender Kreislaufschwäche hier verstorben ist. Auch Ihr Bruder Hermann ist an der Ruhr erkrankt, es besteht Jedoch Hoffnung, dass er sich von seinem zur Zeit gefährlichen Zustand erholen wird. Leider wurde die Behandlung bei Ihrem Bruder Wilhelm inso[weit]ii sehr erschwert, als er durch sein geistiges Leiden vollkommen krankh[heits]uneinsichtig, an sich selbst sehr unrein und zeitweise sehr unruhig war.

Auf Anordnung der zuständigen Gesundheitspolizei musste nach ärztlicher Begutachtung sein Leichnam sofort eingeäschert werden, um jede Möglichkeit einer Seuchengefahr zu verhindern. Falls Sie die Urne mit seinen sterblichen überresten auf Ihrem Heimatfriedhof beizusetzen wünschen, wollen Sie uns bitte eine entsprechende Bescheinigung der dortigen Friedhofsverwaltung zugehen lassen.

Seine Kleidungsstücke mussten desinfiziert werden und haben dabei sehr gelitten. Falls Sie uns Ihre Erbberechtigung nachweisen können, können Ihnen dieselben übersandt werden, anderenfalls werden wir sie armen und hilfsbedürftigen Kranken der Anstalt zur Verfügung stellen.

Da wir Sie wegen der zur Zeit hier bestehenden Infektionsgefahr nicht zu einem Besuch Ihres erkrankten Bruders Hermann bitten können, werden wir Sie sofort benachrichtigen, falls eine änderung In seinem Zustand eintraten sollte.

In Anlage erhalten Sie zwei Sterbeurkunden Ihres verstorbenen Bruders Wilhelm, die Sie zur evtl. Vorlegung bei Behörden sorgfältig aufbewahren wollen.

Seien Sie über den traurigen Tod Ihres Bruders Wilhelm unserer aufrichtigsten Anteilnahme versichert!

Heil Hitler!

Der Direktor

i. V.

[gez.] D[r.] Fleck iii

Anlagen: 2


i Fundstelle: Archiv der katholischen Pfarrei St. Hippolytus, Troisdorf. Das Datum der Abschrift ist unbekannt; die Namen sind in der Abschrift durch Punkte ersetzt. Die Originale sind in Familienbesitz. Die Person kann aber durch den Vornamen und den seines Bruders identifiziert werden. Der Bruder ist ein paar Tage später ermordet worden. Beide sind auf dem Kölner Westfriedhof begraben.

ii Hier und in der nächsten Zeile ist das Blatt eingerissen.

iii "Dr. Fleck" ist der Falschname für den stellvertretende Anstaltsleiter Günter Hennecke.