1942 Juli 24 Aussage des Angehörigen der Abt. IV des KdS/BdS Minsk, Johann Paul Rumschewitsch, über die Exekutionsstätte Blagowschtschina (bei Maly Trostinez) i

Diese Exekution fand nach meiner Erinnerung im Sommer 1942, vermutlich im Juli, statt. Nach meiner Erinnerung musste die Dienststelle abends antreten. Es wurde uns bekanntgegeben, dass am nächsten Tag eine Judenaktion stattfinden würde. Es erfolgte hierbei eine Einteilung [...]

Am frühen Morgen des nächsten Tages, es mag gegen 5 und 6 Uhr gewesen sein, fuhr ich mit anderen auf einem Lkw zur Exekutionsstätte in der Nähe des Gutes Trostenez. Dort waren bereits zwei Gruben ausgehoben. Während meiner Anwesenheit wurde nur an einer Grube erschossen. Die zweite war, als ich abends einrückte, noch leer. Die Grube, die an diesem Tage „gefüllt“ wurde, war etwa 40 Meter lang, ca. 5 Meter breit und vielleicht 3 Meter tief. Mit mir fuhren zur Exekutionsstelle, ausser anderen Dienststellenangehörigen, auch die Angehörigen des Lettenkommandos, das etwa 40-60 Mann stark war. An Ort und Stelle erfolgte eine weitere Einteilung durch Dr. Heuser. Dr. Heuser hatte die Leitung der Exekution, woran ich mich noch genau erinnern kann. Neben anderen Kameraden wurde ich zunächst zur Absperrung eingeteilt.

Nicht lange nach unserem Eintreffen an der Exekutionsstelle kamen die ersten Lkws mit Juden an. Diese mussten sich ausziehen und wurden dann zur Grube gebracht. Ein Grossteil der Juden ging ruhig zur Grube, andere mussten hingetrieben oder hingeschleift werden. Ich schätze, dass ich bis etwa 11 Uhr absperrte. Dann wurde ich dem Kommando zugeteilt, das die Entkleidung der Juden und ihre Zuführung zur Grube überwachen bzw. durchzuführen hatte. Hier wurde ich am frühen Nachmittag abgelöst. Die Ablösung ging wie folgt vonstatten: Bisher hatte Dr. Heuser geschossen, was ich selbst sehen konnte. Er trat nun zu mir und sagte: „ Gehen Sie nun ran, ich bin fertig. „ Ich ging nun selbst zur Grube. Diese war zu diesem Zeitpunkt etwa halb mit Leichen gefüllt. Die Zuführung ging zumindest zu diesem Zeitpunkt, als ich schiessen musste, nicht mehr geordnet vor sich. Von den Juden, die nicht freiwillig zur Grube gingen, liefen manche am Grubenrand entlang, andere warfen sich sofort in die Grube, ohne getroffen worden zu sein.

So kam eine Unruhe in die Exekution. Ich konnte beobachten, dass solche, die bereits in de Grube lagen, sich noch bewegten. Dies veranlasste mich, nachdem ich etwa drei- bis viermal mit der Pistole geschossen hatte, zur Munitionsausgabestelle zu gehen und meine MP zu holen. Mit dieser schoss ich dann weiter auf die, die sich in der Grube noch bewegten. Auf vorgeführte Juden schoss ich dann nicht mehr. Mit der MP schoss ich zunächst im Einzelfeuer gezielt. Dann konnte ich dies aber nicht mehr mit ansehen und verschoss den Rest des Magazins blind in die Grube.

Ich ging von der Grube weg zu Heuser und sagte zu ihm, der in der Nähe des Entkleidungsplatzes stand: „Ich kann nicht mehr. „ Er erwiderte: „ Mach dich weg.“ Ich habe mich dann an der Entkleidungsstelle betätigt. Die Exekution dauerte bis gegen Abend. [...]

Es handelte sich um russische Juden. Erschossen wurden an diesem Tage Männer und Frauen und auch vereinzelt Kinder. Ich erinnere mich noch daran, dass mehrere erwachsene Juden ein Kleinkind zwischen sich genommen hatten, während sie zur Grube gingen. Es waren etwa 20 Dienststellenangehörige, darunter auch Letten, als Schützen eingeteilt. Etwa in Abständen von 3 Minuten wurden die Juden an die Grube gebracht. Manchmal dauerte es auch 5 Minuten.

Eine Pause in Form, dass die Exekution zum Stillstand gekommen wäre, gab es nicht. Wer etwa essen wollte, ging an den Wagen, auf welchem sich die Munition, Verpflegung und auch Getränke befanden. Mir ist niemand bekannt, der sich einem derartigen Befehl (als Schütze eingesetzt zu werden) widersetzt hat.


iFundstelle: Zentralstelle Ludwigsburg; hier nach: CORBACH, Seite 168 f; Photos von Maly Trostinez siehe Abb. 132 ff.