Die Familie Meier

Die Familie der Troisdorfer Meiers bestand im Jahre 1934 (!) aus folgenden Personen:

  • Emanuel Meier, * 1871 in Sieglar
meier emanuel

Photo: Bernauer(1938)

  • Regina Meier, * 1871 in Troisdorf
meier regina

Photo: Bernauer(1938)

aus den Söhnen

  • Arthur Meier (* 1901) mit Ehefrau Elfriede,
  • Josef Meier (* 1903) mit Ehefrau Selma

josef meier
Photo: Bernauer (1938)
  • deren Kind Günther (* 1927)
meier günther
Photo: Bernauer (1938)

Sie wohnten bis 1932 in der Poststrasse 69, rechts neben der Gaststätte "Deutscher Kaiser". Eigentümer des Hauses war ein Herr Peifer; heute steht dort ein Hotel. Emanuel Meier betrieb ein Lebensmittelgeschäft. Aus einem unbekannten Grund zog die Familie 1932 - damals war Arthur noch nicht verheiratet - in die Strasse "Im Grotten" in das Haus Nummer 23. Diese Strasse - wohl eher ein Weg - wies inmitten von Feldern vier Häuser auf, sie lag unmittelbar vor der Ortsgrenze zu Menden.

stadtplan

Stadtplan (Mitte/Ende der 60er Jahre)

im grotten 23

Flurkarte (30er Jahre)

Im Herbst 1933 heiratete Arthur; er und seine Frau Elfriede zogen im Frühjahr 1934 nach Köln. Die Ehe des jüngeren Sohnes Josef wurde (vermutlich) 1935 geschieden, in diesem Jahr wanderte die Ehefrau Selma in die Niederlande aus. Im Grotten 23 wohnten jetzt die Grosseltern Emanuel und Regina, der Sohn Josef und der Enkel Günter. Wovon sie ihren Lebensunterhalt bestritten, ist (noch) unbekannt. Günther war Schüler der Volksschule Blücherstrasse.

Das nächste Datum ist die Pogromnacht ("Reichskristallnacht") von 1938; Josef Meier wird - wie tausende anderer Männer - in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Von allen Juden werden neue Passfotos angefertigt, in Troisdorf von dem Photographen Erwin Bernauer. Diese Negative sind erhalten.

bergstrasse 17 das Haus Bergstrasse 17

Als Josef im Winter 1938/39 nach Hause kommt, müssen er, seine Eltern und sein Sohn in das "Judenhaus" Bergstrasse 17 umziehen. Dieses Haus, das Reginas Bruder Eduard Sommer gehört, war von den Nazis den Troisdorfer Juden zugewiesen worden. Darin lebten jetzt auch die Ehepaare Marx und Neumann. Günter - jetzt 12 Jahre alt - war das einzige Kind unter diesen Erwachsenen. Als seinem Vater Josef im Spätsommer 1939 die Flucht nach Grossbritannien gelingt, ist Günter mit seinen alten Grosseltern - beide jetzt 68 Jahre alt - allein. Regina Meier wich auf der Strasse früheren Nachbarinnen ängstlich aus und warnte z.B. Frau R.: "Geh weiter, Luise!"

Am 18. Juni 1941 wurden die Meiers als einzige Troisdorfer in das ehemalige Reichsarbeitsdienst-Lager Much deportiert: Holzbaracken mit mangelhafter hygienischer Ausstattung. Emanuel starb dort am 4. März 1942 mit 71 Jahren; als Todesursache kommen allgemein zu Zustände im Lager in Frage. Jetzt war Günter (15) mit seiner Grossmutter (71) allein.

Am 20. Juli 1942 wurden sie von Much aus nach Köln-Deutz gebracht und von der Reichsbahn zusammen mit Hunderten weiterer Juden aus dem Rheinland nach Minsk (Weissrussland) deportiert. Ihr letztes Lebenszeichen findet sich auf einer Postkarte, die Elisabeth Cahn (Sieglar) am Montag, dem 20. Juli 1942, geschrieben hat und die am 22. Juli 1942, 10 Uhr, in Köln abgestempelt wurde; darauf schreiben die beiden Grüsse an Maria Qu.

In Minsk kamen sie am 24. Juli 1942 frühmorgens am Güterbahnhof an und wurden nur wenige Stunden später in Maly Trostinec an offenen Gruben erschossen; diese befanden sich im Wald von Blagowtschina in der Nähe der ehemaligen Kolchose "Karl Marx". Täter waren SS-Leute unter dem Kommando des SS-Unterscharführers Arlt.

maly Der Eingang zum Lager Maly Trostinec (1944)

Günters Mutter Selma, die in den Niederlanden noch einmal geheiratet hatte, wurde am 4. März 1943 nach Sobibor deportiert und dort ermordet; sein Vater wanderte später nach Australien aus und ist dort zu einem unbekannten Zeitpunkt verstorben. Arthur und Elfriede Meier haben den Holocaust überlebt und sind 1980 bzw. 1982 in Deutschland verstorben.

Quellen:

Archiv Bernauer

Archiv Jagusch

Katasteramt des Rhein-Sieg-Kreises

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises

Mündl. Mitteilung von Frau Käthe Rö., Troisdorf

Stadtarchiv Troisdorf

US Holocaust Memorial Museum


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