1993 Jan 30 „Durch Anpassung auf Erfolgskurs“ i

Kein Abbau der Mitarbeiterzahlen in Troisdorf - Rückblick auf ereignisreiches Geschäftsjahr - Airbag brachte Zuwächse - Weniger Munition

Von unserem Redakteur Klaus Schmitz

Troisdorf - Mit „Anpassungsmassnahmen“ und „verstärkten Rationalisierungsbemühungen“ will Dynamit Nobel (DN) im neuen Geschäftsjahr den Auswirkungen des konjunkturellen Abschwungs begegnen. Einen Abbau der Mitarbeiterzahlen werde es jedoch weder in Troisdorf (rund 1350 Beschäftigte) noch im benachbarten Werk Schlebusch (Leverkusen) geben, versicherte DN-Vorstandschef Dr. Axel Homburg gestern im Rahmen einer Pressekonferenz zum vergangenen „ereignisreichen Geschäftsjahr“, in dem sich das Unternehmen erheblich vergrösserte.

Spezialitätenchemie

So wurden die Stammgeschäfte mit Sprengmitteln und Kunststoffen um die zukunftsträchtigen Geschäftsfelder Hochleistungskeramik und Spezialitätenchemie erweitert. Homburg nennt diese strategische Erweiterung „systematische Erweiterung des Ausbaus von Wachstumsgebieten“. Das Unternehmen - DN gehört zum Konzernverbund der Frankfurter Metallgesellschaft AG - verfüge nun über eine ausgewogene Konzernstruktur und sei mit der jetzigen Vielfalt innovativer Technologien und Produkte in Chemie und Technik für nahezu alle Schlüsselbranchen der Wirtschaft weniger anfällig gegen konjunkturelle Schwankungen einzelner Industriezweige.

Diese Schwankungen hatte auch DN in den vergangenen Monaten (durch Anpassung an den Abschlussrythmus der Metallgesellschaft wurde von DN zwischen 1. Januar und 30. September ein „Rumpfgeschäftsjahr“ eingeschoben) zu spüren bekommen: Weniger Umsatz bei kleinkalibriger Munition und übungsmunition, weniger Abruf von thermoplastischen Formteilen durch die Autoindustrie, etwas weniger Umsatz im Bereich Hochleistungskeramik.

Doch es gab auch Zuwächse. So bezeichnet Homburg den Umsatz bei der Zivilmunition (unter anderem durch Aufnahme der Serienproduktion von Gasgeneratoren für Airbag-Systeme) als „herausragendes Ereignis“. Und der Umsatz im Geschäftsfeld Spezialitätenchemie (zwischen 1. Oktober 1991 und 30. September 1992) habe mit 654 Millionen Mark deutlich den Vorjahreswert übertroffen.

Der Umsatz Hochleistungskeramik (unter anderem bietet DN hier Hüftgelenkkomponenten an, mehr als eine Million Keramikkomponenten wurden schon ausgeliefert) liegt mit 204 Millionen Mark gering niedriger als im Vorjahrszeitraum. Das Geschäftsfeld Kunststoffe konnte sich mit 626 Millionen Mark an das hohe Umsatzniveau des Vorjahres anschliessen.

Im Rumpfgeschäftsjahr betrug der konsolidierte Weltumsatz 2,175 Milliarden Mark (1991 1,75 Milliarden). Im gleichen Zeitraum wurden 158 Millionen Mark investiert, davon 58 Millionen im Ausland. Das Eigenkapital wurde um 354 Millionen auf 772 Millionen angehoben. Im In- und Ausland beschäftigt Dynamit Nobel 12 300 Mitarbeiter.

Angepeilter Umsatz

Mit einem „ganzen Blumenstrauss von Massnahmen“ (Homburg) will sich DN der Konjunktur anpassen. Der angepeilte Umsatz von zunächst 2,8 Milliarden wurde nach neuerlicher Einschätzung auf 2,6 Milliarden reduziert. Als mittelfristige Umsatzgrösse in drei bis vier Jahren“ nannte Homburg gestern 3,3 Milliarden Mark.

iKölner Stadt-Anzeiger, 30.01.1993.