2001 Jan 29 „Ein Stein für Familie Meier“ i

Erinnerung wach halten

Spicher Juden waren sozial stark engagiert - Drei starben im KZ

Von Klaus Schmitz

Troisdorf - „Tote leben in der Erinnerung weiter.“ In einer Feierstunde wurde am Samstag der jüdischen Familie Meier gedacht und auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins auf einem Grundstück gegenüber des einstigen Meier'schen Wohnhauses in Spich ein Erinnerungsstein enthüllt. Mehrere Mitglieder der Familie fielen dem Nazi-Terror zum Opfer. Er sei stolz, Bürgermeister einer Stadt zu sein, die sich zunehmend dieser gequälten Menschen erinnere, betonte Manfred Uedelhoven.

Vor sechs Jahren hatte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag bestimmt: Am 27. Januar 1945 war das Vernichtungslager Auschwitz von russischen Soldaten befreit worden. Matthias Dederichs, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins: „Erinnerung und Gedenken sollen diesen Tag prägen und gestalten, damit sich solche Auswüchse niemals wiederholen.“

Auch im Gebiet der heutigen Stadt wurden Juden drangsaliert, schikaniert, viele auch deportiert und ermordet. Im vergangenen Jahr war am Mühlengraben ein Stein aufgestellt worden, der das Gedenken an die Sieglarer Familie Cahn aufrecht erhalten soll. Zur Feierstunde an der Ecke Hauptstrasse / Lülsdorfer Strasse hatten sich trotz Regens etliche Dutzend Menschen eingefunden. Unmittelbar gegenüber der Stelle mit dem Gedenkstein hatte einst Familie Meier gelebt und eine Metzgerei betrieben.

Philipp Meier, geboren in Sieglar, Metzger von Beruf, heiratete Eva Mendel aus Gonnersweiler. 1908 zog man nach Spich. Aus vielen Gesprächen, die er mit Zeitzeugen geführt habe, sei deutlich geworden, dass die Familie im Ort integriert war und man sich gegenseitig geachtet habe, hob Dederichs hervor. Vor allem werde immer wieder an das soziale Engagement erinnert, mit dem sich Fanny Meier, zweite Ehefrau von Philipp (Eva Meier war 1917 gestorben), um arme Familien gekümmert habe: „Spich war Heimat der Familie.“

Philipp Meier starb 1940. Fanni, Stieftochter Erna und deren Mann Martin Lesser konnten dem Terror nicht entkommen. Sie wurden 1941 im Lager Much interniert und 1942 in Theresienstadt, beziehungsweise Minsk ermordet. Maier-Sohn Arnold hatte fliehen können (er starb im vorigen Jahr in Grossbritannien), ebenfalls seine Schwester Martha, die heute in Haifa lebt.

iRhein-Sieg-Anzeiger, 29.1.2001.