1941 Juli 05 Der Reichsarbeitsminister, Vermerk über russische Kriegsgefangene i

Der Reichsarbeitsminister

Va 5135/5805 tg

ORR Dr. Kaestner.

Berlin, den 5. Juli 1941.

Geheim

Vermerk:

Am 4.7.41 fand im OKW. Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt eine Besprechung über den Arbeitseinsatz von russischen Kriegsgefangenen statt. An der Besprechung nahmen teil ausser Vertretern des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamts die Abteilung für Kriegsgefangenenwesen im OKW (Oberstleutnant Breyer und Major George) das Reichsernährungsministerium, die Dienststelle des Reichsleiters Rosenberg, ein Vertreter des Beauftragten für den Vierjahresplan (MR von Normann) und für das RAM der Unterzeichnete. Den Vorsitz inii der Besprechung führte Herr Oberstleutnant Krull.

In der Besprechung wurde zunächst festgestellt, dass nach den bisher von höchster Stelle erteilten Weisungen russische Kriegsgefangene überhaupt nicht in Arbeit eingesetzt werden sollen. Angesichts des dringenden Bedarfs der Wirtschaft und insbesondere der Landwirtschaft an Kriegsgefangenen sei jedoch das OKW bemüht, eine Freigabe von russischen Kriegsgefangenen für den Arbeitseinsatz zu erwirken. Im einzelnen ergab die Besprechung folgendes:

Zahl der zur Verfügung stehenden Kriegsgefangenen.

Wie viel kriegsgefangene Russen für den Einsatz im Reich gegebenenfalls zur Verfügung stehen werden, ist noch in keiner Weise zu übersehen. Es müsse aber beachtet werden, dass

a) eine grosse Anzahl von Kriegsgefangenen für Arbeiten in den besetzten Gebieten selbst benötigt werden (Erntebergung, Wiederaufbau usw.)

b) der Umfang der blutigen Verluste des Gegners grösser sein wird, als die Zahl der Gefangenen;

c) in das Reichsgebiet keine Angehörigen asiatischer Rassen überführt werden sollen;

d) Angehörige des ukrainischen und baltischen Volkstums voraussichtlich bald aus der Gefangenschaft entlassen werden.

Bedarf an Kriegsgefangenen.

Hierzu wurde von mir darauf hingewiesen, dass Ende Mai über 300.000 offene Stellen für Kriegsgefangene gezählt wurden und dass damit hiermitiii sich die Einsatzmöglichkeiten für Kriegsgefangene aber keineswegs erschöpfen, weil wegen des bisher bestehenden ständigen Mangels an Kriegsgefangenen viele Bedarfsträger überhaupt davon abgesehen hatten, Kriegsgefangene anzufordern. Ich verwies dabei darauf, dass die Gesamtzahl der offenen Stellen in der Landwirtschaft Ende Mai allein 430.000 betragen habe.

Oberstleutnant Breyer erklärte, er sei davon, ausgegangen, dass zur Deckung des bestehenden Bedarfs Kriegsgefangenen im Reich etwa 500.000 Gefangene benötigt würden. Demgegenüber verwies ich darauf, dass diese Zahl eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sei und dass, um 500.000 Kriegsgefangene für den Einsatz zur Verfügung zu haben, 6 – 700.000 Kriegsgefangene in das Reichsgebiet überführt werden müssten.

Abschliessend wurde noch festgestellt, dass weitere überlegungen über den Einsatz von Kriegsgefangenen erst dann zweckmässig seien, wenn feststeht, dass Kriegsgefangene im Reich in Arbeit eingesetzt werden dürfen und zu übersehen ist, mit wie viel Kriegsgefangenen aus dem Osten etwa gerechnet werden, kann. Es wurde ferner festgestellt, dass das Verfahren der Anforderung und Zuweisung von Kriegsgefangener für den Einsatz im Reich in gleicherweise gehandhabt werden soll, wie bei dem bisherigen Kriegsgefangeneneinsatz.

Nachdem von hier aus mit Schreiben vom 30.6.41 — Va 5135/955- der Herr Reichsmarschall des Grossdeutschen Reiches bereits darum gebeten wurde, sich für die Freigabe der Ostgefangenen für den Einsatz im Reich einzusetzen, ist von hier aus nichts weiter zu veranlassen.

2.) Herr RR Dr. Hoelk nach Rückkehr mit der Bitte um Kenntnisnahme.

I.A.

[mehrere Paraphen]


iBA Koblenz, R 41/168, Bll. 123 ff.


iihandschr. eingefügt.

iiihandschr. verbessert.


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