1944 Juli 21 „Zwölf blieben am Leben“ - Der Bericht eines Entkommenen i

Hundertundneunzehntausend Juden lebten in Minsk, als die Nazis es besetzt hielten. 80,000 waren Einwohner der Stadt, 39,000 waren aus Wien, Prag und Berlin dorthin verbracht worden. Als die Russen die Stadt zurückeroberten, fanden sie noch zwölf Juden vor. Alle anderen waren erbarmungslos ermordet worden.

Ignatz Burstein, einer der zwölf, erzählte seinen grauenhaften Bericht einem Korrespondenten der Jewish Telegraphic Agency vor den Ruinen eines verkohlten Gebäudes, des gleichen Hauses, in dem er und seine elf Genossen, alle hochqualifizierte Arbeiter, gezwungen wurden, deutsche Militärfahrzeuge zu reparieren.

[...] Sie wurden in ein Straflager gebracht und dann nach [Maly] Trostinetz, acht Meilen von Minsk entfernt.

Lager Trostinetz

Das war das Todeslager für tschechische, deutsche und österreichische Juden. Im ganzen wurden während des Jahres 1942 39,000 Juden nach Trostinetz transportiert. Von jeder Gruppe von 1000 Köpfen durften nur 5 bis 30, und zwar nur gelernte Arbeiter, leben bleiben. Im ganzen blieben 500 Personen in Trostinetz verschont. Sie wurden damit beschäftigt, die Kleider der ermordeten Juden zur Versendung nach Deutschland zu sortieren. Andere, darunter Burstein, wurden jeden Morgen in die Auto-Reparatur-Werkstätten in der Stadt [Minsk] gebracht und mussten abends in das Lager zurückkehren.

Die Liquidierung des Minsker Ghetto

Im Herbst 1943 fingen die Deutschen an, das Ghetto in Minsk aufzulösen. 8000 Juden wurden nach Lublin gebracht und dort getötet, während mehrere Tausend in Trostinetz hingerichtet wurden. [...]

[Am 2. Juli 1944 rückte die Rote Armee in Minsk ein.]


iFundstelle: Aufbau, New York, 21.07.1944.