1944 Feb 10 Generalfeldmarschall Erhard Milch in der 53. Besprechung ... der „Zentralen Planung“ im Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion i

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M i l c h : [...] Infolgedessen ist es gar nicht möglich, jeden Ausländer voll auszunutzen, es sei denn, dass der Akkord ihn zwingt und dass wir die Möglichkeit haben, gegen Ausländer, die ihren Kram nicht machen, vorzugehen. Fasst aber der Betriebsobmann einmal einen Kriegsgefangenen an und haut ihm eine Ohrfeige, gibt es sofort den grössten Klamauk; der Mann kommt ins Gefängnis usw. Es gibt genug Instanzen in Deutschland, die es für ihre Hauptpflicht halten, nicht für die Kriegsproduktion, sondern für die Menschenrechte anderer einzutreten.

Ich bin auch für die Menschenrechte; aber wenn ein Franzose erklärt: „Ihr Burschen werdet alle aufgehängt, dem Betriebsführer wird als erstem der Hals abgeschnitten“ und wenn dann der Betriebsführer sagt: „Dem haue ich eine herunter“, dann ist er hereingefallen. Es gibt keinen Schutz für ihn, nur den Schutz für den „armen Kerl“, der das gesagt hat.

Ich habe meinen Ingenieuren gesagt: „Wenn ihr einem solchen Mann nicht eine herunter haut, bestrafe ich euch; je mehr ihr auf diesem Gebiete tut, um so mehr werdet ihr von mir gelobt; es passiert euch nichts; dafür stehe ich ein“. Das hat sich noch nicht herumgesprochen. Ich kann ja nicht mit jedem Betriebsführer sprechen. Aber ich möchte den sehen, der mir da in den Arm fällt, weil ich die Möglichkeit habe, mich mit jedem, der mir in den Arm fällt, auseinanderzusetzen. Wenn der kleine Betriebsführer das macht, kommt er in das Kz [=Konzentrationslager, und es droht ihm auf der anderen Seite Entziehung der Kriegsgefangenen.

In einem Fall haben zwei russische Offiziere sich eine Maschine genommen und sind gestartet. Sie haben aber Bruch gemacht. Ich habe sofortiges Aufhängen der Leute befohlen. Sie sind gestern erhängt oder erschossen worden. Das habe ich der SS überlassen. Ich wollte sie im Betrieb gehängt haben, damit die anderen es sehen. Bestimmt kommt nachher eine grosse Schweinerei. Es gibt sicher jemand, der sich für die Kriegsgefangenen einsetzt. [...]


iFundstelle: BA, R 3/1721, Bl.73 f.