1993 Jan 19 „Hüls Troisdorf: Absatz stieg, aber der Umsatz sank“ i

Einbussen bei den Laminataktivitäten - HT soll wieder auf Erfolgskurs gebracht werden

Troisdorf — Der Standort Troisdorf der Hüls Troisdorf AG (HT) mit seinen über 2800 Arbeitsplätzen ist weder in Gefahr noch verkauft, bekräftigte HT-Vorstandsmitglied Dr. Henrich Wilckens bei der Jubilarfeier des Unternehmens im Kasino und trat damit erneut immer wieder auftretenden Gerüchten entgegen. Wie der HT-Arbeitsdirektor weiter betonte, konnte die Hüls Troisdorf AG im vergangenen Jahr den Absatz um 3,3 Prozent auf gut 108 000 Tonnen steigern. Allerdings ging der Umsatz um 1,9 Prozent auf 785 Millionen Mark zurück.

Während die baunahen Aktivitäten — Profile und Innenausbau sowie Abdichtungen und Rohre — laut Wilckens deutliche Steigerungen erzielen konnten, haben das Geschäft mit Spezialhalbzeugen und vor allem die Laminataktivitäten Einbussen erlitten. Zurückgegangen ist auch die Zahl der Beschäftigten, nämlich von 3717 Ende 1991 auf 3566. Davon arbeiten derzeit 2871 Mitarbeiter in Troisdorf.

Auf Erfolgskurs bringen

Das Jahr 1993 werde mindestens genauso schwierig wie das Jahr 1992, betonte Wilckens und berichtete, dass von der HT-Gesamtbelegschaft erneut 141 Beschäftigte in den Vorruhestand geschickt werden. „Durch ein grosses Bündel von Massnahmen wollen wir die HT wieder auf Erfolgskurs bringen“, meinte Vorstandsmitglied Wilckens abschliessend. Der Weg dahin sei länger als erwünscht und, von ungünstigen Umfeldbedingungen begleitet, nicht ohne Gefahr von Rückschlägen.

Auf die Schliessung des Werkes Troisdorf der Hüls AG kam der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der HT, Willi Bröhl, zu sprechen. Die äusserst starken Ergebniseinbrüche der Muttergesellschaft in Marl seien der Grund dafür. Bröhl: „Wenn uns der konjunkturelle Wind ins Gesicht bläst, bekommen wir sehr schnell den Keuchhusten! Für die betroffenen zirka 500 Mitarbeiter beginnt ein Weg mit vielen Unbekannten.“

Auch wenn alternativ Arbeitsplätze angeboten würden, werde die Ungewissheit vor dem Neuen eine grosse Belastung sein. Massnahmen für einen vorzeitigen Ruhestand sowie Versetzungen und Umsetzungen seien zwar bessere Alternativen als Entlassungen, trotzdem müssten die Verantwortlichen des Unternehmens uneingeschränkt verpflichtet sein, auch das Selbstwertgefühl der Beschäftigten zu erhalten.

Vorwärtsstrategie

Um neben den Produkten der HT mit zweistelligen Zuwachsraten auch schwächere Produkte zu stärken, forderte Bröhl eine zielorientierte Vorwärtsstrategie und eine andere Denkweise sowie mehr Teamarbeit. Den Vorstand forderte er auf, nicht nachzulassen mit der Suche nach neuen Produkten. Recycling sei zum Beispiel ein Weg, der stärker und intensiver beschritten werden müsse. Bröhl: „HT, so kann ich mir vorstellen, könnte ein Recyclingzentrum werden.“ Stärker durchstarten müsse man ausserdem beim jüngsten Kind, dem „Trolining“ für Kanalsanierung.

Die Produkte der HT mit hoher Wertschöpfung gelte es weiter auszubauen. Insgesamt sei die HT ein finanziell gesundes Unternehmen. Bröhl: „Seit Bestehen der HT wurden rund 300 Millionen Mark investiert, und die Mittelfristplanung sieht von 1992 bis 1997 weitere Investitionen von 300 Millionen Mark vor.“ (rö)

iRhein-Sieg-Anzeiger, 19.01.1993.