1992 Jan 31 „Kunststoff-Sparte wird immer wichtiger für Dynamit Nobel“ i

Sieben Prozent Umsatzplus in 1991 - Note „befriedigend“

Von Klaus Elsen

Troisdorf. Die Note „befriedigend“ gab gestern Dr. Axel Homburg, Vorstandsvorsitzender der Dynamit Nobel AG, dem Geschäftsjahr 1991. Der seit dem 1. Januar unter dem Dach der Frankfurter Metallgesellschaft firmierende Troisdorfer Konzern erreichte 1991 in allen Sparten ein Umsatzplus und steigerte zudem seinen Gewinn.

Nachdem Dynamit Nobel (DN) 1990 weltweit einen Umsatzzuwachs von 33 Prozent erzielte (vorwiegend durch den Kauf neuer Tochterfirmen), steigerte der Konzern 1991 sein Geschäftsvolumen um sieben Prozent auf 1,77 Milliarden Mark. Im Inland kletterte der DN-Umsatz nach der 1988 vollzogenen Umstrukturierung (Abgabe der Chemie-Aktivitäten an die Hüls AG und Verkauf der Rest-DN an die schwedische Stora-Gruppe) erstmals wieder über die Milliarden-Grenze.

Im Ausland erreichte DN einen Umsatz von 670 Millionen Mark. Daran waren die deutschen Werke mit 280 Millionen Mark beteiligt, was eine Export-Quote von 26 Prozent bedeutet. Die Zahl aller DN-Mitarbeiter liegt derzeit bei 8 500 - und damit knapp unter der des Vorjahres (8 500). Im Stammwerk Troisdorf sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Der Gewinn wurde um drei Prozent auf rund 78 Millionen Mark gesteigert.

Weiter verschoben hat sich die Gewichtung der einzelnen Sparten am Gesamtumsatz. Lag der Anteil von Sprengmitteln, Zündstoffen und Wehrtechnik vor der DN-Neuordnung noch bei 75 Prozent, sind es jetzt nur noch 50 Prozent. Die andere Hälfte des Konzern-Umsatzes entfällt inzwischen auf die Sparte Kunststoffe, die in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Zuwächse erreichte. Homburg: –Mit der ausgewogenen Unternehmensstruktur haben wir eines der wichtigsten Ziele erreicht, die wir uns 1988 bei der Neuordnung gesetzt hatten.

Der Geschäftsbereich Zündmittel und Sprengstoffe - überwiegend in Troisdorf und Würgendorf sowie bei der Schweizer Tochter Rohner in Pratteln angesiedelt - brachte mit 338 Millionen Mark den gleichen Umsatz wie 1990. Zuwächse erhofft sich Homburg in den nächsten Jahren in Troisdorf vor allem durch die Produktion von nichtelektrischen Sprengzündern für Bergbau, Seismik, Tunnelbau und ähnliche Anwendungsgebiete.

Ebenfalls in Troisdorf sollen künftig sogenannte „Perforatoren“ produziert werden, die in erster Linie in der erdölfördernden Industrie zum Einsatz kommen werden. Mit Perforatoren werden Kanäle in erdölführende Bodenschichten gesprengt, damit das öl leichter zu den Bohrschächten fliessen kann.

Ein drittes Projekt - aus dem Geschäftsbereich Wehrtechnik - wird nach Ansicht von Homburg dazu führen, dass in Troisdorf eine zufriedenstellende Beschäftigung“ für die nächste Zeit erreicht wird: die Auslieferung der neuen Panzerfaust 3 und des Minenwurfsystems Skorpion“ an die Bundeswehr und die Schweizer Armee. Das Lieferprogramm für die Panzerfaust läuft nach Angaben Homburgs noch bis 1996.

Die grössten Zuwächse erzielte 1991 der Geschäftsbereich Kunststoff-Formteile mit 15 Prozent. Einer der Schwerpunkte bei den Investitionen (143 Millionen Mark) war der Aufbau von Fertigungsanlagen für den Airbag-Gasgenerator in Autos. Der Generator pumpt bei Unfällen den im Lenkrad versteckten Luftsack in Sekundenbruchteilen auf, um so einen Aufprallschutz zu bieten.

iGeneralanzeiger Bonn, 31.01.1992.