1941 Juni 30 Heil- und Pflegeanstalt Hadamar an Herrn [...] i

Landes- Heil- und Pflegeanstalt

Hadamar

Hadamar b. Limburg/Lahn, den 30.6.41

Postschliessfach: Hadamar/Lahnkreis Nr.24

Fernruf: Hadamar/Lahnkreis 230

Bankkonto: Nassauische Landesbank, Landesbankstelle Limburg/Lahn, Nr.104673

Anstalt zurzeit für Besuche gesperrtii


Tgb.-Nr. E/75/37/Mi.
(Bei Antwort bitte angeben)

Herrn [...]

Troisdorf / Sieg

Sehr geehrter Herr [...] !

Im Nachgang zu unserem Schreiben vom 18.6.41 müssen wir Ihnen zu unserem Bedauern mitteilen, dass Ihre Ehefrau, Frau G[...], die im Rahmen von Massnahmen der Reichsverteidigung in unsere Anstalt verlegt werden musste, unerwartet am 30.Juni 1941 infolge einer Wanderrose mit anschliessender Blutvergiftung verstorben ist.

Da unsere Anstalt nur als Durchgangsanstalt für diejenigen Kranken bestimmt ist, die in eine andere Anstalt unserer Gegend verlegt werden sollen und der Aufenthalt hier nur der Feststellung von Bazillenträgern dient, deren sich solche bekanntlich immer wieder unter derartigen Kranken befinden, hat die zuständige Ortspolizeibehörde, um den Ausbruch und die übertragung ansteckender Krankheiten zu vermeiden, im Einvernehmen mit den beteiligten Stellen weitgehende Schutzmassnahmen angeordnet und gemäss § 22 der Verordnung zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten die sofortige Einäscherung der Leiche und die Desinfektion des Nachlasses verfügt[;] einer Einwilligung der Angehörigen bedarf es in diesem Falle nicht.

Der in die Anstalt mitgebrachte Nachlass wird nach der Desinfektion hier als Pfand für den Kostenträger zurückgelegt.

Wir erlauben uns, Sie höflichst darauf hinzuweisen, dass sich eine Beschädigung des Nachlasses durch die Desinfektion infolge Verwendung nachhaltigster Mittel sehr oft nicht vermeiden lässt und vielfach sowohl Versendung wie Herbeiführung eines Entscheides über Zuweisung des Nachlasses mehr Zeit und Kosten verursachen als der Nachlass wert ist. Wir bitten Sie deshalb, in Erwägung zu ziehen, ob es Ihnen nicht möglich ist, auf ihn zu verzichten, sodass wir ihn im Falle der Beschädigung der NSV und im anderen Falle bedürftigen Anstaltsinsassen zuweisen können.

Falls Sie die Urne auf einem bestimmten Friedhof beisetzen lassen wollen - die überführung der Urne erfolgt kostenlos - bitten wir Sie, uns unter Beifügung einer Einverständniserklärung der btr. Friedhofsverwaltung zu benachrichtigen. Sollten Sie uns diese nicht innerhalb von 14 Tagen zusenden, werden wir die Beisetzung anderweitig veranlassen, wie wir auch annehmen würden, dass Sie auf den Nachlass verzichten, wenn uns nicht innerhalb gleicher Zeit eine Mitteilung hierüber zugehen sollte.

Zwei Sterbeurkunden zur Vorlage bei Behörden fügen wir bei.

Heil Hitler!

[gez.] Solm/Sohniii

Anlage: 2


iFundstelle: Archiv der katholischen Pfarrei St. Hippolytus, Troisdorf.


iiStempelabdruck.


iiiNicht eindeutig lesbar, auf jeden Fall gefälscht.


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