Sommer

Zur Familie Sommer gehörten

  • Eduard Sommer * 1881

  • Johannetta Sommer * 1878

  • Erich * 1911 (bis 1939) + 1960

Die Familie Sommer wohnte in ihrem eigenen Haus in der Bergstrasse 17. Haus und Grundstück waren 1901 von seinem Vater Seligmann an Eduard notariell überschrieben worden ("Wohnhaus mit Hofraum [119 m2] und Hausgarten [640 m2] und Stallungen"). Eduard war Schaffner bei der "Kleinbahn Siegburg-Zündorf". 1919 kauft er von seinem Nachbarn, dem Schreiner Kürten, ein weiteres Stück Garten hinzu.

bergstrasse Flurkarte mit Bergstrasse 17.

Sohn Erich gelingt im März 1939 die Flucht nach Shanghai.

In das Haus Sommer mussten 1941 alle Juden aus (Alt-)Troisdorf umziehen ("Judenhaus").

bergstrasse Photo des Hauses Sommer (Datum unbekannt, vermutlich 50er Jahre)

Die Verteilung ist teilweise bekannt (Stand: Oktober 1941):

Wo genau Sommers und Neumanns wohnten, ist nicht mehr zu ermitteln. Meiers waren bereits im Frühjahr 1941 nach Much deportiert worden.

Erich Marx (und Alfred Pins und Eduard Sommer) arbeiten 1941/42 bei der Firma Filk in Spich, Wilhelmstrasse 78; sie stellt feuerfeste Steine her.

Am 20.7.1942 wurden die Ehepaare Sommer, Neumann und Marx mit Lkw nach Köln-Deutz gebracht und von der Reichsbahn zusammen mit Hunderten weiterer Juden aus dem Rheinland nach Minsk (Weissrussland) deportiert. Dort kamen sie am 24. Juli 1942 frühmorgens am Güterbahnhof an und wurden nur wenige Stunden später in Maly Trostinec an offenen Gruben erschossen; diese befanden sich im Wald von Blagowtschina in der Nähe der ehemaligen Kolchose "Karl Marx". Täter waren SS-Leute unter dem Kommando des SS-Unterscharführers Arlt.

maly Der Eingang zum Lager Maly Trostinec (1944)

Am 6. August 1942 besichtigten Inspektor Lehmacher vom Finanzamt Siegburg und Gemeinde-Obersekretär Gustav Müller das Anwesen. Das Finanzamt entscheidet: Die Gartenfrüchte im "Judengarten Sommer", Bergstrasse 17, sollen von dem Invaliden Karl Klein, Bergstrasse 15, abgeerntet werden; er soll den Hauptanteil erhalten, den Rest an zwei bis drei bedürftige Familien verteilen. Eine Kontrolle ist nicht nötig.

Irgendwann nach 1950 kommt Erich Sommer aus Sfad oder Tel Aviv (Israel) zurück nach Troisdorf in die Bergstrasse. Am 12.09.1950 wird er auf Grund des Erbscheins vom 17.06.1950 (wieder) als Eigentümer des elterlichen Hauses ins Grundbuch eingetragen. Er stirbt 1960.

Bald darauf wird dieses und die anderen (Fachwerk-)Häuser der Bergstrasse und "Am Dreieck" sowie die Schule Kirchstrasse zugunsten des Hertie-Kaufhauses abgerissen.

stolperstein Stolpersteine für die Sommers,
06. Dez. 2008

Quellen:

Archiv Bernauer

Katasteramt des Rhein-Sieg-Kreises

Amtsgericht Siegburg, Grundbuchamt

Stadtarchiv Troisdorf

US Holocaust Memorial Museum


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