1944 Feb 29 Vortrag des Kommandeurs der Kriegsgefangenen i

Abschrift.

Der Generalbevollmächtigte für die Regelung der Bauwirtschaft

Hösel, am 10.März 1944

Haus Henkel

Der Beauftragte Ruhr

Ruf: Düsseldorf 13562

D 6-91/44 Mülheim 40445/46



An den

Baubevollmächtigten

im Bezirk der Rüstungsinspektion VI

Der Gaubeauftragte im Gau Köln-Aachen

Köln

Heumarkt 72

Betr.: Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen

Anliegend überreiche ich einen Auszug aus einem Vortrag des Kommandeurs der Kriegsgefangenen vor Offizieren am 29.2.1944. Ich bitte um Kenntnisnahme und, soweit erforderlich, Bekanntgabe an die Ihnen nachgeordneten Stellen.

gez. Gunschmann

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Der Baubevollmächtigte Köln, am 12.April 1944

im Bezirk der Rüstungsinspektion VI Heumarkt 72

Der Gaubeauftragte Fernruf 7 37 47

im Gau Köln-Aachen

V/Mü/Hu.

An die Herren Leiter der Sofortmassnahmen )

An sämtliche Baupolizeibehörden ) im Gau Köln-Aachen

An die Herren Vertrauensmänner )

Nachrichtlich:

An den Herrn Gaubeauftragten

des Hauptausschusses Bau im Gau Köln-Aachen

Köln, Cardinalstr.6

Abdruck übersende ich zur gefl. Kenntnisnahme mit der Bitte, mich von festgestellten Missständen beim Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen umgehend in Kenntnis zu setzen.

Anlage!

In Vertretung:

Beglaubigt: gez. Lentzen

[gez.] [Unterschrift]

Beh[örden-]Ang[estellte(r)]

iiDer Gaubeauftragte

im Gau Köln-Aachen

Der Generalbevollmächtigte f.d.

Regelung d. Bauwirtschaft

[folgt Seite 2]

Abschrift.

Auszug aus einem Vortrag vor Offizieren des Kommandeurs der Kriegsgefangenen

Arbeitseinsatz und Arbeitsleistung der Kriegsgefangenen im Blickpunkt der Rüstungsinspektion

4) Wir führen Kampf mit deutschem Blut für ganz Europa. Deshalb das Mindeste, was zu verlangen ist, restloser Arbeitseinsatz der Ausländer einschl. der Kriegsgefangenen!

Der deutsche Arbeiter gibt sein äusserstes her, macht überstunden und Sonntagsarbeit / Bergbau! Deshalb darf Ausländer und Kriegsgefangener nicht anders behandelt werden.

Festgestellt, dass Wachmannschaften mit Kriegsgefangenen nach bestimmter Stundenzahl rücksichtslos abrücken, dringende Arbeiten - wie Ent- und Beladen - nach Feierabend oder an Sonntagen ablehnen!

5) Festgestellt, dass Ansehen der deutschen Belegschaftsmitglieder gegenüber Kriegsgefangenen durch Wachmannschaften und Off. des Wachabschnitts nicht gewahrt wird. Strafen für deutsche Betriebsangehörige, verhängt durch Off. des Wachabschnittes, den Ausländern bekannt geworden.

Das stört die Arbeitsdisziplin, überhaupt jede Disziplin und reizt Kriegsgefangene zur Aufsässigkeit!

6) Nur Strafbefugnis gegenüber den deutschen Gefolgschaftsmitgliedern, die Dienst als Hilfswachmannschaften tun.

7) Verfügung des R.M.f.R.u.K.iii vom 23.12.43 an die Betriebsführer.

Anlass Tatsache, dass Leistung der Kriegsgefangenen durchweg ergeblich[!] hinter der des deutschen Arbeiters zurückbleibt.- „Vermeiden, dass der deutsche Arbeiter in 10-12 stündiger Akkordarbeit sein Bestes gibt, während der Kriegsgef. gemächlich im Zeitlohn Arbeitsstunden abbummelt.[„] Anreiz Lohnregelung durch GB. Arb.iv v.8.9.1943

ärztliche Betreuung: Lagerarzt Gesundheitszustand nicht zutreffend beurteilt!

Jetzt Anweisung bekannt geworden, wie Krankheiten vorgetäuscht werden können!

Ausserhalb des Betriebes wird Disziplin von den Kommandanten der Kriegsgef.-

Mannschaftsstammlager ausgeübt. Während der Arbeit unterstehen die Kriegsgef. der Arbeitsdisziplin in den deutschen Betrieben. Sie wird durch Hilfswachmannschaften ausgeübt, die von der[!] Stalag auf Vorschlag der Polizeibehörde aus der deutschen Gefolgschaft bestimmt werden. Sie erhalten hierüber eine Bescheinigung, treten in kein Arbeitsverhältnis zur Stalag, sind aber gem. § 35 des Wehrgesetzes in Bezug auf Waffengebrauch den für Soldaten geltenden Vorschriften unterstellt. Sie können also in schweren Fällen von der Waffe Gebrauch machen, um den Widerstand der Kriegsgefangenen gegen Anordnungen des Betriebsführers oder betrieblicher Unterführer zu brechen.

Dies sehr klar und sehr wichtig!

Strafen milderer Art: zweierlei Essen, Entzug von Rauchwaren, zusätzliche Nacht- und Sonntagsarbeit. [...]

[folgt Seite 3]

8 g) Wiedereinsatz geflohener Kriegsgef. an alter Arbeitsstätte erwünscht, für Fachkräfte erforderlich. (RM. vom 28.1.44). Sonst glaubt Kriegsgef., sich drücken zu können.

[...]

9) Ausländergefahr Mit Unruhen etwa zu rechnen. Deshalb scharfe Aufsicht nötig. Lager auf Waffen untersuchen.

Jetzt Massnahmen gegen Unruhen und Sabotagen im Gange. Auch Ihre Unterstützung erbeten.

[...]


iFundstelle: StaT, Bestand Sieglar 274.


iiSiegelabdruck.


iiid.i. Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion, d.i. Albert Speer.


ivd.i. Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, d.i. Sauckel.