1947 Juli 31 Affidavit Max Zeidelhack (1) i

DOCUMENT NO. NI-9192

OFFICE OF CHIEF OF COUNSEL FOR WAR CRIMES

Erklaerung unter Eid

Ich, Ministerialdirigent a.D. Dr. Max Zeidelhack, z. Zt. wohnhaft in Muenchen, Von der Pfordtenstr.25, seit 1934 zuerst Angestellter, dann Regierungsrat und Oberregierungsrat im Heereswaffenamt, seit 1935 Ministerialrat daselbst und von 1940 bis Januar 1945 Ministerialdirigent im Heereswaffenamt, [...] stelle hiermit freiwillig und ohne Zwang folgendes fest:

1. Von 1938 - 1943 war ich Abteilungschef der Betriebswirtschaftlichen Abteilung, die die Kaufmaennischen und Vertragsangelegenheiten der Industrie bearbeitet hat. Von 1935 bis Januar 1943 war ich ausserdem erster Geschaeftsfuehrer der Gesellschaft: Verwertungsgesellschaft fuer Montanindustrie GmbH., deren Anteile in Haenden des OKH waren.

2. Die I.G. und die DAG. traten in einer Reihe von Faellen an das Heereswaffenamt heran in der Absicht, dieses von der Notwendigkeit von Bauvorhaben zu ueberzeugen und den Bauauftrag zu erhalten. [...]

3. In anderen Faellen kam die Initiative fuer das Erweiterungsprogramm vom Heereswaffenamt. Dies traf insbesondere in Faellen zu, wenn in Folge Rohstoffmangels andere als die seither benutzten Ausgangs- und Uebergangsprodukte zur Fabrikation benutzt werden mussten. Es wurde dabei im Heereswaffenamt zu einer fast selbstverstaendlichen Uebung, bei Planung auf dem chemischen Sektor ausschliesslich an die I.G. heranzutreten. Die Begruendung dafuer lag darin, dass die I.G. auf dem Gebiete der Forschung und Entwicklung von heereswichtigen Stoffen ueberragend war. Diese Tatsache fand ihren schlagenden Ausdruck darin, dass von insgesamt 76 chemischen Bauvorhaben des Heereswaffenamtes nicht weniger als 75 von der I.G. ausgefuehrt und in Betrieb [sic!] bezw. kontrolliert wurden.

4. Zur Durchfuehrung der Bauvorhaben des OKH wurden der I.G. und den ihr angeschlossenen Gesellschaften Milliarden [Reichsmark] vom Reich zur Verfuegung gestellt. Wie die beiden anderen Wehrmachtsteile, hat auch das Heer die Finanzierung der fabrikatorischen Vorhaben auf von einander verschiedenen rechtlichen Grundlagen versucht und durchgefuehrt. Die folgenden Finanzierungsarten kamen bei Vorhaben des OKH in Vertraegen mit der I.G. und ihren Tochtergesellschaften zur praktischen Durchfuehrung:

a. Heereseigene Vorhaben (Montananlagen).

Die Verwertungsgesellschaft fuer Montanindustrie GmbH. („Montan“) war eine Gesellschaft, deren Anteil[e] sich im Besitz des OKH befanden. Sie war zu dem ausschliesslichen Zweck 1934 eingesetzt worden, die Ruestungsproduktion in den mit Heeresmitteln gebauten Werken kaufmaennisch zu ueberwachen und die Liegenschaften zu verwalten.

Zwischen der Mutterfirma, z.[B.] der DAG., wurde ein Mantelvertrag mit dem OKH abgeschlossen. In diesem Mantelvertrag verpflichtete sich die Muttergesellschaft, die Anlage mit Reichsmitteln zu bauen und eine Tochtergesellschaft als Betriebsfirma einzusetzen. Diese Tochtergesellschaft, z.B. die Verwertchemie, schloss alsdann mit der Montan einen Pachtvertrag auf 15 oder 20 Jahre ab. Die Tochtergesellschaft verpflichtete sich in diesem Vertrag, das Werk mit eigenem Betriebskapital zu betreiben. Die Montan war am Gewinn beteiligt.

Das gesamte Investitionskapital wurde also vom OKH zur Verfuegung gestellt, waehrend die Betriebsmittel von der Tochterfirma aufgebracht wurden.

Die Montan verwaltete insgesamt Ende 1942 108 Anlagen auf dem metallverarbeitenden und chemischen Sektor. Hiervon waren 76 Anlagen chemischer Natur. 75 dieser chemischen Anlagen wurden von der I.G. und ihren Tochterfirmen betrieben und zwar im wesentlichen 6 von der I.G. selbst, 6 von der DAG., 32 von der Verwertchemie, 9 von der Sprengchemie, 5 von Wolff & Co., 5 vom Lonalwerk, usw.

Der Grund und Boden, wie auch die Gebaeude und apparativen Einrichtungen fuer die Montanwerke gehoerte[n] regelmaessig dem Reich. [...]

Die I.G. bestand auf dieser Form der Finanzierung in allen Faellen, in denen die Produktion Kriegsproduktion war und mit einem gesicherten Friedensabsatz nicht zu rechnen war.

b. Eigenfinanzierung

Zur Selbstfinanzierung von Erweiterungs- oder Neuanlagen hat sich die I.G. nur verstanden, wenn es darum ging, die in Deutschland bestehende Naturproduktion durch ihre Ersatzprodukte aus dem Feld zu schlagen. Dies war der Fall bei der Herstellung des kuenstlichen Benzins, bei Ersatz der Baumwollartikel durch Buna, bei der Ersparung von Blech durch Phenolprodukte, bei der Gewinnung von Oel aus Kohle. Welche Garantien, Beihilfen, Steuererleichterungen usw. der I.G. vom Wirtschaftsministerium oder anderen Stellen in Zusammenhang mit obigen Produkten gegeben worden sind, ist mir nicht bekannt.

c. Sonstige Finanzierungsformen bei Vertragsabschluessen zwischen dem OKH und der I.G. kamen meines Wissens nicht in Frage. Insbesondere hat die I.G. weder von der Moeglichkeit zinsloser Darlehen noch von verlorenen Zuschuessen in Vertraegen mit dem OKH bis zum Jahre 1942 Gebrauch gemacht, da sie nicht unter den Begriff der subventionierenden Firma fallen wollte. [...]

gez. Dr. Zeidelhack Max

[Nuernberg, 31.7.1947]

1947 Juli 31 Affidavit Max Zeidelhack (2), Auszug ii

DOCUMENT NO. NI-9193

OFFICE OF CHIEF OF COUNSEL FOR WAR CRIMES

Erklaerung unter Eid

[...]

2. Die Montan verwaltete vor Ausbruch des Krieges 1939 insgesamt 62 in Betrieb und im Bau befindliche heereseigene Vorhaben. [...]

3. Von den 62 Montan-Betrieben waren 25 metallverarbeitende Betriebe und 37 chemische Betriebe. Von den 37 chemischen Betrieben wurden 36 von der I.G., der DAG, der Verwertchemie und der Deutschen Sprengchemie gebaut und betrieben. Den Kapitalwert dieser 36 Betriebe schaetze ich auf 1,2 Milliarden RM.

[...]

6. Die I.G. und ihre Tochtergesellschaften haben in den Montan-Betrieben alle Pulversorten, Sprengstoffe und deren chemische Vorstufen hergestellt und die dazugehoerigen Fuellstellen betrieben.

[...]

gez. Dr. Zeidelhack Max

[Nuernberg, 31.7.1947]


iAbschrift in: BA Koblenz, AllProz 2, NI 9192.


iiAbschrift in: BA Koblenz, AllProz 2, NI 9193.