2000 Nov 29 „Dynamit Nobel verkauft Sprengmittelgeschäft“ i

BILANZ Australier übernehmen Teile der Produktion

Von Klaus Elsen

TROISDORF. Dynamit Nobel trennt sich von einem Teil seines Sprengstoffgeschäftes in Troisdorf. Die Produktion von Zündern und Sprengmitteln für Bau und Bergbau geht komplett an den Weltmarktführer Orica über. Das hatten der Troisdorfer Konzern und das australische Unternehmen im September in einer Absichtserklärung vereinbart (der General-Anzeiger berichtete). Gestern bestätigte der neue DN-Vorstandschef Jörg Deisel bei der Vorstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 1999/2000 die Verkaufspläne. Deisel: „Wir ziehen uns aus diesem traditionsreichen Geschäft zurück, weil es für Dynamit Nobel keine globale Aktivität darstellt.“ Betroffen von der Umstrukturierung sind rund 500 Mitarbeiter in Troisdorf und Burbach-Würgendorf sowie ein aktueller Umsatz von rund 60 Millionen Mark.

Ganz wird sich Dynamit Nobel aber aus der Spreng- und Zündmittelproduktion in Troisdorf nicht zurückziehen. Allerdings werden die Schwerpunkte dann nicht mehr im Berg- oder Strassenbau, sondern zu einem guten Teil in der Automobilindustrie liegen. Die bedient der Troisdorfer Konzern längst nicht mehr nur mit Stossfängern, Innenverkleidungen und Armaturenbrettern aus Kunststoff, sondern vermehrt auch mit Zündsystemen für Airbags und Gurtstraffer. DN-Chef Deisel: „Von den industriellen Anzündsystemen für den Sicherheitssektor der Automobilbranche versprechen wir uns ein erhebliches Marktwachstum.“ Dieser Bereich der Sprengmittelsparte soll daher unter dem Dach der Dynamit Nobel bleiben.

Zumal Dynamit Nobel mittlerweile knapp 35 Prozent des Umsatzes als Zulieferer für die Autoindustrie macht. Deisel, der im August Fritz Lehnen als Vorstandschef abgelöst hat, will die Aktivitäten des Unternehmens auf die Geschäftsfelder und Märkte konzentrieren, die nicht nur gute Zukunftschancen haben, sondern in denen „DN die Marktpositionen ein bis drei“ erreichen kann. Das sei bei den elektronischen Zündsystemen am Standort Troisdorf nicht der Fall gewesen.

Durch den Verkauf des grössten Teils der Zündmittelproduktion an Orica wird die Bedeutung von Troisdorf als industrieller Standort für Dynamit Nobel weiter abnehmen. „Troisdorf als Sitz der Konzernzentrale ist für uns aber auch in Zukunft von grosser Bedeutung“, sagte DN-Pressesprecher Ulrich Hopmann.

iGeneralanzeiger Bonn, 29.11.2000.