Die Anfänge des Stifts Vilich

Urkunden lateinisch/deutsch1

Das Adelheid-Kolloquium von 2025 (Vortrag Waßenhoven) fasste noch einmal die Forschungsergebnisse zur Gründung des Stifts Vilich und zur Person des Gründers Megingoz zusammen. Demnach ist nur gesichert, dass er in Geldern starb. Er war vermutlich doch kein Graf (comes) und kein Heiliger, obwohl er später vor Ort wie ein solcher verehrt wurde. Die beiden Stifter sind wohl in Vilich beigesetzt worden, ihre Gräber sind heute nicht mehr zu identifizieren.

0944 Juli 18 Otto I.: Urkunde für Megingoz2

König Otto I. (912–973) gibt dem Megingoz das gesetzlich beschlagnahmte Vermögen zurück: Megingoz, ein Lehnsmann des Königsbruders Heinrich, hatte sich dem Aufstand Heinrichs gegen seinen Bruder angeschlossen. Otto zeigt seine Milde – clementia – gegenüber dem Übeltäter.

In nomine sanctae et individue trinitatis. Otto divina propiciante clementia rex. Noverit omnium fidelium nostrorum tam presentium quam et futurorum industria, qualiter nos per interventum dilectissimi germani fratris nostri Heinrici cuidam vassallo illius Megingoz nominato predium legali iudicio illi ablatum nobisque fiscatum denuo eidem in proprium donavimus cum omnibus illuc iure pertinentibus, mancipiis agris pratis pascuis silvis aquis aquarumque decursibus molendinis piscationibus exitibus et reditibus quesitis et inquirendis. Iussimus quoque hoc preceptum inde conscribi per quod volumus firmiterque iubemus, quatenus predictus Megingoz ipsam proprietatem perpetualiter teneat atque possideat. Et ut hoc nostrae concessionis preceptum firmiter permaneat, manu nostra subtus illud firmavimus anuloque nostro iussimus insigniri.

Signum domni Ottonis invictissimi regis.

Brun cancellarius advicem Fridurici archicancellarii recognovi.

Data XV. [ante] kal[endas] aug[ustas] anno incarnationis domini DCCCCXLIIII, indictione I, anno domni Ottonis serenissimi regis VIII; actum in Eltnon [=Elten]; in dei nomine amen.

Übersetzung: Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Otto, durch die gnädige Fügung der göttlichen Milde König. Alle unsere Getreuen, die gegenwärtigen wie die künftigen, mögen wissen, dass wir auf Fürsprache unseres geliebtesten leiblichen Bruders Heinrich einem seiner Vasallen namens Megingoz das Gut, das ihm durch gesetzliches Urteil aberkannt und von uns für den Fiskus eingezogen worden war, erneut zu Eigen geschenkt haben, mit allem, was rechtmäßig dazugehört: Hörigen, Äckern, Wiesen, Weiden, Wäldern, Gewässern und Wasserläufen, Mühlen, Fischereien, Wegen und Zugängen [wörtl. Aus- und Eingängen], Erworbenem und noch zu Erwerbendem. Wir haben auch befohlen, hierüber diese Urkunde auszufertigen, durch die wir wollen und fest gebieten, dass der vorgenannte Megingoz dieses Eigentum auf ewig innehabe und besitze. Und damit diese Urkunde unserer Verleihung fest bestehen bleibe, haben wir sie unten mit eigener Hand bekräftigt und mit unserem Ring siegeln lassen.

Zeichen des Herrn Otto, des unbesiegbarsten Königs.

Ich, der Kanzler Brun, habe in Vertretung des Erzkanzlers Friedrich gegengezeichnet.

Gegeben am 15. Tag vor den Kalenden des August [= 18. Juli] im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 944, in der 1. Indiktion, im 8. Jahr des Herrn Otto, des durchlauchtigsten Königs; verhandelt in Elten; im Namen Gottes, Amen.

0987 Jan 18 Otto III. nimmt Vilich in seinen königlichen Schutz3

König Otto III. (980–1002) gewährt dem Kloster Vilich denselben Schutz wie den Klöstern Quedlinburg, Gandersheim und Essen.

In nomine sanctae et individuae trinitatis. Otto divinae largitatis munere rex. Omnis fidelium nostrorum cuiuscumque conditionis coetus quocumque locorum situs pro maioris auctoritatis causa cognoscat, qualiter quidam nobilis vir nomine Megingoz cum religiosa coniuge sua Gerbirga nostram presentiam adierunt et quoddam monasterium quod de proprio patrimonio suo pro aeterne vite premio et memoria [432] sui in isto seculo iam prius pii patris nostri Ottonis imperatoris augusti auctoritatis consensu in loco qui Uilike dicitur construxerunt, in nostras manus tradiderunt, rogantes pro illius loci stabilitate et defensione de omni seculari servitio illud nostra regali potentia liberari ac muniri. Quorum piis petitionibus assentientes et consilium carissime nostrae genitricis Theophanu imperatricis auguste et principum nostrorum complurium, Vuilligisi videlicet sanctae Magontiacensis aeclesie archiepiscopi ac Gisilharii Magadaburggensis aeclesie archiepiscopi, Hildibaldi sanctae Vuormacensis aeclesie episcopi, Notakarii sancte Leodicensis aeclesie episcopi et Adalberonis sancte Virdunensis aeclesie episcopi, Heinrici, Cuononis, Thietdrici ducum et aliorum plurimorum comitum ac iudicum imitantes, ad legem et ad regularem ordinem ceterorum monasteriorum in nostro regno degentium, scilicet Quidilingeburg, Ganderesheim, Asnithe [=Essen], libertatem dedimus et ab omni inquietudine secularis districtionis iugo absolvimus, ea ratione ut nullus episcopus comes iudex aut advocatus in exequendis causis idem aut illius loci servos stringere vel aliquod servitium inde exigere aut placitum in memorate aeclesie prediis agere aliquam potestatem habeant nisi que divina sunt et quantum ipsius loci abbatisse placeat, et ut sorores sancte congregationis inibi deo militantes in futura tempora in libero arbitrio habeant, quem advocatum et quam abbatissam inter se eligant, maxime si in illius boni viri et matrone supradicte, quorum bona voluntate ille locus divino mancipatur servitio, parentela ad id offitium idonea inveniatur, sin autem, alias queratur. Et ut haec nostrae donationis libertas firma stabilisque permaneat, hoc privilegium inde conscriptum nostri sigilli inpressione iussimus propria subter notando manu corroborari.

Signum domni Ottonis (M.) invictissimi regis.

Hildibaldus episcopus et cancellarius vice Uuilligisi archicapellani notavi.

Data xv. kal. februarii anno dominice incarnationis DCCCCLXXXXVII, indictione XV, anno autem tertii Ottonis regnantis IIII; actum Andernacha; in Christo feliciter amen.

Übersetzung: Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Otto, durch das Geschenk göttlicher Freigebigkeit König. Die gesamte Schar unserer Getreuen, welchen Standes auch immer und wo auch immer ansässig, möge zur Bekräftigung wissen, dass ein edler Mann namens Megingoz mit seiner frommen Gemahlin Gerbirga vor uns getreten ist und ein Kloster, das sie aus ihrem eigenen Erbgut um des Lohnes des ewigen Lebens und ihres Gedächtnisses in dieser Welt willen schon früher mit Zustimmung und Vollmacht unseres frommen Vaters, des erhabenen Kaisers Otto, an dem Ort namens Vilich errichtet hatten, in unsere Hände übergeben hat, mit der Bitte, es zur Festigung und zum Schutz jenes Ortes durch unsere königliche Macht von jedem weltlichen Dienst zu befreien und zu schützen.

Ihren frommen Bitten stimmen wir zu und folgen dem Rat unserer teuersten Mutter, der erhabenen Kaiserin Theophanu, und vieler unserer Fürsten, nämlich Willigis, des Erzbischofs der heiligen Mainzer Kirche, Giselhers, des Erzbischofs der Magdeburger Kirche, Hildibalds, des Bischofs der heiligen Wormser Kirche, Notkers, des Bischofs der heiligen Lütticher Kirche, und Adalberos, des Bischofs der heiligen Verduner Kirche, der Herzöge Heinrich, Konrad und Dietrich sowie sehr vieler anderer Grafen und Richter. So haben wir ihm nach dem Recht und der Ordnung der übrigen Klöster in unserem Reich, nämlich Quedlinburg, Gandersheim und Essen, die Freiheit gegeben und es von jeder Beunruhigung durch das Joch weltlicher Zwangsgewalt gelöst, und zwar so, dass kein Bischof, Graf, Richter oder Vogt die Befugnis haben soll, bei der Verfolgung von Rechtssachen das Kloster oder die Hörigen jenes Ortes zu bedrängen, irgendeinen Dienst davon zu fordern oder auf den Gütern der genannten Kirche Gericht zu halten – außer in geistlichen Dingen und soweit es der Äbtissin des Ortes gefällt. Ferner sollen die Schwestern der heiligen Gemeinschaft, die dort Gott dienen, künftig frei entscheiden, welchen Vogt und welche Äbtissin sie aus ihrer Mitte wählen, vor allem wenn sich in der Verwandtschaft jenes guten Mannes und der oben genannten Matrone, durch deren guten Willen jener Ort dem Gottesdienst übereignet wird, jemand für dieses Amt Geeignetes findet; wenn nicht, so soll anderswo gesucht werden. Und damit diese Freiheit unserer Schenkung fest und beständig bleibe, haben wir befohlen, das darüber ausgefertigte Privileg durch den Abdruck unseres Siegels und unten durch unser eigenhändiges Zeichen zu bekräftigen.

Zeichen des Herrn Otto (Monogramm), des unbesiegbarsten Königs.

Ich, Hildibald, Bischof und Kanzler, habe in Vertretung des Erzkapellans Willigis ausgefertigt.

Gegeben am 15. Tag vor den Kalenden des Februar [= 18. Januar] im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 987 [die Vorlage schreibt DCCCCLXXXVII; Indiktion und Regierungsjahr ergeben 987], in der 15. Indiktion, im 4. Regierungsjahr Ottos III.; verhandelt in Andernach; in Christus glücklich, Amen.

0996 Mai 24 Papst Gregor V. bestätigt Kloster Vilich

Gregor unterstellt es dem päpstlichen Schutz und erteilt ihm die Freiheit der Wahl der Äbtissin.4

In nomine sanctae et individuae trinitatis. Gregorius qui et Bruno, sanctae catholice et apostolicae romanae ecclesiae gratia dei episcopus. Desiderium quod ad religiosum propositum et sanctorum locorum stabilitatem pertinere monstratur, sine aliqua et deo auctore dilatione perficiendum, et quotiens in quibusdam sanctae ecclesiae utilitatibus vel commodis, noster assensus et solitum apostolicae auctoritatis exposcitur praesidium, ultro benignitatis intuitu nos convenit subvenire, et ratum propositum pro integra securitate ex ratione solidare, ut ex hoc sanctorum veneratio locorum salus et indemnitas profligatur, et nobis quoque lucri potissimum premium a conditore omnium deo in sidereis arcibus proscribatur.

Rogantibus igitur fidelibus hildibaldo videlicet vuormacensi episcopo, et notgero aecclcsiae leodicensis antistite, immo nostram reverentiam humiliter implorantibus, quoddam monasterium ancillarum dei in honore sanctorum martirum cornelii et cipriani a comite megingozo diveque memoriae coniuge eius gerburga noviter constructum, nec non in comitatu herimanni palatini comitis, episcopatu vero evergeri coloniensis archiepiscopi, pago autem aualgauue in loco filiche situm. cui moderno tempore abbatissa religiosi nominis azela quae ei prima praeesse videtur. et sicut certo eorum relatu didicimus regie domni ottonis tercii modo imperatoris potestati atque munificentiae presentibus avia videlicet sua adalheida et matre sua theophanu imperatricibus augustis anternaco traditum,

apostolicae auctoritatis serie praefato domno imperatore ottone succurrente munivimus, atque privilegiis sanctae romane sedis eo tenore decoravimus. quatinus proscriptum monasterium nullius alterius umquam aecclesiae sine alicuius persone dignitati deinceps summittatur sed prout abbatissae profati monasterii quacumque fuerit videatur. locus ad regulam sancti benedicti disponatur, monache inserantur, habentes videlicet potestatem, et apostolicam sub anathemate si quis huic sententiae contraierit concessionem, et abbatissam si quando opus fuerit eligendi, et ceteris utilitatibus aecclesiae prout facultas fuerit providendi et voluntas disponendi. Quapropter ut in exolvendis inibi deo laudibus mora nulla proveniat, sed potius divina placetur ancillarum dei conatu clementia, possitque hoc quod a nobis iusta deliberatione decretum est. futuris inconvulso permanere temporibus, nostram manuscriptionem pro confirmatione subiecimus. simulque primatum qui huic titulo corroborando interfuere signa et nomina notari precepimus.

Scriptum per manus Petri regionarii, notarii et scriniarii sanctae romane aecclesiae in mense maio, et indictione VIII. G. manu gregorii pape benevalete. + Otto tertius dei gratia imperator augustus sign[um] + Vuilligisus mogontinus archiepiscopus sign[um] [Es folgen die Bischöfe von Salzburg, Worms, Straßburg, Speier, Lüttich, Verdun, Konstanz, Freising und Passau.]

Anno incarnationis dominicae DCCCCXCVI. indictione VIIII. anno pontificatus domni gregorii summi pontificis et universalis quinti papae in sacratissima sede beati petri apostoli primo. Regni vero domni Ottonis tercii anno XIII. imperii autem I. mense maio, VIIII. kalendas iunii. Actum rome feliciter.

Übersetzung: Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Gregor, der auch Bruno heißt, durch Gottes Gnade Bischof der heiligen katholischen und apostolischen römischen Kirche. Ein Anliegen, das erkennbar einem frommen Vorhaben und der Beständigkeit heiliger Orte dient, ist ohne jeden Aufschub und mit Gottes Hilfe zu erfüllen. Und so oft in Angelegenheiten zum Nutzen oder Vorteil der heiligen Kirche unsere Zustimmung und der gewohnte Schutz der apostolischen Autorität erbeten wird, ziemt es uns, aus Güte bereitwillig zu helfen und das gebilligte Vorhaben zu voller Sicherheit nach Recht und Vernunft zu festigen, damit dadurch die Verehrung der heiligen Orte, ihr Wohl und ihre Unversehrtheit gefördert werden und auch uns von Gott, dem Schöpfer aller Dinge, in den himmlischen Burgen der höchste Lohn zugeschrieben werde.

Auf Bitten also unserer Getreuen, nämlich Hildibalds, des Bischofs von Worms, und Notgers, des Vorstehers der Lütticher Kirche, ja auf ihr demütiges Flehen an unsere Ehrwürdigkeit hin, [betrifft dies] ein Kloster der Mägde Gottes zu Ehren der heiligen Märtyrer Cornelius und Cyprian, das von Graf Megingoz und seiner Gemahlin seligen Angedenkens Gerburga neu erbaut wurde. Es liegt in der Grafschaft des Pfalzgrafen Hermann, im Bistum des Kölner Erzbischofs Everger, im Auelgau, am Ort Vilich. Ihm steht gegenwärtig als erste die Äbtissin Azela [= Adelheid] vor, eine Frau von frommem Ruf. Und wie wir aus ihrem zuverlässigen Bericht erfahren haben, wurde es der königlichen Gewalt und Huld des Herrn Otto III., jetzt Kaisers, in Anwesenheit seiner Großmutter Adelheid und seiner Mutter Theophanu, der erhabenen Kaiserinnen, zu Andernach übergeben.

Dieses Kloster haben wir kraft der apostolischen Autorität und mit Unterstützung des vorgenannten Herrn Kaisers Otto geschützt und mit den Privilegien des heiligen römischen Stuhls in der Weise ausgestattet, dass das genannte Kloster künftig niemals einer anderen Kirche oder der Würde irgendeiner Person unterstellt werde, sondern [alles geschehe], wie es der jeweiligen Äbtissin dieses Klosters gut erscheint. Der Ort soll nach der Regel des heiligen Benedikt geordnet werden, und Nonnen sollen aufgenommen werden. Sie sollen kraft apostolischer Bewilligung – unter Androhung des Kirchenbanns für jeden, der diesem Beschluss zuwiderhandelt – die Befugnis haben, eine Äbtissin zu wählen, wann immer es nötig ist, und für die übrigen Belange der Kirche nach Vermögen zu sorgen und nach ihrem Willen zu verfügen. Damit daher beim Gotteslob dort keine Verzögerung eintrete, sondern vielmehr die göttliche Milde durch das Bemühen der Mägde Gottes gnädig gestimmt werde, und damit das, was wir nach gerechter Überlegung beschlossen haben, für künftige Zeiten unerschüttert fortbestehe, haben wir zur Bestätigung unsere eigenhändige Unterschrift daruntergesetzt und zugleich befohlen, die Zeichen und Namen der Großen zu verzeichnen, die bei der Bekräftigung dieser Urkunde zugegen waren.

Geschrieben von der Hand des Petrus, Regionarnotars und Skriniars der heiligen römischen Kirche, im Monat Mai, in der 8. Indiktion [unten: 9.]. G. – von der Hand Papst Gregors: Lebt wohl! + Zeichen Ottos III., von Gottes Gnaden erhabener Kaiser. + Zeichen des Mainzer Erzbischofs Willigis. [Es folgen die Bischöfe von Salzburg, Worms, Straßburg, Speyer, Lüttich, Verdun, Konstanz, Freising und Passau.]

Im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 996, in der 9. Indiktion, im ersten Jahr des Pontifikats des Herrn Gregor, des höchsten Bischofs und allgemeinen Papstes, des fünften dieses Namens, auf dem hochheiligen Stuhl des seligen Apostels Petrus; im 13. Jahr der Königsherrschaft des Herrn Otto III., im 1. Jahr seines Kaisertums, im Monat Mai, am 9. Tag vor den Kalenden des Juni [= 24. Mai]. Verhandelt in Rom, glücklich.

1003 Feb 26 Heinrich II.: Urkunde für Vilich5

König Heinrich II. (978–1024) bestätigt und bekräftigt die alten Schutzgarantien für Vilich.

In nomine sancte et individue trinitatis. Henricus divine caritatis munere rex. Omnis fidelium nostrorum cuiuscumque condicionis coetus quocumque locorum situs pro maioris auctoritatis causa cognoscat, qualiter quidam nobilis vir Megingoz cum religiosa coniuge sua Gerbirga quondam regalem karissimi senioris nostri tercii Ottonis augusti presenciam adierunt et quoddam monasterium, quod de proprio patrimonio suo pro eterne vite premio et memoria sui in isto seculo iam pii patris Sui videlicet secundi Ottonis imperatoris augusti consensu in loco qui Vileke dicitur construxerunt, in suas manus tradiderunt, rogantes pro illius loci stabilitate et defensione de omni seculari servicio illud sua regali potencia liberari ac muniri; quod et factum est. Nostro quoque tempore venerabilis eiusdem monasterii abbatissa nomine Adelheyda per interventum dilecte coniugis nostre Cünegunde videlicet regine nostra id denuo fieri munificencia supplex rogavit. Cuius piis peticionibus assencientes cenobio illi ad legem et ad regularem ordinem ceterorum monasteriorum in nostro regno degencium, scilicet Quiddelinburch, Ganderesheym, Asnithe libertatem dedimus et ab omni inquietudine secularis districtionis iugo absolvimus, ea racione ut nullus episcopus comes iudex aut advocatus in exequendis causis id aut illius loci servos stringere vel aliquod servicium inde exigere aut placitum in memorate ecclesie prediis agere aliquam potestatem habeant, nisi que divina sunt et quantum ipsius loci abbatisse placeat, et ut sorores sancte congregacionis inibi deo militantes in futura tempora in libero arbitrio habeant, [48] quem advocatum et quam abbatissam inter se eligant, maxime si in illius boni viri et matrone supra dicte, quorum bona voluntate ille locus divino mancipatur servicio, parentela ad id officium ydonea inveniatur, sin autem, alias queratur. Et ut hec nostre donacionis libertas firma stabilisque permaneat, hoc privilegium inde conscriptum nostri sigilli impressione iussimus propria subter notando manu corroborari.

Signum domni Henrichi (M.) regis invictissimi.

Data IIII. kal. marcii anno dominice incarnacionis MIII.

Übersetzung: Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich, durch das Geschenk göttlicher Liebe König. Die gesamte Schar unserer Getreuen, welchen Standes auch immer und wo auch immer ansässig, möge zur Bekräftigung wissen, dass ein edler Mann, Megingoz, mit seiner frommen Gemahlin Gerbirga einst vor das königliche Angesicht unseres teuersten Herrn, des erhabenen Otto III., getreten ist und ein Kloster, das sie aus ihrem eigenen Erbgut um des Lohnes des ewigen Lebens und ihres Gedächtnisses in dieser Welt willen schon mit Zustimmung seines frommen Vaters, nämlich des erhabenen Kaisers Otto II., an dem Ort namens Vilich errichtet hatten, in seine Hände übergeben hat, mit der Bitte, es zur Festigung und zum Schutz jenes Ortes durch seine königliche Macht von jedem weltlichen Dienst zu befreien und zu schützen; und so ist es auch geschehen. Auch zu unserer Zeit hat die ehrwürdige Äbtissin desselben Klosters namens Adelheid auf Fürsprache unserer geliebten Gemahlin, der Königin Kunigunde, demütig gebeten, dies durch unsere Huld erneut zu gewähren.

Ihren frommen Bitten stimmen wir zu und haben jenem Kloster nach dem Recht und der Ordnung der übrigen Klöster in unserem Reich, nämlich Quedlinburg, Gandersheim und Essen, die Freiheit gegeben und es von jeder Beunruhigung durch das Joch weltlicher Zwangsgewalt gelöst, und zwar so, dass kein Bischof, Graf, Richter oder Vogt die Befugnis haben soll, bei der Verfolgung von Rechtssachen das Kloster oder die Hörigen jenes Ortes zu bedrängen, irgendeinen Dienst davon zu fordern oder auf den Gütern der genannten Kirche Gericht zu halten – außer in geistlichen Dingen und soweit es der Äbtissin des Ortes gefällt. Ferner sollen die Schwestern der heiligen Gemeinschaft, die dort Gott dienen, künftig frei entscheiden, welchen Vogt und welche Äbtissin sie aus ihrer Mitte wählen, vor allem wenn sich in der Verwandtschaft jenes guten Mannes und der oben genannten Matrone, durch deren guten Willen jener Ort dem Gottesdienst übereignet wird, jemand für dieses Amt Geeignetes findet; wenn nicht, so soll anderswo gesucht werden. Und damit diese Freiheit unserer Schenkung fest und beständig bleibe, haben wir befohlen, das darüber ausgefertigte Privileg durch den Abdruck unseres Siegels und unten durch unser eigenhändiges Zeichen zu bekräftigen.

Zeichen des Herrn Heinrich (Monogramm), des unbesiegbarsten Königs.

Gegeben am 4. Tag vor den Kalenden des März [= 26. Februar] im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1003.

1144 Konrad III.: Urkunde für Vilich, Fälschung6

Noch einmal werden die Rechte bestätigt und die Besitzungen aufgelistet:

1200 Vita Adelheidis7, Auszug

[23] Pater eius [=Adelheidis] comes illustris Megengoz [† 997] cognominatus sapientia, nobilitate, divitiis, exceptoque regimine et prenomine regni, ut rex suo tempore magnus inter principes habebatur et nominatus. Mater vero Gerbirga [† 994] nuncupata, eque illi nobilissimo germine propagata, filia exstitit ducis cuiusdam nomine Godefridi, tunc tempore magnis et incomparabilis viri. […]

[24] Duo vero prenominati tantis mundanae gloriae nitentes splendoribus, studebant etiam ante Dominum fulgere variis virtutum floribus, et ideo ad augmentum tanti honoris donati sunt adoptione unius masculae prolis, cui humanitus impositio aviti nominis et divinitus collata est dignitas eiusdem virtutis et ominis. Quatuor enim filias genuerunt; quarum binas spe posteritatis nuptum tradiderunt; quae ambae et maritali potentia et omnium bonorum et divitiarum illustres exstiterunt affluentia. Ex quibus una nomine Irminthrudis avia erat Henrici magnifici ducis et Adhelberonis Metensis episcopi, Friderici ducis fratrumque suorum, magnorum scilicet [25] huius temporis virorum. Altera vero Alverad nominata similiter suae posteritatis preclaris incrementis erat donata. Reliquae vero binae Coloniae mancipatae sunt servituti et legi divinae; una in monasterio sanctae Dei genitricis Mariae [im Kapitol], quae tanta promovebatur industria morum, observantia regularis imperii, ut digne constitueretur domna et mater illius monasterii. Haec vero, de qua nobis est sermo, in monasterio sanctarum virginum subiit suave iugum Domini secundum regularem institutionem sancti Iheronimi. […]

Übersetzung: [23] Ihr [Adelheids] Vater, der erlauchte Graf Megingoz [† 997], galt zu seiner Zeit wegen seiner Weisheit, seines Adels und seiner Reichtümer – abgesehen von der Herrschaft und dem Titel eines Königs – gleichsam wie ein König als groß unter den Fürsten und wurde so genannt. Die Mutter aber, Gerbirga [† 994] genannt, entstammte ebenso wie er edelstem Geschlecht; sie war die Tochter eines Herzogs namens Gottfried, eines zu jener Zeit großen und unvergleichlichen Mannes. […]

[24] Die beiden Genannten, die im Glanz so großen weltlichen Ruhmes strahlten, bemühten sich, auch vor dem Herrn in mannigfachen Blüten der Tugenden zu leuchten. Darum wurde ihnen zur Mehrung so großer Ehre ein einziger männlicher Nachkomme geschenkt, dem von Menschen der Name des Großvaters gegeben und von Gott die Würde derselben Tugend und Vorbedeutung verliehen wurde. Sie bekamen nämlich [außerdem] vier Töchter; zwei davon gaben sie in der Hoffnung auf Nachkommenschaft zur Ehe. Beide wurden sowohl durch die Macht ihrer Ehemänner als auch durch die Fülle aller Güter und Reichtümer berühmt. Die eine von ihnen, namens Irmintrud, war die Großmutter des prächtigen Herzogs Heinrich und des Metzer Bischofs Adalbero, des Herzogs Friedrich und ihrer Brüder, also großer [25] Männer dieser Zeit. Die andere, Alverad genannt, wurde gleichfalls mit glänzendem Zuwachs an Nachkommenschaft beschenkt. Die übrigen zwei aber wurden in Köln dem Dienst und dem göttlichen Gesetz übergeben: die eine im Kloster der heiligen Gottesgebärerin Maria [im Kapitol], die sich durch solchen Eifer in ihrem Lebenswandel und in der Befolgung der Ordensregel auszeichnete, dass sie mit Recht zur Herrin und Mutter [= Äbtissin] jenes Klosters bestellt wurde. Diese aber, von der wir sprechen, nahm im Kloster der heiligen Jungfrauen [St. Ursula] das süße Joch des Herrn auf sich, nach der Regel des heiligen Hieronymus. […]

1595 J. Molanus: »Natales sanctorum Belgii«, Auszug

Natales sanctorum Belgii, & eorundem chronica recapitulatio. | Auctore Ioanne Molano8, Cive & Doctore Theologo Louvaniensi, | Lovanii, | Apud Ioannem Masium, & Philippum Zangrium, Bibliopolas Iuratos. | MDXCV. | Cum gratia et privilegio.9

Übersetzung: Die Gedenktage der Heiligen der Niederlande und deren chronologische Zusammenfassung. Verfasser Johannes Molanus, Bürger und Doktor der Theologie zu Löwen. Löwen, bei Johannes Masius und Philipp Zangrius, vereidigten Buchhändlern. 1595. Mit Gnade und Privileg.

Decima nona Decembris.

De sancto Megengoso, Geldriae praefecto.

Ex Geldriae Chronicis, historia sancta Adelheidis per Bertradam, & responso D. Petri Radij10

Übersetzung: Neunzehnter Dezember.

Über den heiligen Megingoz, Vogt von Geldern.

Aus den Chroniken von Geldern, der Geschichte der heiligen Adelheid von Bertrada und einer Auskunft des Herrn Petrus Radius.

In Vilika, depositio sancti Megengosi confessoris. De quo in Chronicis Geldriae scribit Iaspar de Hartefelt, Canonicus Graviensis; Legitur quod tempore Othonis tertij fuerit Megengosus Comes Geldriae, qui instituit monasterium Vilicense, ex opposito Bonnae, & multis possessionibus haereditavit, ibique sepultus est, anno millesimo primo, & canonizatus. Item Henricus Aquilius. Vichardus secundus, quartus sit, praefectus Geldriae, coniugem habuit filiam Comitis Zutphaniensis, ex qua genuit filium Mengosum, qui patre mortuo publicis suffragijs in praefectura successit. Pulcherrima huius praefecti stratagemata lector in chronicis Geldriae confideret: ubi singula prolixe commonstrantur. Fuisse autem illum insigni pietate praeditum accepimus. Condidit monasterium Vilich non procul a Bonna oppido, in ducatu Bergensi. Ubi & sepultus est anno Imperij vigesimo octavo.

Übersetzung: In Vilich die Beisetzung des heiligen Bekenners Megingoz. Über ihn schreibt Jaspar von Hartefelt, Kanoniker zu Grave, in den Chroniken von Geldern: Man liest, dass zur Zeit Ottos III. Megingoz Graf von Geldern war; er gründete das Kloster Vilich gegenüber von Bonn und stattete es mit vielen Besitzungen aus. Dort ist er im Jahr 1001 begraben und heiliggesprochen worden. Ebenso Heinrich Aquilius: Wichard II., nämlich der vierte Vogt von Geldern, hatte eine Tochter des Grafen von Zutphen zur Frau; mit ihr zeugte er einen Sohn Megingoz, der nach dem Tod des Vaters durch öffentliche Wahl in der Vogtei nachfolgte. Die vortrefflichen Kriegslisten dieses Vogtes möge der Leser in den Chroniken von Geldern nachlesen, wo sie einzeln ausführlich dargestellt werden. Wir haben aber erfahren, dass er von ausgezeichneter Frömmigkeit war. Er gründete das Kloster Vilich nicht weit von der Stadt Bonn, im Herzogtum Berg. Dort ist er auch begraben, im 28. Jahr der Kaiserherrschaft.

Sed ut ad antiquiora & digniora veniam, encomia eius non tacuit Bertrada virgo, in historia [283] sanctae Adelheidis, primae abbatissae Vilecensis. Scribit enim hanc sanctam virginem parentes habuisse Megengorem illustrem Comitem, & Gerbirgam ducis Godefridi filiam, ea tempestate magni & incomparabilis viri: qui cum essent mundi huius amplissimis aucti honoribus, etiam coram Deo conati sunt virtutum se studiosos exhibere. Cumque filius, eiusdem cum avo materno nominis in exercitu Imperatoris adversus Boëmos cecidisset, & cadaver difficulter quidem sed honorifice in patriam deportaretur, parentes revolventes praeterire figuram huius mundi, & toto pectore caelestem ac sempiternam patriam suspirantes, bonorum omnium quae erant Godefridi filij, Deum haeredem instituerunt, ut eius anima caelestis paradisi haereditate potiretur. Enimvero e fundamentis excitarunt in Vilika templum venerabile, praedijsque & mancipijs illud ditarunt: atque inter se sani & incolumes mutuo consensu decreverunt pro Christi amore communis tori nescire commercia. Quo in loco permansit Gerbirga, nocte ac die vacans orationibus, ita ut non immerito possit anteponi illis viduis quas ob continentiae meritum Apostolus vocat vere viduas {1. Tim. 511}. Vidit etiam collectam sanctarum virginum multitudinem sub filia sua Adelheide. Cumque monasterium a duobus Imperatoribus Othone tertio & Henrico multa libertate donatum esset, non multo post pia mater rebus humanis exemta est, illo donanda beatitudinis praemio quod Dominus in Evangelio vigilanti servo {Luc. 1212} promittit. Maritus vero qui, [284] utpote princeps, mundo specie tenus inservire cogebatur, post triennium cunctis bonis ex gratia Dei auctus in loco qui Gelre dicitur migravit: & ab Adelheide filia Vilicae est honorifice apud coniugem tumulatus. Idem autem ipse postea apparens cuidam eius monasterij sorori dixit: Megengor ego dictus sum cum me corporis gravaret moles: at nunc vocabulo in melius commutato Megengaudius vocor, quandoquidem gaudijs fruor sempiternis. Hactenus ex Bertrada.

Übersetzung: Doch um zu Älterem und Würdigerem zu kommen: Sein Lob hat die Jungfrau Bertrada in der Geschichte der heiligen Adelheid, der ersten Äbtissin von Vilich, nicht verschwiegen. Sie schreibt nämlich, diese heilige Jungfrau habe zu Eltern den erlauchten Grafen Megingoz und Gerbirga gehabt, die Tochter des Herzogs Gottfried, eines zu jener Zeit großen und unvergleichlichen Mannes. Obwohl sie mit den reichsten Ehren dieser Welt ausgezeichnet waren, hätten sie sich bemüht, sich auch vor Gott als eifrig in den Tugenden zu erweisen. Als ihr Sohn, der denselben Namen wie sein Großvater mütterlicherseits trug, im Heer des Kaisers gegen die Böhmen gefallen war und sein Leichnam zwar mit Mühe, aber ehrenvoll in die Heimat überführt wurde, bedachten die Eltern, dass die Gestalt dieser Welt vergeht [vgl. 1 Kor 7,31], und sehnten sich von ganzem Herzen nach der himmlischen und ewigen Heimat. Sie setzten Gott zum Erben aller Güter ein, die ihrem Sohn Gottfried gehört hatten, damit seine Seele das Erbe des himmlischen Paradieses erlange. So errichteten sie in Vilich von Grund auf ein ehrwürdiges Gotteshaus und statteten es reich mit Landgütern und Hörigen aus; und sie beschlossen, noch gesund und wohlbehalten, in gegenseitigem Einvernehmen, um der Liebe Christi willen auf die eheliche Gemeinschaft zu verzichten.

An diesem Ort blieb Gerbirga und widmete sich Tag und Nacht dem Gebet, sodass man sie nicht zu Unrecht jenen Witwen vorziehen kann, die der Apostel wegen des Verdienstes der Enthaltsamkeit wahre Witwen nennt {1 Tim 5}. Sie sah auch eine versammelte Schar heiliger Jungfrauen unter der Leitung ihrer Tochter Adelheid. Nachdem das Kloster von zwei Kaisern, Otto III. und Heinrich, mit großer Freiheit beschenkt worden war, wurde die fromme Mutter bald darauf dem irdischen Leben entrissen, um mit jenem Lohn der Seligkeit beschenkt zu werden, den der Herr im Evangelium dem wachsamen Knecht verheißt {Lk 12}. Ihr Gatte aber, der als Fürst gezwungen war, der Welt wenigstens dem Anschein nach zu dienen, schied nach drei Jahren, durch Gottes Gnade mit allen Gütern gesegnet, an dem Ort namens Geldern aus dem Leben und wurde von seiner Tochter Adelheid in Vilich ehrenvoll neben seiner Gattin bestattet. Später erschien er einer Schwester seines Klosters und sprach: ‚Megingoz wurde ich genannt, als mich noch die Last des Leibes beschwerte; jetzt aber, da mein Name sich zum Besseren gewandelt hat, heiße ich Megengaudius, weil ich ewige Freuden [lat. gaudia] genieße.‘ Soweit nach Bertrada.

Plura vero de eo expetens ex Bonna responsum accepi, sancti Megengosi sive Megengaudij, a vulgo Mengo dicti, fundatoris Vilecensis ecclesiae & patris sanctae Adelheidis virginis & primae ibidem abbatissae festum diem sive natalem non celebrari, sed unicum eum habere suffragium, & unicam collectam in die sanctae Adelheidis. Et similiter alias ter aut quater annue, ad placitum Canonicarum & Canonicorum. Epitaphium ad sepulcrum excisum est in arcu deaurato,

Übersetzung: Als ich mehr über ihn zu erfahren suchte, erhielt ich aus Bonn die Auskunft, dass für den heiligen Megingoz oder Megengaudius, vom Volk Mengo genannt, den Gründer der Kirche von Vilich und Vater der heiligen Jungfrau Adelheid, der ersten Äbtissin daselbst, kein eigener Fest- oder Gedenktag gefeiert werde; er habe vielmehr nur ein einziges Fürbittgebet (Suffragium) und eine einzige Oration (Kollekte) am Tag der heiligen Adelheid, und ebenso sonst drei- oder viermal im Jahr, nach Belieben der Stiftsdamen und Stiftsherren. Die Grabinschrift ist am Grab in einen vergoldeten Bogen gemeißelt:

Regum dulcis amor, patriae pater altor egentum,
Ecce Megengaudus hic tumulatus inest.
Scit servare fidem divo Gerbirga marito,
Quam mors non separat coniugis a gremio.
Hoc templum proprijs struxerunt ruribus ambo,
Felices quorum praedia praeda Dei.
Cum quartus decimus sol volvitur ante horizontem
Ianum, tunc senior raptus ad astra fuit.

Übersetzung:
Der Könige süße Liebe, des Vaterlands Vater, der Bedürftigen Ernährer –
siehe, Megengaudus liegt hier begraben.
Gerbirga weiß ihrem verklärten Gatten die Treue zu halten;
der Tod trennt sie nicht vom Schoß des Gemahls.
Diesen Tempel erbauten beide aus ihren eigenen Ländereien –
glücklich, deren Güter Gottes Beute sind [Wortspiel praedia – praeda].
Als die Sonne zum vierzehnten Mal vor [den Kalenden des] Januar
über den Horizont rollte [= 19. Dezember], da wurde der Greis zu den Sternen entrückt.

1645 Ae. Gelenius: »De admiranda sacra et civili magnitudine Coloniæ Claudiae Agrippinensis augustae Ubiorum urbis libri IV«, Auszug

De admiranda, sacra, et civili magnitudine Coloniæ Claudiae Agrippinensis augustæ Ubiorum urbis libri IV. […] authore ægidio Gelenio13 S[anctissimae] Th[eologiae] L[icentiatus] ad S[anctae] Andreæ Canonico, Consiliario Ecclestiastico & Historiographo Archiepiscopali. | Coloniæ Agrippinæ, | apud Iodocum Kalcovium Bibliopolam | Anno MDCXLV. | Cum Licentia utriusque Magistruum.14

Übersetzung: Über die bewundernswerte geistliche und weltliche Größe der Colonia Claudia Agrippinensis, der erhabenen Stadt der Ubier, vier Bücher. […] Verfasser Aegidius Gelenius, Lizentiat der hochheiligen Theologie, Kanoniker an St. Andreas, erzbischöflicher geistlicher Rat und Geschichtsschreiber. Köln, bei Jodocus Kalcovius, Buchhändler. Im Jahr 1645. Mit Erlaubnis beider Obrigkeiten [der geistlichen und der weltlichen].

[…]

Sacri & Pii Fasti Agrippinenses

[748] Quarto Decimo Kal. Ianuarij die Decemb[ris] [=19.12.]

Vilicae in nobili utriusque sexus collegio, prope a Rheno ad dextrum fluvij latus, ex adverso Bonnensis oppidi, B[eatus] Mengosi vel Mengegozi fundatoris ibidem, cuius caput solebat ante Truchsesianum Coloniense bellum inter Reliquias ostentari. Item venerabilis Gerbirgae uxoris Megengosi, filia Godefridi ducis Franconiae, & Beati Godefridi eorundem Filij, huius nepotis qui in Bello Bohemico defunctus apud parentes Vilica depositus est, a sorore sua S[ancta] Adelheide prima Abbatissa.

Übersetzung: Heiliger und frommer Kölner Festkalender

Am 14. Tag vor den Kalenden des Januar, im Dezember [= 19.12.]

In Vilich, im adligen Stift für beiderlei Geschlecht, nahe am Rhein auf der rechten Flussseite, gegenüber der Stadt Bonn: [Gedächtnis] des seligen Mengoz oder Megingoz, des dortigen Gründers, dessen Haupt bis zum Truchsessischen Krieg [Kölner Krieg 1583–1588] unter den Reliquien gezeigt zu werden pflegte. Ebenso der ehrwürdigen Gerbirga, der Gemahlin des Megingoz und Tochter Herzog Gottfrieds von Franken, und des seligen Gottfried, ihres Sohnes und Enkels jenes [Herzogs Gottfried], der im Böhmischen Krieg fiel und von seiner Schwester, der heiligen Adelheid, der ersten Äbtissin, bei den Eltern in Vilich beigesetzt wurde.

1835 Die heilige Adelheid von Vilich

Rheinischer Sagenkreis. Ein Ciclus von Romanzen, Balladen und Legenden des Rheins. Nach historischen Quellen bearbeitet von Adelheid von Stolterforth, Stiftsdame. Mit ein und zwanzig Umrissen, nach Zeichnungen von A. Rethel in Düsseldorf, lithographiert von Dielmann. Frankfurt a/M. verlegt bei Karl Jügel, Buch- und Kunsthändler. 183515

Die heilige Adelheid. {Legende}

Einst kniet‘ die heil‘ge Adelheid
Zu Villich in dem Chor.
Und eine Nonne sang ihr falsch
Das alte Lied in’s Ohr.
Sie blickt nach ihr
Mit ernstem Blick,
Doch Schwester Agnes
Schaut nicht zurück.

Ihr Auge ruhet halb im Traum
Auf einem Edelknecht. —
Er stützt sich finster auf sein Schwert,
Als wollt‘ er in’s Gefecht.
Sechs Jahre schon
Hat sie beweint
Den Todtgeglaubten,
Der nun erscheint.

Er sieht, umstrahlt vom Abendlicht,
Ganz ihrem Robert gleich.
Doch trüber ist dieß Angesicht.
Die Wangen sind zu bleich.
Er blickt so wild
Zu ihr empor,
Dass sie die Stimme
Bald ganz verlor.

Darob ergrimmt in heil’gen Zorn,
Hebt Adelheid die Hand,
Und giebt ihr einen Nackenstreich,
Dass Hör‘n und Seh‘n ihr schwand.
Sie senkt den Blick
Und sagt kein Wort,
Sie hebt ihn wieder
Und – er ist fort.

Und, O des Wunders! plötzlich süss
Und rein wie Engelslied,
Ein sanfter, klagender Gesang
Der jungen Brust entflieht.
Wie Himmelslust
Und ew‘ger Schmerz
Tönt es ergreifend
Von Herz zu Herz.

Die Heil‘ge braucht die Wunderkraft
An allen Nonnen bald,
Kein falscher Ton ward mehr gehört
Von Jungen oder Alt.
Doch keine mehr
Wie Agnes sang,
Schad‘, dass ihr Lied
So bald verklang.

Literaturverzeichnis

Anmerkungen

  1. Übersetzung durch d. Herausg., nach der KI „Claude“. ↩
  2. Fundstelle: (Monumenta Germaniae historica. Diplomatum regum et imperatorum Germaniae Tomus 1 1884, 141) ↩
  3. Fundstelle: (Monumenta Germaniae historica. Diplomatum regum et imperatorum Germaniae Tomus 2b 1893, 431 f). – Photo der Urkunde in (Piesik 2016, 61). ↩
  4. Fundstelle: (Lacomblet 1840, 77). ↩
  5. Fundstelle: (Monumenta Germaniae historica. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Band 3 1903, 47 f) ↩
  6. Fundstelle: (Monumenta Germaniae historica. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Band 9 1969, 186 ff) ↩
  7. Lateinisch und deutsch in (Piesik 2016). ↩
  8. Johannes Molanus (auch bekannt als Jan Vermeulen, Jan van der Meulen oder Jean Molano) (* 1533 in Lille; † 1585 in Leuven) war ein bedeutender flämischer Theologe der Gegenreformation. ↩
  9. Fundstelle: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Signatur TH L 444; urn:nbn:de:bvb:12-bsb11288208-06. ↩
  10. Nicht identifiziert. ↩
  11. „Das ist aber eine rechte Witwe, die alleinsteht, die ihre Hoffnung auf Gott setzt und beharrlich fleht und betet Tag und Nacht.“ ↩
  12. „Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht.“ ↩
  13. Aegidius Gelenius (* 10. Juni 1595 in Kempen; † 24. August 1656 in Osnabrück) war ein römisch-katholischer Geistlicher und Kölner Historiograph aus dem 17. Jahrhundert. ↩
  14. Fundstelle: BSB München, Signatur 4 Germ.sp.119; urn:nbn:de:bvb:12-bsb10002723-2. ↩
  15. Fundstelle: (von Stolterforth 1835, 45 ff); ULB Düsseldorf; urn:nbn:de:hbz:061:2-1638-p0005-8. ↩