2004 April 19 „Bei Dynamit [Nobel] drohen jetzt Entlassungen“ i

Am Stammsitz bleiben nur noch 30 Mitarbeiter der Produktion. Die Höhe der Stellenstreichung ist noch unbekannt.

VON MICHAEL HOCHHEUSER

Troisdorf - Einem Teil der 150 Beschäftigten der Troisdorfer Dynamit Nobel AG droht die Kündigung. Gestern gab der neue Eigentümer, der US-Spezialchemiehersteller Rockwood, bekannt, dass der Sitz der Firmenzentrale von Troisdorf nach Frankfurt verlagert werden soll, in die Nähe der dort ansässigen Tochtergesellschaft Chemetall. Zudem soll der Bereich Kundensynthese von Troisdorf an den Produktionsstandort Schlebusch bei Leverkusen umziehen. Am Stammsitz in der Aggerstadt verbleibt somit nur noch die Produktion mit knapp 30 Mitarbeitern. „Diese Entscheidung ist mit einem Personalabbau verbunden“, sagte gestern Firmensprecher Michael Köbl. Die Grössenordnung der Stellenstreichung sei noch unklar. Nach der Ausgliederung des Kunststoffbereichs, in dem rund 5000 von 12 400 Mitarbeitern der Dynamit-Nobel-Gruppe arbeiteten, sei eine entsprechende Verkleinerung der Holding geplant. Betroffen von den Kündigungen und Umsetzungen sind insgesamt rund 120 Mitarbeiter - 68 aus der Holding, die nach Frankfurt zieht, die restlichen aus der Kundensynthese.

Gestern begannen die Gespräche mit dem Betriebsrat zu den Einzelheiten des Stellenabbaus. Neziha Giousouf von der Arbeitnehmervertretung wollte sich noch nicht über die Gefühlslage der Belegschaft äussern. „Wir sind erst am Morgen in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber getreten“, sagte Giousouf.

Die Hauptverwaltung wird komplett geräumt, kündigte Köbl an. Die Dynamit Nobel hatte das Gebäude an der Kaiserstrasse in den 50er Jahren gebaut und es später verkauft. Heute sei das Unternehmen nur noch Mieter, das achtstöckige Verwaltungsgebäude gegenüber des Rathauses gehört laut Köbl einer Investmentgesellschaft. Bis zum Jahresende soll der Umzug über die Bühne gebracht sein. Wer dann in das Haus einziehe, sei noch unklar.

überrascht reagierte die Stadt auf die Nachricht. „Bisher wissen wir offiziell nichts. Das ist schon ein Schlag, dass ein alteingesessenes Unternehmen nun fast komplett weg geht“, sagte Sprecherin Bettina Plugge auf Anfrage. Die Stadt würde dies ausgesprochen bedauern, auch, da es stets starke Verbindungen zwischen Dynamit Nobel und Troisdorf gegeben habe.

Wie berichtet, ist das US-Unternehmen mit Sitz in Princeton / New Jersey nach dem Vorliegen aller nötigen kartellrechtlichen Genehmigungen seit dem 1. August Eigentümer von Dynamit Nobel. Durch den Kauf weiterer deutscher Firmen will Rockwood zu einem der weltweit führenden Produzenten von Spezialchemikalien und modernen Werkstoffen aufsteigen. 2003 betrug der Jahresumsatz rund 2,1 Milliarden Euro.

iKölner Stadt-Anzeiger, 19.4.2004.