1941 Dez 22 Der Reichsarbeitsminister, Vermerk i

Der Reichsarbeitsminister

Va 5135/ 10153/41 g

Berlin, den 22. Dezember 1941


Geheimii


MR. Dr. Letsch


Betrifft: Arbeitseinsatz von sowjetrussischen Kriegsgefangenen


V e r m e r k


Am 5.12.1941 nahm der Unterzeichnete an einer Besprechung bei Generalleutnant Reinecke teil, zu der Vertreter des Ostministeriums – Abteilung I (Leibrandt) und des Reichsführers-SS - Reichssicherheitshauptamt - (SS-Gruppenführer Müller) erschienen waren.

Es wurde folgendes besprochen:

1.) General Reinecke bat, aufgrund der neuen Lage bei den Aussonderungsmassnahmen durch die Dienststelle der Sicherheitspolizei auf Facharbeiter der Mangelberufe besonders Rücksicht zu nehmen. Gruppenführer Müller erklärte, dass insgesamt bisher nur rund 22.000 russ.iii Kriegsgefangene ausgesondert und von diesen etwa 16.000 liquidiert worden seien. Er habe volles Verständnis für die Lage und sei bereit, seine Dienststellen nochmals anzuweisen, im Zweifel die für den Arbeitseinsatz wertvollen Kräfte von der Aussonderung zurückzustellen.

2.) ferner wurde über die Einstellung der Entlassung der ukrainischen KGef. gesprochen. Die Vertreter des Ostministeriums baten hierzu, doch wenigstens gewisse Kräfte für die örtlichen Heimwehren und Milizen zur Entlassung zu bringen. Auf meinen Vorschlag wurde dieser Anregung nicht entsprochen, so dass also sämtliche Ukrainer weiter in der Kriegsgefangenschaft bleiben.iv

3.) Das Ostministerium hat in den Kriegsgefangenenlagern gewisse Kräfte für seine eigenen Zwecke durch besondere Kommissionen ausgesucht, insbesondere für den Ordnungsdienst und Propagandisten. Entsprechend meinem Vorschlag bestätigt das Ostministerium, dass diese Kräfte für den Arbeitseinsatz freigegeben werden, lediglich etwa 1.200 Propagandisten sollen noch zurückgestellt werden.

Im einzelnen ist zu dem Besprechungsergebnis Besonderes nicht zu veranlassen, da entsprechende Massnahmen den zuständigen Stellen bereits eingeleitet sind.

[gez.] [Unterschrift] 20/12.


Vorzulegen:

Herrn Min. Direktor Dr. Mansfeld [Paraphe]

„ Min. Direktor Dr. Beisiegel [Paraphe]

„ Min.Rat Dr. Timm [Paraphe]

„ ORR. Dr. Hölk [Paraphe]

„ ORR. Meincke [Paraphe]

„ RR. Dr. Fischer [Paraphe]

zur gefl. Kenntnisnahme.

z.d.A.

I.A.

[Paraphe]


iBA Koblenz, R 41/168, Bl.203 f.

iiStempelabdruck.

iiihandschr. ergänzt.

ivam Rand handschr. angestrichen.


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