1942 Juli 29 Aktenvermerk des Steuerinspektors C. i

Bonn, 29.Juli [19]42

Aktenvermerk.

1. Auf Veranlassung der Gestapo wurden am 28. ds. Mts. die von den abgeschobenen Juden im Hause Kapellenstr. 62 in Bonn zurückgelassenen Einrichtungsgegenständen[!] besichtigt.

Zugegen waren seitens der Gestapo: Krim.Rat Pr[...],

Krim.O.Sekr. Se[...],

des Finanzamtes: Steuer-Insp. C[...]

zugezogen war der vereidigte Sachverständige Taxator Karl Vi[...] in Bonn.

In den von den Juden bewohnten Räumen, Fluren, Glashalle u. in der früheren Kapelle befinden sich Einrichtungsgegenstände aller Art.

Ein Inventarverzeichnis ist nicht vorhanden, wohl befinden sich in den bewohnt gewesenen Räumen einzelne Inventar-Verzeichnisse. Die einzelnen Einrichtungsgegenstände sind mit dem Namen des betr. Juden bezeichnet.

Das vorhandene Kleider- u. Wäschelager soll nach Angabe der Gestapo der Bezirksvereinigung der Juden in Deutschland gehören. Inwieweit dies zutrifft, wird noch durch die Gestapo geklärt.

über die Fahrräder u. elektr. Geräte verfügt weiterhin die Gestapo, weil diese Gegenstände durch eine besondere Aktion schon früher eingezogen worden sind.

Im Geldschrank wurden noch Spendenbeiträge vorgefunden, die für die Bezirksvereinigung der Juden bestimmt gewesen sein sollen und die durch die Gestapo noch abgeführt werden.

Der Wert der gesamten Einrichtungsgegenstände wird durch den Sachverständigen auf etwa 80 - 100.000 RM geschätzt.

2. Im Hause befinden sich weiterhin noch die Einrichtungsgegenstände des früheren Klosters. Die Verwaltung dieses Vermögens befindet sich noch in den Händen des Krim.Rats P. Dieses Vermögen ist nach Angaben des Krim.Rats P. eingezogen. Der Verkauf dieser Gegenstände soll nunmehr ebenfalls durchgeführt werden. Bezgl. dieser Gegenstände soll ein Verzeichnis vorliegen.

3. Die Verwertung der Einrichtungsgegenstände hat auf Anweisung des Oberfinanzpräsidenten durch das Finanzamt zu erfolgen. Nach den Erfahrungen der Gestapo u. des Sachverständigen erfolgt die Verwertung zweckmässig in der Weise, dass durch den Taxator Vi[...] die gesamten Einrichtungsgegenstände versteigert werden. Als Käufer werden vorerst nur Fliegergeschädigte zugelassen. Der Verkauf muss ausserhalb des Hauses Kapellenstr.6 erfolgen, und es darf nicht darauf hingewiesen werden, dass es sich um Einrichtungsgegenstände von Juden handelt.

Der Kreisleiter ist mit dieser Regelung ebenfalls einverstanden.

4. Im Anschluss an diesen Verkauf sollen dann die Einrichtungsgegenstände des Klosters erfolgen.

5. Mit Rücksicht auf die Brandgefahr, Fliegerangriffe, Einbruch usw. muss alsbald mit der Räumung des Hauses und der Versteigerung begonnen werden.

6. Dem Herrn Amtsvorsteher [des Finanzamtes Bonn] wurde hierüber Bericht erstattet.


iFundstelle: HStAD, BR 1202, Nr.1371 .