Levy

Zur Familie Levy gehörten

  • Samuel Levy * 1879

samuel levy
Photo: Bernauer (1938)

  • Julie * 1879 + 1923

  • Emil * 1910 (bis 1932)

  • Hilde * 1911 (bis 1937)

  • Hedwig * (seit 1925)

hedwig levy
Photo: Bernauer (1938)

  • Ruth Johanna * 1927

Die Familie Levy wohnte im eigenen Haus in der Kirchstrasse 6. Samuel Levy war Metzger. Seine erste Frau, Julie, starb 1923; aus dieser Ehe stammen der Sohn Emil und die Tochter Hilde (1911). Samuels zweite Frau war Hedwig, ihr Kind war Ruth Johanna (1927).

Ihr Haus war ein Fachwerkhaus, im Anbau das Schlachthaus. Levys haben jüdische und nicht-jüdische Beschäftigte gehabt. Samuel Levy hat auch nach jüdischem Ritus geschlachtet ("geschächtet"). Während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre haben die Levys kostenlose Suppen an sog. "Wohlfahrtserwerbslose" abgegeben.

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1947: Goldhochzeit des Ehepaares Büchel, Kirchstrasse 4 (geschmückt, im Hintergrund). In Bildmitte das Haus Levy, Kirchstrasse 6.

Sohn Emil zieht 1932 nach Hamburg.

Tochter Hilde heiratete Solly Jonas 1936, ihr Sohn Walter wird 1937 geboren. Noch im selben Jahr flüchtet die junge Familie in die USA; dort sind Hilde und Solly inzwischen verstorben. Walter und seine Ehefrau haben in den 90er Jahren Troisdorf besucht.
Aus den USA haben Hilde und Solly den Eltern und der Schwester sog. "Affidavits" zugeschickt: Zusagen, dass sie für ein Jahr für alle Kosten der Eingewanderten aufkommen werden. Diese Affidavits kamen 1938 in Troisdorf an, nur damit konnten Ausländer beim US-Konsulat die Einreise in die USA beantragen. Die Levys waren auch schon beim Konsulat gewesen und hatten einen Platz auf der Warteliste zugeteilt bekommen - die USA hatten die Einreisen für Deutschsprachige (dazu zählten auch österreicher) kontingentiert.

Es kommt der 9. November 1938 - die Pogromnacht ("Reichskristallnacht"). Wegen eines Trauerfalls in der Kölner Verwandtschaft ist Samuel Levy in der Domstadt, Hedwig (und wahrscheinlich auch die Tochter Ruth Johanna) ist bei ihrer Nichte Rosa Marx; deren Mutter ist im Frühjahr verstorben. Das Haus Kirchstrasse 6 ist also leer.
In den frühen Morgenstunden des 10. November haben mehrere stadtbekannte Troisdorfer Nazis das Haus in Brand gesteckt - zumindest die Fassade erleidet erheblichen Brandschaden. Was aber noch viel schlimmer ist: die Papiere des US-Konsulats werden entweder von den Nazis vernichtet oder gestohlen oder werden beim Brand zerstört.
Jetzt müssten die Levys die Prozedur noch einmal von vorne starten. Ob sie es getan haben, ist nicht mehr feststellbar; es wäre auch - gerade nach der Pogromnacht - ziemlich aussichtlos gewesen: Jetzt haben vermutlich alle Juden begriffen, dass es um ihr Leben geht.

Im Frühjahr 1939 ziehen die Levys (Samuel und Hedwig mit Ruth Johanna) nach Köln ("Horst-Wessel-Platz"), am 29.10.1941 werden sie (zusammen mit Brünells ) nach Lodz ("Litzmannstadt") im heutigen Polen deportiert. Im dortigen Ghetto verliert sich ihre Spur. Die Todesursachen waren vielfältig:

Sohn Emil wird am 8. November 1941 von Hamburg aus in das Ghetto Minsk deportiert; insgesamt 7.000 Juden aus dem sog. "Altreich". Im Juli 1942 wird die Hälfte von ihnen ermordet; spätestens am 14. September 1943 sind alle Ghettobewohner tot - bis auf fünf, die überlebt haben.

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stolperstein

Stolpersteine für Levys,
am 06. Dez.2008

Quellen:

Archiv Bernauer
Sammlung Jagusch
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises


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