1890-1941 Joseph Frank aus Spich i

Als Joseph Frank am 9.8.1941 in Lindlar an den Folgen einer schweren Krankheit starb, schrieb der Pfarrer von Spich, Robert Werr, im Totenzettel:

[…] Vor seiner persönlichen Uneigennützigkeit und seinem Gerechtigkeitssinn musste jeder Hochachtung haben, und seinen Einfluss hat er zum Wohle vieler eingesetzt. Seit mehreren Jahren litt er an schleichender Krankheit, die zuletzt seine Kraft völlig aufzehrte. Vor der Zeit gebrochen galt auch von ihm das Wort: „In der Hälfte meiner Tage soll ich eingehen zu den Pforten des Totenreiches, vermissend den Rest meiner Jahre.“ […]

Joseph Frank wurde am 12.3.1890 in Trittenheim an der Mosel geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er das Malerhandwerk, er wurde Anstreichermeister. Am 16.8.1919 heiratete er in Spich Ursula Lützenkirchen. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Joseph Frank trat schon in jungen Jahren der SPD und den Gewerkschaften bei. Er war bei den Glanzstoffabriken in Köln-Mülheim beschäftigt und gehörte lange Jahre dem Betriebsrat, zuletzt als Vorsitzender, dieses Werkes an.

Als SPD-Mitglied wurde er am 10.7.1927 in den neuen Gemeinderat der Bürgermeisterei Sieglar gewählt, da sich Spich am 1.4.1927 der Gesamtgemeinde angeschlossen hatte. Bei den Kommunalwahlen am 17.11.1929 wurde er wiedergewählt und gleichzeitig auch in den Kreistag des Siegkreises entsandt. Bei den Kommunalwahlen am 12.3.1933 kandidierte er wieder zu beiden Gremien, obwohl Hitler schon mit der Unterdrückung der demokratischen Parteien begonnen hatte. Da die Siegkreis-SPD nur drei Mandate nach der Reserveliste erhielt und Joseph Frank an vierter Stelle stand, ging das Kreistagsmandat verloren. Aber auch die erneute Wahl in den Gemeinderat Sieglar war vergebens, da er schon am frühen Morgen des 13.3.1933 (um 5.00 Uhr) verhaftet wurde. Nach einer Hausdurchsuchung kam er in das Siegburger Gefängnis, zusammen mit anderen SPD- und KPD- Mitgliedern und Abgeordneten. Nach zahlreichen Verhören durch Polizei und SA sowie nach Vorsprache seiner Frau bei der Kreisverwaltung wurde er am 28.3.1933 entlassen.

Joseph Frank konnte zwar seine berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen, musste aber unter dem Druck der Ereignisse sowohl das Mandat als Gemeindeverordneter, als auch das des Betriebsratsvorsitzenden niederlegen. Die Annahme eine freigewordenen Kreistagsmandats konnte nicht mehr erfolgen, weil am 23.6.1933 die Hitlerregierung das Betätigungsverbot gegen die SPD wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit aussprach. Joseph Frank wurde überwacht und am 1.8.1933 wieder verhaftet; er blieb bis 30.10.1933 im Siegburger Gefängnis und wurde hier wie eine Verbrecher behandelt. Während des Gefängnisaufenthalts verlor J. Frank seine Arbeitsstelle. Seit dem 1.11.1933 war er erwerbslos. Er musste sich täglich bei der Gemeindeverwaltung in Sieglar melden.

Beim Bau der Autobahn Köln-Frankfurt wurde Josef Frank zwangsverpflichtet. Täglich fuhr er mit dem Fahrrad von Spich über Altenrath/Hasbach nach Rösrath. Er war einer Baukolonne im Aussendienst zugeteilt. Die für ihn ungewohnte Arbeit bei widrigen Witterungsverhältnissen führten zu einer Lungenentzündung, von der er sich nur vorübergehend erholte. Deshalb wurde er zu einer Arbeit bei einer Firma in Lülsdorf verpflichtet. Auch zu dieser Arbeitsstelle fuhr er täglich mit dem Fahrrad (ca. 20 km). Sein geschwächter Körper ertrug die Belastung nicht, so dass er Anfang 1940 an Tbc erkrankte und schliesslich in die Lungenheilstätte Lindlar eingewiesen wurde. Die ständigen Sorgen und Nöten in der Familie gingen an seiner Frau nicht spurlos vorüber. Diese starb am 28.5.1940. Danach pflegte ihn seine Tochter bis zur Aufnahme in die Heilstätte Lindlar. Joseph Frank starb am 9.8.1941 an den Folgen erlittener Drangsale durch die Nazis. Er wurde auf dem Spicher Friedhof beerdigt.

Nichts drückt seine Beliebtheit, seine Aufgeschlossenheit für die Belange der Bürger und seine Standhaftigkeit besser aus als der Satz, den seine Mitbürger über ihn äusserten: „Joseph Frank war ein Märtyrer.“ Der Sieglarer Gemeinderat benannte nach 1945 die „Josef-Frank-Strasse“ in Spich nach diesem ehrenhaften Mann.


iText: Matthias Dederichs, Kopie im StaT; Photo siehe Abb. 191.



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