Flache Stolpersteine erinnern an die Opfer

Von ADELE W. WISCHNER, 21.08.07, 07:12h

Vor dem Haus "Im Grotten 23" im Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte erinnern kleine Messingtafeln an Emanuel Meier, geboren am 18. April 1871, gestorben 1942 im Lager...

TROISDORF. Vor dem Haus "Im Grotten 23" im Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte erinnern kleine Messingtafeln an Emanuel Meier, geboren am 18. April 1871, gestorben 1942 im Lager Much, und an Regina Meier, geboren 1871, ermordet 1942 in Trostinez /Weissrussland. Auch ihrem Enkel Günther, geboren 1925 und ebenfalls 1942 in Trostinez ermordet, ist ein Stein gewidmet: Sie lebten hier, bevor sie als unerwünschte Juden von den Nationalsozialisten in den Tod deportiert wurden. Ihre Namen, Geburts- und Todesdaten sind in die Messingplatten eingraviert, die der Kölner Künstler Gunter Demnig unter regem Publikumsinteresse in den Bürgersteig einfügte.

Es seien zwar die ersten, aber nicht die letzten "Stolpersteine", die in Troisdorf verlegt werden, betonte Manfred Gross, Pfarrer des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses in Friedrich-Wilhelms-Hütte, bei der Verlegung der drei mit Messingplatten versehenen Pflastersteine. Wenn man sich mit der Vergangenheit beschäftige, sehe die Gegenwart anders aus, erklärte Vize-Bürgermeister Ruprecht Türk in einer kurzen Ansprache. Das Dritte Reich rücke näher, die anonym gewordenen Toten bekämen ihre Namen wieder.

In Troisdorf hatte sich Doris Jagusch lange und beharrlich für das Kunstprojekt eingesetzt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer der Nationalsozialisten lebendig erhält und das für Demning nach der Verlegung von Stolpersteinen in inzwischen mehr als 200 Städten selbst zur Lebensaufgabe wurde. Unterstützt hatten das Vorhaben der Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf, für den Norbert Flörken teilnahm, und die evangelische Kirchengemeinde Troisdorf-Hütte, die die Steine für 95 Euro das Stück aus Spendenmitteln finanzierte.

Bereits vor zwei Jahren habe man über das Projekt gesprochen, berichtete Manfred Gross. Doris Jagusch, selbst Mitglied der Gemeinde, habe dann Kontakt mit dem Künstler aufgenommen, der ab 1990 zunächst Schriftspuren gelegt hatte und ab 1993 die ersten Messingsteine schuf. Es seien "Aufmerksamkeitspunkte gegen das Vergessen", denn gerade bei Jugendlichen schwinde das Bewusstsein für den Holocaust, zumal die "Neue Rechte" versuche, dieses Grauen aus der deutschen Geschichte auszublenden.


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