1950 Juli 09 über Philippe Couvreur i

Während des Krieges kamen in den Siegkreis viele fremdländische Zwangsarbeiter, die in den heimischen Industriewerken beschäftigt wurden. Um den Arbeitern französischer Zunge eine seelsorgliche Betreuung zu gewähren - den deutschen Geistlichen war das Betreten der Wohnbaracken fremder Arbeiter verboten - meldeten sich in wachsender Zahl französische Geistliche, um als Zivilarbeiter nach Deutschland zu gehen — das deutsche Reich hatte sie von der Zwangsarbeit befreit. Diese Priesterarbeiter hielten nun Gottesdienst, spendeten die Sakramente und standen in jeder Weise ihren Landsleuten helfend zur Seite, unterstützt im Geheimen von deutschen Ordensschwestern, Priestern und Laien.

über diese Arbeit und ihre Erfolge im Siegkreis unterrichtete zuerst im Jahre 1947 das Werk „De Notre Dame du Puy à Buchenwald" des Abbe Louis Brun, der im Siegburger Krankenhaus als Sanitäter wohnte, und der in grosser Dankbarkeit die Franziskanerinnen des Städtischen Hospitals lobte. Jetzt erscheint in den Editions franciscaines in Paris (9, Rue Marie-Rose) ein neues Werk „Philippe", das uns das Leben eines französischen Seminaristen Philippe Couvreur schildert, der als Mitarbeiter des genannten Priesters Brun versucht hat, unter seinen Landsleuten in Köln, Siegburg, Hersel, Hangelar, Troisdorf, Hennef, Bonn das „Angesicht der Erde zu erneuern." Philipp Couvreur war Arbeiter im Laboratorium der Dynamit AG. in Troisdorf und war in allen Stunden, die er von seiner Arbeit freimachen konnte, ein unermüdlicher Helfer und Berater der Zwangsarbeiter und Arbeiterinnen. Viele Seiten Briefe aus Troisdorf beweisen seinen Eifer. Er bittet seine Angehörigen um Bücher für die Baracken, er spricht über die Enttäuschungen, die ihm seine Landsleute bereiten, erzählt von einer Erstkommunion, die er vorbereitet, berichtet von einem Einkehrtag, der im Siegburger Hospital stattgefunden hat — „les Soeurs sont épatantes" — die Schwestern sind grossartig — und man spürt aus jedem Wort, das er schreibt, dass in dem jungen Geistlichen Apostelgeist lebt.

Erwähnt finden wir auch in dem Werk den Betreuer der kranken französischen Kriegsgefangenen auf dem Michaelsberg, Abbe Pierre Moreau — der im Lazarett — dem Geist der Wehrmacht entsprechend — eine grössere Freiheit in der Betreuung seiner Landsleute hatte als die französischen Arbeiterpriester, und der dem jungen Confrater geistiger Führer war. (Leider ist P. Moreau kurz nach dem Krieg in Frankreich gestorben.)

Tragisch das Ende von Philipp Couvreur — einen Monat vor Schluss der Feindseligkeiten in der Heimat! Am 9. März besucht er in Geistingen seine Kameraden — "Wenn mir etwas passieren sollte, gebt meine Kleider einem, der sie nötig hat", waren seine Worte am Morgen dieses Tages — darunter einen französischen Geistlichen, gerät in einen Bombenteppich, der auch die Kirche niederlegt, wird von einem Splitter in den Rücken getroffen, erhält die Absolution von dem ebenfalls verwundeten Geistlichen und wird dann im Garten des Altersheims der Franziskanerinnen aufgebahrt und später in seine Heimat überführt. — Der Schluss des Buches bringt Auszüge aus Briefen seiner deutschen und französischen Freunde, die von seiner Arbeit berichten. „Er war der Apostel des Troisdorfer Lagers[„].

Wenn er auch nicht Priester war, wurde er doch als Lagerpfarrer angesehen. Jeden Mittwochabend war in der Troisdorfer Pfarrkirche Hl. Messe mit Kommunion der Franzosen. Er betete vor, und alle beteten nach. Und selbst im Lager gelang es ihm, eine Anzahl Kameraden zu sammeln, mit denen er gemeinsam unter freiem Himmel das Abendgebet sprach. Er gehörte zu denen, die das Opfer ihres Lebens gebracht haben, ohne Vorbehalt, ohne Bedauern; [„] er lebte nur für die andern", so schreibt einer von denen, die er betreute. Und ein deutscher Priester, der ihn kannte, schreibt: „Er war ein wirklicher Zeuge Christi — ein Märtyrer — unter seinen Kameraden." Das Buch „Philipp" gehört nicht nur den Franzosen, sondern auch dem Siegkreis, da bei uns ein Philipp Couvreur in schwerster Zeit Märtyrer und Heiliger geworden ist.

Bers - Siegburg.


iKirchenzeitung für das Erzbistum Köln, Beilage Siegburg, 9. Juli 1950. Fundstelle: StaT, Bestand NA 3, Nr.7, dort auch sein Photo (Abb. 45).