Kaspar Anton Müller

Geschichte
der Stadt Bonn

Bonn 1834

herausgegeben vonNorbert Flörken

Bonn 2026

Impressum · © 2026 by nf

Vorwort des Herausgebers

Einige Jahre nach dem Ende der Franzosenzeit unternahmen es … Kaspar Anton Müller und der Kunsthistoriker Helfrich Bernhard Hundeshagen, die Geschichte und den Zustand ihrer Stadt in neuem Gewande zu präsentieren. Gleichzeitig präsentierten sie damit auch quasi die Eintrittskarte Bonns in den preussischen Staat.

Müller wiederholt in der Antike kritiklos die phantasievollen Märchen und frommen Legenden (siehe Helena, S. 39) seiner Vorgänger, die keine reale, sondern Heilsgeschichte schrieben. Im Mittelalter beschränkt er sich auf die Fakten. In der frühen Neuzeit beurteilt er den gescheiterten Erzbischof Gebhard Truchsess maßvoll. Für die Periode 1794–1814 erkennt er durchaus die Errungenschaften an, die die Franzosen einbrachten, und will ihnen »Gerechtigkeit widerfahren lassen« (S. 236). Nichtsdestotrotz ist Müller glücklich (S. 238), als mit den Preussen wieder ein Herrscherhaus die Leitung des Staates übernimmt.

Titelblatt der Vorlage

Geschichte
der
Stadt Bonn

von

Kaspar Anton Müller.

 

Bonn, 1834.

Gedruckt auf Kosten des Verfassers.1

Vorwort [des Verfassers].

Eine Stadt, welche bereits ihr achtzehntes Säkulum zurückgelegt hat, die als ubisch-römische Niederlassung, als Festung, churfürstliche Residenz und Sitz der Musen der allgemeinen Aufmerksamkeit würdig ist, Bonn, welches jetzt unter Preussens Regierung neu emporblühet, hat bisher einer seiner Bedeutung entsprechenden geschichtlichen Darstellung noch immer entbehren müssen. Dieses Bedürfniß muß am meisten von denjenigen gefühlt werden, welche erkannt haben, wie die Geschichte eines ganzen Landes durch historische Darstellungen einzelner Städte gefördert wird, und wie vielfach die Begebenheiten von Bonn mit dem Schicksale der rheinischen Länder, und selbst mit den Ereignissen von ganz Deutschland zusammen hängen. Diese Ueberzeugung, vielleicht auch die Vorliebe für meine Vaterstadt, bestimmten mich schon früh die Materialien zu einer Geschichte derselben zu sammeln, wobei ich Anfangs nur das eigene Bedürfniß befriedigte, mir das Entstehen und die allmählige Entwicklung dieser Stadt und deren geschichtliche Bedeutung während aller Jahrhunderte ihres Daseins klar vor die Seele zu stellen. Da indessen eine meisterhafte Geschichte einer einzelnen Stadt vielleicht zu den seltensten Erscheinungen der Litteratur gehört, und da auch Bonn einer solchen noch wohl lange nicht froh werden dürfte, da aber selbst ein unvollkommener Versuch dieser Art als Vorarbeit einem künftigen Geschichtschreiber nützlich sein kann, so finde ich eben darin eine Veranlassung, die von mir entworfene Geschichte meiner Vaterstadt, welche ursprünglich nicht für ein größeres Publikum bestimmt war, der litterarischen Welt zu übergeben.

Indem ich also diese zwar mit Liebe, aber ohne Anmaßung begonnene und vollendete Arbeit so lange in nachsichtige Hände vertrauensvoll niederlege, bis sie einer gediegenern bescheiden weichen wird, bleibt mir noch übrig, Allen, die mir bei diesem Unternehmen durch ihre Schriften oder durch sonstige Materialbeiträge behülflich waren, so wie insbesondere dem Herrn Professor, Doctor Ritter für seinen mehrfachen gütigen Beistand, der mir vorzüglich bei der ältern Geschichte Bonns unentbehrlich war, meinen aufrichtigsten Dank öffentlich abzustatten.

Bonn, im Dezember 1833.

Der Verfasser.

Verzeichniß der Herren Subscribenten.

202 Einträge

Alfter

  • Herr Bendermacher, beigeordneter Bürgermeister
  • Herr Reck, Jos., Ackerwirth
  • Herr Reno, Martin, Wirth
  • Herr Linden, Lehrer

Beuel

  • Herr Dreesen, Gutsbesitzer

Bonn

  • Herr Albers, Professor
  • Herr d'Alton, Professor
  • Herr Altstädten, Gerichtsschreiber
  • Herr Angelbis, beigeordneter Bürgermeister
  • Herr Arndts, Doctor und Privatdocent
  • Herr Auerbach, Ober-Rabbiner
  • Herr Augusti, Konsistorial-Director und Professor
  • Herr Backenberg, Stadtrath
  • Herr Baden, Kassen-Kontrolleur
  • Herr Baruch, Rentner
  • Herr Becker, Nro. 290, Kaufmann
  • Herr Behr, Nr. 916, Wirth
  • Herr Bel, Nr. 270, Rentner
  • Herr Bergmann, Geh. Reg. Rath und Univers. Richter
  • Herr Bethmann-Hollweg, Professor und Stadtrath
  • Herr Bitter, beigeordneter Bürgermeister
  • Herr Bleek, Professor
  • Herr Blind, Apotheker
  • Herr Blume, Buchbinder
  • Herr Böcking, Professor
  • Herr Bodifee, Kanonikus
  • Herr Freiherr von Böselager, Kreisdeputirter
  • Herr Braun, Professor
  • Herr Breuer, Peter, Nro. 26, Wirth
  • Herr Bremer, Pfarrer
  • Herr Bremer, Christian, Nro 142, Wirth
  • Herr Bruder, Kaplan
  • Herr Bücheler, Referendar
  • Herr Cahn, Banquier
  • Herr Caiphas, Oberbergamts-Kanzlist
  • Herr van Calker, Professor
  • Herr de Clair, Domainenrath
  • Herr Clasen, Rothgerber
  • Fräulein Degenhart, Lehrerin
  • Herr Degen, Kaufmann
  • Herr Detters, Professor
  • Herr Delbrück, Regierung-Rath und Professor
  • Herr Dernen, Stadt-Empfänger
  • Herr Dernen, J. P., Nr. 172, Kaufmann
  • Herr Deutschmann, A., Maurermeister
  • Herr Drimborn, Peter Innoc., Nro. 180, Kaufmann
  • Herr Edelbrock, Holzhändler
  • Herr Eilender, Notar
  • Herr Eiter, Kreissekretar
  • Herr Ermekeil, Heinrich, Wirth
  • Herr Eskeles, Rentner
  • Herr Zecken, Polizei-Commissär
  • Herr Fonson, Stadtrath
  • Frau Frowein, Rentnerin
  • Herr Fulda, Oberbergrath
  • Herr Reichsfreiherr von Fürstenberg, F. E., Königl. Kammerherr
  • Freifrau von Geyr
  • Herr Göbel, R., Kaufmann
  • Herr Götzenberger, Maler
  • Herr Halm, Hauptzollamts-Rendant
  • Herr Harleß, Geh. Hofrath und Professor
  • Herr Hartzheim, Nr. 695, Müller
  • Herr Hauptmann, J., Stadtrath
  • Herr Henry und Cohen, Kunsthändler
  • Herr Heyden, Anstreicher
  • Herr Hofmann, L., Weinhändler
  • Herr Hohe, Universitäts-Zeichenlehrer
  • Herr Holler, Hypotheken-Amts-Sekretär
  • Herr Hüllmann, Geh. Reg.Rath und Professor
  • Herr von Ibell, Geheimer Rath
  • Herr Johäntgen, Gerichtschreiber
  • Herr Kauffmann, V.J., Rentner
  • Herr Käuffer, Ad., Kaufmann
  • Frau Keller, Apothekerin
  • Herr Kilian, Professor
  • Herr Klaes, Lehrer
  • Herr Klaes, Schneidermeister
  • Herr Klausen, Professor
  • Herr Klein, Oberpfarrer und Landdechant
  • Herr Klein, J., Metzger
  • Herr Klugmann, Kanzlei-Sekretär
  • Herr Knob, Schneidermeister
  • Herr Krämer, Instrumentenmacher
  • Herr Krug, F. W., Studiosus d. Philologie, aus Barmen
  • Herr Leydel, Baumeister
  • Herr Liessem, Professor
  • Frau Gräfin von Limburg-Stirum
  • Herr Mackeldey, Geh. Justizrath und Professor
  • Herr Marx, Georg, Weinhändler
  • Herr Materne, Hausmeister
  • Herr Maurenbrecher, Professor
  • Herr Mayer, Professor
  • Herr Mehlem, Stadtrath und Kaufmann
  • Herr Mendelssohn, Doctor und Privatdocent
  • Herr Mertens, C., Rentner
  • Herr Metzenmacher, Friseur
  • Herr Mohr, K. A., Gärtner
  • Herr Möllhausen, Lieutenant a. D.
  • Herr Müller, Referendar
  • Herr Müller, St., Rothgerber
  • Herr von Münchow, Professor
  • Herr Nasse, Geh. Medizinal-Rath und Professor
  • Herr Nathan, Hypotheken-Amts-Sekretär
  • Herr Necker, Postdirector
  • Herr Nettekoven, H. J., Wirth
  • Herr Nitzsch, Professor
  • Herr Nöggerath, Oberbergrath und Professor
  • Herr Odenkirchen, Universitäts-Pedell
  • Herr Odenkirchen, Pet. Johann, Wirth
  • Herr Oelbermann, Joh., Kaufmann
  • Herr Oppenhoff, Hofrath u. Universitäts-Sekretär
  • Herr von Paczenski, Assessor, für die Königl. Oberbergamts-Bibliothek
  • Herr Petazzi und Thelen, Weinhändler
  • Herr Peterson, Bibliothekdiener
  • Herr Pieler, Joh., Steindrucker
  • Herr Probst, Kaufmann
  • Herr Quantius, Adolph, Maurermeister
  • Herr Quardt, N. J., Stadtrath
  • Herr Rheinwald, Professor
  • Herr Roersch, Postrendant
  • Freifrau v. Romberg
  • Herr Röpke, Universitäts-Kastellan
  • Herr Ruegenberg, Studiosus der Medizin, aus Olpe
  • Herr Ruetz, Joh., Stadtrath und Kaufmann
  • Herr Schäfer, Lehrer
  • Herr Schild, Doctor d. Medizin
  • Herr Schmal, Zimmermeister
  • Herr Schmitz, Martin, Stadtrath
  • Herr Schmitz, Lehrer
  • Herr Schorn, L., Schlossermeister
  • Herr Segers, Universitäts-Fechtlehrer
  • Herr Seligmann, M., Rentner
  • Herr Simrock, K., Rentner
  • Herr Stamm, N., Wirth
  • Herr Stedmann, Rentner
  • Herr Stehling, H. J., Hülfsgerichtsschreiber
  • Herr Steinhauß, Stadtrath und Apotheker
  • Herr Spitz, Hofrath und Universitäts-Rendant
  • Herr Strauscheid, Bäckermeister und Wirth
  • Herr Thiel, Rechnungsrath
  • Herr Trimborn, Stadtrath und Rentmeister
  • Herr Ungar, Kaufmann
  • Herr Velten, Dr. und Kreisphysikus
  • Herr Walter, Professor
  • Herr Weber, Professor
  • Herr Weerth, Friedr., Kommerzienrath
  • Herr Wiesel, Schreinermeister
  • Herr Wild, Fr., Anstreicher
  • Herr Wild, Thomas, Maler
  • Windeck, Oberbürgermeister
  • Herr Wolff, F., Hofagent
  • Herr Wolff, Doctor der Medizin
  • Herr Wolters, Friedensrichter
  • Herr Wrede, Apotheker
  • Herr Wurzer, Doctor d. Medizin
  • Herr Wutzer, Professor
  • Herr Zartmann, Doctor der Medizin

Bornheim

  • Herr Baron von Carnap

Deutz

  • Herr Heinen, B., Lehrer

Dransdorf

  • Herr Clasen, Lehrer

Duisdorf

  • Herr Rheindorf, Jodocus, Ackerer und Wirth

Endenich

  • Herr Kläs, Müller

Friesdorf

  • Herr Lauvenberg, Pfarrer

Gielsdorf

  • Herr Dreesen, Steuer-Empfänger
  • Herr Tönnessen, Michael, Ackerwirth
  • Herr Nolden, Heinr., Ackerwirth

Godesberg

  • Herr Blinzler, Max., Gastwirth
  • Herr Dieck, Lehrer
  • Herr Böhmer, Martin, Hülfslehrer

Hemmerich

  • Herr Hennes, Chr., Bürgermeisterei-Sekretär
  • Herr Freiherr von Dordeck, Bürgermeister

Holtorf

  • Herr Velten, Philipp, Gutsbesitzer

Kessenich

  • Herr Lohe, Pfarrer u. Schulpfleger
  • Herr Stuck, C.H., Medizinal-Assessor
  • Herr Mülhens, W., Rentner

Köln

  • Herr Bachem, I. B., Hofbuchhändler
  • Herr Brüncker, Lehrer an der höhern Bürgerschule
  • Herr Förster, Ludwig, Diacon im erzbischöflichen Seminar
  • Herr Hardung, Moriz, Diacon im erzbischöfl. Seminar
  • Herr Iven, Domkapitular
  • Herr Klein, Wilhelm, Auscultator
  • Herr Kohnen, Buchhändler
  • Herr Kröly, J. A., Kaufmann
  • Herr Mertens, Jos., Wirth
  • Herr Weyden, Lehrer an der höhern Bürgerschule

Königswinter

  • Herr Perz, Lehrer
  • Herr Schäfer, Domainen-Rath

Meckenheim

  • Herr Weiß, C., Kaplan

Niederdrees

  • Herr Liers, Joseph, Kaplan

Oberkassel

  • Herr Graf zur Lippe, Ernst
  • Herr Müller, kath. Pfarrer

Poppelsdorf

  • Herr Balbiano, Bürgermeister
  • Herr Wulff, beigeordneter Bürgermeister
  • Herr Deiters, Gartengehülfe
  • Herr Sinning, Inspektor des botanischen Gartens

Pützchen

  • Herr Bleibtreu, Bergmeister

Rheindorf

  • Herr Heinen, Pastor.
  • Herr Orthen, Lehrer

Roisdorf

  • Herr Juessen, Gottfried, Ackerwirth

Siegburg

  • Frau Hardt, Rentnerin

Waldorf

  • Herr Wichterich, Lehrer

Witterschlick

  • Herr Jondorff, Heinrich, Ackerwirth

Inhalt.

  1. Erstes Kapitel. Urzustand der Gegend von Bonn. Früheres Flußbett des Rheins. Die Condrusen und Ubier. Ara Ubiorum Bonna S. 1
  2. Zweites Kapitel. Drusus. Die Benennung Bonn. Rheinbrücke. Ueberreste des Kastells. Germanicus und Agrippina in Bonn. Empörung der I. und XX. Legion. S. 17
  3. Drittes Kapitel. Civilis vor Bonn. Schlacht. Verwüstung der Stadt. Damalige Größe derselben. Christenthum. Zwei Tempel des Mars bleiben. Kaiserin Helena. Ueber die ursprüngliche Lage von Bonn. Neue Verheerungen desselben. Der römische Adler sinkt. S. 29
  4. Viertes Kapitel. Die Franken. Neue Verwüstungen. Denkwürdige Ereignisse. Die erzbischöfliche Herrschaft. Erbauung mehrerer Gotteshäuser. Pest und Erdbeben. König Heinrich V. Ein Bonner als Kreuzfahrer. Neue Verheerungen. Wiederbefestigung der Stadt. Vergrößerung und Verschönerung derselben. S. 45
  5. Fünftes Kapitel. Bonn tritt in den Hansebund; wird churfürstliche Residenzstadt. Vogtei. Kirchenbann über Bonn. Anwesenheit und Krönung mehrerer Könige. Bündnisse mit benachbarten Städten. König Johann. [Juden-Verfolgung]. Größere Befestigung Bonns. Benehmen der Kölner. Verpfändung der Stadt und des Zolles. Kaiser Friedrich III. S. 65
  6. Sechstes Kapitel. Reformation. Die Churfürsten Hermann und Salentin. Salentinischer Vertrag. Churfürst Gebhard und die Gräfin von Mansfeld. Besatzung in Bonn. Muthiges Benehmen der Bonner. Gebhard tritt zur evangelischen Lehre über. Heirath desselben. Er verläßt Bonn. S. 98
  7. Siebentes Kapitel. Maßregeln des Kommandanten von Bonn. Exkommunikation und Achtserklärung Gebhards. Ernst von Baiern. Umschließung Bonns. Aufruhr unter der Besatzung. Pfalzgraf Casimir verläßt Gebhard und Bonn. Belagerung und Uebergabe desselben. Einzug des neuen Churfürsten. Schicksal Karls und Gebhards. S. 126
  8. Achtes Kapitel. Schenk von Nideck. Bonns zweite Belagerung und Wiedereroberung durch den Churfürsten Ernst. Sicherheits-Maßregeln für diese Stadt. Einführung der Jesuiten. Juden-Ordnung. S. 139
  9. Neuntes Kapitel. Dreißigjähriger Krieg. Churfürst Ferdinand. Erbauung eines neuen Schlosses. [Hexenprozesse]. Churfürst Maximilian Heinrich. Franzosen besetzen Bonn. Belagerung und Uebergabe desselben. Friede. Wahl des Kardinals von Fürstenberg zum Coadjutor des Churfürsten Maximilian Heinrich. S. 150
  10. Zehntes Kapitel. Folgen der Wahl des Kardinals Wilhelm Egon von Fürstenberg zum Coadjutor. Französische Völker besetzen Bonn. Churfürst Friedrich III. von Brandenburg belagert dasselbe. Große Verwüstung. Uebergabe der Stadt. S. 180
  11. Eilftes Kapitel. Churfürst Joseph Clemens. Frankreich gewinnt diesen Fürsten für sein Interesse. Spanischer Erbfolgekrieg. Die Franzosen nehmen aufs Neue von Bonn Besitz. Letzte Belagerung und Uebergabe desselben. Rückkunft des Churfürsten Joseph Clemens. Demolirung der Festungswerke. Schloßbau. Vergrößerungsplan. S. 197
  12. Zwölftes Kapitel. Churfürst Clemens August. Bau des jetzigen Schlosses. Bonns etwaige Wiederbefestigung. Churfürst Max Friedrich. Stiftung einer Akademie. Erhebung derselben zur Universität. Churfürst Max Franz. S. 215
  13. Dreizehntes Kapitel. Abzug und Tod des Churfürsten Max Franz. Die Franzosen ziehen in Bonn ein. Auflösung der alten Verfassung, der Universität, der Stifter und Klöster. Abnahme der Bevölkerung der Stadt. Napoleon und Josephine in Bonn. S. 226
  14. Vierzehntes Kapitel. Ende der französischen Herrschaft. Bonn unter dem Scepter Friedrich Wilhelm des Dritten. Stiftung der Rhein-Universität. Vergrößerungs- und Verschönerungs-Arbeiten. Stand der Stadtschulden. S. 237
  15. Beilage. Zusammenstellung von Inschriften und Aufzählung anderer Alterthümer, die sich in Bonn oder in dessen Nähe gefunden haben. [hier nicht abgedruckt.]

Erstes Kapitel.

Urzustand der Gegend von Bonn. Früheres Flußbett des Rheines. Die Condrusen und Ubier. Ara Ubiorum Bonna.

Das breite, schöne und fruchtbare Thal, welches jetzt von den Bewohnern Bonns und der umliegenden Städte und Dörfer bewohnt wird, bildete vor Zeiten, vielleicht Jahrtausende vor Christi Geburt, das Nordmeer, dem nach Westen die Gebirgsketten der Gegenden des Oberrheins bis zur Eifel, Montjoie, Aachen und den nahgelegenen Bezirken, so wie nach Norden die höhere Gebirgskette des Herzogthums Berg und Westphalen Schranken setzten. Es bezeugen dieses die vielen Gegenstände, welche, einem andern Himmelsstriche angehörig, hier gefunden worden, wie Knochen und Zähne von Elephanten, Löwen und Mammuten; Krokodillen und Schlangen in steinigten Massen eingeschlossen; Stämme und Früchte von Palmen, Abdrücke von unbekannten Schilfen und Pflanzen Arten, so wie Muscheln und Korallen.2

Eine andere merkwürdige Erscheinung, welche die Anwesenheit des Meeres ebenfalls bestätigt, sind die Vulkane, Berge, die von Zeit zu Zeit Rauch, Dampf, Feuer, Asche und Steine, ja ganze Feuerströme auswarfen, und in Ermanglung der Entladung Erdbeben verursachten. Daß es dieser Feuerberge auch einstens in unserer Gegend gab, lehrt, außer den Mittheilungen von Sachkundigen3, der Augenschein. Selbst in der Nähe von Bonn, bei Mehlem, bildete der Roderberg einen solchen. Noch jetzt trifft man, ehe man denselben erstiegen, die vulkanischen Spuren; je höher man kommt, werden die Lavastücke und Schlacken häufiger, und auf dem Berge, am Krater, sieht man bei einem alten Wallnußbaume noch hervorgedrängte feste Lava in mauerartiger Gestalt anstehen. Wann der Roderberg aufhörte der Schrecken der Gegend zu sein, bleibt wie so Vieles in Dunkel gehüllt. Jetzt ist er ein angenehmer Punkt mit einem Bauerhofe, dem sogenannten Roderhofe, versehen. – Es ist im Allgemeinen bemerkt worden, daß die Vulkane, aus welchen die heftigsten Ausbrüche geschehen, sich meistens auf Inseln oder doch nicht weit vom Meere befinden. Diese Bemerkung trifft auch hier ein, da der Roderberg und das ganze Vorgebirge ohne Zweifel höher als die Meeresfläche waren, und deshalb Sandbänke oder Inseln bildeten.

Als endlich das Meer unsere Gegend verließ, indem es sich nach und nach gegen Norden zurückzog, bereitete sich der Rhein, der jetzt eine größere Strecke zurückzulegen hatte, ehe er sich in dasselbe ergießen konnte, oberhalb Bonn, wo das Gebirge seine Richtung landeinwärts nimmt, ein eigenes Bett. Einige suchen dieses am Fuße des Vorgebirges, und glauben, daß der Rhein sich bei Godesberg zur Linken gewendet und an Kessenich, Alfter, Brühl vorbei seinen Lauf genommen habe.4 Ja sie bestehen darauf um so fester, da sich hier deutliche Spuren eines ehemaligen Flußbettes nicht verkennen lassen.

Hat diese Ansicht aber ihre Richtigkeit, so nahm der Rhein, als die Römer bis zu ihm vordrangen, wohl sein jetziges Bett schon ein; dafür spricht die Befestigung von Bonn durch dieselben, welche zwecklos gewesen wäre, wenn es auf der rechten Rheinseite lag, womit sie Anfangs nichts zu thun hatten.

Indeß möchten wir jener Meinung nicht beitreten, sondern vielmehr derjenigen sein, daß der Rhein ursprünglich seinen jetzigen Lauf nahm, und daß es nur ein Arm desselben gewesen, der von Bonn bis Köln und weiter eine schöne Insel bildend, jenen Weg am Gebirge einschlug, so sichtbare Spuren seines Daseins dort zurückließ, und später, jedoch vor der Römer Ankunft, sich am Trennungorte entweder von selbst wieder mit dem Strome vereinigte, oder durch die Deutschen damit vereinigt wurde, um auf diese Weise eine große Strecke Landes mehr zu Pflanzungen und andern wichtigen Zwecken zu gewinnen. Diese Annahme löst auch die Fragen, die ein jeder an sich stellen wird: z. B. wie wäre das rechte doch auch sehr stark markirte Rheinbett entstanden? Warum gibt es darüber keine historische Spur, keine Tradition, keine Sage?

Die ersten Bewohner und Bebauer dieses vom Meere geräumten, nackten und wilden Bodens waren unter andern die Condrusen, welche unter ihrem Könige mit den Römern, nachdem sie tapfer, aber unglücklich gegen sie gefochten, in Freundschafts-Verhältnissen lebten.5

Ihnen gegenüber auf der rechten Seite des Rheins, zwischen der Lahn und Sieg6 wohnte in republikanischer Verfassung ein anderer deutscher Volksstamm, unter dem Namen der Ubier.7 Diese unsere Urväter sollen von den Istevones, nach Plinius einem der fünf großen Stammvölker in Deutschland, die Tuiscon als Gott verehrten, hervorgegangen sein, verschiedenen Göttern gehuldigt und ihren Namen von dem Ufer des Rheins erhalten haben8, das nach der deutschen Mundart durch die Worte Ueber, Ower, Uwer bezeichnet wird. Ihre Nachbaren waren die Tencterer, Sigambern und Sueven, welche letztere unaufhaltsam vorzudringen strebten. Bei den mächtigen und tapfern Ubiern hatten die Sueven großen und langen Widerstand gefunden, und es nicht vermocht, dieselben aus ihrem Gebiete zu vertreiben; doch war es ihnen endlich gelungen, sie zu schwächen und sich zinsbar zu machen. (Caes. Bell. Gall, IV. 3)

Weil die Ubier als Anwohner des Rheins und als Kaufleute vielen Umgang und Verkehr mit den civilisirten Galliern hatten, waren sie viel gebildeter und beliebter als die übrigen germanischen Völkerschaften. Cäsar selbst sagt von ihnen, daß er sie bereits als ein gesittetes, beredtes, wohlhabendes, gewerbsames und bedürfnißkundiges Volk angetroffen habe (ibid. IV, 3). Sie besaßen Städte, trieben Ackerbau (ibid. VI,10) und hatten zum Transport ihrer Waaren schon vor Cäsars Ankunft eine bedeutende Rheinschifffahrt; daher sie im Stande waren, diesem Feldherrn eine große Menge Schiffe anzubieten, als er mit seinem Heere über den Rhein setzen wollte, um den Germanen Furcht einzuflößen und sie von ferneren Einfällen in Gallien abzuhalten (ibid. IV, 16) Auch hatten sie zum Cäsar Gesandte geschickt (ibid. VI, 9), um freundschaftliche Verbindung mit den Römern anzuknüpfen, sogar als Unterpfand ihrer Treue Geißel gestellt, und den Bezwinger Galliens angelegentlich um Hülfe gegen die Sueven ersucht (ibid. IV, 8,16), deren Herrschaft für sie fortwährend drückend war. Es war im fünf und fünfzigsten Jahre vor Christi Geburt, als Cäsar, die angebotenen Schiffe ausschlagend, in zehn Tagen eine hölzerne Brücke über den Rhein schlug, und zum ersten Male den deutschen Boden betrat, den er jedoch nach achtzehn Tagen wieder verließ, da der mächtige Bund der Sueven, des Kampfes gewärtig, Habe und Gut, Weiber und Kinder in die Wälder zurückgebracht, und alle streitbare Mannschaft in der Mitte ihres Gebiets an einem vortheilhaften Orte versammelt hatte (ibid. IV, 16–19).

Dieser Brücke, welche Cäsar gleich abbrechen ließ, damit sie dem Feinde nicht zum Einfall in Gallien dienen konnte, folgte bald eine zweite, worüber der römische Held seine Legionen abermals in der Absicht führte, die Deutschen dafür zu züchtigen, daß sie den Trierern gegen ihn Hülfe geschickt hatten. Allein auch jetzt drang er nicht weit vor und kehrte nach kurzem Aufenthalt bei den Ubiern, die sich vom Verdachte, als hätten sie ebenfalls an jener Hülfesendung Theil genommen, reinigten, auf das linke Rheinufer zurück. Die Brücke ward nicht ganz, sondern auf der Ubierseite nur 200 Fuß weit abgebrochen, und wo sie mit dem Ufer verbunden blieb, da ließ Cäsar einen Thurm von vier Stockwerken errichten, mehrere Verschanzungen anlegen, und darin zwölf Cohorten zur Bedeckung zurück (ibid. VI, 9,29).

Diese beiden Brücken nun sind rheinauf- und abwärts gesucht und vorgeblich gefunden worden. Die erste stand nach Cäsars Angabe ein wenig tiefer als die zweite; und diese lässt Hubert Thomas9 etwas unterhalb Bonn (paulo infra Bonnam) errichten. Indem wir demselben beitreten, glauben wir, daß die zweite Brücke am Wichelshofe und die erste in der Gegend von Rheindorf stand. Denn erwägt man die Lage der Wohnplatze der Sueven und ihrer Verbündeten, gegen welche Cäsar zog, so wird man unwillkührlich zu der Annahme veranlaßt, daß er bei Bonn seinen Uebergang bewerkstelligte. Die Ubier wohnten gerade gegenüber; Holz zum Brückenbau war in der Nähe; und Cäsar konnte hier, von keinem Berg und Thal gehindert, des Feindes Land weit beobachten, um bei der Übersetzung vor einem Hinterhalte noch mehr Sicherheit zu gewinnen, als ihm die kaum angeknüpfte Freundschaft der Ubier gewähren mochte. Was er von der Breite, der reißenden Schnelligkeit und Tiefe des Rheins sagt (Caes. Bell.Gall. IV, 17), paßt ebenfalls sehr gut auf die Beschaffenheit des Flußbettes bei Bonn. Ueberhaupt aber scheint für Cäsar die Bonner Gegend von Wichtigkeit gewesen zu sein, da er wahrscheinlich auch den Godesberg befestigte und mit einem Kastelle versah.10

Die Herbeirufung der fremden Eroberer zog gewiß den Ubiern den Haß der Sueven in größerem Maße zu, weshalb fortdauernde Feindseligkeiten und Bedrückungen von denselben erfolgten. Wiewohl jene an der Treue gegen die Römer festhielten, so konnte ihnen dieses doch ihre Lage nicht verbessern, da nach dem Abgange Cäsars die Römer durch Bürgerkriege zu sehr in Anspruch genommen wurden, als sich um das Schicksal einer kleinen germanischen Völkerschaft zu bekümmern. Erst um das Jahr sieben und dreißig vor Christus, wo einige Zeit der Ruhe eingetreten war, kam Marcus Agrippa, der tapfere Feldherr des nachmaligen Kaisers Augustus, nach Gallien, und erlaubte den Ubiern (Strabo lib. IV, p.134), damit sie nicht ferner den Angriffen der Sueven ausgesetzt wären, ihren Wohnsitz auf dem linken Rheinufer zu nehmen, jedoch ohne ihren alten Boden Preis zu geben, da an dessen Erhaltung beiden Theilen viel gelegen sein mußte. So nahmen sie also Besitz von einem Lande, welches wenigstens nicht ganz mehr in seiner Wildheit da lag, von dem Lande der Condrusen, denen Agrippa zu diesem Behuf einen andern Wohnsitz angewiesen hatte. Erst später im Jahre 51 nach Christus, da auf Veranlassung der Agrippina, der Tochter des Germanicus, eine Colonie nach dem heutigen Köln geführt wurde, erhielt die Hauptstadt der Ubier den Namen Colonia Agrippinensis, und das ganze Volk nannte sich Agrippinenses.11

Die Grenzen des neuen Ubierlandes dehnten sich von dem kleinen Flusse Nette bei Andernach und dem Lande der Trevirer bis in die Gegend von Uerdingen aus, wo das Land der Menapier und Gugerner seinen Anfang nahm. Gegen Westen erstreckten sie sich längs der Roer gegen die Gebirgsgegenden von Aachen hin, die damals wenig bevölkert, mit dichten Wäldern bedeckt und mit einer Landstraße versehen waren, die zu den Condrusen und Evuronen führte.12

Der neue Boden war indeß den Ubiern nicht ganz fremd; denn außerdem, daß sie mit den Condrusen ohne Zweifel in freundlichem Verkehr standen, hatten sie ihn wegen der Feindseligkeiten mit den Sueven gewiß schon lange vor Cäsars Ankunft, und nach diesem unter dessen Schutze, zur Sicherstellung ihrer Waaren und Schiffe benutzt, und zu diesem Ende mit Landstraßen, Niederlagen und Herbergen versehen, die ihnen nunmehr großen Vortheil gewährten. Daß solcher Anlagen sich auch an Bonns Stelle befanden, möchten wir wohl behaupten, da Gesonia, wahrscheinlich ein Hauptort der Ubier, gerade gegenüber lag.

Nachdem diese Völkerschaft das Land der Sicherheit betreten hatte, wurde zum Opfer und Schwur ein Altar errichtet, der unter dem Namen Ara Ubiorum bekannt ist. Ob derselbe den Ubiern oder den Römern sein Dasein verdanke, blieb bisher unentschieden; und so wurde er von der einen und stärksten Partei den Ubiern, von der andern den Römern zugeschrieben. Wir tragen kein Bedenken in sofern der Ansicht der Letztern beizutreten, als wir für ausgemacht annehmen, daß an diesem Tempel einer römischen und nicht einer deutschen Gottheit geopfert, und daß die ganze Verehrung nach römischer Weise vorgenommen wurde; daß der Altar aber von den Ubiern und nicht von den Römern errichtet sei, beweist der Name Ara Ubiorum, was keinen Altar im Lande der Ubier, sondern einen den Ubiern zugehörigen Altar bedeutet. Hatte dagegen die Verehrung am Altare einer germanischen Gottheit gegolten, was konnte dann die Römer veranlassen, dem Segimund, Sohn des deutschen Fürsten Segest, ein Verbrechen daraus zu machen, daß er, sein Vaterland mehr liebend, die Ara verließ, bei der er als Priester angestellt war? (Tac. Annal. I, 57) und warum war mit der darauf folgenden Aussöhnung des Segimund mit den Römern die Wiederannahme dieser Priesterstelle verbunden, wie sich aus Annal. I, 59 schließen lässt?13 Warum endlich geben die Römer dieser Ara eine solche Wichtigkeit, daß sie eine Stadt und Gegend danach benennen? Ohne Zweifel weil dort ein nationaler Cultus Statt fand. Aber welcher Gottheit galt diese Verehrung? Sie war gewidmet der Gottheit des Augustus, mochte sie von Römern oder Ubiern dargebracht werden. Zu diesem Schlusse berechtigt uns die Analogie. Denn dem Augustus, der sich schon bei seinen Lebzeiten, besonders in den Provinzen göttliche Ehren erweisen ließ, war unter andern zu Lyon (Lugdunum) von mehreren gallischen Völkerschaften eine stattliche Ara errichtet. Auch hier verwaltete das Priesterthum ein Eingeborner, zuerst der Aeduer C. Julius Vercondaridubius, gerade wie Segimundus an der Ara der Ubier. Zu Lyon wurde jährlich ein Fest zu Ehren des Augustus gefeiert, wo literarische Wettkämpfe an der Ara gehalten wurden.14 Sobald es dem Domitius (kurz vor Christi Geburt) gelungen war bis über die Elbe vorzudringen, und mit den dortigen Germanen ein Freundschafts-Bündniß zu schließen, war es seine erste Arbeit, jenseit der Elbe dem Augustus zu Ehren eine Ara zu errichten.15 Wie häufig solche Arae zu Ehren des Augustus in den Provinzen errichtet wurden, zeigen die Stellen bei Sueton. Octavian. c. 52, 59, und daher sagt Horatius Ep. II, 1, 15. zum Augustus:

Praesenti tibi maturos largimur honores,
Iurandasque tuum per nomen ponimus aras.
(Dir Anwesenden häufen wir schon vollzeitige Ehren;
Selbst Altäre zum Schwur bei deinem Namen erbaun wir.)

Die Ara Ubiorum war demnach ein Altar, welchen die Ubier nach ihrer Versetzung auf das linke Rheinufer ihrem neuen Herrn, dem Augustus, errichteten, um daran demselben den Schwur der Treue zu leisten, und dem vergötterten Herrscher ihr Opfer nach dem Beispiele so vieler Provinzialen darzubringen. Diesen Altar haben mehrere sachkundige Männer in dem Monumente wiedergefunden, welches von dem Kanonikus Pick der Stadt Bonn geschenkt, im Jahre 1809 unter Pauken- und Trompeten-Schall auf dem Remigius-Platze aufgestellt und 1822 von dort in das hiesige vaterländische Alterthums-Museum gebracht wurde. Diese Ara, an Größe und schöner Arbeit der Fürst unter den hiesigen römischen Steinen, ist 30 Zentner schwer und führt auf der Hauptseite die Aufschrift: Deae Victoriae Sacrum (der Sieges-Göttin geweiht); auf der linken Seite ist ein mit Axt und Messer bewaffneter Mann abgebildet; auf der rechten ein Jüngling, der in der einen Hand ein gehenkeliges Gefäß, in der andern eine kleine Schüssel tragt. Oberhalb dieser Figur sieht man eine Urne und ein zweites Gefäß mit einer Handhabe; und auf der hintern Seite sind oben drei Delphine und unten ein Opferstier angebracht.

Ehe diese Ara Eigenthum des Kanonikus Pick wurde, war sie im Besitze des Steph. Brölmann in Köln, und demnächst des Grafen Germann von Blankenheim, der ihr in seinem Schloßgarten unter verschiedenen andern Denkmälern des Alterthums eine würdige Stätte angewiesen hatte. Wo und wann sie gefunden wurde, ist leider nicht bekannt. Der obengedachte Steph. Brölmann und P. Augustin Aldenbrück16 haben diesen Denkstein beschrieben; auch kam davon bei seiner Errichtung in Bonn eine neue Zeichnung und eine umständliche Beschreibung17 heraus, in welcher er gleichfalls für die berühmte Ara Ubiorum ausgegeben wird. Was nun den Ort anbelangt, wo die Ubier über den Rhein setzten und jenes hochwichtige Heiligthum der Vorzeit errichteten, so herrschen über denselben, obgleich für Bonn überwiegende Gründe sprechen, doch noch immer die verschiedensten Meinungen.18 Besonders suchen die Kölner in ihrer Liebe zur Vaterstadt diesen Ruhm sich zuzueignen. Unter denselben nimmt Wallraf, wie es scheint, zur Stütze seiner Meinung, Deutz und Mülheim als alleinige Hauptörter der Ubier am Rheinufer an, und dann eine jetzt verschwundene Rheininsel19, auf welche er den Altar verpflanzt, indem er die Frage aufstellt: »Wo anders kamen die Ubier am nächsten von ihren Grenzen her, um die Bewohner dieser neuen Stadt (Köln) zu sein, als über diese Insel?«20

Es ist uns indessen bekannt, daß die Ubier als eine Völkerschaft von ungefähr 130.000 Seelen nicht bis Köln und weiter hinab, sondern von der Lahn bis zur Sieg21 herunter ansäßig waren, und daher von Deutz und Mülheim als ubische Hauptörter nicht die Rede sein kann. Vielmehr bewohnten die Strecke von der Sieg bis zur Ruhr die Tencterer, und von diesen soll sich auch der Name von Deutz herschreiben.22

Aber wir könnten Wallrafs Annahme auch nicht beitreten, falls das ubische Gebiet sich wirklich tiefer hinab gezogen hätte. Denn dann waren am Ufer, statt daß hier die Hauptörter sonderbar genug auf einen Punkt zuammengedrückt erscheinen, außer Mülheim und Deutz doch gewiß noch andre ubische Hauptörter gewesen, unter die auch wohl Gesonia, worüber wir in der Folge das Nähere berichten werden, zu rechnen war.23 Die Ubier waren auch mit der Schifffahrt vertraut, mit vielen Schiffen versehen, also im Stande, einen kleinen Unterschied in der Breite des Flusses nicht zu beachten.24 Endlich ließen sie sich nicht alle in Kölns Gegend, sondern mehr abwärts und bis zur Nette bei Andernach nieder. Was nun die Insel betrifft, worauf Wallraf so vielen Werth legt, und Feste aller Art Statt finden läßt, so sehen wir nicht ein, welche Gunst sie für den Uebergang gewähren konnte. War sie doch nicht das Ziel desselben, und wohl eben so wenig mit einer Brücke versehen.25 Aber sollten die Ubier auch wohl einen so heiligen Gegenstand, als den Altar, einer vielleicht wegen Rheinüberschwemmungen unsichern Insel anvertraut haben, während sich das zu beziehende feste Land ganz in der Nähe darbot?

So wie wir glauben und mit Gründen beweisen, daß die Ara zu Bonn aufgepflanzt wurde, sind wir auch der Meinung, daß der Uebergang da Statt fand, wo der Altar sich erhob, indem dadurch die Stelle verdienter Maßen ausgezeichnet und verherrlicht wurde.

Es liegt nämlich am Tage, daß Bonn auf den Altar gerechteren Anspruch machen kann, als seine Nachbarstadt, oder die übrigen dafür bezeichneten Orte. Denn nach Tacitus Angabe (Annal. I, 39,45) stand die Ara Ubiorum 60 römische oder 12 deutsche Meilen von Xanten entfernt, eine Wegstrecke, die ganz genau auf Bonn paßt. Noch entscheidender für diese Ansicht spricht ein anderer Grund. Im Anfange der Regierung des Tiberius war das Standquartier der ersten und zwanzigsten Legion apud aram Ubiorum (ibid. I,29), (beim Altar der Ubier); dagegen nach dem Zeugniß desselben Schriftstellers, wo er vom Anfange der Regierung des Vespasianus spricht (Hist. IV, 19,25), stand dieselbe erste Legion zu Bonn in ihrem Winterquartier. Dasselbe bekunden mehrere am Wichelshofe gefundene Gegenstände, wie sehr viele mit der Inschrift der ersten Legion gestempelte Ziegel und mehrere von Kriegern dieser Legion geweihte Altäre (s. Beilage).

Da nun in den Annalen, welche die Geschichte einer frühern Zeit enthalten, zweimal die Benennung, apud Aram Ubiorum (Annal. I, 39,57), niemals aber Bonna, umgekehrt in den Historien, worin Begebenheiten einer spätern Zeit erzählt werden, häufig der Name Bonna26, nirgends apud Aram Ubiorum vorkommt: so berechtigt dies zu der Annahme, daß beide Namen, indem jeder das Lager der erwähnten Legionen bezeichnet, einen und denselben Ort darstellen; eine Erscheinung, die entweder dadurch ihre Erklärung findet, daß Bonn Anfangs wegen Unbedeutenheit mit keinem eigenen Namen belegt, und nach der Ara genannt wurde; oder, daß es zwar ursprünglich einen Eigennamen besaß, der aber von den Römern, so lange jene Unbedeutenheit neben der Ara, oder diese in ihrer Heiligkeit bestand, als weniger bekannt und wichtig unberücksichtigt blieb. Die wegen des Standquartiers der ersten Legion anderer Meinung sind, glauben der unsrigen eine Schwierigkeit in den Weg zu legen durch die Bemerkung, daß zwischen dem Anfange der Regierung des Tiberius und Vespasianus ein bedeutender Zeitraum in der Mitte liege, in welchem doch wohl leicht ein mehrmaliger Garnisons-Wechsel der Legionen Statt finden könne. Daß aber diese Vermuthung bei der ersten Legion nicht anzuwenden ist, beweiset ein in Bonn gefundener Grabstein, welcher einem Krieger derselben, Namens Marcos Cominius (s. Beilage, pos.11) gesetzt worden ist. Auf der Inschrift nämlich führt die erste Legion den Beinamen Tiberiana27, wahrscheinlich nur, um dem Herrscher zu schmeicheln, mit dessen Tode auch die Benennung aus vielen Gründen abgeschafft werden mußte. Dieser Cominius starb unter Tiberius, und in der That werden auch unter seiner Regierung zwei aus dieser Familie von Tacitus erwähnt (Annal. IV, 31 ). Mithin liegt nichts mehr im Wege anzunehmen, daß die erste Legion zu Tiberius Zeit in Bonn apud Aram Ubiorum ihr stehendes Lager gehabt hat.

So erhob sich der lange versunkene Ubier Altar im Jahr 1809, wie er vor mehr als achtzehn Jahrhunderten den Vätern zum Opfer und Schwur gedient hatte, hier von Neuem, und ward sowohl von Einheimischen als Fremden aufs höchste bewundert.

An welche Stelle er aber in Bonn zuerst zu stehen kam, wird mit Bestimmtheit nie beantwortet werden können. Mehrere sind für den Martinsplatz, andere für den Markt, und von Blum für die Gegend am Johanniskreuz vor dem Kölnthore.28 Bedenken wir jedoch, daß die Gegend des Martinsplatzes eine besonders schöne Lage hat und von jeher gleichsam ein heiliger, ausgezeichneter Ort war, wo, wie der Verfolg der Geschichte lehrt, ein Heidentempel, christliche Kirchen, die Wohnung der Kaiserin Helena und Palläste entstanden: so möchten wir uns wohl dahin aussprechen, daß der Altar eben hier errichtet wurde.

Erwägt man nun das Obige, so geschah Bonns Gründung nicht unmittelbar durch die Römer, was man gewöhnlich annimmt; sondern lange vor unserer Zeitrechnung, unter ihrem Beistande durch die Ubier, wenn man nicht noch weiter zurückgehen und sie den Condrusen zuschreiben will.

Zweites Kapitel.

Drusus. Die Benennung Bonn. Rheinbrücke. Ueberreste des Kastells. Germanicus und Agrippina in Bonn. Empörung der ersten und zwanzigsten Legion.

Jetzt genossen die Ubier unter dem Schutze der Römer und dem väterlichen Vorstande des Agrippa ein friedliches Leben, und ließen sich ihre Cultivirung, die Erbauung von Häusern und Tempeln und die Urbarmachung des Bodens sehr angelegen sein. Außer Bonn waren ihre vorzüglichsten Oerter dem linken Rheinufer entlang: Remagen, Köln, Woringen, Dormagen, Neuß und Gelb [=Gellep]; und im Innern des Landes: Zülpich, Düren, Jülich, Aachen, Balkhausen, Kessenich, Poppelsdorf, Dransdorf, Kardorf u. a. m.29 Auf diesen neuen Besitzungen wohnten sie siebenzehn Jahre in ungestörter Ruhe; nach Verlauf derselben wurden sie aber im Jahre 20 vor Christus von den Sigambern, einem deutschen Völkerstamme, wegen ihres Reichthums feindlich überfallen und wären, ihrer tapfern Gegenwehr ungeachtet, dem Verderben nahe gewesen, wenn nicht die Römer zum Beistande ihrer Bundesgenossen herbeigeeilt wären.

Nicht lange darauf, 12 Jahre vor Christus, schickte der Kaiser Augustus30 dem Germaniens Unterwerfung am Herzen lag, in dieser Absicht seinen Stiefsohn Drusus mit einer starken Heeresmacht an den Rhein. Bevor dieser junge Held sein Unternehmen begann, brachte er, die furchtbare Unbändigkeit der Deutschen wohl kennend, lange Zeit mit Vertheidigungs-Maßregeln zu. Damals erhielt der Rhein ein ganz anderes Ansehen. Die Strecke von Mainz bis zur Insel der Bataver wahrscheinlich, wurde mit fünfzig Kastellen zur Abwehrung feindlicher Einfälle und zur Deckung eines unglücklichen Rückzugs versehen (Florus IV, c.12). Eines dieser Kastelle kam bei Bonn, in der Nähe des Wichelshofes, zu stehen, an einen Ort, der für eine Römerniederlassung wegen seiner hohen Lage als Beobachtungsplatz vorzüglich geeignet war, und wo auch Cäsars Rhein-Uebergang vielleicht Statt gefunden, indem man dort auf die rechte Rheinseite in das Bergische oder in das Land der Germanen einen weiten Ueberblick hatte. Ob Drusus von Cäsars Thurme und Verschanzungen noch etwas vorfand, muß dahin gestellt bleiben.

Dieses Kastell nannte man: Castra apud Aram Ubiorum; ein Name, der, wie Viele glauben, der schönen Gegend wegen bald mit Ausdehnung auf die Stadt, in Bona, dann in Bonna und Bunna, und endlich in Bonn übergegangen sei. Indeß hinge der Name Bonna mit bonus zusammen, so würden die Römer ein so gangbares Wort nicht mit dem Doppelconsonanten geschrieben haben, sondern Bona wäre die einzig mögliche Form; auch würde dann nicht Bonna, Bonnae flectirt werden, sondern Bona (castra), Bonorum, wie schon der Name von Xanten, Vetera (castra) lehren kann. Der Name Bonn mag daher eher, wie Herr Professor Arndt meint31, von Buhn, Wuhn, Wunn, einem mit fruchtbaren Angern, Wiesen und Wassern gesegneten Platz, oder gar von Bann, einem Orte herrühren, worauf ein heiliges Verbot ruhte, oder eine Freistätte war.

Das Kastell versah Drusus mit einer Brücke, über die er seine Legionen gegen die Sueven, Usipeter, Tencterer und Sigambern führte, denen er hier am nächsten beikommen konnte. Diese Brücke wurde, wie Florus32 meldet, durch eine Flotte beschützt; an beiden Köpfen derselben befand sich eine Ortschaft, am linken Ufer die größere, Bonn, auf dem rechten eine kleinere, Gesonia, das wahrscheinlich ein Hauptort der Ubier war, als diese noch auf der rechten Rheinseite wohnten. Dieses Gesonia hat man mit Recht im Namen Geusen (oder Geison) wieder gefunden, einem zwischen Beuel und Rheindorf, dem Wichelshofe gegenüber liegenden Dörfchen. Daher heißt ein von diesem Dorfe zum Rhein führender Weg gegenwärtig noch der Brückenweg, welcher vermittelst der Brücke mit dem von Endenich kommenden Wege ineinander lief. Auch letzterer wird, ohne daß hier und dort eine Brücke vorhanden ist, Brücken- und Heerweg genannt. Dieser alte Römer-Weg windet sich vom Rhein zwischen Weinpflanzungen, Obstgärten und Ackerland dahin, kommt am Dietkirchenhof und an der neuen Stadtbleich, nachdem er die kölnische Landstraße und einen Bach durchschnitten hat, hart vorbei, geht an der Stelle, wo der alte Maarhof gestanden, über die Kaiserstraße fort, und nimmt seine Richtung auf Endenich, Rheinbach und Commern, dem großen Hauptquartiere der Römer. Er wird gegenwärtig nur noch als Feldweg benutzt, daher er mit Gras bewachsen, und in schlechtem Zustande ist. Fortwährend hat man in seinem Boden, und nahe dabei, sowohl in Geusen, als auf dieser Rheinseite, römisches Mauerwerk gefunden.

Auch von dem Kastell entdeckt man, indem sich die alten Ueberlieferungen durch vielfältige Spuren bewahrheiteten, im Jahr 1818 noch wesentliche Ueberreste. Durch das zufällige Auffinden mehrerer interessanten Alterthumsgegenstände33 wurde nämlich der damalige Oberpräsident, Graf von Solms-Laubach, veranlaßt, eine Nachgrabung am Fundorte, auf der sogenannten alten Mauer, in der Nähe des Wichelshofes, anzustellen. Das Resultat derselben war glänzend; man fand nicht nur eine Menge Münzen von vielen römischen Kaisern, so wie mehrere Gegenstände aus Bronze, Bildwerke in Stein, Gefäße aus Thon und Stempeln verschiedener römischen Legionen (ibid. pos. 38–48), besonders der ersten: sondern stieß auch auf die Ruinen von Gebäulichkeiten34, die von Sachkundigen nebst dem übrigen Funde sorgfältig beschrieben und abgebildet worden sind.35 Indem wir solche für Ueberreste des Kastells von Drusus ansehen, glauben wir aber natürlich nicht, daß dasselbe ohne alle Veränderung auf uns gekommen ist; denn abgesehen davon, daß verschiedene Legionen darin ihr Lager hatten, wovon der einen diese, der andern jene Aenderung gefiel, hat es auch, außer durch Civilis, bei den Ueberfällen der Germanen und andrer Völker fast immer gelitten, und ist, wie die gefundenen Kohlenschichten, die mit Gewalt zerschmetterten starken Steinmassen, das geschmolzene Glas, das Metall von Münzen und Geräthschaften, so wie das vom Feuer sehr beschädigte Erz und Eisen bezeugen, endlich durch Gewalt und Feuer für immer zertrümmert worden. Es sind der Gebäude-Reste, welche ausgegraben wurden, vier, die ein Ganzes bildeten, aber allem Anscheine nach nur aus einem Stockwerk bestanden, und deren Fundament 7 bis 12 Fuß unter der jetzigen Erdoberfläche liegt.

Das erste gegen Westen gelegene Gebäude, dessen Material aus Basalt, Duckstein und Grauwacke besteht, fand sich 7 ½ Fuß tief in der Erde versteckt, und besteht aus einer Reihe Gemächer, die in vier Reihen miteinander parallel laufen. Jede der vier Reihen theilt sich in acht, das Ganze in 64 Gemächer ab, wovon jedes beinahe gleiche quadratische Größe bis auf einige geringfügige Abweichungen hat, und 39–40 Quadratfuß, 6 ½ Fuß sowohl Breite als Länge, enthält; zusammen nehmen sie eine Grundfläche von 7205 Quadratfuß ein, 131 Fuß Länge und 55 Breite.

In gleicher Tiefe, wie das Obige, entdeckte man auch das Gebäude gegen Süden. Dasselbe hat manches Uebereinstimmende mit dem vorigen, nur ist es von niederer Höhe und Sockelbeschaffenheit, auch nicht so gut erhalten. Wahrscheinlich hat es gleichfalls aus 16 größern Gemächern bestanden, die jedoch wieder in zwei Theile zerfallen, von welchen die eine Abtheilung 11 Fuß Breite und 15 Fuß Länge, die andere 8 Fuß Länge und 11 Fuß Breite innern Raum enthält. Die Breite des Gebäudes, in welchem auch ein Badegemach zum Vorschein kam, ist 28 Fuß und die Länge nach jeder Seite hin 100. Im Material desselben findet man eine Vermischung von Grauwacke, Duckstein und Basalt.

Das dritte Gebäude gegen Osten gelegen, fand sich in gleicher Tiefe wie die vorigen, aber von massiverer Bauart und kunstfertigerer Anlage vor. Es ist aus Grauwacke aufgeführt, 41 Fuß rheinisch breit, 128 Fuß lang, und offenbar nicht nur für die Zusammenkunft und den Aufenthalt Vieler, um an kalten Tagen künstlicher Wärme zu genießen, worauf die Reste der gefundenen Heizungskanäle und Feuer-, Schür- und Luft-Oeffnungen hindeuten: sondern auch für die Zubereitung und Speisung von Nahrungsmitteln bestimmt gewesen, was noch die Reste von Schlachtvieh beweisen, die hier ausgegraben wurden.

Das vierte Gebäude endlich kam so zerstört zu Tage, daß es unmöglich war, seinen Plan und Zweck zu erkennen, daher man nur vermuthen kann, daß es mit den Gebäuden gegen Westen oder Osten Uebereinstimmung hatte.

Auch entdeckte man innerhalb jener Ruinen einen Brunnen, der von Duckstein-Mauerwerk rund gearbeitet ist. Bei der Ausleerung desselben fand man viele kupferne und silberne Römer-Münzen; Knochen von Horn und anderm Vieh, Ziegelstücke u. dgl.

Nach dem Urtheil Sachverständiger diente das Gebäude gegen Westen zu Schlafstätten, das gegen Süden zu gleichem Zweck und zu Pferdestallungen, und das gegen Osten zu dem bereits oben angegebenen. Diese Räume waren mithin zur Aufnahme von 200 bis 300 Mann und 30–40 Pferden groß genug. Jedoch muß man nicht glauben, daß diese vier Ueberreste das ganze Kastell ausgemacht haben; denn außer denselben entdeckte man in ihrer Nähe auch noch anderes Gemäuer, das ohne Zweifel ebenfalls zu demselben gehörte. Es sind große Trümmer von Gußmauern, welche aus der Erde hervorragen und in ihrer granitmäßigen Festigkeit der Verwitterung und Verwüstung Trotz bieten. Das eine Stück steht zwischen Bonn und dem Wichelshofe, an, dem alten Heerwege nahe am Rhein, und gehörte vielleicht zu einem Thurme. Zwei noch merkwürdigere Stücke sieht man vom Wichelshofe an landeinwärts; das eine von dem andern nicht weit entfernt. Wieder Ueberreste eines Thurmes entdeckte man in dem Keller des Jesuitenhofes, wo auch ohne Zweifel ein Tempel der Minerva stand, welche von der ersten Legion besonders, aber auch als Schutzgöttin der Schiffenden verehrt wurde. Dies bezeugen mehrere steinerne Gesimsstücke und die Figur der Göttin selbst, die dort in jüngster Zeit gefunden wurden.36 Ueberhaupt aber sind die Aecker beim Wichelshofe und Jesuitenhofe und bis von da aus nach Bonn sich erstreckende Gegend von unterirdischen römischen Mauern durchzogen, so daß man daraus den Schluß ziehen darf, daß das Kastell einen großen Umfang hatte.

Auch oberhalb der Stadt am Stockenthore besaß man bis zum Jahre 1718 ein erhabenes Denkmal von Drusus; es bildete eine der Hauptschutzwehren der Stadt, ein alter Thurm, nach seinem Stifter genannt, und versehen mit großen und festen Gewölben und weitläuftigen Gängen, die der Bürgermeister Pirkler im letzten Viertel des 16ten Jahrhunderts zu Wein-Niederlagen benutzte.37 Diese ehrwürdige Gebäude mußte dem Bau des Schlosses, namentlich dem Koblenzer Thore Platz machen, und stand vielleicht nicht nur in gleichem Alter, sondern auch in Verbindung mit den römischen Gebäulichkeiten, wovon man vor einigen Jahren auf der sogenannten Herrn-Mauer beim Bau eines der neuen Häuser noch Ueberreste entdeckte, die den Zellen am Wichelshofe ähnlich sind; denn sie mögen ebenfalls von Drusus herrühren, und zur größern Sicherheit des Lagers und der Stadt einer Römer-Abtheilung zur Caserne gedient haben. Wie am Wichelshofe so fand man auch hier Ziegel mit dem Zeichen L. XXI. und L. M. (Legio Minervia).38 Die Errichtung der Ara Ubiorum, des Kastells, des Thurmes und Wachtpostens hatte ohne Zweifel zur Folge, daß Bonn bald anfing aufzublühen; denn es ist ganz natürlich, daß man sich gerne da ansiedelt, wo, wie hier, Heiligkeit und Sicherheit herrschen. Wir dürfen daher wohl annehmen, daß sich nicht nur immer mehr Ubier und andere Deutsche daselbst niederließen, sondern daß unter den Ansiedlern, die Bonns Flor durch Erbauung schöner Tempel und Häuser, durch Anlegung anmuthiger Gärten, und durch sonstige Anlagen und Verbesserungen erhoben, auch Römer, ja selbst Griechen waren, wie aus einer hier gefundenen griechischen Inschrift hervorgeht.39 Es ist mithin, wenn nicht völlig gewiß, doch sehr wahrscheinlich, daß zur Zeit der Geburt Christi Bonn schon einen ziemlich ansehnlichen Umfang gehabt hat. Wenigstens lagen damals in ihm, dem Kastelle und den umliegenden Ortschaften40 die erste und zwanzigste Legion; also, da jede Legion aus sieben tausend und etlichen hundert Mann bestand, ungefähr 15–16.000 Mann.

Unter diesen beiden Legionen brach im Jahre 14 nach Christus durch Mißverständniß eine Empörung aus, die für Germanicus beinahe die traurigsten Folgen hatte, und ihn für seine bei ihm wohnende Gemahlin sehr besorgt machte (Tacit. Annal. I, 39 fgde). Dem römischen Senate kamen nämlich Gesandte zu ihm, deren Sendung die Legionen dahin deuteten, alles das zu widerrufen, was sie so eben erpreßt hatten; daher rotteten sie sich um Mitternacht an der Wohnung ihres Oberfeldherrn, die, wie vermuthet wird, in der Gegend des alten Zolls stand, zusammen, brachen die Thüren auf, drangen in sein Schlafgemach, rissen ihn mit Gewalt aus dem Bette und zwangen ihn, mit Ermordung drohend, die bei ihm befindlich Fahne auszuliefern. Mit dieser zogen sie auf den Straßen tobend umher; da trafen sie die Gesandten, die auf die Nachricht vom Tumult sich zu Germanicus begeben wollten. Diese wurden mit Schmähungen überhäuft, und wären gewiß ermordet worden, wenn sie sich nicht eilig zu Germanicus, und der Consular Munatius Plancus, das Haupt der Gesandtschaft, sich nicht ins Lager der ersten Legion geflüchtet hätten, wo er von dem Adlerträger Calpurnius mit großer Mühe gerettet wurde. Weder durch Güte noch durch Strenge vermochte Germanicus die unruhigen Gemüther zu besänftigen; daher entließ er am folgenden Tag unter sicherer Bedeckung die Gesandten, umarmte seine schwangere Gemahlin und seinen Sohn unter vielen Thränen, und bat sie inständig die Nähe einer so aufrührischen Rotte zu fliehen. Agrippina, ihren kleinen Sohn auf dem Arme, von einer Schaar wehklagender Freundinnen umringt, war im Begriff, dem Geheiß ihres Gemahls gemäß, sich unter den Schutz der Trevirer zu begeben, als die erhitzten Gemüther, nunmehr abgekühlt, auf einmal die Ordnung wieder lieb gewannen; denn, daß Germanicus seine Gemahlin lieber jenen, als ihnen anvertrauen wollte, das machte auf den Neid und die Eifersucht der Soldaten einen großen Eindruck. Daher traten sie ihr in den Weg und baten inständigst, sie möchte umkehren, bleiben. Indem ein Theil die Agrippina umringt, eilen die Uebrigen zu Germanicus, um ihn um Vergebung ihre Vergehen zu bitten. Dieser, noch von Schmerzgefühl und Zorn ergriffen, hält an die ihn umgebende Schaar eine Strafrede, worin er unter andern sagte:

So, ihr Legionen, du Erste, die ihre Fahnen vom Tiber empfing, du Zwanzigste, die so viele Schlachten mit ihm gekämpft, die mit Belohnungen überhäuft worden, so lohnt ihr eurem Anführer? Solch' eine Nachricht soll ich dem Vater bringen, der aus andern Provinzen nur frohe Botschaft erhält? daß seinen Tironen, seinen Veteranen nicht Abschied, nicht Zahlung genüge; daß hier nur Centurionen ermordet, Tribunen verjagt, Legaten eingesperrt werden; daß Lager, Flüsse mit Blut gefärbt sind, und daß ich ein erbetteltes Leben mitten unter feindseligen Soldaten hinschleppe?

Diese Rede fand Eingang: alle erkannten ihre Vergehungen und versprachen, die Rädelsführer der verdienten Strafe zu überliefern; dann baten sie, den Verführten zu verzeihen, und sie gegen den Feind zu führen, jedoch aber seine Gemahlin und den Zögling der Legionen, Caligula, zurückkehren zu lassen; eine Bitte, der Germanicus nur zum Theil, mit der Rückkunft des Sohnes, entsprechen wollte, weil, wie er vorgab, Agrippina der Entbindung entgegen sehe, und der Winter herannahe. Nun schleppten die Reuevollen die Rädelsführer gebunden vor den Legaten der ersten Legion, C. Catronius, und dieser vollzog Urtheil und Strafe an jedem einzelnen in Gegenwart der Legionen. So kehrte endlich die Ruhe zurück.

Da Germanicus nach Verrichtung großer Thaten in Germanien und nach manchen hier überstandenen Unfällen vom Kaiser Tiberius vom Rheine abberufen wurde, so erhielt über die erste und zwanzigste Legion in Bonn den Oberbefehl Visellius Darro, nach diesem Herennius, und zuletzt, um das Jahr 24, Lucius Apronius. Im Jahre 70 war daselbst Fabius Valens der Befehlshaber der ersten Legion, und einer der Haupturheber, daß Vitellius von den germanischen Legionen gegen Galba und Otho zum Kaiser ausgerufen wurde (Tacit. Hist. I, 52).

Drittes Kapitel.

Civilis vor Bonn. Schlacht. Verwüstung der Stadt. Damalige Größe derselben. Christenthum. Zwei Tempel des Mars bleiben. Kaiserin Helena. Ueber die ursprüngliche Lage von Bonn. Neue Verheerungen desselben. Der römische Adler sinkt.

Da durch den so eben erwähnten Streit um die Kaiserkrone Verwirrungen und innere Kriege im römischen Reich ausbrachen, wurde auch am Rhein der Friede, welcher lange gedauert hatte und gewiß dem Aufblühen Bonns förderlich gewesen war, durch ein schreckliches Ungewitter unterbrochen. Civilis, ein kühner Bataver, nahm den günstigen Zeitpunkt wahr, der römischen Herrschaft am Niederrhein ein Ende zu machen (ibid. IV,21); er rückte daher im Jahre 70 an der Spitze seiner Landsleute und verstärkt durch benachbarte Völkerschaften, muthig ins Feld. Mehrmals schlug er die Römer mit großem Verluste in die Flucht, und drang unaufhaltsam vor. Jetzt erschien er vor Bonn, dieser wichtigen Niederlassung der Römer und Ubier, gegen welche letztere er gleichfalls feindlich gesinnt war, weil sie durch Annahme eines fremden Namens ihr Vaterland abgeschworen und sich ganz zu den Römern gewandt hatten (ibid. IV, 28). Es erfolgte vor den Thoren ein hartnäckiger Kampf zwischen den Batavern und 3.000 Mann der römischen Besatzung, die auf Befehl ihres Oberfeldherrn Herennius Gallus mit allem Muthe, nur etwas übereilt, den deutschen Helden angriffen; ein Kampf, in dem Civilis trotz aller Tapferkeit seiner Gegner und deren Anführer Claudius Sanctus, den Sieg davon trug, und durch welchen die Graben von Bonn mit Todten und Verwundeten angefüllt wurden. Die Römer zogen sich hierauf mit ihren Hülfsvölkern, den Belgiern, in die Stadt zurück; ließen aber noch Viele, die dem Schwert, den Pfeilen und der Lanze der Bataver in der Schlacht entgangen waren, in der großen Unordnung, die durch die Flucht entstand, blutend und sterbend zurück (Tacit. Hist. IV, 20).

Doch seinen Sieg weiter zu verfolgen, war dem kühnen Bataver durch Bonns übrige Besatzung und feste Mauern unmöglich. Aber in Stadt und Kastell herrschte indessen Trauer und Wuth: Trauer über die gefallenen und verwundeten Brüder; Wuth, indem man den Oberfeldherrn Hordeonius Flaccus des Einverständnisses mit dem Feinde beschuldigte, und dieser Verrätherei allein die Niederlage zuschrieb. Auf seinen Befehl, hieß es, wäre man gegen den Feind vorgerückt, in der Meinung, daß die versprochenen Hülfsvölker von Mainz in der Nähe seien. Hordeonius bewies jedoch seine Unschuld durch Briefe, und besänftigte dadurch die gährenden Gemüther in etwas.

Noch hatte aber der deutsche, furchtbare Sturm gegen die Römer und Ubier nicht ausgetobt. Denn Civilis kehrte bald mit erneuerter Wuth und größerer Macht zurück, und richtete an Bonn, das die Römer bei seinem Anmarsche verlassen hatten, große Zerstörungen an, indem er Mauern und Wehr niederriß und blühende Gärten und Felder verwüstete. Ja er soll, wie einige glauben, in seinem Hasse gegen die Römer und Ubier so weit gegangen sein, daß er der von ihm fast ganz zerstörten Stadt aus Hohn den Namen Verona gab, eine Benennung, welche wenigstens neben der alten lange Zeit fortbestand, wie aus Urkunden vom Jahre 1051, aus Münzen vom 10ten Jahrhundert und aus der Inschrift der Grabstätte des Churfürsten Engelbert II. in der Münsterkirche hervorgeht. Dagegen sind Andere der Meinung, daß dieser Name nicht durch Civilis, sondern aus einer Villa regia, die an die Stelle des Römer-Kastells gebaut und wahrscheinlich Frohnhof genannt wurde, oder aus den alten Sagen entstanden sei, die Bonn durch einen Trojaner, Namens Brienno, einige Jahrhunderte vor Christus, entstehen, und einen Priamus Junior und Aeneas sich hier ansiedlen lassen.41

Aus Civilis verheerendem Zuge haben wir entnommen, daß Bonn um das 70ste Jahr nach Christi Geburt bereits mit Mauern und Graben umgeben und befestigt war. Daher benutzen wir diese Stelle, um den damaligen Umfang desselben so viel als möglich kennen zu lernen.42 Bonn erstreckte sich in jener Zeit, wie noch lange nachher, nicht weiter landeinwärts als bis zur Stocken- und Sternstraße und bis zum Markte; die südwestliche Häuserreihe der Sternstraße war noch nicht erbaut und ihr Boden nur ein Wassergraben, hinter dem die alte Stadtmauer aufgeführt war. Den Wassergraben beweiset der Name der sogenannten Brücke, eine Straße, die südwestlich vom Markte nach dem Münsterplatze führt und ein unter derselben noch vorhandener massiver steinerner Bogen.43 Am Ende der Brücke, ungefähr am Römerplatze, der damals außerhalb der Stadt liegend, wahrscheinlich zum Gottesacker benutzt wurde, befand sich ohne Zweifel die Stadtmauer mit einem Thore, von welcher sich noch Ueberreste vorfinden.44 Ein zweites Thor mit Brücke war auf der Sternstraße, ungefähr an der Stelle, wo sich das Dreieck, ehemals Klostergasse genannt, in sie mündet.45

Dagegen ist die Richtung der Wassergraben und der Stadtmauer nach dem Rheine hin nicht so leicht zu ermitteln. Sie scheint an der obern Seite der Stadt, im Hofgarten, ungefähr in der Hälfte des jetzt daselbst befindlichen Weihers, der Stockenstraße gegenüber, gewesen zu sein. Demnach hätte sich also hier eine dritte Brücke über den Wassergraben und ein drittes Thor, vielleicht das alte Stockenthor, das in dieser Gegend stand, befunden. Der Wassergraben und die Stadtmauer würden diesem gemäß die ganze Fläche, auf der Herrn-Mauer genannt eingeschlossen, und sich an der ersten Fährgasse gemündet haben. Dafür spricht auch der Umstand, daß in der Gegend des alten Zolls die Wohnung des Germanicus sich befunden haben soll, und daß am Stockenthor der Drusus-Thurm und auf der Herrn-Mauer eine römische Caserne standen, die diesen Stadttheil mit ausfüllten und beschützten. Nordwestlich ist die Graben- und Mauerbiegung nach dem Rheine hin noch schwieriger aufzufinden. Zwar wissen wir, daß sich ein zweites Thor auf der Sternstraße befand, und daß sich der Graben und die Mauer von dort fortzogen; allein ob dieses noch für eine kurze Strecke in ziemlich gerader Linie, oder gleich in einer starken Biegung der Fall war, ist nicht ausgemacht. Indeß möchten wir für den ersten Fall stimmen und annehmen, daß der Umfang der Stadt, wie am Koblenzer Thore, so auch an dieser Seite damals bedeutend größer, als jetzt, war, und daß der Graben und die Mauer erst in der Gegend des Sternthors die Biegung nahmen, und sich hinter der jetzigen Wilhelmsstraße, nachdem sie auf halbem Wege noch eine Brücke und ein Thor, das auf Köln führte, aufgenommen hatten, fast bis zum Kastell am Wichelshofe hinzogen, wo wegen leichtern Verkehrs zwischen letzterm und der Stadt ohne Zweifel wieder ein Thor war. Hier kommen wenigsten noch Benennungen vor, als: Wallacker, auf der alten Mauer, im Schaafhaus, u. s. w., die es schon allein bekunden dürften, daß der Umfang Bonns sich in alten Zeiten tiefer hinabzog.

Aus Obigem geht also hervor, daß Bonn damals noch nicht seine jetzige Form, aber eine größere Ausdehnung am Rheinufer und weniger Rundung hatte, und daß fast das ganze erste Stadtviertel, in dem die Münsterkirche liegt, noch nicht bestand.

Wir nehmen nun, indem wir in der Folge Gelegenheit erhalten, über die allmählige Gestaltung dieser Stadt zu sprechen, den Faden der Geschichte wieder auf. Schon im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt begann am Rhein das Licht des Evangeliums zu leuchten; vor und nach verschwanden die heidnischen Gebräuche unserer Väter; die Tempel der Götzen wurden überall, und so auch in Bonn, entweder niedergerissen, oder zu christlichen Kirchen umgewandelt. Unter den letztern befanden sich hier zwei Tempel des Mars, die wahrscheinlich ihrer schönen Form und Stärke wegen stehen blieben; der eine davon, innerhalb der Stadt gelegen, war im Jahre 295 verfallen, und wurde von einem Aurelius Sintus, einer hier gefundenen Steinschrift gemäß, in welcher Diocletianus und Maximianus genannt werden, wieder hergestellt;46 wahrscheinlich um aufs Neue für den heidnischen Cultus benutzt zu werden. Als jedoch im Jahre 900 das Kloster zum Engelthal an seine Stelle kam, fanden sich von ihm nur noch einige Ueberreste vor. Und im Jahre 1345, wo Kirche und Kloster in Folge eines Brandes neu aufgeführt wurden, kamen bei der Erdarbeit auch große steinerne ausgehauene Särgen mit »heidnischen Todtengebeinen« zum Vorschein, wovon zwei im Klosterhofe lange stehen blieben. Also die alte Kloster-Chronik.47 Des Marstempels gedenkt sie in folgender Weise:

Diese unser Kirch und Closter ist vor alten Zeiten Ein Heydnischer affgötzen Tempel gewesen, welcher mehrer und vornehmer ist gehalten worden als andere Heydnische Tempeln darumd daß der Affgodt Mars darin verehret als ein oberster abgodt in dessen Ehr der Tempel erbauet worden, darnocher aber als die Heydenschaff den Christlichen Glauben angenohmen ist dieser Tempel gantz verwüst und abgerißen zu Häuser und Garden verendert so fromme und andechtige Christen Eigendumlich gebraugt haben.

Der andere dieser beiden Tempel, welcher auf dem sogenannten Martinsplatze, mithin Anfangs vor der Stadt lag, hat sich dagegen bis zum Jahre 1812 erhalten, wo er wegen zu großer Hinfälligkeit abgebrochen werden mußte. Er war bei Einführung des Christenthums zu einem christlichen Tempel eingeweiht, vielleicht auch später wieder als Heidentempel, wie er gewöhnlich genannt wurde, benutzt, und endlich in der Folge zur Pfarre des Archidiaconal-Stifts St. Cassius unter dem Namen zum heiligen Martin erhoben worden.

Was die Einführung des Christenthums in dieser Gegend anbelangt, so ergeben darüber die Ueberlieferungen der Väter Folgende: In Bonn predigte das Evangelium zuerst der heil. Crescentius, ein Jünger des Apostels Paulus. Er kam im Jahre 50 durch Gallien nach Köln, begab sich von da nach Mainz und gründete dort ein Bisthum, dessen Vorsteher er wurde.48 Ihm folgten im Jahre 52, gleichzeitig mit Claudius und Agrippina, die Heiligen, Aegistus und Martianus, und bekehrten ebenfalls viele Bewohner in Köln, Bonn und der Umgegend zum Christenthum (ibid., S.4). Gegen das Jahr 88, als nach Civilis Verheerung ein erquickender Friede sich eingestellt hatte, erschien auch der heil. Maternus, der das Licht des Evangeliums um so schöner und wohlthätiger strahlen machte, als er sich unter unsern Urvätern niederließ und ihr erster Bischof wurde.49 Er machte es sich zu einem angelegentlichen Geschäfte an die Stellen der Götzentempel christliche Kirchen zu errichten, unter denen auch eine nach Bonn zu stehen kam, zu Ehren des heil. Johannes des Täufers.50 Den Platz dieser Kirche, an der in der Folge ein Damenstift, zu Dietkirchen genannt, entstand, weist man noch am Johanniskreuz vor dem Kölnthore nach, und die Tradition will, daß ihm der Landesfürst Dedon oder Diedo, in so weit bei diesem Bau behülflich gewesen sei, daß er ihm den Platz dazu geschenkt, weshalb auch dieses Gotteshaus den Namen Dietkirchen erhalten habe.51

Während Maternus als Bischof wirkte, gelangte Trajan im J. 98 zur Regierung, unter dem am Rheinufer der Handel, die Fabriken, Bergwerke, Künste und Wissenschaften zu einer bis dahin noch nicht erreichten Höhe gelangten. Dieser ruhmwürdige Kaiser ließ auch die Kastelle, Bollwerke, Forts, Brücken, Dämme und Kanäle am Rhein ausbessern, erneuern und vervollkommnen;52 und wir glauben, daß dieses der Zeitpunkt ist, wo an Bonn und seinem Kastelle erst die Spuren des batavischen Schlage ganz verschwanden. Trajan scheint in der That auch ein Freund der Bonner Gegend gewesen zu sein, indem er zu Transdorf eine Villa oder einstens sein Lager hatte, wie dieses mehrere dort entdeckte römische Ruinen eines Thurmes und anderer Gebäude, vielleicht auch der Name des Orts, Transdorf (Trajansdorf) beweisen dürften.53 Dieser glückliche Zustand am Rheine währte auch unter Aelius Hadrianus, der dem Trajanus im Jahre 118 in der Regierung folgte, fort. Hadrianus nämlich kam selbst an den Rhein, hielt sich dort einige Zeit auf, besah alle Städte, Flecken und Kastelle, verschönerte und erweiterte sie, und beförderte ebenfalls Handel, Fabriken, Künste und Wissenschaften.54

Unter den beiden folgenden Kaisern, Antoninus Pius und Marcus Aurelius, dem Philosophen, die vom Jahr 138 bis 177 regierten, munterte am Rheine die Ruhe noch immer zur Cultivirung des Landes, zur Ansiedlung und Erbauung neuer Häuser und zur Beförderung der Künste und Wissenschaften auf. Daß unter diesen vier letzten Kaisern Bonn, neben dem Gedeihen der neuen christlichen Lehre, an Umfang, Bevölkerung, innerer und äußerer Schönheit zunahm, ist wohl mehr als wahrscheinlich, ist gewiß.

Dadurch und in Folge der guten und kräftigen Handlungen anderer Regenten, kam es denn auch, daß die Züge von Roh- und Wildheit bei den Deutschen immer merklicher verschwanden; daß Sitten, Gebräuche, Religion und Verfassung sich änderten; daß sowohl Municipal als Pflanzstädte bald die römischen Gesetze und Gerichte, wenn nicht achteten, doch duldeten; daß Gallien unter den beiden Antoninen schon 1.200 Städte zählte, und am linken Rheinufer 50 große Handelsstädte blüheten, worunter Straßburg, Worms, Speier, Mainz, Bingen, Koblenz, Trier, Andernach, Remagen, Bonn, Köln, Dormagen, Neuß, Xanten etc. die berühmtesten waren (ibid. I, 498 u.600). Alle diese Städte standen durch Chausseen und Kanäle miteinander und mit Rom in Verbindung. Berühmt ist noch die römische Straße von Koblenz nach Bonn und Köln, bei deren Verbesserung man vor einigen Jahren, oberhalb Bonn, in der Nähe des sogenannten Eschenbäumchens, altes Steinpflaster mit Denksteinen zu beiden Seiten entdeckte.

Jedoch die schönen, friedlichen Tage nahen sich ihrem Ende. Am Anfange des dritten Jahrhunderts bildete sich am Oberrhein zwischen dem Main und Neckar eine Conföderation mehrerer deutschen Stämme, unter dem Namen der Allemannen, die durch ihre verheerenden Ueberfälle, ihre Kraft und Tapferkeit den Römern nicht wenig zu schaffen machten, und über Gallien viel Unheil brachten. Um die Mitte desselben Jahrhunderts wurde die Gefahr noch vergrößert durch den furchtbaren Frankenbund am rechten Ufer des Niederrheins und an der Weser. Durch die beständigen Einfälle dieser raubgierigen Nachbarn litten die Ubier, die den furchtbaren Stürmen nicht zu widerstehen vermochten, auf mannichfache Weise, indem ihre schönen Gefilde und Städte einer rohen Verwüstung Preis gegeben waren.

Wenn auch am Anfange der Regierung des Gallienus und unter dem Kaiser Probus, welche beide die Germanen wegen ihrer Verheerungen züchtigten, eine kurze Zeit der Ruhe eintrat: so ging doch der kaum erschienene Glücksstern bald wieder unter, als nach Probus Tode das römische Reich lange Zeit in Unordnung und Verwirrung gerieth.

Diesem Kaiser hat Bonn und seine Umgegend ohne Zweifel Großes zu verdanken. Denn er führte unter seinen Soldaten eine strenge Disciplin ein, und beschäftigte sie mit Ausgrabung der Kanäle, Pflanzung von Bäumen, Austrocknung der Sümpfe und Aufführung von Gebäuden. Auch bepflanzte er die Ufer des Rheins mit Reben, und gestattete, das Verbot des Kaisers Domitian aufhebend, jedem den Weinbau, wodurch dieser bei uns einheimisch wurde.55 Aber Probus brachte durch diese nützlichen Arbeiten die Soldaten so gegen sich auf, daß sie ihn im Jahre 282 ermordeten.

Etwas später begann eine schreckliche Verfolgung der Christen. So erzählt eine Legende56, daß der Kaiser Maximianus die Offiziere der sogenannten thebäischen Legion, Cassius, Florentius und Malusius, welche den christlichen Glauben mit ihren Untergebenen angenommen hatten, bei Bonn, am Vorgebirge, in der Gegend der sogenannten Mordkapelle, im Jahre 291 auf die schrecklichste Art martern ließ, weil sie seinem Befehle den Göttern zu opfern, nicht folgen wollten.

Diese Verfolgungen hörten erst völlig auf unter der Regierung des Kaisers Konstantin des Großen, der die christliche Religion zur Staatsreligion erhob, und mit Recht als Vertheidiger und Beförderer des Christenthums dargestellt wird. Auch machte er es sich zur Aufgabe, das linke Rheinufer vor den Ueberfällen der Allemannen und Franken, die dasselbe fortwährend mit Plünderungen und Verwüstungen heimsuchten, zu schützen, unterhielt zu diesem Zwecke eine Flotte auf dem Rheine, und stellte die Befestigung von Bonn und andern Rheinstädten wieder her.57

Während er sich damit beschäftigte, soll seine fromme Mutter, die Kaiserin Helena, bei Bonn, am sogenannten Martinsplatze, ihre Residenz aufgeschlagen haben; wenigstens erbaute sie sich dort ein noch zum Theil stehendes Bethaus, beförderte durch Wort und That das Christenthum, und setzte auch gegen das Jahr 316 den vorgedachten Märtyrern, Cassius, Florentius und Malusius, ein würdiges Denkmal, indem sie die Münsterkirche erbauen und an dieselbe ein Kloster für 30 Geistliche errichten ließ.58

Dieser Vorgang war zu anziehend, als daß er für Bonn ohne bedeutende Folgen geblieben wäre. Gewiß fing man nun an, sich um dieses Gotteshaus und Helena's Wohnung mehr, als es vielleicht bis dahin um den umgewandelten Marstempel geschehen war, anzubauen, und somit die Stadt nach der Landseite ansehnlicher zu vergrößern.

Jedoch alle diese Vorkehrungen vermochten es nicht, diese Gegend gegen die wilden Barbaren sicher zu stellen; fortan, sobald sich nur eine günstige Gelegenheit zeigte, erfolgten schreckliche Ueberfälle. So griffen im Jahre 355, als Sylvan sich zu Köln zum Imperator aufgeworfen hatte, und die römischen Legionen unter sich zerfallen waren, die Franken von Neuem die Gegenden des Niederrheins mit Feuer und Schwert an, und verwüsteten Bonn mit 45 andern Städten und römischen Kastellen.59 In diesem höchst gefährlichen Zeitpunkte wählte man Julian, einen jungen hoffnungsvollen Fürsten, zur Rettung Galliens. Dieser Held brachte auch dem Feinde mehrere bedeutende Niederlagen bei, sorgte für die Sicherheit und Subsistenz des Volks und der Legionen, baute im Jahre 358 Bonn und die übrigen verheerten Städte wieder auf, und errichtete zu noch größerer Sicherheit zwischen Mainz und der Mündung des Rheins sieben wichtige Posten, unter die auch Bonn zu zählen ist.60

Aus den mit römischen Ueberresten vermischten Kohlenschichten, die man bis zum Wichelshofe und noch weiter, am linken Rheinufer antrifft, will unter Andern auch Minola61 folgern, daß das alte Bonn am Wichelshofe gestanden hätte. Julian habe diese Stadt nicht auf ihrer alten Stelle, sondern mehr aufwärts, an ihrer jetzigen, wieder hergestellt, indem es leichter gewesen wäre, sich an einem frischen Ort anzusiedeln, als auf einem Schutthaufen. Diesem Umstande wäre es auch beizumessen, daß man Urnen und Grabmäler da fände, wo man sie den römischen Gesetzen gemäß nicht hätte suchen sollen; z. B. am Wichelshofe. Als hier noch Bonn gestanden, wären gewiß in demselben keine Todten verbrannt oder begraben worden; aber da dies seine Lage änderte, so hätte den Beerdigungen daselbst nichts mehr im Wege gestanden. Auf diese Art erkläre es sich auch, warum man Särge in dem heutigen Bonn entdeckt habe; es bewiese wieder, daß es vor Julian noch nicht an diesem Orte gestanden hätte.

Wie wir wissen, lag aber am Wichelshofe das Kastell und daneben Bonn. Wir sind mithin der Meinung, daß jene Kohlenschichten nur als Ueberreste des zerstörten Kastells und der zum Lager gehörigen Gebäude betrachtet werden müssen, wovon in den Jahren 1818 und 1819 bei den Nachgrabungen noch deutlichere Spuren zu Tage kamen; nicht weniger glauben wir, daß es leichter sei, da zu bauen, wo das Fundament schon liegt, als wo es noch zu legen ist. Außerdem hatten die Heimgesuchten auch gewiß mehr Neigung zu ihrem alten Wohnplatze, obgleich er für den Augenblick verwüstet war, als zu einem neuen, der nur wenige Schritte mehr aufwärts lag, und wie der alte ebenfalls den Verheerungen ausgesetzt war. Endlich ist es auch schwerlich anzunehmen, daß keine Häuser von dem alten Bonn verschont geblieben wären und, bis Julian kam, keine wieder aufgebaut wurden. Was also die aufgefundenen Urnen und Särge betrifft, so geht nur daraus hervor, was allenthalben Sitte war, daß die Römer ihre Todten um das Kastell und die Stadt beerdigten. Auf diese Weise erklären wir es, daß man am Wichelshofe und in demjenigen Theile von Bonn, der damals noch nicht im Umfange der Stadt lag, jene Gegenstände, mit Ausnahme eines Familiengrabes, gefunden hat.62

Nach unserer Ansicht also wurde Bonn da gegründet, wo es jetzt noch, wiewohl vergrößert, steht. Das glauben wir aber ebenfalls, daß die Stadt durch Julian, wie in anderer Hinsicht, so auch an Umfang gewonnen hat. Nur können wir der abentheuerlichen Meinung63 keinen Glauben schenken, nach welcher Bonn vor und nach einen so großen Umfang erhielt, daß es sich nördlich bis Rheindorf, westlich bis an's Vorgebirge, und südlich bis Godesberg ausdehnte und am sogenannten Hochkreuz seinen Marktplatz hatte. Die Römer wohnten im Sommer gerne auf dem Lande, wo sie Villen anlegten; so wie sie auch lieber große öffentliche Gebäude im Freien bauten, als in der Stadt. Daher findet sich um Bonn und an so vielen Stellen umher römisches Bauwerk zerstreut, aus welchem Umstande, in Verbindung mit der Thatsache, daß in frühern Zeiten die Dörfer Friesdorf, Kessenich, Poppelsdorf und Rheindorf in der Stadt eingepfarrt waren, und Transdorf noch zur Pfarre St. Peter gehört64, wohl jene Meinung entstanden sein mag.

Auch Julians zweiter Nachfolger, Valentinian I. richtete sein Augenmerk auf die Vertheidigung des linken Rheinufers, und zog im Jahre 368 vom Ursprung des Rheins bis an den Ocean eine Kette von Festungen und Thürmen, die er mit einer erfoderlichen Mannschaft ausrüstete.65 Ohne Zweifel wurde Bonn bei dieser Gelegenheit mit noch mehreren Fortifikationen versehen, so wie in seiner Nähe, auf dem Drachenfels, der Wolkenburg, der Löwenburg, dem Petersberg u.d.m. Vesten entstanden, die als kräftige Glieder jener großen Kette auftraten.66 Diese Anstalten hatten zwar zur Folge, daß die neun letzten Regierungsjahre dieses Kaisers für Gallien Jahre der Ruhe waren, aber sie halfen doch wenig, und gingen vor und nach durch die Gewalt der Feinde zu Grunde. Die Stärke des römischen Reichs war dahin, und kein Kaiser vermochte die rheinischen Städte gegen ihre furchtbaren Dränger zu schützen. Daher trafen Bonn auch wieder neue Unfälle, als im Jahre 388 die Franken unter ihren Anführern Genebald und Marcomir das Land der Ubier als Kannibalen überzogen, Mauern umwarfen und Städte und Felder verheerten;67 ferner im Jahre 406 durch eine Rotte Barbaren, die unter ihrem Anführer Crochus Alles, was ihnen in den Weg kam, verwüsteten und Tausende von Christen mordeten;68 und endlich im Jahre 451, als Attila, der Hunnenkönig, mit einem Heere von 500.000 Mann dermaßen wüthete, daß er die Gegend, welche er durchzog, als eine mit Trümmern angefüllte Einöde zurückließ.69 In Bonn dürften wir noch eine Spur seines Durchzugs in der Benennung der Hundsgasse, Anfangs ohne Zweifel Hunnengasse genannt, finden; wenigstens war diese früher in größerer Breite, die Haupt- oder Heerstraße.70

Unter solchen Verwüstungen, denen die gealterten Römer nur schwachen Widerstand entgegen setzen konnten, wurde bald ihre Herrschaft am Rhein völlig untergraben; ihre Adler, vorher noch so stolz einherziehend, senkten nach und nach ihre Fittige vor der jugendlichen Kraft der Germanen.

Viertes Kapitel.

Die Franken. Neue Verwüstungen. Denkwürdige Ereignisse. Die erzbischöfliche Herrschaft. Erbauung mehrerer Gotteshäuser. Pest und Erdbeben. König Heinrich V. Ein Bonner als Kreuzfahrer. Neue Verheerungen. Wiederbefestigung der Stadt. Vergrößerung und Verschönerung derselben.

Erst nach dem verheerenden Zuge des Attila in der letzten Hälfte des fünften Jahrhunderts gelang es den Franken, nach vielen vergeblichen Versuchen, sich auf dem linken Rheinufer festzusetzen; damals kam das Gebiet der Ubier und somit auch Bonn unter ihre Herrschaft. Weil die Franken in eine große Menge einzelner unabhängiger Stämme eingetheilt waren, welche kein festes Band umschlang, so sahen sie sich lange Zeit außer Stande, bedeutende Unternehmungen auszuführen. Fortwährend herrschten innere Streitigkeiten unter den kleinen Fürsten, und dadurch wurde unsere Gegend von Drangsalen nicht selten heimgesucht. Diese Zwistigkeiten wußte um das Ende des fünften Jahrhunderts der tapfere, aber rohe Klodowig, Fürst der Salier, klüglich zu benutzen; er brachte es durch Muth und List dahin, alle fränkischen Stämme unter seinem Scepter zu vereinigen, und sich zum alleinigen König der Franken aufzuwerfen. Doch seiner Herrschaft drohte schon im Beginne der Untergang durch die Allemannen, welche mit furchtbarer Heeresmacht ins Kölner Land einfielen. Es kam im Jahre 496 zur entscheidenden Schlacht bei Zülpich, sieben Stunden von Bonn. Nach langem und hartnäckigem Gefechte fingen endlich die Reihen der Franken an zu weichen. Da gelobte der König, der die große Gefahr, in welcher er schwebte, allzu gut einsah, den christlichen Glauben anzunehmen, wenn er den Sieg noch erringen würde. Der Himmel verlieh dem durch die Noth fromm gewordenen Barbaren seinen Beistand; er erfocht einen glänzenden Sieg, und empfing nach der Schlacht mit 3.000 seiner Franken die Taufe. Durch das Christenthum wurden die Franken milder, und ihre Herrschaft, welche bald bis an die äußersten Grenzen von Frankreich sich erstreckten, heilsam, besonders, da sie jetzt als ein mächtiges Volk im Stande waren, ihren Unterthanen Ruhe und Sicherheit zu verleihen.

Nach Klodowigs Tode, der 511 zu Paris erfolgte, wurde die eine Zeit lang am Rhein bestandene Ruhe wieder unterbrochen, weil wegen der Theilung des großen fränkischen Reichs innere Streitigkeiten unter den fränkischen Königen ausbrachen, in welchen Bonn, aller Wahrscheinlichkeit nach, wieder leiden mußte. Auch war diese ohne Zweifel der Fall, als der König Theodorich einen der thüringschen Könige, Hermanfried, zur Vertreibung seines königlichen Bruders beistand, und nach dem erfochtenen Siege dasjenige nicht erhielt, was ihm für die Hülfe war zugesagt worden. Es entstand deshalb ein unversöhnlicher Haß zwischen den Franken und Thüringern, und letztere, als die Stärkern, fielen mehrmals verwüstend ins Kölner Land ein.71 Doch Theodorich ward ihrer im Jahre 526 Meister, und sogar bald darauf ihr König.

Unter dem Könige Klotar I. verheerte ein anderer Völkerstamm, die Sachsen, im Jahre 556 die fränkisch-rheinischen Besitzungen aufs Neue;72 aber noch schlimmer wurde es für dieselben, als Klotar nicht mehr unter den Lebenden war. Bürgerkriege brachen unter seinen Nachkommen aus, Brüder kämpften gegen Brüder, und Treulosigkeit und Grausamkeit galten statt der Gesetze.73 Zwischen seinen Enkeln Theudebert und Theuderich besonders fiel bei Zülpich, wo einst Klodowig siegte, eine mörderische Schlacht vor, aus welcher der erstere als Sieger und Herr des Rheins hervorging, aber schon im Jahre 613 starb.74 Seine Wittwe, Brunehild, ließ einen ihrer Söhne, Siegebert, als König ausrufen; indeß waren die Großen des Reichs damit nicht zufrieden, und setzten Klotar II. die Krone auf. Diese annehmend, rückte Klotar gegen Siegebert an, besiegte ihn und wurde alleiniger Herr der fränkischen Monarchie. – Während aber ein fränkischer König nach dem andern früh das Grab fand, wächst die Macht ihrer Maior-Domus gewaltig. Pipin von Heristall, einer dieser Machthaber, wurde sogar 687 zum beständigen Major-Domus in allen drei Reichen unter dem Namen dux und princeps ernannt. Sein im Jahre 714 erfolgte Tod stürzte diese Länder in große Unruhen. Der König Dagobert, oder vielmehr die Neustralier machten nämlich den Versuch, sich von der Oberherrschaft der Familie Pipins und der Australier überhaupt zu befreien. Pipins Wittwe, Plektrud, der dieses Vorhaben bald bekannt wurde, hatte mit ihrem Enkel Theudobald und ihrem Stiefsohne Karl, dem sie jedoch nicht wohl wollte, die Stadt Köln und alle königliche Schätze im Besitz, und trug Sorge, die Oberherrschaft über Neustralien zu erhalten. Zu dem Ende sendete sie ihren Enkel, der an Pipins Stelle zum Major-Domus ernannt war, mit einer Armee dahin; allein die Neustralier kamen Theudobald zuvor, hieben sein Gefolge, während er sich durch die Flucht rettete, meistens nieder, und verheerten Australien, in das sie einfielen, bis an die Maas. Die meisten Bewohner dieses Landes waren indeß des Weiber-Regiments müde, und sahen es ungern, daß Plektrud sie beherrschen sollte; daher brach Bürgerkrieg aus, in Folge dessen Plektrud mit ihrem Anhange geschlagen und Karl, Pipins natürlicher Sohn, an seines Vaters Stelle erwählt wurde. Dieser rückte nun gegen Chilperich II., König von Neustralien, zu Felde, weil derselbe das Vorhaben seines Vorgängers durchgeführt und sich einen eigenen Major-Domus gewählt hatte. Karl aber wurde geschlagen, und die Feinde zogen als Sieger vor Köln, dessen Thore jedoch geschlossen blieben. Da sammelte der junge Held sein Heer wieder, holte Chilperich nicht weit vom Kloster Stablo ein, und lieferte ihm dort und später auch unweit Camprai und bei Soissons blutige Treffen. Er ging aus allen als Sieger hervor, und der Feind wurde durch diese Schläge für seine Würde- und Macht-Entziehung und für seine Räubereien und Verheerungen im kölnischen Gebiete hart bestraft.75

Außer diesen Siegen für sein Haus und die fränkische Monarchie leistete Karl auch ganz Europa und der christlichen Religion insbesondere den wichtigsten Dienst, da er über die in Gallien eingefallenen Saracenen, die der Schrecken des Orients und des Occidents waren, zwischen Tours und Poitiers im Jahre 732 den herrlichsten Sieg davon trug.76 Nach seinem Tode, 741, folgte sein Sohn Pipin in der Regierung. Doch dieser bekleidete nicht lange die Major-Domus-Stelle, sondern schwang sich im Jahre 752 zur Königs-Würde selbst empor. Unerachtet aller dieser nachtheiligen Vorgänge, wovon der eine mehr, der andere minder traurige Folgen für Bonn hatte, nahm dieses in seiner Blüthe und an Umfang doch immer mehr zu. Gewiß trug dazu nicht wenig der Bau der St. Remigiuskirche bei, die auf einem alten Begräbnißplatze aufgeführt, und bis zu ihrem Abbruche im Anfange dieses Jahrhunderts zur Hauptpfarrkirche benutzt wurde;77 und sodann auch vorzüglich der Königspallast, welcher in der Gegend des alten Zolls sein Haupt erhob. Daß ein solches Gebäude einstens hier gestanden, glaubt unter andern auch Herr Hundeshagen78, indem er sich dadurch den Umstand erklärt, daß in alten Geschichten Bonn als freie Reichsstadt erscheint. Wir theilen diese Ansicht um so mehr, als es bekannt ist, daß die fränkischen Könige den Rhein liebten, und in ihrem Reiche keinen beständigen Sitz hatten, sondern umher reisten und blieben, wo es ihnen am besten gefiel, oder wo ihre Gegenwart nöthig war. Daher stiegen auch fast in jedem Gaue königliche Palläste empor, besonders an Stellen, die wie Bonn so viel Naturreiz darboten, und mittelst ihrer Waldungen der Jagdlust der Regenten entgegen kamen. Zu diesen Königsburgen gehörten ansehnliche Güter. In jeder war ein Verwalter, und die Güter wurden unter der Aufsicht eines Villicus von Leibeignen gebaut. Noch erblickt man Spuren dieser Gebäude an den Ufern des Rheine, der Mosel und der Maas; daß dieses aber in Bonn nicht mehr der Fall ist, rührt blos daher, daß Churfürst Salentin an der Stätte des Königshofes sein Residenzschloß erbaute.

Bestimmte Nachrichten von dieser Stadt haben wir erst wieder im Jahre 768, als König Pipin starb und Karl der Große den fränkischen Thron bestieg. In diesem Jahre, noch unter Pipins Regierung, fiel der Sachsenherzog Wittekind nach der Sitte seiner damals noch äußerst rohen Landsleute mit Feuer und Schwert in die Rheinlande, und verheerte unter andern Städten auch Bonn, um so mehr, als ihm keine hinreichende Macht entgegenstand, weil Pipin gerade mit dem Herzoge Waifar von Aquitanien im Kriege begriffen war.79

Dieser Plünderungszug gab die nächste Veranlassung zu dem hartnäckigen Sachsenkriege, welcher jedoch nie diese Gegend heimsuchte, worin unter Karls des Großen väterlicher Regierung ein tiefer Friede herrschte. Dagegen sah Bonn im Jahr 775 Karls stattliches Heer und ihn selbst an der Spitze in seiner Nähe über den Rhein setzen, um den Sachsen bei Siegburg den Rückweg zu zeigen und ihnen die Lust zum Wiederkehren zu benehmen.80 Als der starke Arm dieses großen Mannes nicht mehr über das Frankenland waltete, wußten räuberische Barbaren aus dem Norden die Schwäche seiner Nachfolger zu benutzen, und durchzogen zu wiederholten Malen unter Plünderungen und Verwüstungen die Gegenden des Niederrheins. Im Jahre 851 trieben dieselben ihr Unwesen so weit, daß nicht allein für Bonn und seine benachbarten Städte und Dörfer, sondern für das ganze Land die schrecklichste Hungersnoth sich einstellte; indem der Feind Gärten, Felder und Wiesen kahl, und alle Magazine und Ställe leer gemacht hatte. Es erlosch alles Gefühl für Recht und Pflicht, und kein Gesetz wurde mehr beachtet. Der Mensch begann mit dem gleichsam erzürnten Himmel zu rechten, und das zarte Mutterherz schlug nicht mehr für den jammernden Säugling; das Theuerste ward zum Opfer und als Speise gierig verschlungen.81

Darauf folgte für die hiesige Gegend im Jahre 874 eine andere große Plage. Eine ungeheure Menge Heuschrecken, von ungewöhnlicher Größe, stellte sich ein, und zerstörte die ganze Saat, worauf so viele Hoffnungen beruhten. Nach Conr. Licosthenes82 überstiegen sie die Dicke eines Mannes Daumen, hatten vier besonders große Flügel, sechs Füße und zwei steinharte Zähne; kamen heerweise geflogen und besaßen ihre Führer, denen die Masse immer des folgenden Morgens nachfolgte, und zwar in solcher Menge, daß sie eine Strecke von 20.000 Schritten in der Länge einnahmen, und die Saat von 150 Morgen Landes nur ihr Futter für einen Tag war.

Unter Ludwig dem Deutschen versuchten die Normannen abermals die Rheingegenden feindlich zu überziehen, wurden aber von diesem kräftigen Fürsten, so oft sie es wagten vorzudringen, in die Flucht geschlagen. Einen solchen Schutz gewährte jedoch dem Rheinlande sein Sohn und Nachfolger, Karl der Dicke, nicht. Unter ihm fielen die Normannen im November des Jahres 882 von Neuem in dieselben ein, und richteten in Bonn und der Umgegend eine schreckliche Verheerung an, ohne auf Alter, Geschlecht oder geheiligte Oerter Rücksicht zu nehmen.83 Um diesen Verheerungen zu steuern, trug Karl im Jahre 885 dem Erzbischofe Wilibertus von Köln auf, sich mit dem Herzog Heinrich aus Sachsen zum Könige der Normannen zu begeben, und bei ihm einen Vergleich und Frieden zu bewirken. Aber das Schicksal wollte, daß der König vom Grafen Everhard, welcher als kaiserlicher Lehnsmann an der Grenze des Normannenreichs wohnhaft, und gegenwärtig im Gefolge des Erzbischofs war, in einem hitzigen Augenblick getödtet wurde, und mit ihm die meisten Normannen, welche sich bei ihm befanden. Daher verwüsteten ihre Landsleute, vor Rache schnaubend, im Jahre 891, wo der deutsche König Arnulf den Herzog in Böhmen und Mähren, Zwentibold, befehdete, unter andern Städten und Ortschaften auch Bonn wieder, das sich damals kaum aus seinen Trümmern empor gehoben hatte.84

Nach dieser langen Reihe trauriger Begebenheiten ist es willkommen, auch solchen wieder zu begegnen, die Bonn statt zum Nachtheile, zum Vortheile gereichten; und dieses um so mehr, weil sie sich zu einer Zeit ereigneten, wo dasselbe wieder im Genusse friedlicher Tage lebte. Im Jahre 900 nämlich bewohnte diese Stadt eine überaus reiche und gottergebene Dame, Namens Gekela, die an der ererbten Stelle, wo ehemals ein Marstempel gestanden, den, eine Kirche und ein Kloster zu Ehren der Mutter Gottes, des Erzengels Michael und aller Engeln erbaute. Die Erlaubniß dazu suchte sie selbst beim päpstlichen Stuhle nach, und nachdem diese ertheilt und der Bau vollendet war, führte sie in denselben geistliche Personen nach der Regel des h. Augustin im schwarzen Habit ein, denen sie zum Unterhalt ihr Vermögen vermachte. Dieses Gotteshaus erhielt den Namen: Kloster zum Engelthal.85

Im Jahre 921 wurde Bonn von Heinrich, dem Könige von Deutschland, und von dem französischen Könige, Karl dem Einfältigen, zu einem Congresse ausersehen, in dessen Folge der Friede zwischen beiden Fürsten hergestellt, und Lothringen wieder an Deutschland gebracht wurde. Beide trafen hier am 4ten November ein. Karl nahm mit seinem Gefolge seine Wohnung in Bonn, Heinrich aber lagerte sich mit den Seinigen jenseits des Rheins. Während der ersten drei Tage wurden die Bundesartikeln und Beantwortungen durch Gesandte in kleinen Schiffen ausgewechselt, und den 7ten November kamen beide Monarchen auf einem großen in der Mitte des Rheins angeankerten herrlich verzierten Schiffe zusammen und beschwuren gegenseitig den Vertrag in Gegenwart vieler Bischöfe, Fürsten und Herren.86

Diesem denkwürdigen Ereignisse folgte im Jahre 942 ein anderes. Damals wurde in Bonn unter dem Erzbischofe Wigfridus von Köln eine große Kirchenversammlung gehalten, wobei 22 Bischöfe aus Deutschland und Lothringen nebst anderen Prälaten erschienen, um die geistliche Disciplin ordnend festzustellen.87 Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte diese Kirchenversammlung auch die Erhebung des von Helena gestifteten Klosters zu einem Kanonikatstifte, und die Auflösung des gemeinsamen Lebens seiner Bewohner, zur Folge. An die Stelle des bisherigen Abtes trat nun ein Propst, der zu gleich der erste Archidiacon des Erzstiftes Köln war, und seit 1167 auch drei Tage des Jahres, vom 1sten bis 3ten Mai, die Herrschaft über Bonn besaß. Diese Aenderung trug wieder zur Ausbauung des ersten Stadtviertels bei, indem die Kanonici in der Nähe ihrer Kirche schöne Häuser erbauten und bei Freunden und Fremden die Baulust erweckten. Auch fällt ohne Zweifel in diese Zeit die Erhebung der Kirche zum heil. Martin, des ursprünglichen Marstempels, zur Pfarre jenes Stiftes, der die Seelsorge außer einem Theile der Stadt, auch die der Dörfer Poppelsdorf, Kessenich und Friesdorf übertragen wurde.88

Bonn, das bisher zuerst unter römischer, dann unter fränkischer und zuletzt unter der Hoheit deutscher Könige gestanden und trotz so vieler Hindernisse und Ueberfälle sich nicht nur erhalten, sondern immer schöner entfaltet hatte, gelangte im Jahre 954, zur Zeit der Kaiser aus dem sächsischen Hause, unter die milde Herrschaft der Erzbischöfe von Köln.89 Es sollte unter derselben erst einen Glanz und Wohlstand erhalten, den es bisher noch nicht erlangt hatte. Der erste, welcher unter den Erzbischöfen diese Herrschaft an sich zog, war Bruno, der Bruder des Kaisers Otto I.; ein Mann, der als Muster von Klugheit, frommem und regem Eifer seinen Unterthanen voranging und sie die Drangsalen vergessen machte, von denen sie bisher so oft heimgesucht waren. Auch unter seinen nächsten Nachfolgern dauerten die Lage der Ruhe fort; und unter einem derselben, dem Erzbischofe Warinus, geschah es, daß die Reichsfürsten sich nach dem im Jahre 983 erfolgten Tode des Kaisers Otto II. in Bonn versammelten, und dessen erst dreijährigem Sohne, Otto III., die Nachfolge im Reiche seines Vaters übertrugen.90

Dagegen war sowohl der Anfang der Regierung des Erzbischofs Heribertus von Köln, als das Ende derselben für Bonn sehr schmerzlich. Im Jahre 1002 wüthete hier nämlich die Pest, und raffte Tausende seiner Bewohner hinweg.91 Gleich darauf, 1005, kam eine andere große Plage, die Hungersnoth, welche schon einmal in dieser Gegend gehaust, und jetzt auch die von jener Seuche damals Freigebliebenen über die Hälfte zu Grabe geleitete.92 Und am 4ten Mai 1020 fand ein so heftiges Erdbeben Statt, daß viele Häuser einstürzten und wahrscheinlich auch wieder eine Menge Menschen ihr Leben einbüßten.93

Wieder viel Hartes hatte Bonn und seine Umgegend von dem Pfalzgrafen Heinrich auszustehen, welcher auf dem nahen Siegberge ein festes Schloß bewohnte. Dieser überzog im Jahre 1056 das kölnische Erzstift unter Sengen, Brennen und Rauben, und zog sich stets, wenn er mit Erfolg angegriffen werden konnte, auf jene Feste zurück, wo ihm Niemand beikommen konnte. Daher verfolgte ihn der Erzbischof Hanno II. von Köln mit dem Bannfluche, und brachte ihn dadurch für eine kurze Zeit zum Gehorsam und sogar zur Abtretung des Siegberges an das Erzstift. Dieses gereute ihn jedoch später und er foderte deshalb den Gegenstand seiner Schenkung zurück. Da ihm dieses, wie zu denken, nicht gewährt wurde, überfiel er im Jahre 1060 Bonn und dessen Umgegend auf's Neue, belagerte sogar den Erzbischof Hanno in seiner Residenzstadt Köln, wurde aber von dessen Unterthanen bis nach Cochenheim an der Mosel zurückgeschlagen, wo er in eine völlige Raserei verfiel und im Kloster Epternach bald darauf starb.94

Wir haben hier auch einiger merkwürdigen Naturereignisse zu gedenken. Es kam nämlich im Jahre 1076 ein so kalter Winter, daß das Eis, welches schon den 1sten November gefroren, im Mai noch nicht geschmolzen war; und einige Jahre nachher, 1095, fing es am 13ten Oktober an zu regnen, und dauerte ununterbrochen fort bis in den April. Hierdurch entstanden Krankheiten aller Art, die Menschen und Vieh hinwegrafften und große Theurungen im Lande verursachten. Dieses Jahr nannte man allgemein das Regen-Jahr.95

Im Jahre 1106 erhielt Bonn einen Besuch vom König Heinrich V., der damals von einer Fürstenversammlung zu Mainz an die Stelle seines Vaters, des Kaisers Heinrich IV., auf den Thron von Deutschland erhoben worden war. Mit dieser Wahl waren indeß die Anhänger des abgesetzten Kaisers höchst unzufrieden, so daß sie zur Behauptung dessen Macht und Würde zu den Waffen griffen; es kam also zwischen Vater und Sohn am Charfreitage zu einem harten Kampfe bei Lüttich, in welchem letzterer unterlag. Daher flüchtete er sich nach Bonn und verweilte dort, das Osterfest mit besonderer Pracht feiernd, einige Zeit.96

Wie sein unglücklicher Vater, so hatte auch Heinrich V. mit dem Papste wegen des Investiturrechts fortan Streitigkeiten, weshalb ihn Paschalis II. im Jahre 1110 mit dem Kirchen-Banne belegte. Dadurch fiel sein Freund, der Erzbischof Friedrich II. von Köln, von ihm ab, und Bonn litt wegen dieses Abfalls durch Heinrich V. wieder der mit seinen Schaaren das Erzbisthum verwüstend durchzog, so daß Erzbischof Friedrich sich zur Beschützung seiner Lande im Jahre 1117 genöthigt sah, ihm den Weg auf dem Rheine mittelst Erbauung der Bergschlösser Wolkenburg, Drachenfels und Rolandseck zu sperren.97

Während diese Streitigkeiten Statt fanden, folgten aus den christlichen Ländern unzählige Fürsten, Grafen, Freiherrn, Adelige und Bürger dem Rufe der Kirche und ihrer eigenen Begeisterung, um den Türken das Grab des Erlösers und das Land, wo er gewandelt und gewirkt, zu entreißen. Auch Bonn nahm Antheil an diesen mühseligen und gefahrvollen Zügen. So finden wir nämlich unter den Kreuzfahrern, welche sich im Jahre 1147 mit dem Könige Alphonsus von Portugall vereinigten, und mit ihm tapfer gegen die Sarazenen fochten, einen gewissen Heinrich aus »Bonn am Rhein in Deutschland«; welcher eines ruhmvollen Todes starb;98 so wie uns etwas später auch ein edler Ritter Bruno vom Jesuitenhofe, gleich unter Bonn am Rhein gelegen, begegnet, der im Jahre 1198 nach Saladins Eroberung des Königreichs Jerusalem und dem Todesfalle des Kaisers Heinrich VI. mit mehreren Kreuzfahrern von Mönchen des Klosters auf dem Berge Karmel, begleitet, in sein Vaterland zurückkehrte, und vielleicht in Bonn zur Gründung des Karmeliterklosters beitrug, das an der Stätte des jetzigen Arresthauses gestanden hat.99

Durch mehrere dieser wiederkehrenden Pilger wurde nach Europa eine scheußliche Krankheit, der Aussatz, gebracht, dessen Heimath die heißen Länder, vorzüglich Aegypten sind. Daher entstanden allenthalben Siechhäuser zur Aufnahme und Pflege der davon Heimgesuchten, und so auch zu Bonn. Das hiesige Siechhaus erhielt seine Lage an der sogenannten Höhe, und ist zum Theil noch in seiner wohlerhaltenen Kirche zu Ehren des h. Lazarus, und in Ueberresten von Mauern der zahlreichen, kaum ein Menschenlager fassenden Kellerchen in der Erde zu sehen, worin die Kranken wohnten. In diesen Zellen waren besondere Nischen angebracht, worin ohne Zweifel das Bildniß des h. Lazarus stand, damit jeder Kranke es stets vor Augen hatte. Noch im vorigen Jahrhundert opferte man daselbst diesem Heiligen geräuchertes Schweinefleisch und Eier, und jetzt beschränken sich die Opfer auf Wachs und Geld, während aber der Besuch dieser Kapelle, besonders am Ostermontage, gegen früher nicht nachgelassen hat.

Nach Friedrich II. bestieg den erzbischöflich kölnischen Stuhl Reinoldus, Graf von Dassel. Unter diesem Fürsten ward bei Bonn im Jahr 1137 der Rheinstrom wegen großer Trockenheit so schmal, daß man zu Fuß durch denselben gehen konnte100, ein Ereigniß, was sich vielleicht nie zuvor, und nie später mehr eingestellt hat. Dieser Erzbischof ließ es sich angelegen sein, den Gebeinen der Märtyrer Cassius, Florentius und Malusius, welche beinahe 900 Jahre lang an der Marterstätte bei Endenich am Berge in der Erde geruht hatten, im Jahre 1166 einen erhabenern Ort anzuweisen, indem er sie mit großer Pracht und unter Beiwohnung Tausender von Fremden in die Bonner Münsterkirche übertrug101, wo sie noch heutigen Tages, als die Patrone der Stadt verehrt, in der sogenannten Gruft ruhen. Unter andern Stiftungen, welche zur Verewigung dieser Vorgänge beitragen sollten, finden wir auch den sogenannten Bonner Maimarkt, Anfangs Walburger Markt genannt, dessen freie Abhaltung der Erzbischof Reinoldus den Pröpsten des St. Cassius-Stiftes, mittelst einer besondern Urkunde102 gestattete, und ihnen zugleich an den Markttagen, vom 1sten bis 3ten Mai, die volle Herrschaft über Bonn einräumte.

Der Nachfolger Reinoldus war Philippus, Graf von Heinsberg, welcher im Jahre 1167 zu dieser Würde gelangte, und bald darauf das erste Stadtviertel von Bonn mit einer weitern Pfarrkirche, zu Ehren des heil. Gangolph, schmückte, deren Sprengel die in ihrer Nähe neu erstandenen Häuser auf dem Butterweck und in der Sürst, und das nunmehr verschwundene Dorf Mühlheim – es lag in der Gegend der sogenannten Baumschule – in sich begriff.103

Unter dem Erzbischof Adolph I. wurde Bonn abermals feindlich heimgesucht. Dieser begrüßte nämlich im Jahre 1197, als Kaiser Heinrich VI. gestorben war, Otto von Braunschweig als deutschen König, salbte und. krönte ihn in Aachen. Philipp von Schwaben, aus dem Geschlechte der Hohenstaufen, welcher gleichzeitig von der Gegenpartei gewählt worden war, überfiel daher im Monat October das oberrheinische Erzstift, verheerte Bonn und andere Oerter, plünderte das flache Land, und suchte sich auf diese Weise an Adolph zu rächen.104 Unerachtet dieses Ueberfalls, der so viel Elend über das Erzstift brachte, fiel Adolph doch später, durch Umstände getrieben, von Otto, dem Lieblinge des Papstes, ab, und wurde dem König Philipp geneigt, dem er auch im Jahre 1205 in Aachen die Krone aufsetzte; ein Benehmen, das den Papst Innocenz III. veranlaßte, ihn im nämlichen Jahre seines erzbischöflichen Amtes zu entsetzen und dieses dem Bonner Propste Bruno zu übertragen. Philipp, der seinen unglücklichen Freund nicht verlassen und sich zugleich in seiner Würde behaupten wollte, rückte daher mit dem abgesetzten Adolph und einer großen Heeresmacht ins Erzstift; eroberte außer Köln, sämmtliche Städte, verheerte Alles mit Feuer und Schwert und schlug Otto's und Bruno's Heer aufs Haupt.105 Doch dem König Philipp trug dieser Sieg keine Früchte, er wurde im Jahre 1208 durch Otto von Wittelsbach ermordet; und Otto, sein Gegner, der nach dieser That allgemein als König der Deutschen anerkannt wurde, blieb auch nur bis zum Jahre 1215 auf dem Throne, weil er vom Papste, dem er in seinem Glücke in Vergebung der Rechte des Reichs nicht so freigebig als in seinem Unglücke war, davon entsetzt wurde. So war Bonn wegen seines offenen, schutzlosen Zustandes, der Folge fortwährender Verwüstungen, stets ein Spielball dieser oder jener Partei gewesen. Wir nähern uns aber nun dem Zeitpunkte, als es wieder mit solchen Fortificationen versehen wurde, daß es seinen Feinden trotzen konnte, und nicht mehr wie bisher jeder Plünderung und Verheerung ausgesetzt war. Der Erzbischof und Churfürst Konrad von Hochstetten, Gründer des Kölner Doms, ein Mann von großer Kühnheit, Tapferkeit und Schlauheit, war mit den Kölnern wegen ihres Strebens nach Unabhängigkeit zerfallen, und in heftige Streitigkeiten gerathen. Konrad hatte nämlich in Köln gegen die von ihm nicht anerkannten Freiheiten der Stadt Münzen prägen lassen, worauf die Bürgermeister und der Rath sich beschwerend an ihn wandten, und ihm solches für die Folge untersagten. Als Erzbischof und Churfürst war ihm dieses Benehmen der Kölner, überhaupt aber ihre Anmaßungen in jeder Hinsicht unangenehm. Daher verließ er im Jahre 1240 die Stadt, und begab sich nach Bonn, das ihn mit offenen Armen aufnahm, und von ihm mit dem deutschen Städterechte und verschiedenen Freiheiten begabt wurde.106 Hier nun konnte Konrad seinen Feinden die Stirne bieten; er wandelte unter Unterthanen, auf deren Liebe, Treue und Ergebenheit er sich verlassen konnte, und die, ihre Pflicht kennend, ihm mit Gut und Blut in allen seinen Fehden beistanden. Von Andernach aus sandte Konrad den Bürgern Kölns einen förmlichen Fehdebrief, und belagerte darauf, nachdem er alle seine Lehnsleute unter den Waffen hatte, ihre Stadt.

In der Zwischenzeit fingen die Bonner in dankbarer Berücksichtigung der erhaltenen Freiheiten an, zur Beförderung der Zwecke Konrads und des Wohls der Stadt, dieselbe, unerachtet der großen Kosten, mit einer neuen Ringmauer, mit Thürmen, Thoren und Gräben zu versehen, und darunter das Kölnthor mit dem hochstettischen Wappen, einem einfachen Adler mit gespannten Flügeln, zu schmücken.107 Dadurch erhielt der Stadttheil, welcher sich allmählig vor der alten Stadtmauer landeinwärts gebildet hatte, ebenfalls äußern Schutz, indem die neue Mauer, wie hier und da noch zu sehen, um denselben hingezogen wurde. Bonn gewann durch diese Sicherheits-Maßregeln offenbar an Ründung, verlor aber auch rheinauf und -abwärts an Länge, da man die Häuser, welche auf diesen Punkten zur Bezweckung der Ründung vor die neue Stadtmauer zu liegen kamen, als eine Art Vorstädte betrachtete, die später durch Belagerungen vor und nach verschwanden. Ueberhaupt gestaltete sich um diese Zeit und in der Folge auch Vieles im Innern Bonns zum Bessern; die alte Stadtmauer mit ihren Thoren, Thürmen und Brücken wurde abgebrochen, an einigen Stellen ganz, an andern bi auf da Fundament; der Wassergraben wurde ausgefüllt; auf seinem Grund erhoben sich südwestlich die Häuserreihen auf der Stockenstraße, auf dem Markte und auf der Sternstraß; zu beiden Seiten auf der sogenannten [Markt-]Brücke wurden gleichfalls Häuser erbaut, und wieder eine neue Straße bildet sich in der Acher- auch Achterstraße genannt; ein Name, der aus dem veralteten Worte Achter (Hinter) entstand, weil ihre Häuser hinter der alten Stadtmauer erbaut wurden, von der, wie wir oben erwähnt habe, hier und da noch Spuren sichtbar sind. Auch die Landstraße, von Koblenz nach Köln, erhielt bei dieser Gelegenheit eine andre, wahrscheinlich die jetzige Richtung, denn früher lief sie über den Belderberg, die Hundsgasse, Sandkaul, Welschennonnenstraße durch das sogenannte, aber seitdem eingegangene Wenzelsthor auf Rheindorf zu.108

Inzwischen wollte dem Erzbischof Konrad, der zur Befestigung Bonn auch das seinige beitrug, und dasselbe mit Wällen und Graben versah109, die Belagerung Kölns, trotz aller Mühe, sich desselben zu bemächtigen, nicht gelingen. Voll Verdruß darüber fand ihn einer seiner Vertrauten, Ritter Hermann von Vittinghofen, im Lager zu Deutz. Er bat ihn, wohl einsehend, daß der Stadt ohne Zeit und Opfer nicht beizukommen war, gar sehr, mit den Kölnern Frieden zu stiften. Lange wollte indeß Konrad dazu kein Gehör geben; doch endlich bot er die Hand zur Aussöhnung, und die Kölner waren zu einem gleichen Schritte gerne bereit. Aber der Friede dauerte nur kurze Zeit. Hermann der Rothe, ein kölnischer Ritter, war zur selbigen Zeit von den bischöflichen Beamten bei Bonn gefangen worden, die, hierüber zur Rede gestellt, vorgaben, daß sie von jener Aussöhnung nichts wüßten. Demnächst begehrte ein anderer kölnischer Ritter, Bruyn von Cuesyn mit Namen, vom Erzbischofe sicheres Geleit nach Bonn, wo er eine Erbschaftssache zu berichtigen hatte. Das Geleit wurde zugesagt, aber der Ritter, vielleicht wegen unziemlicher Redensarten, nebst seinem Knappen im Gasthause arretirt.110 Dieses gab Veranlassung zur neuen Fehde zwischen Konrad und Köln. Ersterer zog gegen sie öffentlich zu Felde, und schlug sein Lager bei Rodenkirchen auf. Die Kölner, mit dem Grafen Dietrich von Falkenburg an der Spitze, gingen ihm entgegen; es kam zur Schlacht, in welcher Konrad, als er beinahe den Sieg davon getragen, durch eine unglückliche Wendung, der feindlichen Uebermacht gänzlich unterlag. Er verlor viele seiner trefflichsten Ritter, und nahm dagegen nur vier kölnische Edlen: Mathias Overstolz, Daniel Jude, Peter van Lepart und Simon Rosgyn, gefangen. Beiderseits war man nun des Krieges müde, und durch Vermittlung des Erzbischofs Albrecht von Trier kam auch der Friede zu Stande, indem die Kölner an Konrad 6.000 Mark zahlten.

Letzterer, welcher gleich darauf wieder seinen erzbischöflichen Pallast in Köln bezog, wählte im Jahre 1248 den Grafen Wilhelm von Holland, einen 20jährigen Jüngling, zum Könige der Deutschen, und krönte ihn als solchen in Aachen. Diese Wahl geschah auf Veranlassung des Papstes Innocenz IV. und wurde von den übrigen geistlichen Fürsten gutgeheißen, aber nicht überall mit denselben beistimmenden Blicken betrachtet; unter den Städten, die dem neuerwählten Könige ihre geneigte Huldigung zuerst darbrachten, finden wir nur Bonn, Koblenz, Mainz und Straßburg;111 ein Schritt, der für sie schlimme Folgen gehabt hätte, wenn Kaiser Friedrich II., der mit dem Kirchenbanne belegt war, nicht im Jahre 1250 gestorben wäre.

Fünftes Kapitel.

Bonn tritt in den Hansebund; wird churfürstliche Residenzstadt. Vogtei. Kirchenbann über Bonn. Anwesenheit und Krönung mehrerer Könige. Bündnisse mit benachbarten Städten. König Johann. Größere Befestigung Bonns. Benehmen der Kölner. Verpfändung der Stadt und des Zolles. Kaiser Friedrich III.

Nach dem Jahr 1250 stellte sich in ganz Deutschland eine furchtbare Zeit voll Verwirrung, Zuchtlosigkeit und Schwäche ein. Die Königskrone wurde nur als ein Mittel zu eigennützigen Zwecken von Deutschlands Oberhäuptern, und der Reichsverband als ein Sklavenjoch von den einzelnen Reichsgliedern betrachtet.

Feste, jedem Eroberungs- oder Vernichtungs-Versuch trotzende Burgen entstanden durch den Adel an Flüssen und Wegen, um Zoll und Geleit zu erzwingen; und den Adeligen oder der Geistlichkeit mußte jeder dienstbar werden, der sich nicht selbst Schutz gewähren konnte.

In dieser schweren, unsichern Zeit erneuerten die Städte am Rhein, auf den Rath Arnold Walpoden von Mainz, zum Schutz und Trutz den schon einmal bestandenen rheinischen Bund. Dieser nahm gleich Anfang eine kräftige die Anmaßungen des Adels hemmende Stellung an; wurde reicher und mächtiger, als die nordischen Königreiche; hatte ganze Flotten und Heere, und schwang sich in dem mittleren Zeitalter unter dem Namen der deutschen Hanse, zu einer großen Zierde Deutschlands, zu einer solchen Macht empor, daß er den König Philipp IV. von Frankreich nöthigte, den Engländern alle Handlung auf den französischen Küsten zu verbieten; mit einer Flotte von 100 Schiffen Lissabon eroberte; England zwang, den Frieden von ihm mit 10.000 Pfund Sterling zu erkaufen; Kopenhagen und Helsingör, den Schlüssel des Sunds, eroberte; Dännemark sogar feil bot, und in allen Kriegen, an denen er Theil nahm, den Ausschlag gab. So zog er den Handel in der Ostsee ganz, und den in der Nordsee großentheils an sich, und errichtete vier Waarenniederlagen: zu Nowgorod in Rußland, Bergen in Norwegen, Brügge in Flandern, und zu London.

Bonn hatte um das Jahr 1254, wo bereits 70 Städte zu jenem Bunde gehörten, sich einen solchen bedeutenden Namen erworben, daß es gleichfalls in denselben aufgenommen wurde112, und bei jenen großen Unternehmungen nach Kräften entweder durch Geldbeiträge, was von vielen Städten öfters geschah, oder durch Stellung von bewaffneten Kriegern, mitwirkte. Nun wurde Bonn von Tag zu Tag blühender und berühmter, indem der Handel mehr aufkam und sowohl die Einwohner- als auch die Häuserzahl sichtbar zunahm.

Dagegen herrschte in Köln eine innere Zwietracht, die üble Folgen nach sich ziehen mußte. Die Gemeinden nämlich sahen es mit Unwillen, daß die edlen Geschlechter ganz allein die Verwaltung der Stadt in Händen hatten, und wollten ebenfalls dabei betheiligt sein. Diese Spannung wußte der Erzbischof Konrad zu benutzen; denn er gewann durch kluge Mittel die Gemeinden ganz für sich, und wurde, wonach er so lange getrachtet, durch die Fehde, die diese im Jahre 1258 mit den Edlen zu bestehen hatten, unumschränkter Herr über Köln. Um sich diese Herrschaft dauernd zu sichern, entsetzte Konrad die Obersten der Stadt nicht nur ihrer Aemter, sondern sperrte auch mehrere davon, als: den Stadtvogt Mathias, den Stadtgräfe Hermann, die Schöffen Gerhard und Gottschalk, alle von der Familie Overstolz113, in die Schlösser zu Godesberg, Lechenich und Aldenahr ein. Ihre Stellen erhielten Leute aus der Gemeinde, die zwar unwissend, aber für ihren Erzbischof gesinnt und nebenbei auch auf ihren Vortheil bedacht waren.

Die Edlen setzten, nachdem Konrad im Jahre 1261 gestorben, und Engelbert, Graf von Falkenburg, ein gütiger und sanfter Mann, nur seiner Umgebung zu gern sein Ohr leihend, an seine Stelle zum Erzbischofe und Churfürsten erwählt worden war, auf diesen ihre Hoffnung, daß er sie wieder in ihre alten Rechte einführen, und ihre unter Konrad gefangenen Brüder frei geben würde. Allein Engelbert wurde gewarnt, dieses, wenn ihm die Herrschaft über Köln lieb wäre, nicht zu thun; eine Warnung, deren Beachtung jedoch ohne Frucht blieb, da die Gefangenen Gelegenheit erhielten, aus der Haft zu entfliehen. Der Erzbischof, welcher sich für 1.500 Mark bestimmen ließ, diesen Edlen ihre selbst errungene Freiheit anzuerkennen, ohne ihnen jedoch den zugleich versprochenen Eintritt in Köln zu gestatten, führte nun, seiner Sache, wie er glauben mochte, gewiß, neue Steuern ein und legte Zölle an, wodurch die Kölner aber um so mehr gegen ihn aufgebracht wurden, da er in Betreff der befreiten Edlen nicht nach Uebereinkunft gehandelt, auch mehrere Schöffen aus der Gemeinde von ihrem Amte entfernt und dasselbe ihnen nachher wieder übertragen hatte, obgleich es die vertriebenen Edlen bekleiden sollten. Sie rotteten sich daher, aller Zwietracht vergessend, im Jahre 1262 zusammen, fielen über seine Soldaten her, und bemächtigten sich der Thore und Thürme, während Engelbert sich mit seinem ganzen Hofe nach Bonn in Sicherheit begab.114 Hier aber entbot er alle seine Dienstmannen und Lehnsleute, um Köln seines Benehmens wegen zu züchtigen, und es unter seine Landeshoheit zu beugen. Mit einem starken Heere rückte er vor die Stadt, um sie zu belagern; indeß dauerte dies nicht lange, da es dem Bischofe Heinrich von Lüttich, dessen Bruder, dem Grafen Otto von Geldern, und dem Grafen Wilhelm von Jülich, gelang, eine Aussöhnung zu vermitteln, gemäß welcher Engelbert für die Summe von 6.000 Mark versprach, die Freiheiten der Stadt und der Geschlechter nicht zu verletzen, und die Zölle zu Bonn und zu Neuß aufzuheben.115

Nun reiste Engelbert nach Rom, um sich das Pallium zu holen. Der Papst Clemens IV., dem er den Hergang jenes Auftrittes erzählte, entband ihn von der Verbindlichkeit des Vertrags und ertheilte ihm zur Demüthigung der anmaßenden Stadt Vollmacht zum Kirchenbanne. Kaum war Engelbert also in Brühl angelangt, so ließ er den Kölnern zu wissen thun, was ihnen bevorstände. Die Stadt schickte darauf Bevollmächtigte an ihn, und so kam es, daß der schreckliche Bannfluch mit 1.200 Mark abgeleitet und die päpstliche Urkunde öffentlich verbrannt wurde.

Engelbert konnte indeß den Gedanken nicht ertragen, daß Köln sich ganz seiner Oberherrschaft entzogen hatte. Im November des Jahres 1263 faßte er daher den Plan, noch einen Versuch zur Bemächtigung der Stadt mittelst Verhaftung der Ersten und Vornehmsten ihrer Einwohner zu machen. Zu diesem Ende begab er sich selbst nach Köln; aber während er im Sitzungssaale, wo dieses geschehen sollte, saß, waren die Kölner hinter seine Absicht gekommen, und statt selbst verhaftet zu werden, verhafteten sie ihren Erzbischof nebst dessen Bruder, Dieterich, welche sie beide 14 Tage lang in Gefangenschaft hielten. Nach Verlauf dieser Zeit kam durch Vermittlung des Bischofs Heinrich von Lüttich und einiger Andern wieder eine Aussöhnung zu Stande, gemäß welcher die Stadt an Engelbert 4.000 Mark zahlen, dieser dagegen die kölnischen Bürger, welche er in Bonn und Andernach gefangen hielt, frei lassen sollte.116

Indeß dauerte es nicht lange, daß in Köln die alte Zwietracht zwischen den Gemeinden und den Edlen wieder erwachte. Dieses war Engelbert zur Beförderung seiner Pläne sehr erwünscht, und er trug Sorge, sie zu nähren. Im Jahre 1266 brach endlich der Sturm los, beide Parteien griffen zu den Waffen, es entstand am Pfingstmontage ein furchtbarer Kampf, in dem die Partei des Erzbischofs völlig besiegt wurde. Letzterer hatte inzwischen ein großes Heer zusammengebracht, und zog damit vor Köln, um dieses zu belagern, und, wenn von Innen das verabredete Zeichen gegeben würde, zu erstürmen. Indeß blieb letzteres aus, und die Belagerung wurde endlich in Folge eines dem Grafen von Cleve zur Nachtszeit in seinem Zelte erschienenen wunderbaren Gesichts, aufgehoben. Engelbert, der hierauf in einer nicht freudigen Stimmung wieder nach Bonn zog, erhielt bald darauf wieder Anlaß, seinen Plan wegen der Oberherrschaft über Köln aufs Neue aufzunehmen. Es entstanden nun Streitigkeiten zwischen den Edlen selbst, wozu die mächtigen Overstolze dadurch Anlaß gaben, daß sie in einem kleinen Zwiste dem Geschlechte der Weißen seine Wohnungen in der Stadt niedergerissen hatten. Die Weißen, lange auf Vergeltung lauernd, warfen sich ihrem Erzbischofe, der sie freudig, alle Hülfe versprechend, aufnahm, in die Arme. Nun wurden in der Stadt Theilnehmer gesucht und die Gemüther durch Reden und Briefe zum Aufstande gegen die Overstolze, deren Freunde und Anhänger erhitzt. Engelbert kam selbst nach Köln, um sich vom Stande der Dinge zu überzeugen, und zahlte demnächst den Weißen 100 Mark, damit sie ihre Waffen vermehren könnten. Am 10ten Januar 1267 begann der Kampf, endete aber zum Nachtheil der Weißen, die sich darauf in die Freiheiten flüchteten, und demnächst mit ihrem Anhange aus der Stadt verwiesen wurden. Es begaben sich nun die Weißen selbst, die Mülengassen, Richwin Gryn, Wilh. von der Hundsgasse, Hermann Weißen, Johann von der Pforte, Wilhelm von Polheim und Hermann der Fischer, nach Bonn zu ihrem Erzbischofe, wo sie ihre Freunde, die früher schon verwiesen worden waren, als Dietrich Weiße, nebst verschiedenen Mülengassen fanden.117 Hier nun wurde von den Verbannten eine Verschwörung gegen ihre Vaterstadt angezettelt und die Freunde in derselben zum Beitritt gestimmt. Hermann, der Fischer, übernahm für die 500 Mann, welche man zur Eroberung von Köln und zur Vernichtung der Feinde als hinreichend hielt, und für das Eindringen in die Stadt zu sorgen. Er kannte daselbst einen Mann, den er nach Bonn beschied und für 25 Mark zur Brechung einer Oeffnung in die Stadtmauer gewann. Bald meldete dieser, daß es geschehen, und die Oeffnung gehörig bedeckt sei; worauf Hermann und einige Andre sich zum Herzoge Walram von Limburg begaben und diesen um die 500 Mann baten. Der Herzog selbst zog mit ihnen im October 1267 vor Köln, und kam glücklich, obgleich langsam zur Stadt hinein. Kaum aber hatte er den Boden derselben betreten, als die Edlen auch schon davon unterrichtet und zu einem Kampfe bereit waren, in welchem sie, durch ihre Bürger unterstützt, einen glänzenden Sieg erfochten. Auf beiden Seiten blieben viele Todten, worunter sich auch der Bruder des Erzbischofs, Dieterich von Falkenburg, so wie Hermann, der Fischer, Wilhelm von der Hundsgasse und Wilhelm von Polheim befanden. Wieder andere wurden mit dem Herzoge gefangen, und viele verwundet unter Obdach und Pflege gebracht.

Rath und Gemeinde von Köln, allen bisherigen Hader vergessend, vereinigten sich nun zu dauerhaftem Frieden unter sich, und wählten zu nicht geringem Verdruße des Erzbischofs, als beständige Schiedsrichter von Innen und Beschützer von Aussen, gegen eine erbliche jährliche Rente, vier benachbarte Landesherrn, worunter sich auch der Graf von Jülich befand. Engelbert beschloß, Letztere wegen dieser Wahl-Annahme vor und nach zu überfallen. Der Graf von Jülich mußte zuerst seinen Unmuth empfinden; aber dieser, mit seinem Bruder, dem Grafen von Geldern, verbunden, trug über den Erzbischof, ihn sogar gefangen nehmend, den Sieg davon. Engelbert wurde unter Hohn auf das Felsenschloß Nideck gebracht und in einen großen Käfig öfters dem Gespötte des Volks Preis gegeben. Die Stadt Köln, die dem Grafen in jener Schlacht beigestanden hatte, wurde vom Papste mit dem Kirchenbanne belegt; alle Geistlichen verließen hierauf die Stadt und viele schlugen ihre Wohnungen in Bonn auf. Endlich wurde Engelbert seiner harten, mehr als dreijährigen Gefangenschaft im Jahre 1270 entlassen, und er versprach dafür den Kirchenbann aufzuheben, die Freiheiten der Stadt zu beobachten, und sich mit der geistlichen Würde zu begnügen.

Ehe Engelbert diese unglückliche Fehde gegen den Grafen von Jülich unternahm, hatte er Bonn im Jahr 1267 förmlich zu seiner Residenz erwählt, ein großes Gefolge von Hofleuten mit sich gebracht, und somit diese Stadt bis zum Jahre 1794 zur ersten des Churfürstenthums erhoben.118

Von dieser Zeit an, sagt Vogt in seinen rheinischen Geschichten und Sagen, finden wir eine gewisse Eifersucht unter beiden Städten. In Köln herrschte Volks-, in Bonn Hof-Geist und Sitte; jenes haßte, dieses liebte seinen Erzbischof. In jenem zeigte sich eine gewisse Rohheit, in diesem eine auffallende Höflichkeit in den Manieren. Köln neigte sich zur Demokratie, Bonn blieb jederzeit in den Schranken der Monarchie. In ersterer Stadt regierte der Erzbischof durch Gewalt und Waffenmacht, in letzterer durch Liebe und Wohlthätigkeit.

So wie Bonn durch Engelbert zu einer hohen Stufe von Flor gelangte, schmückte er es auch mit einem Schlosse, das, wie aus einer Urkunde des Churfürsten Friedrich II. von Köln, vom 22ten December 1373119, hervorgeht, in dem neuen Stadttheile, der Gegend des Neuthors, erbaut wurde, und nebst den Gebäuden, die hier schon existirten und durch den Adel und die Hofleute nun neu entstanden, diesen Bezirk vor allen andern auszeichnend verherrlichte.

Wie in andern bischöflichen Städten, so erscheinen auch Vögte in Bonn, ob aber gleich Anfangs, wie nachher, in der Eigenschaft als Verwalter und Richter, vermögen wir nicht nachzuweisen. Um die Zeit der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts finden wir als Besitzer der hiesigen Vogtei, die ältesten Grafen von Bonn, die von Sayn120, denen als Grafen wahrscheinlich zugleich, zur Aufrechthaltung der Gerechtigkeit und Ordnung, die Umgegend ergeben war; denn es standen unter einem Grafen mehrere Gaue, eine Einrichtung, die sich von Karl dem Großen herschreibt, und dieser deshalb traf, weil ihm die Macht der Herzoge zu verdächtig wurde. Durch Heirath kam die Vogtei über Bonn aber bald nachher an das Heinsbergische Geschlecht, und eine Tochter desselben, Adelheid genannt, überbrachte sie ihrem Gemahl, dem Grafen, Theodor von Cleve.121 Engelbert starb in Bonn, wo er nach vorerwähnten Kämpfen noch einige Jahre friedlich, für die geistliche und weltliche Disciplin seines Erzstiftes sorgend, gelebt hatte, zur Trauer aller Bewohner, von denen er die Kampffähigen so oft selbst in den Waffenstreit geführt hatte, am 17ten November 1275, und wurde daselbst mit großem Pomp in der Münsterkirche beerdigt.

Noch in diesem Jahre schritt man zur Wahl eines neuen Erzbischofs und Churfürsten, und diese fiel auf Siegfried von Westerburg, einen von kriegerischem Muthe beseelten Mann, welcher in Bonn nicht nur die Huldigung empfing, sondern auch in seines Vorgängers Schlosse seine Residenz aufschlug.122 Aber Siegfried mußte sich mit bewaffneter Hand in seiner Würde erhalten, da Konrad, Graf von Berg, ihm das Erzbisthum streitig machte. Es kam zwischen ihnen zu einem harten Streite, aus dem Siegfrieds Waffen siegreich hervorgingen.

Darauf wurden die Kölner Lande von dem Herzoge von Limburg überfallen, während Graf Adolph von Berg sich gegen Köln rüstete. Siegfried gerieth hier sehr in die Enge, und würde sicher ein unglückliches Loos erhalten haben, wenn nicht Papst Martin IV. als Friedens-Vermittler aufgestanden wäre, und das verhängnißvolle Schicksal abgewendet hätte. Dessen ungeachtet fiel er bald darauf mit gewaffneter Hand in die Lande des Grafen von Braband und in die bergischen Besitzungen, und zwang den Grafen Adolph von Berg, die Befestigungen in Mülheim und Monheim zu zerstören.

Inzwischen war der Herzog von Limburg ohne Erben gestorben, und um dessen Besitzungen eine heftige Fehde zwischen dem Herzoge Johann von Braband und dem Grafen Reinold von Geldern entstanden. Siegfried nahm als Kämpfer für des Letztern Sache Antheil, während die Kölner und viele Fürsten sich auf die Seite des Erstern schlugen. Da er nun ebenfalls den Entschluß gefaßt hatte, Köln unter seine Botmäßigkeit zu bringen, so wurde ausgemacht, daß bei diesem Streit zugleich um die Stadtschlüssel, welche auf einem Wagen vor die Stadt gebracht wurden, gekämpft werden solle. Die Schlacht begann bei Woringen am 5ten Juni 1288. Beide Parteien kämpften wie Löwen und lange blieb der Sieg unentschieden; doch endlich unterlag Siegfried und gerieth sogar nebst dem Grafen Reinold in Gefangenschaft des Grafen von Berg, aus der er erst im September 1289 entlassen wurde.

Da er der Stadt Köln also mit Gewalt nicht beikommen konnte, so wußte er durch geheime Kunstgriffe es dahin zu bringen, daß sie nebst allen seinen Feinden vom Papste Nicolaus IV. mit dem Bannfluche belegt wurde, während er sich durch größere Befestigung von Bonn und andern Städten am Rhein gegen dieselben um so sicherer stellte.123 Doch kam später zwischen Köln und dem Erzbischofe eine wechselseitige Aussöhnung zu Stande, ohne daß aber der Bann gelöst wurde.

Mit einer ähnlichen Strafe wurden im Jahre 1291 auch die Bonner Bürgermeister, Schöffen, Rath und Bürger vom Papste Nicolaus IV. für einige Zeit belegt, nicht aber, weil sie sich, wie die Kölner, der Landeshoheit der Churfürsten entziehen wollten, sondern blos deshalb, weil sie sich gegen ihren Propst, Reinard von Westerburg, aufgelehnt hatten.124 Als Folge des Bannes verstummten die Glocken, die Kirchen und Kapellen blieben verschlossen, die Geistlichen wanderten aus, keine Trauung fand mehr am Altare Statt, keine Neugeborne wurden in den Schooß der Kirche aufgenommen, selbst dem Sterbenden in seiner Todesangst der letzte Trost und die Hoffnung für das andre Leben, der h. Sakramenten milde Gabe versagt, die Todten ohne Geläute, ohne der Priester Begleitung heimlich und stille dahin getragen. Kein frommer Pilger betrat mehr die Stadt, und den mit dem Bann belegten Bewohner derselben floh scheu das Ausland wie einen Auswürfling der Menschheit.

In dieser traurigen Lage wurde Bonn nicht wenig dadurch erheitert und erfreut, daß dasselbe am 7ten Juli 1292 vom deutschen König Adolph auf seiner Krönungs-Reise nach Aachen, mit einem Besuche beehrt wurde. Dieser benutzte zum Theil den Aufenthalt hieselbst zur Erfüllung der Bitte des Erzbischofs Boemund von Trier, wegen Ausstellung einer Urkunde über die Freiheiten und Rechte seiner Kirche.125

Siegfried übrigens, der in seiner Residenz im Jahre 1295126 das Minoritenkloster fundirte, starb auch daselbst127, nach manchen schweren Tagen, am 2ten April 1297, Tagen, die er sich durch seinen kriegerischen Sinn selbst herbeigeführt hatte, und deren Last auch die Bonner als Theilnehmer seiner Kämpfe hart empfinden mußten; er wurde, wie sein Vorgänger, in der Münsterkirche würdevoll beerdigt.

Weil um diese Zeit Bonn noch im Banne lag, und Köln selbst nicht davon frei war, so fand die Wahl Wichbolds, Grafen von Holte, zum Erzbischofe und Churfürsten von Köln, zu Neuß im Monat Mai Statt. Obgleich derselbe die Stadt Köln vom Bannfluche befreite, gerieth er nichts desto weniger mit derselben und mit einigen andern Städten wegen einiger Zölle, deren er sich bemächtigt hatte, in Streitigkeiten, die jedoch bald vom Kaiser Albrecht beigelegt wurden. Unter diesen Städten befand sich auch Bonn, das der Kaiser in Schutz nahm, indem er zugleich begehrte, daß es sich ohne seine Zustimmung mit dem Erzbischofe nicht vergleichen solle. Dieses geht aus einem alten Urkunden-Verzeichniß im Stadt-Archiv hervor; die Urkunde selbst ist jedoch nicht mehr vorhanden.

Was Wichbold ferner betrifft, so ergeben die Synodalstatuten den Beweis, daß er zur Aufrechthaltung der Ordnung und guten Zucht viel leistete. Aber er wurde auch noch einmal zur Ergreifung der Waffen dadurch genöthigt, daß der Graf von der Mark seine Besitzungen auf dem rechten Rheinufer verheerte. Er zog mit einem starken Heere gegen denselben, wurde seiner Meister, und trieb ihn über die Grenzen des Erzstifts zurück. Wichbold erlag jedoch der Last des Krieges und starb zu Soest im Jahre 1303.

Unter diesem Fürsten schloß Bonn mit den benachbarten Städten Andernach, Koblenz, Boppard und Wesel, im Jahre 1301 wechselseitige Bündnisse, worin bestimmt wurde, daß eine der andern Bürger als Mitbürger erkennen, und sie an ihren Rechten und Freiheiten Antheil nehmen lassen sollte; daß eine der andern offenen Feind nie als Bürger aufnehmen, oder wenn er schon Bürger sein sollte, ihn aus der Stadt verweisen; daß eine der andern heimlichen Feind, der nur durch Worte drohe, nicht aber in offener Fehde sei, zur Aussöhnung bewegen; daß eine der andern erlauben wolle, einen ihrer Feinde in ihrer Stadt zu ergreifen, und ihn daselbst so zu behandeln, als wenn sie ihn in ihrer eigenen Stadt ergriffen hätte; daß, wenn eine der verbündeten Städte von Feinden umringt werden sollte, jede andre derselben zwanzig oder auch dreißig gewaffnete Männer auf ihre eigenen Kosten zu Hülfe schicken, und wenn diese zum Entsatz nicht hinreichen sollten, sie ihr mit ihrer ganzen Macht zu Hülfe und zum Entsatz eilen sollte; daß, wenn eine der gedachten Städte eine Angriffs-Fehde mit Jemanden habe, in dessen Land ziehen und dasselbe verwüsten wollte, die andre dieselbe mit ihrer ganzen Macht und auf eigene Kosten auf zwei oder drei Tage unterstützen sollte; daß sie unter einander auf zehn Jahre einen rechten Landfrieden zu Wasser und zu Lande halten wollten, und endlich, daß die in Zukunft zwischen gedachten Städten und unter den Bürgern derselben allenfalls obwaltenden Streitigkeiten von vier von jeder Seite ernannten Rathsmännern entschieden werden sollten.128

Nach dem Tode des Kaisers Heinrich VII. wurden die Churfürsten wegen der Wahl eines neuen Reichsoberhaupts in zwei Parteien getheilt Die eine Partei mit dem kölnischen Erzbischofe Heinrich II.129 an der Spitze, wählte den Herzog Friedrich von Oestreich, der wegen seiner edlen Gestalt den Beinamen des Schönen erhielt; die andere Partei, mit dem Erzbischofe Peter von Mainz, den Herzog Ludwig von Oberbaiern. Friedrich von Oestreich wurde hierauf in glänzendem Zuge nach Bonn geführt, und dort am 25sten October 1314 in Beisein Rudolphs, Pfalzgrafen am Rhein, Rudolphs Herzogs von Sachsen und Otto's Markgrafen von Brandenburg, durch den Erzbischof Heinrich II. feierlichst gekrönt.130 Aber des Tages darauf fand auch die Krönung Ludwigs von Baiern durch den Erzbischof Peter von Mainz, zu Aachen Statt; so daß nun zwei deutsche Könige zugleich auftraten. Während Beide sich mit Erbitterung verfolgten, und einer dem andern, von seiner Partei unterstützt, den deutschen Thron streitig machte, während die Kölner sich für Ludwig erklärten, und der Erzbischof Heinrich II. sie mit Gewalt auf andere Gedanken zu bringen suchte: wurde Bonn in nicht geringe Unruhe und Gefahr verseht, indem ein furchtbares Ungewitter sich über seinem Haupte zu bilden begann. König Johann von Böhmen, der für Ludwig kämpfte und gegen Oestreich feindlich gesinnt war, weil dessen Herrscherhaus gewichtige Ansprüche auf sein Reich gemacht hatte, überzog nämlich auf Ansuchen der Stadt Köln, nicht nur im Jahre 1318 die Gegend von Bonn mit einer großen Schaar, sondern belagerte auch diese Stadt, als Residenz, und Brühl, als Vergnügungsort Heinrichs II., eine lange Zeit. Obgleich ihm aber bei dieser Operation Wilhelm Graf von Holland, Johann, Graf von Hennegau, Gerhard, Graf von Jülich, und Adolph VII., Graf von Berg, mit ihrer Kriegsmacht behülflich waren, so blieben seine Anstrengungen doch erfolglos, da beide Städte zu wohl befestigt und zu reichlich mit Allem versehen waren.131

Als jene Schaaren im Jahre 1318 unverrichteter Sache abgezogen waren, schenkte Heinrich, Graf von Virnenburg, der sechszehnte Propst zu Bonn, den Bewohnern dieser Stadt unter gewissen Bedingungen die Accise; indeß erfolgte bald darauf eine Aenderung, als jener Propst seinem Oheim, dem mehrgedachten Churfürsten Heinrich II. von Köln, seine Gerechtsame in Bonn käuflich abtrat, eine Begebenheit, die dadurch Bestätigung finden dürfte, daß man von Heinrich II. eine Münze besitzt, worauf er in erzbischöflicher Kleidung mit Buch und Stab abgebildet ist, während auf der andern Seite die Münsterkirche mit ihren fünf Thürmen und mit der Umschrift: SIGNum ECCE. (Ecclesiae) SCI. (Sancti) CASII BVNNENsis erscheint.132 Dieser Fürst schenkte indeß im Jahre 1326 der Stadt die Accise wieder, wie aus dem städtischen Archiv hervorgeht.

Churfürst Heinrich II., der sich 1319 mit den Kölnern wieder aussöhnte, seiner Kirche treu und fleißig vorstand, und mit der größten Anstrengung die alte durch die vielen Kriege untergrabene Ordnung wieder herzustellen suchte, alle feindliche Einfälle als tapferer Kriegsmann zurückwies: starb übrigens gleichfalls in Bonn im Jahre 1331, und wurde in der von ihm am Münster erbauten St. Barbara-Kapelle beerdigt.133

Aber willkommener war für Bonn, seine Umgegend und den ganzen Rheinstrom das Jahr 1333, nachdem Wallram, der neue Churfürst von Köln, den erzbischöflichen Stuhl ein Jahr vorher bestiegen und die Juden zu Bonn und im ganzen Erzstifte zu einer bessern Behandlung empfohlen hatte. Dieses Jahr, 1333, war so ergiebig an Wein, daß man denselben insgesammt nicht einkellern konnte, und deshalb zwei Kannen dieses edlen Getränkes für einen Heller, ja ein Faß Wein gegen zwei leere Fässer hingab; nicht der vielen Trauben zu gedenken, welche an den Reben hangen bleiben mußten. Der Wein wurde der nasse Ludwig genannt.134

Wallram zeichnete sich in Aufrechthaltung der Kirchenordnung vorzüglich aus, und war in jeder Hinsicht, sowohl an Tugend als an Wissenschaft, ein sehr trefflicher Mann, auch glücklich in mehreren Fehden gegen die Grafen von Arnsberg und von der Mark; und doch war das Ende seiner Regierung von den unangenehmsten Folgen begleitet. Bis zum Jahre 1346 nämlich hatte Ludwig von Baiern, ungeachtet des Bannfluches vom Papste und trotz aller Anfeindung seiner Gegner, sich dennoch auf dem deutschen Kaiserthrone erhalten. Jetzt aber, als er mit mehreren Reichsfürsten zerfiel, brachten es seine Feinde, besonders der Papst Clemens VI. dahin, daß er von Wallram, Erzbischof von Köln, und den Erzbischöfen von Trier und Mainz seiner Würde entsetzt, und diese dem Sohne des Königs Johann von Böhmen, Karl dem Vierten, übertragen wurde. Der neu ernannte König zog hierauf nach Bonn, und wurde daselbst in Gegenwart der Churfürsten von Mainz und Trier und mehrerer Bischöfe von Wallram gesalbt und gekrönt.135 Bei dieser Gelegenheit bestätigte Karl die Privilegien der Stadt und erhöhte so den allgemeinen Jubel. (Stadt. Archiv.)

Wenn nun einer Seits durch diesen Vorgang Ludwigs Gegner befriedigt waren, so konnte anderer Seits Karl IV., so lange der abgesetzte Kaiser lebte, kein rechtes Ansehen gewinnen; vielweniger konnte er den Wallram und sein Land in Schutz nehmen. Dieser aber hatte sich durch jene Handlung in Ludwigs Anhängern, zu denen viele Fürsten, Grafen, die Städte Aachen und Köln, ja sein eigner Bruder, der Graf Wilhelm von Jülich, gehörten, furchtbare Feinde zugezogen, die darauf kein Gewicht legten, daß er nur im Auftrage des Papstes gehandelt hatte. Sie verwüsteten daher seine Residenzstadt Bonn und ihre Umgegend so grausam, daß Wallram, um nicht Augenzeuge dieser Verheerung zu sein, sich nach Frankreich begab, wo er am 14ten August 1349 seinen Geist aufgab.136

In demselben Jahre brach in Italien eine furchtbare Pest aus, welche auf Schiffen aus dem Morgenlande dahin gebracht, sich bald über ganz Frankreich und Deutschland verbreitete. Schwarze Beulen von der Größe eines Eies bedeckten schnell den Körper, und in weniger als drei Tagen, oft in wenigen Stunden, erfolgte der Tod. Unter dem Volke setzte sich der irrige Glaube fest, die Juden seien die Urheber dieses schrecklichen Uebels, indem sie zur Vertilgung der Christen Brunnen und Flüsse vergiftet hätten. Die Verfolgung der Juden hob daher in der Schweiz, in den Städten am Rhein und in vielen andern Städten Deutschlands mit solcher Wuth an, daß selbst die Obrigkeit nicht vermögend war, dem Morden und Vertreiben derselben ein Ziel zu stecken; bis endlich der Papst und die Bischöfe sich des bedrängten Volkes annahmen. Ob jene Seuche auch in Bonn eingedrungen, vermögen wir mit Sicherheit nicht zu behaupten; zuverläßig ist es leider aber, daß auch hier der Verfolgungsgeist, ungeachtet Wallrams kurz vorhergegangener Empfehlung, seine Herrschaft ausgeübt, indem das städtische Archiv ergibt, daß der Erzbischof Wilhelm, unter Bestätigung der Bonner Privilegien, den Bürgern dieser Stadt verzeiht, daß sie die Juden todtgeschlagen haben. Diese unchristliche That dürfte den Mangel an schriftlichen Belegen ersetzen, und beweisen, daß die Krankheit auch zu Bonn ihre Opfer foderte, besonders, da sie ganz Deutschland und vorzüglich jene Oerter durchzog, die wie Bonn mit andern durch Verkehr und Landstraßen in Berührung standen. Der Erzbischof Wilhelm schloß mit Köln im Jahre 1350 einen Vertrag ab, dem gemäß das Vermögen der Judenschaft in Köln zwischen ihm und der Stadt zu gleichen Hälften getheilt, dasjenige aber, welches außerhalb der Stadt lag, dem Erzbischofe allein zugesprochen werden sollte; was auch später, im Jahre 1352, von den kölnischen Landständen bestätigt wurde.137 Wie es dem Vermögen der Judenschaft in Bonn ergangen, ob es dem Erzbischofe allein, oder zum Theil der Stadt zugefallen, oder ob es den überlebenden Juden verblieben ist, darüber haben wir bisher nichts finden können. Letztere Annahme ist jedoch nicht wahrscheinlich, wenn man die Vorgänge in den Nachbarstädten bedenkt. Die Juden wurden in der Folge, als der Haß und die Wuth sich gegen sie gelegt und eine bessere Einsicht Raum gefunden hatte, wieder in Bonn geduldet, jedoch gegen Erlegung eines jährlichen Tributs138 aber unter Verhältnissen, die, wie sich weiter unten ergeben wird, erträglich und ihrem Interesse förderlich waren.

Unter der Regierung des Churfürsten Wilhelm von Gennep, der durch weise Sparsamkeit die Schulden des Erzstiftes bezahlte und Bonn nebst allen übrigen von seinen Vorfahren verpfändeten Gütern desselben wieder einlöste, errichtete diese Stadt 1359139 zwei neue Schutz- und Trutz-Bündnisse mit den Städten Koblenz, Andernach, Köln und Oberwesel140, auf eben die Art, wie sie dergleichen schon im Jahre 1301 abgeschlossen hatte. In diesen Bündnissen, wovon das erstere blos ein wechselseitiger Hülfsverband, das andere aber wider den Churfürsten Wilhelm von Gennep, wegen dessen Befestigung von Rolands-Werth gerichtet war, ist das Hülfs-Contingent bestimmt, welches sämmtliche verbündete Städte stellen mußten. So heißt es in dem ersten Bündnisse, daß Köln den übrigen Städten: Bonn, Andernach, Koblenz und Oberwesel 1300 Mann und 200 Schützen zu Hülfe senden, diese aber der Stadt Köln mit ihrer ganzen Macht zu Wasser und zu Lande, zu Roß und zu Fuß beistehen sollten. In dem andern Bündnisse wider den Churfürsten Wilhelm sollte das Contingent von Bonn in 500 Mann und außerdem noch in ungefähr 30 Schützen bestehen.

Die Städte des Erzstiftes, welche bisher wegen Kriege und Bauunternehmungen seiner Vorsteher mit vielen Auflagen und Schätzungen ganz nach Willkühr belegt worden waren, sahen solches nicht wenig mißvergnügt an. Diese Stimmung benutzte und legte Andernach, welches sich gerne der erzbischöflichen Regierung ganz entziehen wollte, im Jahre 1365 an den Tag, indem es die in seiner Nähe gelegene erzbischöfliche Burg eroberte und die Besatzung daraus vertrieb. Aber es wurde noch im selbigen Jahre von Bonn und den übrigen verbündeten Städten, in denen die Liebe zur Ordnung und Ruhe verwaltete, als Auflehner gegen ihren Erzbischof Engelbert III.141 zur Genugthuung verurtheilt und zur Ruhe gebracht.142

In diesem Jahre stellte sich ein äußerst kalter Winter ein. Der Rhein blieb fast drei Monate lang zugefroren und auf dem Eise wurde zum Andenken von vier zu vier Wochen großer Markt gehalten.143

Schon im Jahre 1367, finden wir Bonn, Köln, Linz und Unkel wieder mit Andernach zur Vertheidigung ihrer städtischen Freiheiten vereinigt.144

Dies war auch der Zeitpunkt, wo in Köln die innern Streitigkeiten zwischen den Edlen und Gemeinden wieder ausbrachen. Die meiste Veranlassung dazu gab das reiche und übermüthige Wollenamt, zu dem die Tuchmacher und Kaufleute gerechnet wurden. Die Gemeinden nämlich sahen es auch jetzt nicht gerne, daß die Verwaltung der Stadt wieder ganz in Händen der Edlen lag. Daher verbanden sich die Weber, zwangen den Rath zu mehreren Nachgiebigkeiten, stürzten demnächst die bisherige Stadtverwaltung um, und führten eine neue ein, an welcher auch die Gemeinden, wie es lange ihr Wunsch war, Theil nahmen. Der Uebermuth der Weber ging indeß noch weiter; sie griffen sogar auch die übrigen Zünfte an, und im Jahr 1372 ward ihr Frevel so groß, daß sie von ihren Mitbürgern mit den Waffen in der Hand angegriffen wurden. Die Weber konnten dieser Masse nicht widerstehen; sie unterlagen; viele wurden ermordet, und über 1800 mit Weib und Kindern und aller beweglichen Habe aus der Stadt verwiesen; diese suchten sich darauf in Bonn und andern Städten der Nachbarschaft neue Wohnsitze.145

Um das Jahr 1373 entstanden auch in Bonn einige Streitigkeiten, die jedoch nicht so ernster Natur wie die eben erwähnten waren. Einige Kapitularen des St. Cassius-Stiftes hatten sich erlaubt, auf die Stadtmauer in der Richtung nach Poppelsdorf, einige Ausbauten aufzuführen, was der Magistrat nicht gutheißen wollte. Da die Kapitularen sich daran nicht störten, ließ jener die Aufbauten wieder niederreißen. Das Kapitel des Stiftes nahm sich hierauf seiner Brüder an, und die Sache wurde dem Erzbischofe Friedrich III., der seit dem Jahre 1370146 auf dem kölnischen Stuhle saß, zur Entscheidung vorgetragen. Nun mischte sich auch der damalige Propst, Wilhelm von Rittberg, in die Sache, und er brachte es durch Vermittlung des Churfürsten dahin, daß die obwaltende Streitigkeiten gütlich beigelegt wurden.147

Von dem Jahre 1374 wird als Merkwürdigkeit angeführt, daß der Rhein eine solche Höhe erhielt, daß er die Stadtmauern Bonns bedeckte, und die ganze Gegend einem See gleich war.148

Noch war der dadurch entstandene Schaden nicht verschmerzt, als im Jahr 1375 in Köln die Ruhe auf's Neue gestört wurde. Die Schöffen geriethen nämlich mit dem Rathe in Uneinigkeit, weil sie ihre Rechte geschmälert sahen, und gerne wieder mit ihrer frühern Gewalt ausgerüstet worden wären. Mehrere Schöffen verfügten sich daher nach Bonn, stellten dem Erzbischofe Friedrich III. ihre Beschwerden vor, und waren so glücklich denselben ganz für ihre Sache zu gewinnen. Dadurch entstand für die Bonner und Kölner Gegend ein verderblicher Krieg; Friedrich zog mit seinen Lehnsleuten, welche er aufgeboten hatte, aus Bonn heraus, suchte den Kölnern und ihren Kaufgütern auf dem Rheine und auf den Landstraßen möglichst zu schaden, und brachte es auch beim Kaiser Karl IV. dahin, daß sie mit einer schweren Geldbuße und der Reichsacht belegt wurden. Hierdurch stieg die Erbitterung der Kölner gegen ihren Erzbischof noch höher. In ihrem Grimme gingen sie so weit, daß sie den Rheinstrom oberhalb der Stadt mit Pfählen und Ketten sperrten, so daß sich Kaiser Karl IV. genöthigt sah, mit seinem Sohne, dem eben erwählten römischen König Wenzel, und den ihn begleitenden Chur- und Reichsfürsten von Bonn aus, wo er landete, den Weg nach Aachen zur Krönung Wenzels seitwärts von Köln zu nehmen.149 Nach der Krönung rüstete Friedrich ein Heer aus, und wollte Köln belagern, schoß auch mehrere Feuerpfeile in die Stadt; aber die furchtbare Zurüstung der Bürger zum Widerstande veranlaßte ihn zum Abzuge. Mit Hülfe des Grafen Engelbert III. von der Mark verfolgten jene ihren Erzbischof bis Bonn, und verwüsteten, da dessen Mauern und Thürme ihrer Absicht Trotz boten, die Ortschaften des Vorgebirges auf eine unmenschliche Weise.150 Endlich, nachdem so viele Verheerungen geschehen waren, dachte man beiderseits an Friede; und dieser kam denn auch dauernd zu Stande, als dem Kaiser Wenzel im Jahre 1379 zu Köln gehuldigt wurde.

Friedrich ließ sich während seiner langen Regierung nicht nur der Verbesserung der Kirchenzucht, welche in der kriegerischen Vorzeit bedeutend gelitten hatte, sehr angelegen sein, sondern sorgte auch in anderer Hinsicht für das Wohl und Ansehen seines Erzstiftes. Er erlebte 1388, daß der Rhein so klein und das Brunnenwasser so rar war, daß man durch jenen zu Pferde reiten konnte, und dieses zum Kauf auf den Straßen anbot.151 Aber schmerzlicher war für ihn das Jahr 1391, wo die Gegend von Bonn durch Engelbert, Grafen von der Mark, wiederum schrecklich überfallen, und Alles, theils den Flammen übergeben, theils geplündert wurde.152

Friedrich III. ließ in Bonn mehrere Münzen prägen; darunter eine, worauf er sich zuerst den Titel eines Erzkanzlers von Italien beilegte.153 Auch endigte er in dieser Stadt nach einer 44jährigen Regierung sein thatenreiches Leben am 8ten April 1414 und wurde in der Domkirche zu Köln beerdigt.

Sein Nachfolger Theodorich II., Graf von Mörs, war bis zur Besteigung des erzbischöflichen Stuhles Propst beim St. Cassius-Stifte in Bonn. Weil mit ihm zugleich der Bischof von Paderborn, Graf Wilhelm von Berg, gewählt worden war, und dessen Verwandten diese Wahl mit Gewalt durchsetzen wollten, wurde Theodorich zur Behauptung seiner Würde in einen Krieg verwickelt, welcher für beiderseitige Lande verderblich, endlich 1416 dadurch beendigt wurde, daß Graf Wilhelm von Berg, sich mit Theodorichs Base, Anna von Tecklenburg, vermählte. Natürlich ward der Schatz des Erzstiftes durch diesen Krieg sehr geschwächt; daher Theodorich in Köln Schatzungen einführen und neue Zölle anlegen wollte. Er verfiel deshalb mit dieser Stadt in Streitigkeiten, die erst völlig beigelegt wurden, als er von seinem Zuge nach Böhmen gegen die Hussiten im Jahre 1424 zurückgekehrt war. Während Theodorich aber mit den Kölnern in Ruhe lebte, versuchte er es, in Bonn154 und andern Städten Abgaben zu erheben. Indeß fand er auch hier kräftigen Widerstand, besonders in Soest, welches er zweimal fruchtlos belagerte, weil es an dem Herzoge von Cleve eine mächtige Stütze hatte. Durch diese Kriege und Streitigkeiten gerieth Theodorich in große Schulden, da er zur Bestreitung der Kosten mehrere Besitzungen seines Erzstiftes verschreiben mußte; so im Jahr 1451 die Stadt und das Amt Bonn für 8.000 Gold-Gülden an den Ritter Johann von Geisbusche155, und im Jahre 1454 die Hälfte des Bonner Zolls an sein Kapitel und an die Rentner in Köln.156 Um in der Folge der Willkühr der Erzbischöfe in Führung von Kriegen, Auflegung von Abgaben und Verpfänden erzstiftischer Güter ein Ziel zu setzen, und das Erzstift vor neuen Schulden zu schützen, ergriff das Domkapitel eine ganz treffliche Maßregel. Es wurden die Ersten und Angesehensten des ganzen Erzstiftes zu einer Versammlung, die den Namen Landesvereinigung erhielt, zusammen berufen, und darauf beschlossen, daß künftig kein Erzbischof ohne Beistimmung dieser Versammlung Krieg beginnen, Güter verpfänden oder verkaufen, und Abgaben verordnen dürfe, wozu sich der neuerwählte Erzbischof durch einen feierlichen Eid verpflichten mußte.

Erzbischof Theodorich starb übrigens nach einer beinahe 48jährigen Regierung, im Jahr 1463, nachdem er zwar das Erzstift in Dürftigkeit versetzt, aber auch in Ansehung der Kirchenzucht und Disciplin viel Gutes bewirkt hatte.157

Der Erste, welcher den Beschluß jener Landesvereinigung beschwor, war Rupert, Pfalzgraf am Rhein, der Bruder Friedrichs des Siegreichen. Aber kaum saß Rupert158 auf dem erzbischöflichen Stuhle, als er auch schon genöthigt wurde, jenes Schwures uneingedenk zu sein. Denn wegen der Armuth des Erzstiftes fehlte es ihm sogar an demjenigen, womit er seiner Würde gemäß leben konnte. Er wandte sich daher um Beisteuer zuerst an die Geistlichkeit, dann an den Adel; beide aber versagten ihm ihre Unterstützung. In dieser Lage blieb ihm nur die Gewalt übrig, und zu der beschloß er im Schlosse Brühl, welches er um diese Zeit bewohnte, seine Zuflucht zu nehmen. Unterstützt also von seinem Bruder und einem zahlreichen Heere eroberte er im Jahre 1469 Bonn und einige andere Oerter, die seinen Foderungen nicht entsprochen und sich ganz von ihm abgewandt hatten, weil er seiner Schwüre nicht eingedenk blieb.159 Das Domkapitel wählte nun Hermann, Propst zu St. Gereon, Bruder des Landgrafen von Hessen, zum Administrator des Erzstiftes. Dieser trat sogleich mit aller Kraft und allem Ernste sein Amt an, und erhielt dadurch einen großen Zuwachs an Macht, daß die Städte und der Adel sich zu ihm schlugen, und selbst der Kaiser sich für die Sache des Domkapitels erklärte. Rupert vermochte nicht dieser Macht zu widerstehen, besonders, da sein Bruder, Pfalzgraf Friedrich, eben gestorben war, und Bonn, das er nebst Poppelsdorf für seinen Zweck noch mehr befestigt hatte, und die übrigen von ihm besetzten Städte sich im Jahre 1472 durch Hülfe des Administrators Hermann mit Gewalt wieder freigemacht hatten.160 Da nahm er, als auch der Landtag, den er in diesem Jahre nach Bonn161 ausgeschrieben hatte, für ihn hinsichtlich neuer Auflagen ein ungünstiges Resultat geliefert hatte, seine Zuflucht zu Karl dem Kühnen, Herzog von Burgund. Dieser rückte 1474 mit einer großen Macht ins Erzstift, eroberte mehrere Städte, und belagerte demnächst Neuß, das von Hermann, dem Administrator162, besetzt war. Während dieser Zeit versuchte Rupert sich der Stadt Bonn und des Schlosses Poppelsdorf wieder zu bemächtigen. Aber Hermann hatte solche inzwischen noch mehr befestigt und mit dem Kern seiner Truppen besetzt163, so daß Ruperts Anstrengungen ohne Erfolg blieben. Nicht glücklicher war Karl mit der Belagerung von Neuß, obgleich diese 11 Monate währte. Denn Hermann und die Bürger hielten sich tapfer, die Städte Bonn, Köln und Andernach schickten ihnen viele ihrer Streiter zu Hülfe164, und das Domkapitel und die Landstände wandten sich endlich, unterstützt von den rheinischen Städten zur Rettung von Neuß an den Kaiser und die Reichsstände nach Augsburg. Kaiser Friedrich III., welcher sich früher bemüht hatte, den Erzbischof mit dem Domkapitel und den Landständen wieder auszusöhnen, und über die Halsstarrigkeit des Erstern aufgebracht war, zeigte sich gleich zur Hülfe bereit; nur wünschte er vorher die Schulden seines Aufwandes den Augsburgern zu bezahlen; worauf die kölnischen Landstände diese mit 30.000 Florin tilgten, und Bonn mit den übrigen rheinischen Städten noch versprachen165, dem Kaiser zur Bestreitung der Kriegskosten monatlich 100.000 Florin zu zahlen: Summen, welche, wenn sie früher ihrem Erzbischofe, selbst in geringerm Maße bewilligt worden wären, sicher vieles Unheil vom Erzstifte abgehalten hätten. Friedrich III. erschien nun mit einem großen Heere; die Städte verbanden sich mit ihm, und bald verließ Karl, Herzog von Burgund, das kölnische Land. Rupert hingegen fuhr noch fort, der Geistlichkeit und dem Adel des Erzstiftes auf alle mögliche Weise zu schaden, obgleich ihm durch Vermittlung des Herzogs Wilhelm von Jülich von dem Domkapitel und den Landständen die Stadt Lechenich nebst einer jährlichen Rente von 3.000 Gulden angeboten wurde. Da er aber hierbei seine Rechnung nicht fand, flüchtete er sich im Jahre 1477 nach Westphalen, wo ihm noch einige Oerter zugethan waren, und von da nach der obern Pfalz. Auf dieser Flucht wurde er jedoch vom Landgrafen Heinrich von Hessen gefangen genommen, und zur Veste Blankenstein gebracht; wo er im Jahre 1480 starb. Seine Leiche wurde von da zwar nach Bonn gebracht, blieb aber, da Stadt und Land gegen ihn erbittert waren, lange Zeit unbeerdigt, bis er endlich auf Befehl des Papstes Sixtus IV. in der Münsterkirche eine Ruhestätte erhielt.166

Aus dem Vorgesagten ergibt sich, daß auch Bonn dem Erzbischof Rupert nicht mehr geneigt war, und daß es sogar scheinen möchte, als wenn diese Ungeneigtheit noch nach dessen Tode gegen die irdischen Ueberreste fortgedauert hätte, wenn man nicht glauben könnte, daß, während Rupert in Bonn unbeerdigt lag, Unterhandlungen wegen Beisetzung im Kölner Dome gepflogen wurden, deren Zerschlagung erst den Papst bestimmte, für Bonn den Befehl zu erlassen. Jene Ungeneigtheit dürfte sich aber außer Ruperts immerwährenden und gewaltsamen Foderungen und den Anordnungen des Domkapitels, aus dem Umstande erklären, daß der Erzbischof einen Bonner Bürger, Namens Wimmer Glasmacher dazu anwarb, daß er die Privilegien von Bonn heimlich wegnehmen, das Bürgerhaus in Brand stecken und die Stadt in Ruperts Hände liefern sollte. Es scheint, daß Glasmacher wirklich so schwach war, diesen Auftrag ausführen zu wollen; denn aus einem alten Urkunden-Verzeichniß im Stadt-Archiv geht nicht nur hervor, daß er Ruperts Vorhaben und seine Zusage bekannte, sondern auch, daß er bestraft wurde, weil er gegen Bürgermeister und Rath gesündiget habe.

Während Rupert gegen seine eigenen Unterthanen Krieg führte, erfreuten sich die Bürger Bonns durch mehrere Gerechtigkeiten und Freiheiten einer würdigen Belohnung ihrer dem Kaiser und dem Reich geleisteten Dienste. Die darüber sprechende Urkunde167 mag hier eine Stelle finden:

Wir Friedrich von Gottes Gnaden rhömischer Kayser etc. bekennen öffentlich mitt dießem Brieff, vnd thun allenn Dennen, die Inen sehen oder hoerren leßenn, Wiewoll Wir auß Kay. Miltigkeit, vnnd angeborner Tugendt allezeit geneigt seyn aller vnnd yglicher vnser vnd deß heyligen Reichß Vnderthanen Ere Nutz vnd Pestes zu betrachten, so ist doch vnser Kayserlich Gemutte mher begierlich zue dennen, die Wir in Vnser vnd deß Reichß Sachenn vnnd Geschefftenn in gehorsamer Dienstparkeit altzeitt williglich erfundenn. Whann Wir nhun angesehen vnd betracht haben die getrewen annemmen vnd nützlichen Dienste, so vnß vnd dem H. Reich vnser vnnd deß Reichs Lieben Getrewen Bürgermeister Schöffen Rhatte vnd Gemeinde der Statt Bonne, von vergangen Zeitten vnd sonderlich den Kriegsleuffen, damit Wir yetzo gegen den Hertzogen von Burgundi swerlich beladen sein, mitt Darstreckungh jrer Leib vnnd Gutt allzeit vnuerdroßentlichen beweist haben, vnd sich in künftige Zeitt zu thun willigh erbiethen, so haben Wir mitt wollbedachtem Mute vnd gutem Rathe denselben von Bonne zu ergetzlichkeit solcher ihrer getrewen Dienste, dieße besunder Gnadt gethan, vnnd Freyheitt gegeben, thun vnd gebenn jne die auch von Römischer kayserlicher Machtvollkomenheitt auß eigner Bewegnus, vnnd rechter Wißenn in Krafft dieß Briefft für vnß vnnd alle vnser Nachkommen Römisch konigh vnd Kayßer, also daß all vnd yeglich Bürger vnd Einwhoner zue Bonne, so ihr stettigh Whonungb daeselbst habenn fürbaß mehr nicht schuldigh noch pflichtigh sein sollen, vonn yeglicher Kaufmannsschatz vnd aller zolparer Ware, so denn Rhein ab- oder auff, zu Waßer oder zue Lande yein Bonne brachtt, vnnd daeselbst verkaufft oder widder dannen gefhurtt wirket, einigen Zole noch Fur Zole zu geben an dem Zhole Bonn, oder wohin derselb Zhole kunstiglich gelagtt wirdett, sonder vmb Gehorsamb willen von einem Beseher daeselbst Vrlaubnehmmen, vnnd ferner nichtz verpflichtt sein, daß auch nhun hinfhur zue ewigen Zeitten vnwidderrueflichen, Item dieselben Bürgermeister Schöffen Rhatte vnnd Gemeindte zue Bonne den Weißpfenigh, so biß hieher von einem yeglichen Pferdt daß daeselbst hinbracht, genommen ist worden, auch von einem yeden ledtigen Scheff vnnd Nachen, so dahin gefhurt wirket, auch einen Weisspfenning durch ihr Beuheler die sy zu Zeitten darzue ordtnen, vnnd setzen, nehmmen sollen vnnd mugen, vnd die Statt mit Mewer, Tbörn, Greben, vnd andern Notturfft damit pawen vnd bewharen sollen, von allermenniglich vngehindertt, vnd damitt dieselb Statt so auß ettlichen Ursachenn bisher in Abnemmen vnnd Verwuestungh kommen ist, wiederumb in ein recht ordenttlich Wesen geprachtt werde, haben Wir auß obberurtter Römisch kayserlicher Macht Vollkommenheidt geordentt, gesetzt vnd gemachte, daß dieselben vonn Bonne all vnd yeglich geistlichen Personnen, so welttlich Erb und Gutt in dem Gerichtzzwank zu Bonn gelegen, durch Gifftungh, Gabe, Geldungh, Testament oder einigh andern Wege oder Bebendickeit, wie daß ihmer erdacht werden mochte, in ihr Gewaldtsamb gebracht hetten, wo vnd wie sy deß erfarn, für sich erfordern vnd begeren an sy mugen daß sey dieselben Erb vnnd Guttcr in zweyen Jaeren den nechsten nach dem solch Erforderungh an sy beschicht, wiederumb in welttlich Hende wenden, welich deß aber vber solch Erforderungh nach Ausganck derselben Zeitt nitt hetten, alßdann sollen dieselben Erb und Gutter on alle Furwortt verfhallen sein, zwen Theil einem Erzbischoffen zu Collen, so zu Zeiten ist, vnd dem Stifft daeselbst, vnd daß Dritteil der Statt Bonne. Was auch weltlicher Erb vnnd Gutter in Erbweise vff geistlich Persoen fhallen, die mugen dieselben geistlich Persoen je Leben lanck inhabenn, nutzen vnd geprauchen, vnd so langh sie die also innhaben, davon alle Recht vnd Mittleyden habenn, alß ander Leyenspersoen daselbs, vnd so sie mit Thoet vergangen sint, alßdann sollen dieselben Erb vnnd Gutter in zweyen Jaeren den negstenn nach dem daß durch die vonn Bonne eruordertt wirtett, auch wiederumb in weltliche Hende gewendet vnd gestellet werden, oder aber einem Erzbischoffen zu Collen, vnd der yetzigen Statt Bonne in vorgeschriebener Maßen hengefhellen, damitt nach jhrem Wille vnd Geuallen zu handtlenn, es sollen auch dieselben von Bonne nicht schuldigh noch verpflichtt sein, einigen Erzbischouen zu Collen gegenwurtigen noch kunfftigen in die Statt Bonne einkommen laßen, eß habe jnnen dan zuvor solich obgeschrieben, vnd all ander jr Gnadt, Freyheitt vnd preuilegia, die sie von vnß vnd vnseren Vorfharen, einem Erzbischouen vnd dem Stifft Collen oder ander jemandt habenn, confirmirt vnd bestett, vnd soll sie hierin nitt verhindern noch irren, einigh Recht, Ordtnungh, Satzungh, Statut, Gnadt, Freyheidt, priuilegie noch anders, die von vnseren heyligen Wetteren den Bebsten, vnß, vnseren Vorfharn am Reich Römischen Kaysern oder Kunigen, oder yemandt andern gegeben wheren, oder noch gegeben werden wogten, dan Wir die alle vnd yede besunder hierinne jetzo alsdan, vnd dan als yetzo, vonn abbestimpter Römischer kaiserlicher Machtvollkommenheit gentzlich abthun vnd vernichten, wissentlich in Crafft dieß Brieffs, doch vns vnd dem H. Reich ahn vnser Obrigkeit vnd Gerechttigkeit vnuergriffenlich vnd vnschedtlich, vnd darauff so gebiethen Wir allen vnd yeglichen Churfürsten, Fürsten, Geistlichvnd Weltlichen, Grauen, freyen Herren, Rittern, Knechten, Haubtleuthen, Ambtleuthen, Vogtten, Pflegern, Verwesseren, Scholtheissenn, Scheffenn, Bürgermeistern, Richteren, Ratten, Bürgern vnd Gemeindten, vnd sonst allen anderen vnseren vnd deß Reichs Underthanen vnd Getrewen, in was Wirden, Stattes oder Wesens die sein, vnd sunder einen jeglichen Ertzbischouen vnd Capitull zue Collen, so jetzo ist oder künfftiglich wirdett, von jetzgedachter Römischer kayserlich Machtvollkommenheitt, ernstlich vnd vestiglich mit dießen Brieffe, daß sie die genannten Bürgermeister, Schoffen Rhate vnd Gemeindten zu Bonne, ahn dießen vorgeschrieben vnsern kays. Gnaden, Freyheidten, Ordtnungen vnd Satzungen nicht verhinderen, noch irren, sondern sie berublich vnd on Irrungh dabey beliebender geprauchen vnd genießen laßen, vnd hiewidder nitt thun noch yemandz zu thun gestatten, in chein Weise, alß lieb einem jeglichen seye vnser vnd deß Reichß schwere Ungnadt, vnd Verlefungh einer Pene nemblich hondertt Marck lotigh Goldtz zuuermeiden, die ein jeglicher so offt der freventlich hiewider tette, halb in unser kaiserlich Cammer, vnd den andern halben Theill den gedachten von Bonne vnableßigh zu bezhalen verfhallen sein solle. Mitt Vrkundt dieß Brief besigellt mitt vnserem kayserl. Maytt. Insiegell, Geben zu Collen ahm Dinstagh nach dem H. Palmtag, nach Christi Gepurde vierzen hondertt vnd im funff vnd siebentzigstenn, vnser Reiche des Römischen im funff vnd dreyßigsten, deß Kayserthumbs im vier und zweintzigsten, und deß Hungerischen im siebenzehenden Jarren.

(L. S.) Friedrich.

Sechstes Kapitel.

Reformation. Die Churfürsten Hermann und Salentin. Salentinischer Vertrag. Churfürst Gebhard und die Gräfin von Mansfeld. Besatzung in Bonn. Muthiges Benehmen der Bonner. Gebhard tritt zur evangelischen Lehre über. Heirath desselben. Er verläßt Bonn.

Nun trat im 16ten Jahrhundert, nachdem Hermann IV., Landgraf von Hessen, und Philipp II.168, Graf von Dhaun und Oberstein, auf dem erzbischöflichen Stuhle zu Köln zum Wohl des Erzstiftes gesessen hatten, die denkwürdige Zeit der Reformation ein, welche, wie in den übrigen deutschen Ländern, so auch im Kölner Churfürstenthume und besonders in dessen Hauptstadt Bonn, nicht ohne gewaltige Auftritte vorüberging.

Der erste, welcher unter den kölnischen Churfürsten die neue Lehre begünstigte, war Hermann, Graf von Wied169; ein Mann, der Anfangs als einer ihrer größten Unterdrücker genannt werden darf. So bestätigte er im Jahre 1521 auf dem Reichstage zu Worms die von Karl V. über Luther ausgesprochene Achtserklärung, und ließ demnächst zwei Unglückliche, die von der neuen Lehre nicht ablassen wollten, öffentlich zu Köln verbrennen; verfuhr auch mit der größten Strenge gegen die Neuerer in Westphalen, und veranlaßte endlich 1536 eine Versammlung mehrerer Bischöfe und Gottesgelehrten zu Köln, um sich zu berathen, wie diese Lande vor der neuen Lehre zu bewahren seien. Höchst auffallend muß daher Jedem Hermanns Sinnesänderung vorkommen, welche mit dem Jahre 1540 eintrat. Er wurde damals auf dem Reichstage zu Hagenau mit Bucer, einem Anhänger Luthers, bekannt, und von diesem, wie man glaubt, für die neue Lehre gestimmt. Diesen Mann, aus Seligenstadt gebürtig, berief er im Jahre 1542 nach Buschhoven und beschied demnächst auch zu sich seinen Weihbischof, Joh. Nopelius, und den Scholaster zu St. Gereon, spätern Propst des St. Cassius-stiftes zu Bonn, Johann Gröpper, damit diese sich mit Bucer hinsichtlich der streitigen Punkte im Glauben bereden und vergleichen möchten. Diese Unterredung kam zwar zu Stande, war aber ohne Erfolg, da der eine Theil vielleicht zu viel fodern, der andere zu wenig oder nichts nachgeben wollte. Daher kehrte Bucer wieder nach Straßburg zurück. Der Churfürst aber, einmal von diesem Manne und seinem Bestreben eingenommen, berief ihn bald wieder zu sich, ungeachtet Gröpper und selbst das Domkapitel ihm davon abriethen; er zog ihn sogar, um stets in seiner Nähe zu sein, mit zur Tafel. Bucer erhielt nun auch die Erlaubniß zu Bonn die Kanzel zu besteigen, und dieses geschah zuerst am 17ten Dezember 1543, zwar nicht ohne Aufruhr, jedoch mit Erfolg.

Im Monat April des darauf folgenden Jahres erschienen am churfürstlichen Hofe auch Melanchton, Hedion und Pistorius, um unter Hermanns Genehmigung mit Bucer gemeinsam Hand ans Werk zu legen. Ihre Bemühungen hatten schon in den ersten drei Monaten einen solchen Erfolg, daß sie in Bonn und an andern Oertern des Erzstiftes Kirchendiener anstellen durften.

Das Domkapitel, welches auf Alles ein wachsames Auge geworfen und bald gemerkt hatte, daß das ganze Erzstift leicht in religiöser Hinsicht erschüttert werden könnte, wandle sich hierauf aufs Neue an den Churfürsten, und bat denselben sehr angelegentlich, die neuen Lehrer zu entlassen, und den eingeschlagenen Weg zu seinem und des Erzstifts Wohle aufzugeben, zumal er auch nicht befugt gewesen, ihn aus eigener Autorität zu wählen. Die Erwiederung des Fürsten begehrte aber, das Domkapitel möge ihm aus der heil. Schrift beweisen, daß er etwas unternommen habe, was er allein nicht hätte unternehmen dürfen. Dieses geschah in einer ausführlichen Schrift, welche dem Fürsten zugestellt, und in Bonn den versammelten Ständen öffentlich vorgelesen wurde. Da der Erzbischof indeß darauf antwortete, daß er in seiner bisherigen Handlung nur das Beste bezwecke, so ermahnte ihn das Domkapitel nochmals, sich eines Bessern zu besinnen und die Unterthanen der Diözese, dessen Hirt er sei, nicht der Lehre anderer Männer Preis zu geben. Sollte er aber auch diese Ermahnung unbeachtet lassen, so sehe man sich in einer so wichtigen Sache genöthigt, die Stände zu berufen und denjenigen Weg zu wählen, welchen die Rechte des Vaterlandes, die Verträge und Bündnisse der Vorfahren in dergleichen Fällen verschrieben. Hermann suchte diesem dadurch zuvorzukommen, daß er die Stände selbst nach Bonn beschied; allein statt daß diese sich für seine Sache aussprachen, ermahnten sie ihn vielmehr, dem Domkapitel Gehör zu geben, und Bucer und seine Gehülfen aus dem Erzstifte zu verweisen. Natürlich ließ sich der Fürst darauf nicht ein, sondern suchte seine Schritte zu rechtfertigen und Bucer als einen Mann darzustellen, dessen Absicht gut und der Unterstützung würdig sei. Darauf ersuchte das Domkapitel, dem die Sinnesänderung des Erzbischofs sehr am Herzen lag, den bereiterwähnten Johann Gröpper, beim Fürsten, wobei er ehemals Alles vermochte, noch einen Versuch zu machen. Allein auch dieser schlug fehl, obgleich Gröpper ihm recht ans Herz gesprochen hatte. Es wahrte darauf nicht lange, so gab Bucer ein Buch heraus, worin er über sein Thun gleichsam Rechenschaft ablegte, und vieles vortrug, was der katholischen Religion ganz gemäß war. Dieses Buch, dessen Widerlegung nicht ausblieb, führte den Titel: Was zu dieser Zeit in Sachen des Evangelii zu Bonn, und in der kölnischen Diöces gelehret wird, und was die Bönnischen Einwohner davon zu erwarten und zu hoffen haben.

Nun mischten sich auch der Papst und der Kaiser in die Sache, und ermahnten das Domkapitel auf das Nachdrücklichste, daß es dieser sich immer mehr ausbreitenden Neuerung baldigst und kräftigst zuvorkommen möchte. Ihre desfallsigen Schreiben wurden dem Erzbischofe zugestellt mit der Bitte, daß er doch endlich sein Vorhaben, Aenderungen in der Religion zu treffen, aufgeben, und die Reformatoren entlassen möchte. Aber obgleich auch der Fürst nun versprach, Bucer wegzuschicken: so blieb dieser doch fortwährend in Bonn, und setzte sein begonnenes Werk ununterbrochen fort.

Unterdessen kam das große und weitläuftige Buch, welches Bucer, Melanchton und Andere unter dem Titel einer Reformation geschrieben hatten, zu Buschhoven, und demnächst auch noch drei Mal zu Bonn bei Lorenz Mylio170 heraus, und wurde gleich Anfangs vom Erzbischofe dem Domkapitel mitgetheilt. Zugleich schrieb dieser auf den 23ten Juli 1543 nach Bonn ein Provinzial-Concilium aus, um jenes Werk auch diesem vorzulegen, damit es dasselbe annehmen und seine öffentliche Bekanntmachung genehmigen möchte. Dieses Concilium lief indeß für Hermann fruchtlos ab, weil die Landstände seinem Wunsche nicht entsprachen, während das Domkapitel mittelst tüchtiger Gottesgelehrten eine förmliche Widerlegung jenes Buches dem Erzbischofe zukommen ließ.

In Bonn, unter den Augen und der Mitwirkung Hermanns, fand Bucer indessen einen großen Anhang, so daß nach vorgedachtem Buche fast allein gehandelt wurde. Mit Erlaubniß des Fürsten und der Hülfe der Seinigen drang er nun in das Kloster der Minderbrüder, verkündete den Geistlichen ihre Freiheit, ordnete Alles nach seinem Wohlgefallen und bestieg demnächst die Kanzel, um an das Publikum eine Rede zu halten. Nach dieser suchte er die Kostbarkeiten der Kirche zusammen und bestimmte diese für die Armen. Eine ähnliche Operation unternahm er in den übrigen Kirchen Bonns. Zu ihm gesellte sich ein Mönch jenes Klosters, Namens Meinertzhagen, der lange des Klosterlebens müde, sich verehelichte, und darauf vom Churfürsten als öffentlicher Lehrer und Seelsorger in Bonn angestellt wurde. Dieser schrieb gegen die Katholischen ein Werkchen: Handbüchlein eines christlichen Bürgers, das der Erzbischof, trotz aller Gegenbeweise der katholischen Gottesgelehrten, für gut annahm und vertheidigte.

Kaiser Karl V., der den Fürsten von Cleve wegen Geldern bekriegen wollte, kam auf diesem Zuge auch in Bonn an. Der Erzbischof empfing ihn auf das glänzendste und bewirthete ihn herrlich die Tage, welche er bei ihm zubrachte. Da um diese Zeit Bucer, Sarcerius und Hedion in Bonn anwesend waren, so ersuchte der Kaiser seinen Wirth, diese Männer zu entlassen und den katholischen Gottesdienst wieder da, wo er verschwunden, einzuführen. Der Erzbischof schickte hierauf auch wirklich Bucer weg, so daß man katholischer Seits zu glauben anfing, das Ersuchen des Kaisers werde ganz erfüllt werden. Aber man irrte sich; denn der Erzbischof beharrte auf seinem Vorsatze. Nun gab das Domkapitel seine Widerlegung der vorerwähnten Reformationsschrift in Druck, und wendete sich zugleich am 9ten September 1544 an den Kaiser mit der Bitte, daß er ihm ein Patent ausstellen möchte, wie es seine Meinung nicht gewesen, dem Erzbischofe zu erlauben, solche Schritte zu thun. Der Kaiser schickte hierauf vorerst einen seiner Minister, Navius, zu Hermann nach Bonn, um ihm den Befehl zu überbringen, von seinem Vorsatze wegen Einführung der neuen Lehre ungesäumt abzustehen. Dieser Befehl blieb jedoch unbeachtet. Da erließ der Kaiser am 11ten October 1544 ein Edikt, worin er allen Bewohnern des kölnischen Erzstiftes unter den schärfsten Strafen befahl, die neuen Prediger und ihre Lehre zu meiden, und bei der alten katholischen Religion treu zu beharren. Dieses Edikt wurde auf alle Kirchthüren des Erzstiftes, selbst in der Residenz Hermanns angeschlagen, und an die Geistlichen geschickt. Der Fürst wurde nun vom Domkapitel noch einigemal ersucht, seinen früheren Bitten Gehör zu geben, aber vergebens. Daher appellirte es, als das letzte Mittel, der Neuerung zu steuern, an den Papst und den Kaiser, und stellte sich und das ganze Erzstift unter ihren Schutz. Von dieser Appellation erhielt der Erzbischof bald Nachricht, und diese veranlaßte ihn, eine Gegenschrift einzureichen, worin er dieselbe für null und nichtig erklärte, dagegen aber Alles, was er unternommen, als gut und seiner Pflicht gemäß darstellte. Da eine neue Ermahnung von Seiten des Domkapitels wieder nichts half, so berief es die Stände zusammen, und bat sie, ihnen die Antwort des Erzbischofs vorlegend, der Appellation getreu zu bleiben, gegen die neue Lehre anzukämpfen, und ihre Verkünder zu entfernen; was die Landstände auch zu thun versprachen. Darauf wendete sich Hermann noch einmal an das Domkapitel, und suchte dasselbe aufs Neue von dem Nutzen seiner Schritte zu überzeugen; aber dieses bat ihn um Entlassung der neuen Lehrer und um Wiederherstellung des Alten, und zeigte sich bereit, dann auch zur Verbesserung mancher Religions-Punkte die Hand zu bieten. Alles dieses nicht achtend, fuhr der Fürst in seinem Vorhaben fort, und schickte nun seine neuen Prediger in alle Städte, Flecken und Dörfer seines Landes ab. Da der Kaiser also sah, daß der Erzbischof alle seine Ermahnungen und Befehle unbeachtet ließ, so erklärte er am 27sten Januar 1546 in einer weitläuftigen Schrift, daß er die Bewohner des kölnischen Erzstiftes in seinen Schutz nehme, wobei er befahl, dieselben in ihrer alten Religion nicht zu beunruhigen, vielweniger sich Eingriffe in ihr Eigenthum zu erlauben. Den Erzbischof lud er ein, vor ihm in 13 Tagen zu erscheinen, um sich wegen seines Benehmens zu rechtfertigen; inzwischen sollte er aber alles wieder auf den alten Fuß stellen. Hermann erschien jedoch selbst nicht, sondern schickte einen Abgeordneten mit einer Appellation, worin er sich verantwortete und entschuldigte, sein Vorhaben aber nicht fahren ließ.

Da foderte auch der Papst den Churfürsten zur Verantwortung nach Rom. Dieser Vorladung kam derselbe aber gleichfalls nicht nach, sondern ging vielmehr auf seinem Wege, geleitet von den Reformatoren, beharrlich weiter. Daher belegte ihn der Papst Paul III. am 16ten April 1546 mit dem Bann der Kirche, entsetzte ihn seiner Würde und Macht, und befahl dessen Unterthanen, indem er sie von ihrem geleisteten Eide lossagte, demselben keinen Gehorsam mehr zu leisten. Sodann übertrug er am 3ten Juli dem schon früher erwählten Coadjutor, Grafen Adolph von Schauenburg alle Würde und Gewalt eines Erzbischofen und Churfürsten, und ermahnte die Kölner Landstände, diesen als solchen anzuerkennen. Zugleich bat er den Kaiser, im Falle Hermann nicht gutwillig weichen sollte, sein Urtheil zu exequiren. Aber dieser wollte es als ein alter, gutmüthiger Mann nicht zur Gewalt kommen lassen, sondern verließ Bonn und das Erzbisthum am 25sten Februar 1547, und begab sich in die Grafschaft Wied, wo er als Privatmann nach einigen Jahren starb.171

Der neue Erzbischof, sehr berühmt wegen seiner Gelehrsamkeit, trug die größte Sorge, daß die neue Lehre unterdrückt und die katholische Religion überall wieder eingeführt wurde; bei welchem Geschäft ihm der Weihbischof Joh. Nopelius, der Carmeliter-Provincial, Everhard Billik, und der Scholaster Johann Gröpper kräftigst beistanden. So wurde auch Bonn172, wo die neue Lehre hauptsächlich war unterhalten und ausgebreitet worden, wieder von derselben frei, indem die Reformatoren und alle Anhänger derselben ihrer Stellen entsetzt und aus dem Lande verwiesen wurden. Während Adolph aber im Jahre 1552 dem Concilium zu Trient beiwohnte, erhielt er durch einen Eilboten die Nachricht, daß die Religionsunruhen in seinem Sprengel aufs Neue ausgebrochen seien. Markgraf Albert von Bayreuth war nämlich, um den in demselben noch heimlich wohnenden Evangelischen wieder aufzuhelfen, mit starker Heeresmacht ins Erzstift gedrungen; aber seine Absicht konnte er nicht durchführen, weil Adolph in aller Eile zurückkehrte und von Maria, der verwittweten Königin von Ungarn, Kaiser Karls des Fünften Schwester, und Gouvernantin der vereinigten Niederlande, durch eine stärkere Macht unterstützt wurde, so daß Albert mit seinen Schützlingen sich zur Umkehr bequemen mußte.173 Adolph regierte noch zum Wohle des Erzstiftes und der katholischen Religion bis zum Jahre 1556, wo er auf dem Schloß zu Brühl am 20sten September starb.

Nach ihm gelangte sein Bruder Anton, Graf von Schauenburg, auf den erzbischöflich-kölnischen Stuhl, und unter diesem wie unter seinen Nachfolgern Johann Gebhard, Grafen von Mansfeld, Friedrich III., Grafen von Wied, und Salentin, Grafen von Isenburg174, welche alle streng bei der katholischen Religion beharrten, dauerte sowohl in Bonn als im ganzen Erzstifte die von Adolph hergestellte Ruhe fort, während Wohlstand und Frohsinn sich wieder einstellten und die verlebte herbe Zeit vergessen machten.

Unter dem Churfürsten Salentin von Isenburg, der im Jahre 1567 zu dieser Würde gelangte, erhielt Bonn, weil das alte Schloß sich in einem schlechten Zustande befand, an der Stätte eines alten fränkischen Königshofes, ein neues, welches die ganze Strecke vom Stockenthore bis zum alten Zolle einnahm, aber nur 20 Jahre stand.175 Salentin schlug bis zur Vollendung dieses Baues seine Residenz im Lustschlosse Poppelsdorf auf, wo auch von ihm der sogenannte salentinische Vertrag176 geschlossen und unterschrieben wurde, zu dessen bessern Kenntniß wir Folgendes bemerken:

In früheren Zeiten waren alle Rathspersonen von Bonn dem Erzbischofe und Churfürsten mit besonderm Eide verpflichtet und verbunden. Es hatten sich aber vor und nach wegen Abwesenheit der Churfürsten einige Aenderungen eingeschlichen, so daß am Ende die Churfürsten zur unbeeinträchtigten Beibehaltung ihrer chur- und landesfürstlichen Hoheit verordneten, daß künftighin zwei dem Churfürsten vereidete Schöffen-Bürgermeister dem Rathe der Stadt als Haupt vorgesetzt und aus dem Schöffen-Gericht gewählt werden sollten. Dessen ungeachtet hatte der Bonner Stadtrath doch in die landesfürstliche Jurisdiction einige Eingriffe gewagt, und sich namentlich über die Bürger Mehreres angemaßt, das ihm nicht zustand. Schon der Churfürst Johann Gebhard von Mansfeld hatte sich vorgenommen, diese Mißbräuche abzuschaffen, aber er starb vor der Ausführung seines Planes, und sein Nachfolger Friedrich IV. war zu oft wegen häufiger Reichstage abwesend, als daß er an Verbesserungen hätte denken können. Churfürst Salentin aber ließ sich die Beseitigung der eingeschlichenen Mißbräuche ernstlich angelegen sein; er lud zu dem Ende die Bürgermeister und den Rath von Bonn vor, und trug ihnen auf, sich wegen erwähnter Eingriffe und angemaßter Jurisdiction zu verantworten. Da die zu ihrer Rechtfertigung beigebrachten Urkunden nicht genügten, so wurde festgesetzt, daß ihnen nur über die streitenden Bürger, welche sich gutwillig einstellten, die Gescheids- oder Compromiß-Gerechtigkeit bis zur Höhe von 12 Reichsthalern zustehen, die wirkliche Execution des Bescheids aber, wenn sie mittelst Gewalt geschehen müßte, dem jedesmaligen churfürstlichen Vogte anheimfallen sollte. Außerdem wurde ihnen noch eingeräumt, daß sie die ungehorsamen und streitsüchtigen Bürger mit einer gelinden Strafe von einer Hacke, einem Eimer, Stein und Bord belegen, auch nach Gestalt des Excesses zum Thurmgange ermahnen konnten; wenn aber die Verbrecher die verwirkte Strafe nicht erlegen oder nicht gutwillig in den Thurm gehen wollten, alsdann sollte der churfürstliche Vogt auf Antrag des Rath die Sträflinge nach Poppelsdorf, wo damals nebst der churfürstlichen Residenz auch das Strafgefängniß war, hinführen, und sie zur Erlegung der verwirkten Strafe anhalten.

Nachdem Salentin 10 Jahre ruhmvoll regiert hatte, dankte er 1577 mit Erlaubniß des Papstes vor den versammelten Landständen im Schlosse zu Brühl ab, und verehelichte sich in Bonn, damit sein Stamm nicht erlöschen möchte, mit Antonia Wilhelmina von der Mark, Gräfin von Arnsberg.177

Sein Nachfolger auf dem kölnischen Stuhle war Gebhard, Graf Truchseß von Waldburg178, von dem die Schriftsteller jener Zeit berichten, daß er viele Sprachen gesprochen, die berühmtesten Universitäten bezogen, und demnächst eine Reise nach Rom zu seines Vaters Bruder, dem Kardinal Otto, unternommen habe, wo er zur Antretung des geistlichen Standes gestimmt worden sei.179

Nachdem er zum Erzbischofe und Churfürsten erwählt worden war, schrieb Mersäus:180

Man kann sich von ihm die gegründete Hoffnung machen, daß er dasjenige, was sein Amt erfodert, keineswegs verabsäumen werde. Nebst seiner großen Gelehrsamkeit und Kenntniß der Sprachen macht ihn auch seine ausnehmende Bescheidenheit, Zucht, Eingezogenheit und Gottseligkeit bei allen lieb und angenehm. Daher sich alle Frommen von diesem hochwürdigsten Erzbischof alles mögliche Gute versprechen, und versichert halten, daß er vermöge der ihm beiwohnenden Weisheit, Klugheit und Gottseligkeit dasjenige wieder ersetzen und gutmachen werde, was andere versäumt haben.

Selbst der Papst Gregor XIII. und der Kaiser Rudolph II. setzten auf ihn gleiche Hoffnungen, aber es zeigte sich sehr bald, daß Gebhard von der Natur nicht für den geistlichen Stand ausersehen und bestimmt, mithin der Mann nicht war, welcher in dem ihm übertragenen wichtigen Amte für sich weder Glück und Zufriedenheit finden und eben so wenig Andern spenden konnte. Denn kaum fühlte er sich in seiner Würde befestigt, als er allmählig ein freies und anstößiges Leben zu führen anfing, sich in Schulden versetzte und endlich auch, sein Gelübde gänzlich vergessend, eine sträfliche Liebe zur Gräfin von Mansfeld, Chanoinesse des Stiftes zu Gerresheim, in seinem Herzen aufkeimen ließ, welche diese mit gleichem Feuer entzündete. Mit ihr hatte er in Bonn und an anderen Orten vertraulichen Umgang, der aber endlich, wie das ganze Liebesverhältniß, trotz aller Vorsicht, kund wurde. Da geriethen alle Erzdiözesanen in Staunen und Unwillen, und Agnes' Brüder Peter, Ernst und Hojer von Mansfeld, in solche Wuth, daß sie nach Bonn eilten und dem Churfürsten so lange und heftig zusetzten, bis er sich eidlich anheischig machte, Alles dadurch wieder gut zu machen, daß er auf das Erzbisthum resigniren und Agnes zu seiner Gemahlin nehmen wolle.

Dem hart bedrängten Gebhard mag es mit der Resignation Ernst gewesen sein, leider wurde er aber davon abgehalten, nicht nur durch die Grafen von Solms und Nuenar, sondern auch durch Agnes selbst, die ihn glauben machten, daß er das Churfürstenthum wegen seiner Vermählung nicht abzutreten brauche, und ihn anfeuerten, dasselbe, wenn es sein müßte, mit Gewalt zu behaupten, da Hoffnung vorhanden wäre, daß die evangelischen Fürsten, wenn er sich zur neuen Lehre bekennen wollte, ihm dazu Hülfe senden würden. Diese aufmunternden Reden machten bei Gebhard alles das vergessen, was er bei seiner Huldigung geschworen hatte, und bestimmten ihn, das Aeußerste zu versuchen. Doch schmeichelte er sich mit der eitlen Hoffnung, vielleicht auf friedlichem Wege seinen Zweck zu erreichen, und schickte daher den Grafen Adolph von Solms und seinen Rath Schwarz auf den Reichstag nach Augsburg, um zu sehen, ob es nicht möglich wäre, durch Vermittlung der evangelischen Stände im Besitze des Churfürstenthums ungeachtet seiner beabsichtigten Vermählung zu bleiben. Allein dieses wollte ihm nicht gelingen, und da er auch um diese Zeit vom Domkapitel und den sämmtlichen Landesvasallen wegen seiner Gesinnung und seines Benehmens zur Rede gestellt wurde, so sah er wohl ein, daß hier Güte nichts nutzen, daß nur Gewalt ihn zu seinem Zweck führen könnte. Um sich daher Hülfsmittel zu dem bevorstehenden Kriege zu verschaffen, ließ er den ganzen Brühler Schloßschatz nach Bonn bringen, und reiste damit nach Westphalen. Dort warb er Truppen zu Fuß und zu Pferd an, die zur Besatzung seiner Residenz Bonn bestimmt waren; und schickte, nachdem dieses geschehen, den Hauptmann der Garden, Caspar von Heyen, im Voraus mit Briefen an seinen Beamten, den Vogt Eick, nach Bonn. Ersterer kam am 3ten November 1582 daselbst an; da aber Eick gerade abwesend war, so konnte er ihm erst am folgenden Tage um 8 Uhr Morgens die churfürstlichen Briefe einhändigen; er berichtete ihm nun zugleich, daß der Churfürst Gebhard bereits aus Westphalen zu Siegburg angelangt wäre, und noch am nämlichen Nachmittage zu Bonn eintreffen würde. Die churfürstlichen Hofbedienten und Soldaten hätten schon Befehl über den Rhein zu setzen, und da diese Leute in Bonn einquartirt werden sollten, so würde an ihn und an den Stadtrath gegen 9 Uhr der erfoderliche Befehl erfolgen.

Da verkündete um 10 Uhr der Thurmwächter, daß er eine große Masse Reiter und Fußgänger über den Rhein setzen sähe. Eick ließ hierauf den Bürgern, welche am Kölnthore auf Wache standen, bekannt machen, daß die herannahenden Völker churfürstliche Diener und Soldaten wären, denen man ohne Bedenken das Thor öffnen könnte. Unterdessen war der damalige Bürgermeister Schlaun mit einigen Rathsverwandten, denen Eick von der von Heyenschen Sendung und von dem zu erwartenden Befehle noch nichts gesagt hatte, herbeigeeilt, und befahl, das Kölnthor wie alle übrigen Thore verschlossen zu halten; ein Befehl, dem sich nicht nur der Garden-Capitain von Heyen und einige am verflossenen Tage schon angekommene Hofleute, sondern auch der Vogt Eick fruchtlos widersetzten; denn der Bürgermeister erklärte, vor wenigen Tagen noch vom Domkapitel den Befehl erhalten zu haben, Niemanden, auch selbst den Churfürsten nicht, in die Stadt einzulassen, es sei denn, daß dieser sich zu erkennen gäbe. Während sich diese Herren hierüber stritten, langte Gebhard selbst an, und wurde auf ein gegebenes Zeichen eingelassen. Ohne seine Empfindlichkeit über Schlauns Benehmen zu äußern, nahm er nicht nur dessen Entschuldigungen huldreichst an, sondern belobte auch mit Darreichung der Hand die Sorgfalt des Raths. Nun begab sich der Churfürst mit seinem ganzen Gefolge, worunter sich 400 Mann Infanterie und 200 Mann Kavallerie befanden, ins Schloß, und trug dort dem Vogt Eick, seinem Stallmeister von Melschede und seinem Garden-Hauptmann von Heyen auf, dem auf dem Stadthause versammelten Rathe zu hinterbringen, daß nur die Anschläge seiner Feinde wider sein getreues Bonn die Ursache wären, weshalb er in dasselbe mit so vielen Kriegsvölkern eingezogen, und daß er sich auf die Bitte des Domkapitels und seiner Vasallen bewogen gefunden hätte, diese Stadt, worin das Archiv und der beßte Schatz des kölnischen Erzstiftes aufbewahrt würde, vor allen anderen gegen zu befürchtende Ueberfälle zu schützen; er hätte als beschlossen sich hier einige Zeit aufzuhalten, und vertraue zwar vollkommen auf die oft bewährte Treue seiner lieben Bonner, glaube aber, daß man auf jeden Fall her auf reguläre Truppen sich verlassen dürfte; er gewärtige daher, daß die Thore wieder geschlossen und ohne sein Vorwissen und seine Genehmigung niemand aus- oder eingelassen, und daß der Rath für seine Leute die nöthigen Quartiere anzeigen würde.

Der Rath, welcher die Absichten Gebhards wohl einsah, ließ demselben vorschlagen, daß er die fremden Truppen, über deren Einführung man sich allseits wundere, auf die nächsten Dörfer und Schlösser, oder, im Fall ihm dies nicht angenehm wäre, in die Klöster und Wohnungen der Geistlichen, und, wenn solche nicht hinreichten, in öffentliche Wirths- und Gasthäuser gegen baare Zahlung einquartieren möchte. Gebhard, der aus Glimpf gegen diese Vorstellung nichts einwenden wollte, ließ hierauf dem Stadtschreiber befehlen, daß er ein Verzeichniß der Wirths- und Gasthäuser machen und dem Quartiermeister mittheilen möchte, um auf diese Weise die Leute ohne Belästigung des Bürgers, unterzubringen.

Weil man im Schlosse wegen der unerwarteten Ankunft des Churfürsten gar keine Anstalten getroffen hatte, so speiste er mit seiner Braut beim Herrn von Krichingen, seinem zukünftigen Schwager, in dessen auf dem Markte gelegener Wohnung zum Rosenthal genannt181, während sein Hofleute und die von ihm Eingeladenen, als der Vogt Eick, die beiden Bürgermeister Kreutz und Schlaun und einige andere Rathsherrn dem im anliegenden Gasthause zur Blume aufgetragenen Mittagsmahle vielleicht volle Gerechtigkeit widerfahren ließen.

Inzwischen waren die Stadtthore wieder gesperrt und die Schlüssel auf das Rathhaus gebracht worden. Gebhard, dem dieses nicht behagen wollte, trug mit aller Heftigkeit beim Rathe darauf an, daß ihm die Schlüssel eingehändigt, oder daß sie von seinem dafür zu ernennenden Commissarius und dem Rathe gemeinschaftlich verwahrt werden möchten. Aber hiezu wollten sich die Bürgermeister und der Rath nicht verstehen, und wichen der Foderung mit Entschuldigungen aus. Die Bürger hatten unterdessen muthig zu den Waffen gegriffen, den Markt und das Rathhaus besetzt, und verschiedene andere Wachen aufgestellt. Auch dieses Verfahren war dem Churfürsten im höchsten Grade mißfällig; daher ließ er gegen Abend die Bürgermeister und Rathsdeputirten zu sich bescheiden, und begegnete ihnen Anfangs in Güte, ging aber zuletzt, da dieses nichts nutzte, zu hitzigen Worten über, indem er Gehorsam foderte, und ihnen befahl, diese seine Willensmeinung dem versammelten Stadtrathe ohne Verzug zu überbringen. Um sich von der richtigen Ausführung seines Befehls vollkommen zu überzeugen, schickte er ihnen seinen Stallmeister von Melschede, den Garden-Capitain von Heyen und den Vogt Eick auf dem Fuße nach, die ihm zugleich den abgefaßten Entschluß überbringen sollten. Inzwischen wurde Gebhard gemeldet, daß der Graf Hermann Adolph von Solms in der Vorstadt sei und um Einlaß nachsuche. Er befahl daher, daß man demselben die Thore öffnen und ihn einlassen sollte. Dieses geschah pünktlich, die Schlüssel aber wurden wieder auf das Rathhaus gebracht, obgleich man sie dem Aufschließer dringend abgefodert hatte. Sowohl dieser Vorgang als der Entschluß des Raths, da derselbe auch jetzt bei bloßen Entschuldigungen stehen blieb, hatte zur Folge, daß Gebhard in große Wuth gerieth und zur Gewalt geschritten wäre, wenn ihn nicht Graf von Solms und einige andere Räthe davon abgehalten und ihm vorgestellt hätten, daß der Kampf für ihn schlimm ablaufen könnte, der Rath aber vielleicht im Guten seine Gesinnungen ändern würde. Gebhard ließ sich durch diese Vorstellung zwar besänftigen, verlangte jedoch vom Magistrat, daß er ihm verspreche, diese Nacht die Schlüssel getreu zu bewahren, keinem die Thore zu eröffnen und niemanden ohne seine Erlaubniß aus- oder einzulassen. Dieses sagte der Rath ihm getreulich zu. Um letzteren zu erforschen, erschien am folgenden Tage der Graf von Solms selbst auf dem Rath-Hause und erklärte, daß der Churfürst in der befohlenen Ueberreichung der Stadtschlüssel nur den Gehorsam und die Treue des Raths hätte prüfen wollen. Wären ihm solche gleich eingehändigt worden, so hätte er beschlossen gehabt, ihm dieselben wieder zuzustellen, und die Bewachung der Stadt aufs Neue anzuvertrauen. Er gewärtige daher, daß der Rath hierin nachträglich die schuldige Folge leiste, zugleich den Bürgern den Befehl ertheile, sich ruhig, die Waffen niederlegend, nach Hause zu begeben, und ihm die Hauptthore, die Namen der Schlüsselbewahrer und die Ordnung und Gewohnheit, welche bei Eröffnung und Schließung der Thore beobachtet würde, schriftlich anzeige.

Der Stadtrath erklärte aber hierauf, daß er sowohl als die gesammten Bewohner wohl wüßten, welchen Gehorsam sie ihrem Fürsten gelobt; es wäre ihnen auch nie in den Sinn gekommen, ihm denselben zu versagen; allein, daß sie die Stadtschlüssel abgeben sollten, streite wider Recht und Gewohnheit, welche sie nicht verletzen dürften. Der Rath habe zur Zeit der Huldigung des Churfürsten die Schlüssel in Gegenwart der Gesandten des Domkapitels und der Landstände in Verwahr erhalten, und sei mit der Bewachung der Mauern und Thore der Stadt beauftragt worden, daher er ohne deren Erlaubniß jene nicht aushändigen, diese nicht aufgeben könne und dürfe. Er wüßte sich auch im geringsten nicht zu erinnern, daß er etwas verschuldet habe, wodurch er dieses Zutrauen verlieren würde; jedoch verspreche er, um dem Churfürsten möglichst entgegen zu kommen, bei Eröffnung und Schliessung der Thore eine so treue und sorgfältige Aufsicht zu führen, wie sie von ihm weder könne noch müsse gefodert werden, so daß niemand ohne sein Wissen und Willen ein- oder ausgelassen werden soll. Bürgermeister und Rath ließen daher den Churfürsten bitten, ihnen die Vorenthaltung der Stadtschlüssel nicht als Ungehorsam anzurechnen, und trugen besonders darauf an, die in die Stadt gelegten Soldaten zu entlassen, indem sie sich selbst stark genug glaubten, dieselbe vor jedem Ueberfalle zu bewahren; ferner seien sie auch bereit, ihm eine Leibwache von 50 bis 100 der besten und treuesten Bürger zu geben. Ueberdieß stellten sie bei Tag und Nacht so starke Wachen aus, die vermögend seien, den Churfürsten und die Stadt zu beschützen. Wenn er indeß glaube, daß die Zahl der Bürger geringer sei, als das wahre Bedürfniß es erfodere, so ständen sie schon seit langer Zeit mit den Nachbarstädten in Allianz und könnten von daher Hülfe erhalten. Was die Bewaffnung der Bürger betreffe, so sey diese weder mit des Raths Willen, noch weniger auf seinen Befehl geschehen; er wolle sich aber bemühen, zur Entwaffnung derselben das Seinige zu thun, doch müßten vorher die fremden Truppen entlassen werden, denn so lange diese in der Stadt wären, würden seine Bemühungen fruchtlos bleiben.

Aus dieser Antwort ersah Gebhard völlig den festen Willen des Raths, nicht von demjenigen abzugehen, was im Verlauf von Jahrhunderten ihm eingeräumt und heilig geworden war. Er erwiederte ihm also, daß er hinsichtlich der Behandlung der Thore zufrieden sei; indeß hätte weder das Domkapitel noch sonst Jemand das Recht, wegen der Stadtschlüssel etwas zu befehlen, dieses käme nur ihm, als Churfürsten zu. Das Bündniß mit den benachbarten Städten und die Stellung einer Leibwache mißfalle ihm nicht, doch bedürfe er beides nicht; denn die mitgebrachten Soldaten wären keine Feinde, sondern Freunde; er befehle daher nochmals, die Bürger, die bereits seine Edelleute beunruhigt und beleidigt hätten, zu entwaffnen, und die Schuldigen zu bestrafen.

Nachdem die Bürgermeister und der Rath sich über Alles, besonders über den Punkt, daß der Churfürst die fremden Truppen nicht entlassen wolle, berathschlagt hatten, ließen sie demselben sagen, daß er jedoch keine Soldaten mehr in die Stadt nehmen dürfe und die darin liegenden, wenn er Bonn verließe, mitnehmen müßte, damit den Bürgern, wie es von Alters her üblich gewesen, die Bewachung der Stadt allein überlassen bliebe. Was die Beunruhigung der Edelleute angehe, so trügen nicht die Bürger, sondern diese selbst durch ihre Anmaßungen die Schuld davon, indeß solle die Sache untersucht und die etwa Schuldigen bestraft werden.

Ueber Mehreres in Betreff der Thore und Wachen begehrte nun der Churfürst die erhaltene Zusage auch schriftlich. Dagegen machte er sich anheischig, ohne Noth die Besatzung der Stadt nicht zu vermehren, und auch in diesem Falle nur alles mit Gutheißen des Raths zu thun. Obgleich die darüber sprechende Urkunde dem Churfürsten überreicht wurde, so war dieser und der Rath doch nicht im Stande, ihrem Inhalte gemäß zu handeln; denn die Bürger wollten davon durchaus nichts wissen und sich nicht darin fügen, von ihren Rechten und Privilegien das Mindeste zu vergeben. Sie blieben daher unter den Waffen, hielten alle Posten besetzt, schickten Patrouillen aus, und schlossen sogar die Hebestangen und Ketten, die den Straßen in der Nähe des Schlosses Schutz gewährten, zu. Hierüber ergrimmte Gebhard, wie leicht zu denken, furchtbar, und er schwur, die Stadt mit Gewalt unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Doch den Muth der Bürger bedenkend, besann er sich eines andern, indem er selbst glaubte, daß es am rathsamsten wäre, den Rath und die Bürger langsam und in Güte auf andere Gedanken zu bringen. Dazu ersah er den Grafen Solms, den Vogt Eick und die Doctoren Schenk und Schwarz. Aber auch dieser Versuch, wo Güte und Drohungen abwechselten, scheiterte an der Festigkeit der Bonner, die inzwischen dem Domkapitel vom ganzen Vorgange Nachricht gegeben und dasselbe um Verhaltungsbefehle gebeten hatten. Gegen den 17ten November gewahrte man um Bonn eine große Menge Krieger, die der Churfürst sich neu hatte anwerben lassen. Da dies nicht in die Stadt eingelassen wurden, so bezogen sie die umliegenden Dörfer, Schlösser und Klöster, und führten ein so ausgelassenes Leben, daß sich die Nonnen, ihrer Sicherheit wegen, in die Stadt flüchteten. Diese Truppen vermehrten sich durch immer neu ankommende von Tag zu Tag, und obgleich dadurch Bonn ganz von Soldaten umringt und die Lage der Dinge immer bedenklicher wurde, so hielten sich Rath und Bürger noch immer standhaft, legten den gebhardischen Soldaten in der Stadt durch ihre Festigkeit einen Zaum an, und ließen sich in ihrem Muthe weder durch gute Worte noch durch Drohungen bewegen, dem Churfürsten die Stadtschlüssel und Thore zu überlassen. Einige alliirte Städte und umliegende Dörfer, denen die Lage der Bonner zu Ohren gekommen war, boten denselben ihre Hülfe an; indeß wurde diese im Bewußtsein eigener Stärke und weil auch vom Domkapitel auf die Bitte um Verhaltungsbefehle noch keine Erwiederung erfolgt war, dankbar abgelehnt, damit gegen ihren Erzbischof ohne ausdrücklichen Befehl nichts unternommen würde, was über ihre Rechte und Privilegien hinausginge.

Am 2ten Dezember schickte das Domkapitel einige Gesandte an den Erzbischof, die ihm unverhohlen vorhalten mußten, welches Gespräch über ihn ergehe, wie sehr sein Ansehen gesunken sei und er im Verdacht stehe, die Religion zu ändern und in den Ehestand zu treten. Dann ließe ihn das Domkapitel bitten, ihm seine Absichten zu eröffnen, damit es seiner Pflicht gemäß handeln könne. Aber die Gesandten erhielten nur eine zweideutige Antwort, und traten nach Anhörung vieler Klagen ihre Rückreise nach einigen Tagen wieder an.

Gebhards Benehmen und die über ihn gehenden Gerüchte wurden inzwischen an den Papst Gregor XIII. berichtet. Dieser, der die gute Erziehung des Verklagten kannte, wollte dem Berichte kaum glauben, und sandte deshalb einen geeigneten Mann nach Deutschland, damit dieser sich an Ort und Stelle von der Wahr- oder Unwahrheit überzeugen sollte. Nachdem sich nun die erstere herausgestellt hatte, erließ der Papst an Gebhard ein väterliches Ermahnungsschreiben, worin er ihm ans Herz legte, was er Gott, der ihn zu einer so hohen Würde erhoben habe, was er dem römischen Stuhle, der ihm jederzeit mit besonderer Liebe und Gewogenheit zugethan gewesen, was er dem Vaterlande, seinem Geschlechte, dem christlichen Namen, der allgemeinen Wohlfahrt und endlich sich selbst schuldig sei. Aber diese Ermahnung nutzte weiter nicht, als daß Gebhard in einem Antwortschreiben sich bestrebte, seine Schritte zu beschönigen, seinen Glauben als fest und gut darzustellen und das Gute des Ehestandes ans Licht zu heben.

Nun erschien auch ein Gesandter des Kaisers, dem gleichfalls Gebhards Benehmen und Absicht kund geworden war, um denselben zu ermahnen und auf dasjenige aufmerksam zu machen, was ihm bevorstehe, wenn er nicht umkehren würde. Jedoch auch diese Ermahnung fruchtete nichts; vielmehr fing Gebhard nun an, den Papst zu lästern, und gab am 19ten Dezember ein Edict heraus, vermöge dessen er das Domkapitel zu gewinnen hoffte, indem er darin außer der Gestattung der freien Religionsübung erklärte, daß er nicht vorhabe, das Churfürstenthum nach geschehener Heirath auf seine Erben zu bringen, noch auch dem Domkapitel das Wahlrecht eines neuen Erzbischofs zu benehmen.

In Bonn waren inzwischen zur Unterdrückung der katholischen, und Einführung der evangelischen Religion angekommen Johann, Graf von Nassau, Bruder des Fürsten von Oranien mit seinem Sohne und dem Doctor Suartz; Albert, Graf von Nassau, mit dem Zunamen Saarwerden; Hermann von Wied; der Graf von Mansfeld; Konrad und Ernst von Solms; Hermann Adolph von Solms; Graf Adolph Nuenar; Karl und Ferdinand von Truchseß Waldburg, Brüder des Erzbischofs; Johann von Winneberg; Ludwig von Wittgenstein und Andre. Diese versammelten sich des Nachts vor drei Uhr in der Wohnung eines gewissen Kanonikus, und beschlossen, wie das Gerücht ging, daß man die neue Lehre mit aller Gelassenheit und Geduld einführen solle. Noch an selbigem Tage verfügten sich diese Herren um die Stadtmauern, nahmen Alles mit großer Genauigkeit in Augenschein und berathschlagten sich, wo eine Verbesserung der Fortifications-Werke nöthig sei. Unter andern kam es auch zur Sprache, ob das Wasser aus den Gräben gelassen werden könne, und dergleichen.

Gebhard hatte sich unterdessen noch einmal, sogar mit Gewalt bemüht, in den Besitz der Stadtschlüssel und der Thore zu gelangen, aber wieder vergebens. Dagegen erhielten die Bürgermeister und der Rath, die, wie wir oben gehört haben, an das Domkapitel um Verhaltungsbefehle geschrieben hatten, endlich unterm 21sten Dezember zur Antwort, daß an diesem Tage in der Kapitular-Versammlung die nachgesuchten Instructionen entworfen, und diese gegen Abend eintreffen würden.

Von diesem Schreiben hatten Gebhards Anhänger in Bonn Nachricht erhalten; sie ersahen daraus die Nothwendigkeit, daß man den Vorkehrungen des Domkapitels eiligst zuvorkommen müßte, wenn nicht Alles verloren sein sollte. Der Graf von Nassau und Nuenar und der Kanzler des eben in Bonn angelangten Pfalzgrafen Johann von Zweibrücken machten daher bei dem Stadtrathe einen neuen Versuch; da aber auch dieser, unerachtet der süßesten Worte und der fürchterlichsten Drohungen, mißlang, so brachten sie zuletzt ein falsches Schreiben hervor, durch welches das Domkapitel der Stadt befahl, die Schlüssel und Thore dem Churfürsten zu überliefern. Irregeleitet durch dieses Schreiben, mehr aber noch durch das Anrathen eines Bürgermeisters, der heimlich auf Gebhards Seite war, entsprach der Rath obigem Befehle und überbrachte dem Churfürsten, der eben beim Pfalzgrafen von Zweibrücken im Gasthause zur Blume auf dem Markte zu Mittag speiste, außer den Stadtschlüsseln auch den Ehrenwein.

Aber kaum waren zwei Stunden verflossen, als der vom Domkapitel abgeschickte Bote mit den wahren Briefen anlangte, wodurch der Stadt die Ueberlieferung der Schlüssel und Thore auf das schärfste untersagt wurde. Jetzt sah man den Betrug ein, aber es war zu spät; denn Gebhard hatte schon die Stadtthore durch seine Soldaten besetzen, die Bürger entwaffnen und den ernsthaften Befehl ergehen lassen, daß ohne sein Wissen Niemand die Stadt verlassen oder in dieselbe aufgenommen werden dürfte. Bei diesen Umständen mußten sich der Rath und die Bürger zu ihrem nicht geringen Schmerze ruhig verhalten, und ohne helfen zu können, zusehen, wie über Bonn gewitterschwere Wolken aufzogen.

Gebhard, im Besitze dieser festen Stadt und vertrauend auf die vom Pfalzgrafen von Zweibrücken und anderen evangelischen Fürsten ihm zugesagte Hülfe, wurde jetzt noch übermüthiger als früher. Die Churfürsten von Mainz und Trier erließen nun ebenfalls wohlgemeinte Ermahnungen an ihn; sie wurden jedoch, wie die erneuerten triftigsten Vorstellungen des Domkapitels, nicht beachtet. Aber jetzt fand Gebhard einen heftigen Gegner in dem kölnischen Chorbischofe, Friedrich Herzog von Sachsen-Lauenburg, der mit einer tapfern Schaar ihm mehrere für Bonn bestimmte Sendungen von Mundvorrath hinwegnahm, und ihm auch sonsten viel Schaden zufügte. Gebhard hierüber entrüstet, andernseits in Unruhe gesetzt, weil das Domkapitel Anstalten machte, die Landstände zusammen zu berufen, damit sie in dieser Sache einen Beschluß faßen möchten, wandte sich um Hülfe und Fürsprache beim Kaiser an mehrere ihm gewogene Reichsfürsten. Diese entsprachen seiner Bitte. Der Kaiser fertigte hierauf eine zweite Gesandtschaft nach Bonn an den Erzbischof ab, um von ihm selbst die wahren Absichten zu vernehmen, damit er denen gemäß handeln könne. Dieser antwortete unterm 19ten Januar 1583, daß er seine Pflicht und Würde als Erzbischof und Churfürst noch nicht aus den Augen gesetzt, aber Ursache genug habe, sich über seine Feinde, besonders den Chorbischof Friedrich, zu beklagen, die ihn überall anschwärzten und ihm zu schaden suchten. Seine Gesinnungen wolle er übrigens auf dem nächsten Reichstage an Tag legen.

Bevor Gebhard diese Antwort an den Kaiser gelangen ließ, hatte er sich bereits bei seinen Vertrauten zur evangelischen Religion bekannt, und einige der Vornehmsten des Erzstiftes dahin zu bringen vermocht, daß sie bei ihm förmlich um Gestattung der freien Religionsübung einkamen. Auf den Grund dieser schriftlichen Eingabe und in Folge der Zureden derjenigen Herren, welche bereits dieser Gegenstände wegen in Bonn Zusammenkünfte gehalten hatten, erließ er am 16ten Januar 1583 ein Edict, das überall und in Bonn unter Pauken- und Trompetenschall publicirt wurde. Demgemäß wurde die Ausübung jeder Religion im ganzen Erzstifte gestattet und diejenigen mit schweren Strafen bedroht, die sich derselben widersetzten. Er selbst nahm nun auch keinen Anstand mehr, sich zur evangelischen Religion öffentlich zu bekennen.

Darauf befahl er am 18ten Januar dem Stadtrathe von Bonn, alle Thore zu vermauern, außer zweien, die offen bleiben und mit einem breiten Graben und einer Zugbrücke versehen werden sollten; so wie die Sorge für die Errichtung einer Wassermühle auf dem Rhein und die Herstellung der Eselsmühle in der Stadt; zugleich befahl er allen Fremden und Bewohnern der Thürme und Gewölbe der Stadtmauern noch vor Sonnenuntergang die Stadt zu räumen; dann ermahnte er diejenigen, welche ihm eidlich verpflichtet waren, und ihr Unglück oder Glück in Bonn abwarten wollten, sich für ein ganzes Jahr mit Lebensmitteln zu versehen.

Da nun die Sache Gebhards in so weit gut stand, so bemühten sich die Churfürsten von Brandenburg und Sachsen zwischen ihm und den kölnischen Landständen eine Ausgleichung und Sühne zu Stande zu bringen, die, wie sie wohl einsahen, zur Durchführung ihres Freundes Absichten beim Kaiser und Papste unumgänglich nöthig waren. Sie stellten ihnen deshalb die traurigen Folgen eines Krieges dar, der eintreten würde, wenn sie auf ihrem Widerstande beharrten, und ermahnten sie, wenigstens bis zum nahen Reichstage nichts Ernstliches zu unternehmen.

Inzwischen drang der kaiserliche Gesandte noch einmal in Gebhard, daß er sich offen gegen ihn erklären möchte, damit er seinem Herrn den befohlenen Bericht abstatten könne. Da fügte sich Gebhard endlich, und erklärte, daß er zwar Anfangs nur die katholische Religion geduldet, jedoch sein Unrecht hierin bald eingesehen und deshalb nun jede Religion im Erzstifte gestattet habe; daß er sich an das Cölibats-Gesetz nicht zu stören brauche, Niemand aber auch durch seinen Ehestand, den er anzutreten beschlossen habe, beeinträchtigen, noch das Domkapitel seines Wahlrechts berauben wolle.

Da um diese Zeit der Herzog von Jülich, Cleve und Berg dem Domkapitel seine Hülfe dahin anbot, daß Gebhards Absichten vereitelt würden, so wurde dieser, wie zu denken, darüber nicht wenig unruhig, und beschied deshalb die Landstände nach Bonn, um sie für seine Sache zu gewinnen. Aber dieses gelang ihm nicht. Unterdessen rückte der 28ste Januar heran, wo auch das Domkapitel einen Landtag nach Köln ausgeschrieben hatte. Derselbe wurde auch von Gebhard beschickt, und mit Vorlesung des Eides eröffnet, den er beim Antritt seiner Regierung geleistet hatte, worauf dann die acht Punkte, die gegen ihn aufgesetzt waren, verkündet wurden. Diese bestanden in der eigenmächtigen Besatzung Bonns und anderer Oerter, in Beschlagnahme der Zollgelder, in der Zulassung der neuen Religion, in dem Gerüchte wegen seines Uebertritts zu derselben und seines beabsichtigten Ehestandes, u. s. w. Als dieses vorgetragen war, bat da Domkapitel die Landstande, ihr Urtheil hierüber abzugeben; und nachdem dieses gegen den Churfürsten ausgefallen war, wurde an die kaiserlichen Gesandten die Bitte gerichtet, beim Kaiser darauf anzutragen, daß er beim päpstlichen Stuhle die Absetzung Gebhards bewirken möchte, indem letzterer diese durch seine Unternehmungen, die nicht nur den beschwornen Verordnungen und Verträgen des Erzstiftes, sondern auch dem augsburgischen Religionsfrieden zuwider liefen, selbst verwirkt habe.

Trotz aller Bemühungen der gebhardischen Anhänger, diesen Schlag abzuwenden, erklärten sich die kaiserlichen Gesandten doch für das Domkapitel, trugen ihm auf, sich wieder in den Besitz der von Gebhard eingenommenen Plätze und Zölle, besonders aber der Stadt Bonn zu setzen, und ermahnten dasselbe sogar, zur Wahl eines neuen Erzbischofs zu schreiten, da der päpstliche Spruch hier nicht ausdrücklich nöthig sei. Dem Kaiser wollten sie inzwischen alles berichten und ihn bitten, daß er das Nöthige erlasse, damit die Fürsten abgehalten würden, Gebhard Hülfe zu senden.

Da nun dieser zur Umkehr nicht zu bewegen war, so wurde in Folge jener Erklärung und des Unwillens, der überall wegen der eingeführten Neuerungen sichtbar wurde, von den Landständen auf einem am 1sten Februar 1583 neuerdings gehaltenen Landtage der Beschluß gefaßt, daß sie sich von dem ihrem Erzbischofe geschwornen Eide entbunden halten und in der Folge nur dem Domkapitel Gehorsam leisten wollten. Dieser Beschluß wurde Gebhard durch den Herzog von Zweibrücken mitgetheilt, und er benahm ihm um so mehr die Hoffnung auf guten Erfolg, da auch der spanische Feldherr, Herzog von Parma, den kölnischen Kapitularen und Vasallen durch den Grafen von Aremberg Hülfe zusagte. Gebhard ließ daher das Archiv und die übrigen in Bonn verwahrten Schätze des Erzstifts in Beisein des Grafen von Nuenar, seines Bruders Karl und des Otto von Wermeninghausen in aller Stille einpacken, und sich im bereits erwähnten höhern Absteigequartier zum Rosenthal am 2ten Februar mit der Gräfin Agnes von Mansfeld durch einen Prediger des Herzog von Zweibrücken trauen. Dieser entscheidende Schritt vernichtete auf immer das Band zwischen ihm und dem Erzstifte.

Er ernannte hierauf seinen Bruder, den Grafen Karl Truchseß zum Kommandanten von Bonn, und begab sich, da er in demselben keine Sicherheit mehr zu finden glaubte, am 4ten Februar mit seiner Gemahlin und dem Herzog von Zweibrücken nach Dillenburg zu dem Grafen Johann von Nassau, dem Bruder des Prinzen von Oranien, wohin er auch das Bonner Archiv und den churfürstliche Schatz bringen und aus letzterem Münzen prägen ließ.

Siebentes Kapitel.

Maßregeln des Kommandanten von Bonn. Excommunikation und Achtserklärung Gebhards. Ernst von Baiern. Umschliessung Bonns. Aufruhr unter der Besatzung. Pfalzgraf Casimir verläßt Gebhard und Bonn. Belagerung und Uebergabe desselben. Einzug des neuen Churfürsten. Schicksal Karls und Gebhards.

Gebhard hatte Bonn kaum verlassen, als der Kommandant, Graf Karl, die Besatzung versammeln, und den Eid der Treue ablegen ließ. Ein Gleiches verlangte er von den Bürgern; allein diese weigerten sich standhaft und zeigten auch in dieser bedenklichen Lage, daß sie nur treue Verehrer und Verfechter der gerechten Sache wären. Seinen Unmuth über eine solche Widersetzlichkeit wohlweislich verbergend, beeilte sich Karl, die Stadt mit dem nöthigen Mundvorrath zur Aushaltung einer Belagerung zu versehen, sie noch stärker zu befestigen, Thore zu vermauern und Bollwerke aufzuwerfen. Dazu mußte das Schloß Lechenich, die Kornkammer des Stiftes, viele Wagen mit Frucht, und das Schloß Brühl sein großes Geschütz und sechs Feldstücke hingeben.

Als das Domkapitel von diesen Vorkehrungen Nachricht erhielt, säumte es nicht, die Bonner zu ermahnen, sich von der gebhardischen Partei nicht verführen zu lassen, vielmehr dahin zu streben, wieder in den Besitz der Stadtschlüssel zu gelangen; übrigens möchten sie sich dem gefaßten Landtagsbeschlusse gemäß benehmen; zugleich foderte dasselbe den Grafen Karl auf, die Stadt mit seinen Völkern zu räumen. Allein Karl gab dieser Auffoderung kein Gehör; er schilderte seines Bruders Sache als die gerechte, und überfiel neuerdings die umliegenden Schlösser und Klöster, welche er plünderte und verwüstete.

Gebhard wendete sich indessen nochmals an den Kaiser, suchte seine Schritte zu rechtfertigen, bat, seine Widersacher nicht weiter anzuhören, und ihn die Verwaltung des Erzstiftes wieder ungestört antreten zu lassen. Aber sein Bitten war vergebens.

Inzwischen rüstete sich das Domkapitel zu einer Belagerung Bonns, wozu der Herzog von Parma Hülfsvölker zusagte. Darüber wurden auf die Vorstellung Gebhards von den weltlichen Churfürsten beim Kaiser Klagen geführt, und dieser zugleich gebeten, die fremden Völker nicht im Reiche zu dulden. Allein der Kaiser überzeugte sich bald, daß die Klagen unannehmbar seien, da hier etwas geschehe, was Statt finden könne.

Am 10ten März endlich gab Gebhard seine Apologie oder Schutzschrift heraus, worin er öffentlich die Ursachen und Beweggründe seines ganzen Benehmens darlegte, und dasselbe, als keinem Gesetze zuwiderlaufend, vielmehr den Pflichten seines Amtes entsprechend, geltend zu machen suchte. Bisher wurden in Bonn die Predigten im Schlosse gehalten; aber an diesem Tage wurde dazu die Kirche der Franziskaner ausersehen, und letztere anderswohin verwiesen. Eine gleiche Bestimmung erhielten fast alle übrigen Kirchen Bonns.

Der Herzog Casimir, der für Gebhards Sache, wie wir gesehen haben, alles mögliche that, war inzwischen sehr besorgt, als der Herzog Ernst von Baiern in Köln anlangte, und den Sitzungen des Domkapitels beiwohnte. Denn wurde dieser, wie das Gerücht ging, zum Erzbischofe erwählt, so war Gebhard verloren. Er schrieb daher am 11ten März an denselben und ermahnte ihn, die erzbischöfliche Würde, wenn sie ihm angetragen werden sollte, nicht anzunehmen. An eben diesem Tage stellte Gebhard in Arnsberg einen Landtag an, auf dem er die gegen ihn erhobenen Punkte widerlegte, die Besetzung und Befestigung der Stadt Bonn, als des sichersten Orts des Erzstiftes, seinen Eintritt in den Ehestand und die Hinwegführung des erzstiftischen Archivs beschönigte, so wie die neue Religion als die wahre anpries. Die Verehrer der letztern und Freunde Gebhards erhielten hier der Mehrzahl wegen die Oberhand, während die katholischen Stände ohne den Landtags-Abschied zu unterzeichnen, sich nach Hause begaben.

Der Kaiser schickte nun eine Gesandtschaft an Gebhard, um ihn aufzufodern, seine verwirkte Macht und Würde im Guten niederzulegen; aber hievon wollte dieser nichts wissen. Darauf sandte der Papst den Kardinal Andreas von Oestreich als Gesandten nach Köln, mit Vollmacht zu handeln, wie es die Nothwendigkeit erfodern würde. Da indeß dieser von dem Herzog von Zweibrücken kein sicheres Geleit erhalten konnte, war er genöthigt, unverrichteter Sache umzukehren.

Inzwischen dauerte die Ausrüstung des Domkapitels immer fort. Werner Graf von Reifferscheid, der seine vorgeschriebene Anzahl Soldaten beinahe auf den Beinen hatte, führte diese nach Mehlem, um sie dort bei erster Gelegenheit zu mustern. Auf dem Hinmarsche warf er Feuer in eine Pulvermühle, welche Graf Karl in der Nähe von Bonn auf dem Felde kurz vorher hatte erbauen lassen, und vernichtete dieselbe von Grund aus. Die Bonner Besatzung, hierüber aufgebracht, dürstete nach Rache, that in der folgenden Nacht einen stillen Ausfall, kam unentdeckt bis Mehlem und richtete dort eine große Niederlage unter ihren Feinden an. Der Theil des Dorfes am Rhein wurde in Asche gelegt, und ein Pulverthurm, vom Feuer ergriffen, unter furchtbarem Krachen in die Luft gesprengt. Graf Werner, der so unversehends war überfallen worden, mußte sich, nachdem er noch manchen niedergehauen, auf die Flucht begeben, worauf die Besatzung frohlockend über den errungenen Sieg mit einer eroberten Fahne nach Bonn zurückzog und dort, nachdem sie auf dem Markte herumgezogen, dieses Siegeszeichen an dem Zollhause öffentlich aussteckte.

Während die evangelischen Fürsten sich auf dem Reichstage zu Worms zur Hülfe Gebhards entschlossen, und letzterer in Westphalen noch einiges Glück hatte, wurde in Rom seine Absetzung und Exkommunikation beschlossen und verkündet. Die darüber abgefaßte päpstliche Bulle ist vom 22sten März, oder nach dem gregorianischen Kalender vom 1sten April 1583 datirt, und Gregor XIII. trägt darin dem Domkapitel auf, zur Wahl eines neuen Erzbischofs zu schreiten. Ehe Gebhard hierüber Nachricht erhielt, verschrieb er seinem Freunde, dem Pfalzgrafen Casimir von Zweibrücken, für die bedeutenden Kosten, welcher dieser für ihn anwenden mußte, Bonn und das ganze Erzstift, selbst alle Bewohner desselben, ohne Unterschied des Standes und der Würde, und verpflichtete sich, Bonn und einige andere feste Plätze, die er noch inne hatte, ihm so lange einzuräumen, bis er für seine Auflagen und Mühen hinlänglich entschädigt sei. Doch die Umstände ordneten ein Anderes an. Am 11ten April erhielt der Kaiser und demnächst auch das Domkapitel von der päpstlichen Absetzung und Exkommunikation Gebhards Nachricht. Letzteres befaßte sich nun gleich, wie ihm aufgetragen war, mit der Wahl eines neuen Erzbischofs, wogegen aber Gebhard heftig protestirte, während andre ihm gewogene Fürsten beim Kaiser klagend über das päpstliche Urtheil einkamen. Indeß wurde Statt seiner am 24sten Mai 1583 Ernst, Prinz von Baiern und Bischof von Lüttich, einstimmig zum Erzbischofe und Churfürsten erwählt; eine Wahl, in deren Folge Gebhard die Katholiken in Westphalen, wo er sich aufhielt, übel behandelte, sein Bruder, der Kommandant Karl aber in große Unruhe gerieth, da die Besatzung anfing, auf die Auszahlung ihres rückständigen Soldes zu dringen, und auch mehrere Soldaten, die aus den Truppen des Herzogs von Anjou und Alençon gezogen waren, feierlich erklärten, daß sie gegen den neuerwählten Erzbischof, als einen nahen Blutsverwandten ihres Herzogs und des Hauses Lothringen, nicht zu dienen Lust hätten. Zur Besänftigung dieser unruhigen Gemüther war Geld nothwendig. Aber woher sollte man dieses nehmen, da Gebhard nichts geben konnte, und Klöster und Schlösser in und um der Stadt bereit ausgeplündert waren? Man schritt daher zur Erpressung. Karl ließ die in der Stadt gebliebene Geistlichen des St. Cassius-Stiftes ins Gefängniß werfen, und gab nur dem Aeltesten die Freiheit, damit dieser sich mit der Auslösung seiner Brüder beschäftigen könnte. Auf diese Art verschaffte er sich noch eine Summe Geldes; aber während dadurch in der Stadt so ziemlich wieder Ruhe eintrat, wurde die Unruhe vor derselben mit jedem Tage größer. Der ehemalige Churfürst Salentin, Graf von Isenburg, gab der Bitte des Domkapitels, das Kommando der Truppen des Erzstiftes zu übernehmen, nach; eilte mit einem Theil derselben nach Bonn, schloß seine ehemalige Residenzstadt ringsum ein, und bereitete Alles zu einem Sturme vor. Diese Anstalten mußte er aber im Juni wieder aufgeben, weil das ihm versprochene Geschütz nicht eintraf; wodurch denn die Bonner Besatzung Gelegenheit erhielt, auszuruhen, sich verstärken und mit allem Nöthigen noch mehr versehen zu können. Die Empörung unter dieser Besatzung brach aber bald wieder aus. Man hatte derselben mit der Hoffnung geschmeichelt, daß der Pfalzgraf Casimir von Zweibrücken, ehestens mit einer großen Verstärkung und einem hinreichenden Vorrathe an Geld und Victualien eintreffen würde. Allein alles, was Casimir an Soldaten aufzubringen im Stande war, bestand nur in sieben Tausend Mann, die er auf Verlangen Gebhards nach der bei Lülsdorf liegenden Hauptarmee abschicken mußte. Casimir kam daher zwar am 21sten August zu Bonn an; da er aber keine Truppen, kein Geld noch andern Vorrath mitbrachte, so hatte er große Mühe, um die darüber in Unruhe gerathene Besatzung durch Versprechungen zu besänftigen. Von Bonn ging Casimir zur Armee bei Mühlheim ab; weil sich aber die Bonner Besatzung während seiner Abwesenheit wegen eines sechsmonatlichen Rückstandes aufs Neue empörte, und sogar mit Uebergabe der Stadt drohte, so begab er sich abermals und zwar mit der ganzen Armee dorthin, und suchte, so gut er konnte, wenigstens die Besoldung für einen Monat aufzutreiben. Er fing aber inzwischen, nachdem er Königswinter, das Schloß Drachenfels und andere Oerter vergebens belagert hatte, selbst an einem guten Erfolge des Krieges zu verzweifeln an, da der Kaiser ihn, Gebharden und seine Anhänger alles Ernstes zur Einstellung ihrer Unternehmungen ermahnt, und demnächst im September 1583 auf der Reichsversammlung zu Frankfurt am Main als Widerspenstige mit der Acht belegt hatte. Besonders aber ließ Casimir dadurch den Muth sinken, daß er bei der um diese Zeit vorgenommenen Generalmusterung der gebhardischen Armee eine weit größere Anzahl Soldaten auf dem Papier, als in dem Lager fand, und auch einsah, wie wenig Gebhard vermögend wäre, seine gemachten heiligen Versprechungen wegen Beischaffung von Truppen, Geld und Mundvorrath zu halten. Dazu kam endlich noch, daß die kaiserliche Achtserklärung bei der Armee kund wurde, wodurch sehr viele Soldaten die Waffen niederlegten und auf die Auszahlung ihres rückständigen Soldes mit Gewalt drangen. Casimir benutzte also den Todesfall seines ältern Bruders, um sich aus einem Spiele zu machen, von dem er sich nur Gefangenschaft oder noch größeres Unglück versprechen konnte; er verließ Bonn, nachdem er vorher jedem Reiter drei Gulden auf Abschlag gegeben und den Rest bald nachzuschicken versprochen hatte.

Jetzt schwand Gebhards Hoffnung, im Besitze des Churfürstenthums zu bleiben, immer mehr und mehr dahin. Dagegen langte der Herzog Ferdinand von Baiern, des neuernannten Churfürsten Ernst Bruder, bei der 9.000 Mann starken Armee des Erzstiftes an, und verstärkte dieselbe nicht nur mit 3.000 Mann Infanterie und 1.000 Reitern, welche unter dem General Hoheneck standen, sondern überbrachte auch die vom Papste Gregor XIII. zur Bestreitung der Kriegskosten ausgeworfenen 60.000 Thaler, so wie zugleich noch eine bedeutendere Summe Geldes, die der regierende Herzog von Baiern, Wilhelm V., ebenfalls dafür hingegeben hatte. Der Churfürst Ernst ernannte hierauf seinen Bruder Ferdinand zum Oberbefehlshaber der Armee des Erzstiftes, und ertheilte dem baierischen General von Hoheneck das Kommando über die Reiterei.

Graf Salentin von Isenburg fing nun im Anfange des Monats November an, Bonn von Neuem zu bestürmen, und benutzte dazu seine eigenen Truppen und andere Hülfsvölker. Damit die vorzunehmende förmliche Belagerung von Poppelsdorf aus nicht gestört werden möchte, griff der Graf von Aremberg dieses Schloß an, und brachte die darin verschanzten gebhardischen Truppen, einige hundert Mann stark, endlich zur Uebergabe. Ferdinand dagegen begann, nachdem er noch einige Truppen aus Baiern erhalten hatte, mit der Belagerung des Schlosses Godesberg, das Gebhard mit allerlei Gesindel besetzt hatte. Als auch dieses Schloß durch Sturm und Sprengung eingenommen war, und die reich besoldeten Truppen von keiner Winterruhe etwas wissen wollten, wurde die förmliche Belagerung Bonns vorgenommen. Am 21sten Dezember rückte man der Stadt näher und schloß sie so enge ein, daß beinahe alle Verbindung, sowohl auf der Land- als Flußseite, aufgehoben, und in Bonn der Mangel an Lebensmitteln, besonders an Salz und Holz, von Tag zu Tag drückender wurde, so daß man endlich die Häuser der Katholiken, welche die Stadt verlassen hatten, des Brennmaterials wegen niederriß. Alles dieses mußten die Bürger, die von einem Tage zum andern auf Rettung hofften, ruhig ertragen, da die Besatzung sehr zahlreich und in der Aufsicht streng war, und es ihnen auch an Waffen mangelte, die man früher aus Vorsicht hinweggenommen hatte. Dazu kam noch, daß im Stadtrathe Männer saßen, die der gebhardischen Sache zugethan waren, und sie zu befördern sich aus allen Kräften angelegen sein ließen. Unterdessen war man mit dem jenseits des Rheins zu Beuel frisch angelegten Bollwerke fertig geworden, und begann von dort aus die Stadt, besonders das am Rhein gelegene churfürstliche Zollhaus, die damalige Wohnung des Kommandanten Karl, heftig zu beschießen. Letzterer, der nun die Gefahr auf allen Seiten sich nähern sah, schrieb unaufhörlich an Gebhard, er möchte ihm doch mit Leuten, Lebensmitteln und Geld zu Hülfe kommen, wenn er nicht sehen wollte, daß das letzte Pfand des Erzstiftes aus seinen Händen gerissen würde. Heinrich von Braunschweig machte sich daher mit dem Grafen Adolph von Nuenar von der Armee bei Schönstein auf den Weg, um Karl 5.000 Mann und den nöthigen Vorrath von Proviant zu überbringen, so wie den Entsatz der Stadt zu wagen. Aber ihr Marsch ging nicht bis Bonn; bei Siegburg wurden sie vom Herzog Ferdinand, der von ihrer Sendung Nachricht erhalten hatte, unvermuthet angegriffen und beinahe völlig aufgerieben. Ihr ganzer Vorrath, bestehend in Waffen, Pulver und mehr als 45 mit Lebensmitteln beladenen Wagen, fiel den Belagerern in die Hände, und kam denselben so herzlich willkommen, daß er sie in Jubel und Freude versetzte, während in Bonn Trauer und Verzweiflung herrschte. Dieser Verlust benahm Gebhard allen Muth und alle Hoffnung, und veranlaßte ihn seinem Bruder Karl zu schreiben, daß er für seine Person besorgt sein und die Stadt, weil die Sache doch so gut wie verloren wäre, heimlich verlassen, jedoch vorher, wenn er es für nützlich hielte, noch den Versuch machen sollte, die Besatzung durch weitere, in einem zweiten Briefe enthaltene Versprechungen zur Ausdauer zu überreden. Beide Briefe fielen aber den Baiern in die Hände, und diese säumten nicht, den ersteren den Belagerten mit List in die Hände zu spielen. Dadurch brach unter denselben, der Absicht der Feinde gemäß, eine Verschwörung aus, welche die Uebergabe der Stadt bezweckte. Jedoch gelang es dem Befehlshaber Karl durch strenge Maßregeln und Drohungen die Ausführung zu hintertreiben.

Kurz darauf wagten sich, wohl bekannt mit der Stimmung der truchsessischen Soldaten, der Graf von Aremberg und mit ihm andere aus dem baierischen Lager bis an die Stadtmauern, und redeten dort die wachehabenden Soldaten an; sie brachten ihnen bei, daß Gebhard von dem Kaiser in die Acht erklärt worden wäre, und daß er sie, als dessen Soldaten, zugleich auf das schärfste hätte ermahnen lassen, die Waffen nicht gegen den neuen Churfürsten Ernst zu führen. Dieser kaiserliche Befehl wäre ihnen aber von ihrem Kommandanten wohlweislich verschwiegen worden; sie hätten gar keine Hoffnung, Hülfe, Lebensmittel und den rückständigen Sold zu erhalten, und sollten daher nicht säumen, die Stadt zu übergeben, damit es ihnen nicht erginge, wie der Besatzung zu Poppelsdorf und Godesberg, die das Schicksal gehabt hätte, wegen ihrer Halsstarrigkeit über die Klinge zu springen.

Diese Reden brachten einen solchen Eindruck hervor, daß die Besatzung ihren Kommandanten immer dringender um die Uebergabe der Stadt ersuchte. Es wurde endlich beschlossen, daß drei Soldaten aus der Besatzung nach Westphalen gehen sollten, um dort Kundschaft einzuziehen, ob man sich auf die vom Grafen Karl versprochene Hülfe, welche in Truppen, Proviant und Geld bestehen sollte, Hoffnung machen könnte. Aber einer der Abgeordneten kam bald mit der Nachricht zurück, daß aus Westphalen gar keine Hülfe zu erwarten wäre.

Diese niederschlagende Nachricht gab von Neuem Veranlassung zu heftigen Unruhen und hitzigen Streitigkeiten. Obgleich Karl seine Versprechungen hinsichtlich des Entsatzes erneuerte, so war doch der größte Theil der Besatzung jetzt nicht mehr geneigt, sich mit süßen Worten zu begnügen. Sie fingen daher an, Ernst und Gewalt zu gebrauchen, indem sie zu den Waffen griffen, den Grafen Karl, welcher eben eine Rede gehalten hatte, sammt mehreren Offizieren gefangen nahmen; einige ihrer Kameraden, die wegen Aufruhr im Gefängnisse saßen, befreiten, und sich der Regimentsfahnen und der Stadtschlüssel bemächtigten.

Hierauf verlangte die Besatzung einen Waffenstillstand und erbot sich, die Stadt unter gewissen Bedingungen zu übergeben, wenn ihr der Beweis geliefert würde, daß Gebhard seiner Würde entsetzt und in die Reichsacht erklärt, und daß Ernst von Baiern der wahre Erzbischof und Churfürst wäre. Dieser Beweis wurde am 25sten Januar 1584 geliefert. Schon am 26sten schritt man, nachdem die ganze Besatzung am Stockenthore auf den Stadtmauern geschworen hatte, alles das gut zu heißen, wovon ihren Abgeordneten vorgenommen würde, zur Abschließung der Kapitulation, welche am 28sten zu Stande kam und von beiden Theilen unterzeichnet wurde. Nach derselben sollte dem Erzbischofe Ernst nicht nur die Stadt, sondern auch der Graf Karl von Truchseß mit seinen beiden Obristen ausgeliefert werden; der Erzbischof verpflichtete sich dagegen, der Besatzung für ihren rückständigen Sold 4.000 Kronenthaler zu zahlen, und ihr zugleich mit Weibern, Kindern und Habseligkeiten freien Abzug und sicheres Geleit zu geben, unter der Bedingung, daß sie in drei Monaten wider den Churfürsten Ernst weder dienen, noch etwas mitnehmen dürften, was den Kirchen und Bürgern gehörte.

Am 29sten Januar wurde der Kommandant Graf Karl mit den beiden Obristen ausgeliefert und nach dem Schlosse Poppelsdorf in Verhaft gebracht. Am 30sten und 31sten erhielt die Besatzung die 4.000 Kronenthaler und die nöthigen Geleitsbriefe; am 1sten Februar rückte sie auf den Markt vor das Rathhaus, zerriß daselbst die noch vorhandenen drei Fahnen Gebhards, und übergab den Bevollmächtigten des Erzbischofs Ernst die Stadtschlüssel. Demnächst zog sie mit ihrer Habe aus, während zwei baierische Regimenter von der Stadt Besitz nahmen. Man untersuchte hierauf alle Magazine, Keller und Speicher, um den noch vorhandenen Vorrath auszumitteln, und nahm die in den Kerkern und auf dem Rathhause verwahrten Gefangenen vor. Unter diesen wurden viele als Ausreisser, Ruhestörer und Hochverräther in noch engern Gewahrsam gebracht, die gefährlichsten und am meisten schuldigen aber, und unter diesen auch zwei Bürgermeister von Bonn, die besonders auf Gebhards Seite gewesen waren, und sich gegen die kaiserlichen Befehle freventlich ausgelassen hatten, auf dem Markte aufgeknüpft.

Am 2ten Februar hielt der Churfürst Ernst mit seinem Bruder, dem Herzoge Ferdinand, und allen anwesenden Kriegsobristen, Rathen und Hofleuten, seinen feierlichen Einzug in Bonn; Jubel und Freude erscholl, wo er sich zeigte. Der Zug ging durch die ganze Stadt und endete in der Münsterkirche, wo der katholische Gottesdienst wieder eingeführt und der Vorsehung für die Befreiung Bonns der innigste Dank dargebracht wurde.

Während die Bürger Bonns sich nun bemühten, die beschädigten Häuser, Kirchen und Klöster wieder herzustellen, bestätigte ihnen der Churfürst Ernst am 19ten November 1585 zwar ihre Privilegien, weil Bürgermeister, Rath und Gemeinde, wie es in der im Stadtarchiv noch aufbewahrten Original-Urkunde heißt, dieses wünschten, besonders aber, weil die Stadt sich stets treu und gut bewiesen habe; was jedoch die Gewalt, die Bewachung der Stadtthore, die Schlüssel und Besatzung betrifft, so behielt sich solche der Churfürst wegen noch schwebender Kriegsunruhen vor.

Graf Karl Truchseß wurde von Poppelsdorf nach Bonn und von dort für einige Jahre nach dem im Hochstifte Lüttich gelegenen Schlosse Huy in Gefangenschaft gebracht. Gebhard aber begab sich mit seiner Gemahlin zuerst nach Holland zum Prinzen von Oranien, und dann, als er sich in seiner Hoffnung, von diesem oder von der Königin Elisabeth von England Hülfe zu erhalten, getäuscht sah, nach Straßburg, wo er Domherr war, und am 2ten Mai 1601 nach manchem trüben Tage starb.

Gebhard stammte aus einem eben so alten als vornehmen Geschlechte in Schwaben. Sein Vater, Graf Truchseß von Waldburg, und seine Mutter, eine Tochter des Grafen Friedrich von Fürstenberg, waren beide der katholischen Religion ergeben. — Auch Gebhard wurde in dieser Religion erzogen, und genoß allen Unterricht, der ihn zu einem wohlgesinnten, religiösen und tugendhaften Manne bilden konnte. Als er sich auf die Zureden seines Oheims für den geistlichen Stand entschied, war er noch sehr jung, daher er sich wohl nicht genug gekannt, und die Wichtigkeit dieses Standes nicht reiflich erwogen haben mochte. So kam es denn auch, daß er in mancher Hinsicht strauchelte, sobald er als selbstständiger Mann und Herrscher aufgetreten war. Viele glaubten, hier müßten unnatürliche Dinge gewirkt haben. Man streute aus, Gebhard sei durch den Schwarzkünstler Scotus, der sich damals am Hofe aufhielt, zu der Gräfin von Mansfeld mittelst eines Trugspiegels hingezogen worden. Erwägt man jedoch alles über Gebhard Mitgetheilte genau, so muß man ihn entweder für einen Heuchler halten, der Anfangs seine Leidenschaften wohl zu verbergen und so Alle zu täuschen wußte, oder man muß, was auch wohl wahrscheinlicher ist, die Triebfedern seines spätern Handeln einzig und allein in seiner Jugend und in geistiger Schwäche suchen, die ihn bei keinem guten Entschlusse beharren, Gelübde und Pflichten aus den Augen setzen, Ehrgeiz am unrechten Orte erwachen und kühnen Rathgebern unbedingt folgen ließ.

Achtes Kapitel.

Schenk von Nideck. Bonns zweite Belagerung und Wiedereroberung durch den Churfürsten Ernst. Sicherheits-Maßregeln für diese Stadt. Einführung der Jesuiten. Juden-Ordnung.

Mit Gebhards Vertreibung war indeß die Ruhe in Bonn nur für einige Jahre hergestellt; neue Stürme sollten bald den kaum entwölkten Horizont wieder verdunkeln. Einer jener kühnen Männer, deren das 16te Jahrhundert so viele besaß, Martin Schenk van Nideck, ein viel erfahrner Kriegsmann, hatte damals aus Mißvergnügen die Dienste des Herzogs von Parma verlassen und sich zum Grafen Adolph von Nuenar begeben, der nach seiner Achtserklärung in holländische Dienste getreten, und die Trümmer des gebhardischen Heeres gesammelt hatte. Beide beschlossen, sich durch nächtlichen Ueberfall wieder der Stadt Bonn zu bemächtigen, und versprachen sich einen um so günstigern Erfolg, da sie wußten, daß sich darin noch viele heimliche Evangelischen aufhielten. Zu diesem Zwecke nahm Schenk 200 Mann Infanterie und 100 Reiter und langte damit am 22sten Dezember 1587 unter dem Schutz der Nacht in Poppelsdorf an. Von hier schlich er sich mit seinen Vertrauten bis zum Rheinthore; während er an dasselbe eine Petarde anlegte, erregten seine Leute unter den damals in dieser Gegend außerhalb der Stadt in einem Stalle sich befindlichen Schweinen ein solches Grunzen, daß die wachehabenden Soldaten von Allem nichts gewahrten. Die Petarde wurde gegen drei Uhr Morgens angezündet und machte in das Thor und die Stadtmauer eine so große Oeffnung, daß Schenk mit seinen Leuten ganz gemächlich in die Stadt schreiten und das zweite Thor mit Beilen und anderen Instrumenten öffnen konnte.

Der Lärm, welcher hierdurch entstand, versetzte die Bürgerschaft in Unruhe und Bewegung. Man führte in Eile in die Rheingasse eine Kanone, und feuerte herzhaft auf die eindringenden Feinde, allein ohne Erfolg; denn die schenkischen Soldaten drangen wüthend durch die versammelte Bürgerschaft, sprengten mit Gewalt das Stockenthor, und ließen dort die bereit stehende Kavallerie ein. Als Schenk vernahm, daß sein ganzes Korps in der Stadt sei, setzte er sich zu Pferde, stellte überall Wachen aus, bemeisterte sich des größten Theils der Besatzung, und erlaubte dann seinen Soldaten auf bestimmte Zeit zu plündern. Von den Bürgern blieben zwar bei diesem Ueberfalle wenige, viele aber von der Besatzung.

Als nun Schenk sich so der Stadt bemächtigt hatte, ließ er dieselbe, in der Absicht, sie zu behaupten, aus den umliegenden Dörfern mit Proviant versehen und außer andern Befestigungswerken zu Beuel ein starkes Bollwerk aufwerfen. Darauf wandte er sich an mehrere Fürsten, um von ihnen für Gebhard, für welchen er Bonn eingenommen zu haben vorgab, Hülfe zu erhalten. Allein, obgleich er überall leer ausging, so machte er sich doch in dem Erzstifte Köln so furchtbar, daß auf den Rath des Herzogs von Cleve zwischen dem Churfürsten Ernst und ihm ein Waffenstillstand von acht Monaten zu Stande gekommen wäre, wenn nicht der Herzog Alexander von Parma diesen entehrenden Schritt verhindert hätte. Er versprach daher dem Churfürsten Ernst so viele Truppen zu schicken, daß ein solcher Vergleich unnöthig würde, unter der Bedingung, daß Ernst selbst die Belagerung Bonns leiten möchte, damit bei den Reichsfürsten keine weiteren Beschwerden geführt werden könnten, als ob der König von Spanien sich in die Reichsangelegenheiten mischte. Alexander that noch mehr; er sah wohl ein, wie viel dem Reiche sowohl, als der katholischen Religion an der Befreiung Bonns gelegen sein mußte, und schrieb daher nicht nur mit Erfolg an den spanischen Gesandten in Rom, Grafen Olivarez, daß er beim Papste Sixtus V. für den Churfürsten Ernst so viel Subsidiengelder auswirken möchte, als zur Errichtung eines Infanterie-Regiments und dessen Unterhaltung auf drei Monate erfoderlich wäre; sondern auch an den Gesandten zu Wien, Wilhelm von St. Clemens, daß er beim kaiserlichen Hofe auf die Achtserklärung gegen Schenk antragen möchte, damit die Reichsfürsten abgehalten würden, demselben mit Truppen ober Geld beizustehen.

Inzwischen hatte Schenk abermals mehrere Höfe um Hülfe angesprochen, aber auch jetzt mit demselben Erfolge. Der einzige Graf von Mansfeld versah ihn mit einiger Mannschaft, womit Schenk das kölnische Oberstift, und besonders die Gegend von Bonn durchschwärmte, während er diese Stadt unter seinem Kommandanten von Potlitz mit einer Besatzung von 3.000 lauter auserlesenen alten Soldaten besetzt hatte, die ihm in der Hoffnung reicher Beute nachgefolgt waren.

Im Anfange des Monats März langte der Obrist Gabriel Capizucht mit einer Escadron Kavallerie, 300 Wallonen und einem Theile des Regiments des Herzogs Gravin bei Bonn an, und während er die Umgegend vor den Ueberfällen der Besatzung schützte, traf auch der Prinz Karl von Croy und Chymai, des Herzogs von Arschott Sohn, mit sechs Regimentern spanischer Kavallerie und einigen Regimentern lothringer, lütticher, ober- und niederdeutscher Infanterie, so wie der Obrist Joh. Bapt. von Taxis mit einigen Kompagnien auserlesener Friesländer ein.

Die förmliche Belagerung Bonns, welche die schenkischen Soldaten durch furchtbare Ausfälle zu verhindern trachteten, wurde nun begonnen. Der Churfürst Ernst vertraute dem Prinzen Chymai die Leitung derselben. Im Kriegsrathe war man nicht einig, von welcher Seite der Angriff geschehen sollte. Taxis meinte, daß man denselben zuerst gegen die jenseits des Rheins gelegene Schanze richten müßte, indem dadurch den Belagerten die Zufuhr der Lebensmittel erschwert würde. Wie richtig diese Meinung auch war, so stimmte doch die Mehrheit dafür, daß der Angriff auf der linken Rheinseite beginnen sollte. Vom Bonnerberg und dem Wichelshofe aus geschah daher gegen den 20sten Mai, nachdem man die Laufgräben geöffnet hatte, der erste Angriff, wobei der Obrist von Taxis von einem schenkischen Soldaten erschossen wurde.

Während dieser Angriff und der zwei Tage darauf gemachte Versuch der Belagerten, das feindliche Geschütz zu vernageln, fruchtlos abliefen, Schenk aber das Glück hatte, in der Pfalz noch einige hundert Mann aufzutreiben und in die belagerte Stadt zu werfen, langte der vom Herzog Alexander von Parma abgesandte General Verdugo, Statthalter von Frießland, an, und vermehrte mit zwölf Kompagnien Infanterie, einem deutschen Regimente und einigen kleinen Kanonen die Streitmacht des Churfürsten Ernst. Nachdem Verdugo die Werke der Belagerer und der Belagerten in Augenschein genommen hatte, rieth er dem Prinzen Chymai, den Angriff zu ändern, die Stadt zwar blokirt zu halten, aber die Beueler Schanze jenseits Rheins mit Nachdruck anzugreifen, ein Rath, den auch der unglückliche Taxis gegeben hatte.

Diesem Rathe gemäß blieb eine Abtheilung des Heeres unter dem General Samblemont zurück, um die Stadt im Blokadezustande zu halten; die andere unter dem Prinzen Chymai und Verdugo setzte mit dem größten Theile des groben Geschützes über den Rhein, und begann die Außenwerke der erwähnten Schanze zu beschießen. Zwei Bollwerke waren in wenigen Tagen eingenommen, allein das dritte, welches größer und mit auserlesener Mannschaft besetzt war, erfoderte mehr Zeit, Mühe und Opfer. Der General Samblemont, der auf dem linken Rheinufer stand, erhielt daher den Befehl, dieses Bollwerk auch von seinem Standpunkte aus zu beschießen. Während dieser dem Befehle entsprach, ordnete der Prinz Chymai einen Sturm an, der vielen Menschen das Leben kostete und dennoch fruchtlos ausfiel, weil unter den Deutschen und Spaniern Eifersucht entstand und einer dem andern den Vorzug streitig machen wollte.

Man hielt hierauf für gerathener, die Laufgräben näher zu dem Bollwerke zu führen. Diese Arbeit wurde so rasch betrieben, daß man in einigen Tagen mit den auf dem Werke stehenden Schildwachen deutlich reden konnte. Die Besatzung wurde, bald durch Ueberredung dahin gebracht, das Bollwerk unter der Bedingung eines freien Abzugs zu übergeben. — Schenk, dem an dieser Schanze äußerst viel gelegen war, und dessen wiederholte Bitten um Hülfe abermals unerfüllt blieben, hatte allerlei vergebliche Versuche gemacht, die Belagerer von dort wegzuziehen, und gerieth auf die Nachricht von der Uebergabe des Forts beinahe in Verzweiflung.

Darauf setzte man die Belagerung Bonns mit noch größerem Ernste, als bisher, fort. Ohne Unterlaß wurde die unglückliche Stadt beschossen; der Kommandant wagte zwar von Zeit zu Zeit den Spaniern Schaden bringende Ausfälle, da er sich aber endlich zu sehr in die Enge getrieben sah und dabei vernahm, daß der Graf Peter Ernst von Mansfeld mit einem neuen Succurs spanischer Truppen heranziehe, von Schenks Seite dagegen keine Hoffnung zum Entsatze vorhanden wäre: so dachte er daran, bei Zeiten eine ehrenvolle Kapitulation zu schließen, die ihm bei Ankunft des Grafen von Mansfeld vielleicht beschwerlicher gemacht werden könnte. Die Besatzung war diesem Entschlusse nicht zuwider; um ihn mit größerm Scheine rechtfertigen zu können, fing man in der Stadt an, den noch vorhandenen Vorrath mit Fleiß zu verzehren. Am 26sten September wurde von den Belagerten die weiße Fahne ausgesteckt, und vom Kommandanten und Stadtmagistrate Abgeordnete ins Lager des Prinzen Chymai geschickt, um bei demselben einen freien Abzug für die Besatzung, und andere Bedingungen zu erwirken. Chymai, welcher fürchtete, daß ihm bei Ankunft des Grafen von Mansfeld die Ehre der Eroberung Bonns entrissen werden möchte, indem er diesem, als älterem General, den Oberbefehl bei der Belagerung hätte überlassen müssen, stimmte den Churfürsten Ernst für die Annahme des Vorschlags der Belagerten. Daher zog die Besatzung am 28sten September aus mit Ober- und Untergewehr, und mit aller Habe, aber mit zusammengewickelten Fahnen und ausgelöschten Lunten, ohne Haltung der gewöhnlichen Kriegsordnung und Rührung der Trommeln.

Bonn, welches ein halbes Jahr unter dem Uebermuthe und der Willkühr der schenkischen Soldaten geseufzt hatte, genoß jetzt wieder das Glück, seinen geliebten Churfürsten in seinen Mauern zu sehen. Dieser hielt noch am selbigen Tage in Begleitung des Prinzen von Chymai, des Generals Verdugo und der übrigen Kriegsobristen seinen feierlichen Einzug.

Ernst ließ hierauf seine Residenz durch weitere Fortifikationen, treue und wachsame Leute gegen ähnliche Ueberfälle sichern, und übertrug die Vertheidigung des Erzstifts Köln überhaupt dem spanischen Obristen Johann Manriquez de Lara, der an verschiedenen Plätzen Schanzen errichtete und dieselben mit spanischer Besatzung versah.182

Für die Bonner stellten sich nun wieder ruhige Tage ein; die zerschossenen Häuser und Stadtmauern wurden erneuert und die verwüsteten Kirchen und Klöster nach Möglichkeit wieder hergestellt.

Um diese Zeit führte auch der Churfürst Ernst in Bonn die Jesuiten ein, welche sich hier um den Unterricht sehr verdient gemacht haben. — Schon im Jahre 1586 hatte nämlich der Churfürst Ernst von dem Collegium in Köln einige Jesuiten begehrt, welche den Bürgern sowohl als der Besatzung von Bonn in geistlichen Sachen Hülfe leisten sollten. Zwei Patres wurden geschickt, sahen sich aber bald durch die schenkischen Unruhen genöthigt, die Stadt wieder zu verlassen. Einige Jahre nachher, als jene Mißhelligkeiten verschwunden waren, berief der Churfürst abermals Jesuiten nach Bonn, und wieß ihnen in der Nähe des Schlosses ein kleines Haus zur Wohnung an. Allmählig erweiterten sie dieselbe durch Ankauf eines anliegenden Hauses, erbauten daran eine Kapelle, und errichteten sich so, wie sie es nannten, eine Residenz. Im Jahre 1595 brachte der Herzog Ferdinand, Ernsts Vetter und Coadjutor, noch zwei Jesuiten aus Baiern mit, wovon er den einen zu seinem Beichtvater bestellt hatte. Um diese Zeit begannen die Patres in der Kollegiatkirche der Stadt zu predigen, und auf andere geistliche Weise den Bewohnern beizustehen; während ihnen ihr Unterhalt vom Hofe des Coadjutors gereicht wurde.183

Inzwischen wurde in Bonn die Ruhe in etwa durch einen Aufruhr gestört, welchen die Besatzung wegen ihres rückständigen Soldes erregte. Graf von Mansfeld, der statt des abwesenden Herzogs von Parma das Kommando in den Niederlanden führte, eilte daher nach Bonn, und stellte mit dem Churfürsten Ernst, der damals das Schloß Poppelsdorf bewohnte, durch Bezahlung des Rückstandes, die Ruhe wieder her. Eine ähnliche Unordnung fiel wegen derselben Ursache im Jahre 1594 vor, und wurde auf dieselbe Weise bald darauf beigelegt.184

Die übrigen Regierungsjahre Ernsts flossen für ihn, für Bonn und für das ganze Erzstift in Ruhe dahin.

In dieser Zeit kamen aber zu den Ohren des Churfürsten viele Klagen über den Wucher und das unanständige Benehmen der Juden im Erzstifte, und diese veranlaßten ihn am 1. September 1599 eine sogenannte Juden Ordnung zu erlassen, aus der wir das Wesentlichste hier ausheben.

Gemäß dieser Ordnung wurde den Juden nach eingeholter Erlaubniß die Niederlassung im Erzstifte, so wie auch mit Beschränkung gestattet, Gelder an die Christen zu leihen; jedoch durfte dieses nur auf bewegliche Güter, nicht aber auf unbewegliche geschehen, so wie ihnen auch der Kauf derselben und die Betreibung der Kaufmannschaft und der Handwerke, mit Ausnahme des Glaserhandwerks, verboten war. Sogar wurde ihnen bei Strafe aufgegeben, die bisher erworbenen liegenden Güter in 2 oder 3 Jahren für den gebührlichen Werth wieder zu verkaufen. Aus der ganzen Ordnung, besonders aber aus § 3. derselben geht hervor, daß die Juden ungeachtet des unter dem Churfürsten Wilhelm von Gennep erlittenen Ungemachs und ihrer darauf eingetretenen bessern Verhältnisse, doch im Benehmen gegen die Christen nicht das Maß der Klugheit beobachtet und die Christen jeden Standes auf mannichfache Weise gegen sich verstimmt hatten. Der § 3. lautet wörtlich:

Und demnach Uns vor diesen Clägten einkommen, als solten sich etliche Juden und jr Gesind, in nachbawrlichen Beiwohnungen mit den Christen und jrem Gesind fast übel und zänckisch verhalten, sonderlich aber den Christen an jrem Kirchengang und Gottesdienst ärgerlich und hinderlich erzeigt, deßwegen verspottet und verachtet, auch durch jre Unflätigkeit, so sie zu gemeinen Pützen tragen, dieselben verunreynet haben, so sollen sie sampt jrem Gesindt an denen Orthen, da die Christliche Kirchen ligen, oder der Christen gewöhnliche Processiones gehalten, und Gottesdienst verrichtet werden, nicht wohnen, sondern sollen sich anderstwo, und an denen Orthen auch, da sie jhre Wohnung angestellt (deßwegen sie dan jrer Gelegenheit nach mit den Christen in billigmaßige Weg dessen Haußzinß halb zu vergleichen, und in deme jhnen kein Ziel und Maß fürgesetzt würd) sich friedfertig, eingezogen und unstrafflich verhalten. Deren geclagten vor angedeuten Zanckerey, auch verächtlicher hönischer und spöttlicher Erzeigung gegen die Christen, deßgleichen deren Pütz und Bronnen Verwüstung, und aller anderer ungebürlichen Sachen gäntzlich müssigen, zu dem die Juden und Jüdinnen auch bey denen vier Hochzeitlichen und denen fürnehmsten hohen Festen, Procession und Feyer-Tagen auff der Straffen sich nicht finden lassen, sondern inheimisch in jren Häusern, alles bey Vermeidung Leibstraff verhalten.

Dabey gleichwol diß verordnet wirdt, daß kein Jud oder Jüdin mit den Christen unter einem Dach und Hauß wohnen, dan vielmehr sie, die Juden, auf Sonn- und Feyertagen, gleichs die Christen jhre Laden zuhalten, auf solche Zeit auch deß Schuldt Einmahnens, zu müssigen, wie gleichfalß sich deß Schauren und Waschens außerhalb jhren Häusern verbleiben zu lassen.185

Seit dieser Verordnung scheint sich in Bonn die sogenannte Judengasse gebildet zu haben, jedoch, wenn man die neue Juden-Ordnung vom Jahre 1700, welche der Churfürst Joseph Clemens erließ, ins Auge faßt, nur allmählich, denn in derselben heißt es noch:

Die Juden sollen ihre Wohnungen nicht zu nahe bei den Kirchen, sondern wenigstens vier Häuser davon, die Synagoge aber, damit der katholische Gottesdienst nicht behindert werde, noch weiter davon haben. Auch sollen sie bei keinem Christen unter einem Dache wohnen.

Daraus wäre nämlich zu schließen, daß die Juden in Bonn damals nicht einmal alle aus der Nähe der christlichen Kirchen gewichen, vielweniger in die gedachte Gasse gezogen waren. Indeß ist zu berücksichtigen, daß die Verordnung dem ganzen Erzstifte galt und wohl sicher für Bonn nicht nöthig war. Zwar sieht man an der Synagoge die Jahrszahl 1716 eingemauert, und dadurch könnte man auf den Gedanken kommen, als wenn dies die Entstehungszeit der Gasse und der Synagoge wäre. Allein diese Jahrszahl gehörte früher einem der Thore an, die zur Judengasse führten und welche später als diese, 1716 entstanden, mit Wachen besetzt, des Nachts und selbst am Tage bei christlichem Umgange geschlossen waren. Wir sind mithin der Meinung, daß die Judengasse und die Synagoge im Anfange des 17ten Jahrhunderts völlig entstanden, und dieses um so mehr, als es nicht denkbar ist, daß das Gebot von 1599 mehr als 100 Jahre in der churfürstlichen Residenzstadt unvollstreckt geblieben sein soll. — Es sind Viele, die glauben, die Juden hatten vor Erlaß desselben nur in der kleinen, mit dem Namen Judengäßchen belegten Straße gewohnt; diesem widersprechen aber Andere, welche angeben, daß diese Straße ursprünglich Gudenauer Straße hieß, von dem Gudenauer Hofe, der jetzigen Posthalterei. Diese Aussage ist nicht ohne Grund. Uns scheint es auch, daß die Juden früher wie jetzt, natürlich nicht so glänzend und angesehen, zerstreut in der Stadt umher gewohnt haben, und dann kann auch das Gerücht, daß die erste Synagoge in der Rheingasse gestanden, nicht unwahrscheinlich sein.

Neuntes Kapitel.

Dreißigjähriger Krieg. Churfürst Ferdinand. Erbauung eines neuen Schlosses. Churfürst Maximilian Heinrich. Franzosen besetzen Bonn. Belagerung und Uebergabe desselben. Friede. Wahl des Kardinals von Fürstenberg zum Coadjutor des Churfürsten Maximilian Heinrich.

Nach dem Tode des Churfürsten Ernst, der zu Arnsberg im März 1612 erfolgte, bestieg sein Vetter und Coadjutor Ferdinand, ebenfalls ein baierischer Herzog, den kölnischen Stuhl. Unter diesem guten und geliebten Fürsten186 brach der 30jährige Krieg (1618 — 1648) aus, in dessen Folge sich auch wieder über Bonn und das ganze Erzstift gewitterschwangere Wolken zusammen zogen, deren Entladung aber Ferdinand aus allen Kräften zu verhindern suchte.

Dieser Krieg, der für ganz Deutschland höchst verderblich war, nahm im Jahre 1618, von Böhmen ausgehend, seinen Anfang, wo nämlich die Evangelischen zwischen sich und den Katholiken keinen Unterschied mehr wissen, der Kaiser aber diesem Wunsche nicht genügen wollte. Die Böhmen hierüber aufgebracht, belagerten denselben sogar in seiner Burg zu Wien, und wählten, als die Belagerung nutzlos abgelaufen war, sich einen eigenen König in die Person des Pfalzgrafen Friedrich V., der eitel und unvorsichtig genug war, diese gefahrvolle Krone anzunehmen. Nachdem der Kaiser Ferdinand II. Baiern, Spanien und die Churfürsten von Sachsen, Mainz, Trier und Köln für seine Sache gewonnen, und gewiß war, daß von Seiten Spaniens die pfälzischen Länder durch den General Spinola besetzt wurden, ließ er seine Schaaren unter dem Oberkommando des Herzogs Maximilian von Baiern gegen den gewaltsam eingeschobenen König vorrücken. Zwischen beiden Parteien kam es auf dem weißen Berge bei Prag am 8ten November 1620 zur Schlacht, in der Friedrich besiegt, Ferdinand aber als Herr über Böhmen wieder anerkannt wurde. Hiermit war aber der Krieg noch keineswegs beendigt. Mehrere Anhänger des flüchtigen Königs, Ernst von Mansfeld, Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach und Herzog Christian von Braunschweig, traten jetzt für ihn und für die neue Religion mit einem furchtbaren Heere auf den Kampfplatz. Das Glück wendete sich jedoch immer auf die Seite des Kaisers, dessen Heer Graf Tilly, der berühmte baierische Feldherr, kommandirte. Während so einer den andern verfolgte, stand der Unterrhein ganz offen, und dieses benutzten die Generalstaaten von Holland, die der evangelischen Union beigetreten waren. Es drangen 3.000 ihrer Krieger, unter dem General von Hatzfeld bis Bonn vor, setzten sich auf der Rheininsel bei Rheindorf187, die sie mit Festungswerken und Kanonen versahen, und beunruhigten die Schifffahrt, den Handel und die umliegenden Oerter durch Auflagen so sehr, daß der Churfürst Ferdinand von Köln und andere Fürsten sich genöthigt sahen, zur Einstellung dieses Benehmens bei den Generalstaaten sich zu verwenden.

Als im Jahre 1622 die Besatzung dieser Insel noch fortdauerte, und die Generalstaaten sich auch ungeachtet der Ruhe und des Waffenstillstandes zwischen der katholischen Ligue und der evangelischen Union, immer mehr zum Kriege ausrüsteten, übertrug Spinola, der noch fortan in der Pfalz stand, das dasige Kommando dem Grafen Gonzalez, und suchte sich des Unterrheins zu bemächtigen. Der Graf Heinrich von Berg erhielt den Auftrag, die Holländer von der Insel bei Rheindorf zu vertreiben, und diese selbst zu besetzen. Dies war eine schwierige Aufgabe; denn die Holländer setzten sich tapfer zur Gegenwehr und schlugen mehrere Angriffe muthig zurück, wodurch die Belagerung auf mehr als fünf Monate fortdauerte. Endlich erfolgte am Anfange des Jahrs 1623 die Uebergabe, worauf die Besatzung sich zu Schiffe zum Rückwege anschickte.

Die Bonner Gegend blieb indeß noch immer von der Geißel des 30jährigen Krieges leidlich verschont, während die Provinz Westphalen durch die Züge des Ernst von Mansfeld, zu dem sich auch der König Christian von Dänemark gesellt hatte, und durch die Gegenzüge des kaiserlichen Generalfeldmarschalls, Grafen von Tilly, so wie die jülich-bergisch-clevisch und märkischen Landen durch die Holländer schrecklich verwüstet wurden.

Unterstützt von seinen Verbündeten, besonders aber von dem eben so geheimnißvollen als furchtbaren Herzoge Albert von Wallenstein, trug indeß der Kaiser überall den Sieg davon, jagte den König von Dänemark wieder in sein Reich, und schloß mit demselben später am 12ten Mai 1629 einen vortheilhaften Frieden.

Nun schien der Friede, da kein Feind dem Kaiser mehr gegenüber stand, in Deutschland wieder einheimisch zu werden. Aber leider erließ Ferdinand II., welcher überall die neue Religion zu vertilgen strebte, am 6ten März 1629 das berühmte Restitutionsedikt, gemäß welchem die Evangelischen alle geistlichen Güter, die sie inne hatten, herausgeben sollten. Während dieses Edikt schon an vielen Orten in Vollzug gesetzt wurde, kam den Bedrängten eine ganz unerwartete Hülfe. Gustav Adolph, König von Schweden, landete nämlich mit 15.000 Mann am 4ten Juli 1630 an der Insel Rügen, und nahm sich, gegen den Kaiser schon früher feindlich gesinnt, der Sache der Evangelischen an. Man spottete Anfangs, wie zu denken, dieses kleinen nordischen Monarchen, und nannte ihn verächtlich den Schneekönig. Aber die Thaten seiner Waffen und sein Anhang in Deutschland setzten bald an die Stelle des Spottes hohe Bewunderung, besonders, da er über den nie unterlegenen Tilly in der am 17ten September 1631 zu Leipzig Statt gefundenen Schlacht den Sieg davon trug. Die Früchte eines zwölfjährigen Kampfes wurden dem Kaiser durch diese einzige Schlacht geraubt; in dieser Lage, die noch durch die Gefahr, welche seinen Erbländern bevorstand, verschlimmert wurde, berief Ferdinand den inzwischen entlassenen Herzog von Friedland, Albert von Wallenstein, abermals zur Hülfe. Dieser, bald wieder mit einem furchtbaren Heere ausgerüstet, rückte Gustav Adolph entgegen, und es kam zwischen beiden zu Lützen am 16ten November 1632 zu einer blutigen Schlacht, in welcher der schwedische Held von einer Kugel getroffen, sein großes Leben aushauchte.

Bevor Gustav Adolph den Heldentod starb, hatte der Churfürst Ferdinand von Köln durch Vermittlung des Königs Ludwig XIII. von Frankreich zwar mit ihm am 27sten October 1632 einen Neutralitäts-Traktat abgeschlossen; allein da der Schwedenkönig merkte, daß Ferdinand heimlich noch immer für die kaiserliche Partei gestimmt war, so trug er seinem General Baudissin, während er die Pfalz und den obern Rheinstrom heimsuchen wollte, auf, sich des untern Rheinstroms zu bemächtigen. Nun rückte die Gefahr auch für Bonn und das Kölner Land überhaupt heran, besonders da Wilhelm von Hessen das Herzogthum Westphalen überzog.

Churfürst Ferdinand schrieb hierauf einen Landtag nach Köln aus, stellte den Landständen die dem Erzstifte drohende Gefahr vor, und erhielt von diesen die Summe von 200.000 Rthlr., um damit die Truppen des Erzstiftes zu verstärken, und die nöthigen Kriegsgeräthe anzuschaffen.

Die hierauf verstärkten und neugebildeten Regimenter wurden in der Gegend Bonns versammelt, um für den Fall der Noth der Residenzstadt hinreichenden Schutz zu gewähren.188 Der Graf von Pappenheim, welcher die Armee der katholischen Ligue befehligte, sandte dem Churfürsten sechs Regimenter, um damit das Erzstift zu decken; während zu gleichem Zwecke auch spanische Truppen in dasselbe einrückten.

Ungeachtet dieser Kriegsmacht rückte der schwedische General Baudissin mit einem ansehnlichen Korps schwedischer und englischer Völker durch den Westerwald in das Kölner Land ein, eroberte und plünderte trotz aller Gegenwehr der erzbischöflichen Truppen außer den anliegenden Ortschaften, Andernach, Linz, Remagen, Apollinarisberg, Oberwinter und die Insel Rolandswerth mit dem Kloster, ging aber an Bonn, von dessen guter Verfassung er Kunde erhalten, vorüber, und plünderte und verwüstete dafür wieder die beiden freiadlichen Stifte Vilich und Schwarzrheindorf nebst der ganzen Gegend bis Siegburg, das er einnahm; so daß man von Bonns Mauern aus mit nicht geringem Schmerz manches Nützliche, Schöne und Erhabene in Rauch und Flammen aufgehen sah.189

Während Baudissin von Siegburg aus seinen Zug bis Deutz, Mülheim u. s. w. fortsetzte, langte die Nachricht von dem Tode des Schwedenkönigs auch hier an, und erregte die fröhliche Hoffnung, daß nun der lang ersehnte Friede zu Stande kommen werde. Aber die Schweden, denen der Plan ihres hingeschiedenen Königs heilig war, setzten wider Erwarten ihre Unternehmungen fort, und so war die Gefahr für hiesige Gegend weniger verschwunden, als vergrößert.

Bei diesen trüben Aussichten suchte der Churfürst Ferdinand sich auf die beste Art zur Wehr zu setzen, und bat zu diesem Behuf die Gouvernantin Isabella in Brüssel um Ueberlassung mehrerer Regimenter Spanier. Mit einem Theil dieser Hülfsvölker wurde unter Kommando des spanischen Obristen, Grafen von Isenburg, ein Zug an den obern Rhein gemacht, während der Rest, unter dem Obristen von Westphalen sich in Deutz legte, zu dessen größern Sicherheit auch noch die Stadt Köln eine Kompagnie Infanterie stellte.

Indeß gingen die Jahre 1633 und 1634, in welchem letztern der Herzog Albert von Wallenstein am 25sten Februar ein Opfer seines Ehrgeizes wurde, für Bonn und seine Umgegend ohne traurige Folgen vorüber, obgleich rings umher die Unruhen des Krieges manche heiße Thräne herauspreßten. Diese Ruhe benutzte Churfürst Ferdinand dazu, seine Residenzstadt Bonn mit einem neuen Schlosse zu versehen, wahrscheinlich, weil das von Salentin erbaute während des truchsessischen Krieges sehr gelitten hatte, und daher den Anfoderungen nicht mehr entsprechen mochte.190

Während dieser Bau unternommen und kräftig befördert wurde, trug der Sohn des Kaisers, der römische König Ferdinand, bei Nördlingen am 7ten September gegen die Schweden und ihre Verbündeten einen glänzenden Sieg davon.

Auch im Kölner Lande wollte man dem Feinde kräftig die Spitze bieten, denn der Marquis de Celada hatte sich inzwischen mit 1.600 Reitern und 3.000 Mann Infanterie mit dem General Bönninghausen an die Armee des Erzstiftes angeschlossen, die unter dem Befehle des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Neuburg und des Grafen Philipp von Mansfeld stand. Dadurch getrauten sich die Schweden und ihre Verbündeten schon nicht, der Umgegend Bonns sich zu nähern; aber nun stieß auch noch der Kardinal Infant Ferdinand mit einem Korps von 8.000 Mann zu Fuß und 4.000 zu Pferde dazu. Dieser kam am 18ten Oktober 1634 in Bonn an, und wurde vom Churfürsten Ferdinand, dem Churfürsten zu Mainz, Anselm Casimir Wambold von Umstatt, der sich hieher wegen der Unruhen geflüchtet hatte, und von andern geistlichen und weltlichen Fürsten auf das feierlichste empfangen und am 21sten Oktober nach Köln begleitet, von wo er seine Reise nach den Niederlanden fortsetzte.191

Da langte die Nachricht von dem bei Nördlingen errungenen Siege auch hier ein, und belebte Alles mit der Hoffnung, daß nun ein allgemeiner Friede zu Stande kommen werde, besonders, da die meisten evangelischen Reichsfürsten dem Prager Frieden beigetreten waren, und sich mit dem Kaiser ausgesöhnt hatten. Doch leider, Frankreichs Einfluß gab dem Ganzen eine andre Richtung, und der Krieg brach aufs Neue mit aller seiner Wuth und Grausamkeit aus. Frankreich, an des Kaisers Noth sich labend, wollte sich, wie Schweden, mehrere Theile Deutschlands aneignen; es verband sich daher mit der nordischen Macht, und rückte offen gegen die Deutschen zu Felde. Während der Herzog Bernhard von Weimar ihnen ein erwünschter Helfer wurde, in der heimlichen Absicht aber, sich selbst am Rheine ein Land zu erkämpfen, war die Stadt und Festung Siegburg noch immer mit Schweden besetzt, die alle Anstrengungen der erzstiftischen Soldaten, sie zu verdrängen, glücklich abschlugen; bis sie endlich der Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg im Monat Oktober 1635 zum Abzuge zwang.

In Bonn war gegen Ende dieses Jahrs eine nicht geringe Bewegung; denn der spanische Obrist Marquis de Grana lud alle Beamten der jülich-clevisch und bergischen Länder in dieser Stadt vor, um zur Unterhaltung des kaiserlichen Heeres und der verbündeten spanischen Völker einen angemessenen Beitrag an Geld zu leisten.192

Außerdem, daß auf diese Weise die Kraft der umliegenden Länder erschöpft, und die Umgegend Bonns durch Streifzüge befreundeter und feindlicher Völker plündernd heimgesucht wurde, fing es nun auch an, auf den Landstraßen unsicher zu werden. Dieses empfand auch der westphälische General von Bönninghausen, der in Begleitung von 40 Reitern den Marquis de Grana zu Bonn besuchen wollte; er wurde bei Godorf von einem holländischen Korps überfallen, und entging nur dadurch der völligen Plünderung und der Gefangenschaft, daß er sich eiligst nach Wesseling flüchtete, und dort von einem Bauer so gut versteckt wurde, daß alles Nachsuchen vergeblich war.193

Während in dem übrigen Deutschland die Verheerungen fortdauerten, gingen für Bonn und das Erzstift Köln überhaupt die Jahre 1636 bis 1641 nur mit Hin- und Herzügen der kaiserlichen und alliirten Truppen, unter den Generalen Johann von Werth, Gallas, Piccolomini und andern, natürlich nicht ohne Opfer, vorüber. Diese Opfer waren besonders zur Zeit des Winters beträchtlich, wo einer dem andern die Lager streitig machte, und die Truppen dadurch zu Excessen Anlaß bekamen.

In diese Zeit fällt auch die fanatische Wuth, welche die besten Köpfe verwirrte, indem sie dem Teufel eine Willkühr und Kraft beilegten, daß er auf der Oberwelt Werbungen anstellen und Bündnisse abschließen könne. Tausende von Schuldlosen wurden deshalb eines solchen Bündnisses beschuldigt, und unter dem trügerischen Scheine der Ehre Gottes unter entsetzlichen Martern hingerichtet. Ob dieses unmenschliche Verfahren, wie in Siegburg und andern Nachbar-Oertern, auch in Bonn Statt fand, haben wir bisher nicht ermitteln können, vielleicht deshalb, weil die frühern Landesregierungen darauf bedacht waren, die Protocolle über die Hexenprozesse einzufodern und zu unterdrücken, damit die Beweise des Aberglaubens unserer nahen Vorfahren wo möglich verborgen blieben. Es steht aber hier noch ein Gebäude jener Zeit, das jetzt zum Strafgefängniß der Garnison benutzt wird, und wegen seines Namens: Hexenthurm und seiner sorgfältigen Befestigung mittelst dicker Mauern und eiserner Stangen wohl dafür sprechen könnte. Außerdem ist schwerlich in Abrede zu stellen, daß jene Schwärmerei nicht auch in Bonn Eingang fand; wenigstens bestand hier unter vielen Einwohnern die Gespensterfurcht bis in unser Jahrhundert fort. So lief am Kölnthore ein Hase, den kein Schuß erlegen konnte; in der Stadt ging ein Malzthier umher, das sich den Leuten oft auf den Rücken hing und furchtbar brüllte; an der Jesuitenkirche erschien mitunter ein Jesuit ohne Haupt; am Schlosse beängstete ein schwarzer mit Ketten beladener Hund, mit glühenden Augen, die Vorübergehenden, und es rollte ein Wagen um Mitternacht durch verschlossene Thore auf Poppelsdorf zu. Alle diese Erscheinungen, alle Geldflämmchen und Rückkehrungen der Todten sind nun dahin, der Macht der Aufklärung gewichen. — Es theilte uns aber auch ein noch lebender 80jähriger Greis mit, daß sein Großvater ihm oft erzählt habe, wie er einmal als Knabe eine bejahrte Frau, welche der Hexerei beschuldigt gewesen, in diesen Thurm habe führen sehen, die jedoch später als unschuldig erkannt, wieder entlassen worden sei. — Aus dieser Erzählung ist also zu folgern, daß man zwar auch hier dem Teufel eine übernatürliche Kraft beigelegt habe, in den Hexenprozessen selbst aber mehr den Verstand walten ließ, so daß nicht wie an andern Orten ein Fleckchen am Leibe schon den Verdacht eines Höllenbundes erregte, der dann Qual und Tod zur Folge hatte.

Was die Güter der Hingerichteten und die Männer betrifft, die diesem Unwesen zuerst kräftigst entgegen arbeiteten, so heißt es darüber in einem Beitrage zur Geschichte der Hexereien im Erzstifte Köln194 wie folgt:

Die Güter der Verbrannten wurden confiscirt, und Richter und Beichtväter erhielten nicht nur ihre Zahlung vom Kopfe, den sie verdammten und zum Tode bereiteten; sondern schlossen jede Execution mit einem herrlichen Schmause aus des Verdammten — Blute: wundert man sich noch, daß es so unsäglich viele Mühe kostete, die Scheiterhaufen auszulöschen? Am ersten fingen die Jesuiten an, gegen das Unwesen aufzustehen. Der Name Tannerus, den unser ehrlicher Pater Spee195 nie ohne einen Lobspruch nennt, bleibe hier aufbewahrt! Er schrieb etwas frei über diese Materie und ein Paar Inquisitoren eines großen Fürsten schwuren ihm Folter und Flammen.

Zu diesen unseligen Handlungen gesellten sich für das kölnische Land im Verlaufe des 30jährigen Krieges neue Besorgnisse. Die Schlacht auf der Hülster Heide im Jahre 1642 endete für den neuen Kaiser Ferdinand III. um so unglücklicher, als zwei seiner Generale, Lamboy und Franz von Mercy, in die Gewalt der Feinde geriethen.

Die Besorgniß für Bonn wurde noch gesteigert, als die hessischen Truppen, welche in Westphalen eingefallen waren, sich mit den Siegern vereinigten, und mit aller Geschwindigkeit Herr über mehrere Oerter des niedern Erzstiftes wurden. Der kaiserliche General, Graf von Hatzfeld, beeilte sich daher, Bonn nicht allein mit weitern Festungswerken zu versehen, sondern zog daselbst auch alle seine Truppen zusammen; so daß die kölnische Armee, nachdem der General Wahl mit einigen baierischen Regimentern, und der General Behlen mit 2.000 Mann Infanterie und 1.500 Reitern aus Westphalen hinzugestoßen war, sich auf 20.000 Mann belief;196 groß genug, um den Feind von Bonn abzuhalten.

Dafür setzte dieser aber seine Ueberfälle in den übrigen Theilen des Kölner Erzstiftes fort, und obgleich er stets von seinen Gegnern geschlagen wurde, so konnte der Churfürst Ferdinand doch nicht wegen des Schicksals seiner Unterthanen beruhigt werden. Daher wendete er sich an seinen Bruder, den Churfürsten Maximilian in Baiern, und ersuchte diesen, mit dafür zu stimmen, daß in Mainz ein Churtag abgehalten, und darauf zur Sprache gebracht werden möchte, wie die Gefahr, welche dem ganzen Rheinstrom drohe, abgeleitet werden könnte. Doch dieser Churtag lief ohne Erfolg ab; inzwischen verließ aber auch der Feind, außer der Besatzung der Oerter Neus, Kempen und Linn, das Erzstift, und nahm seine Richtung auf Sachsen. Diese Besatzungen machten mitunter verheerende Ausfälle, und wurden, als der kaiserliche General von Geleen im Jahr 1645 viele Truppen aus dem Erzstifte zu andern Operationen verwendet hatte, so kühn, daß sie plündernd bis in die Gegend von Bonn vordrangen, und viel Dörfer in Brand steckten. Diese Züge dauerten bis ins Jahr 1647 fort, obgleich der hessische General Raabenhaupt von dem churkölnischen Generalmajor Spaar nicht selten in die Flucht geschlagen wurde.

Die Noth wurde indeß überall mit jedem Tage größer, und man fürchtete sogar, daß der Kriegsschauplatz in das Erzstift Köln verlegt werden solle, da um diese Zeit die schwedische Armee, welche im Paderbornischen operirt hatte, sich dem Rheine näherte. Im Monat Mai 1646 wurden daher in Bonn verschiedene neue Schanzen, und der Stadt gegenüber auf der rechten Rheinseite ein so großes Werk angelegt, daß darin wohl eine ganze Armee hätte liegen können; darauf führte der General-Feldzeugmeister von Dehlen einige Regimenter aus Westphalen hierher, und ein Gleiches that auch der General Melander, indem er aus allen Garnisonen so viele Truppen nach Bonn berief, als nur immer entbehrt werden konnten.197

Mit dem Jahre 1647 lebte aber die Hoffnung des Friedens wieder auf, da zwischen Frankreich, Schweden und Hessen einer Seits, und den Churfürsten von Baiern und Köln anderer Seits ein Waffenstillstand zu Stande kam, gemäß welchem der Feind das kölnische Land räumen sollte. Allein die hessischen Generale Raabenhaupt und Königsmark trieben ihre Streifzüge, als wenn jener Vertrag nicht vorhanden sei, wie früher fort, und fügten dadurch dem Erzstifte und den Hochstiftern Paderborn und Münster, wo Ferdinand zugleich die bischöfliche Würde bekleidete, nicht wenig Schaden zu. Ueber diese Verletzung des Bündnisses wurde derselbe so sehr gereizt, daß er unterm 5ten August von Bonn aus Schweden und Hessen den Waffenstillstand aufkündigte, und die kaiserlichen Hülfstruppen, die er in Folge dieses Vertrags entlassen hatte, unter dem General von Lamboy wieder ins Erzstift berief, der mit einer starken Armee zwischen Bonn und Köln ein Lager bezog, und mitunter gegen die Hessen zu Felde rückte. Doch war dieser nicht immer im Treffen glücklich; so daß der hessische General Geiß im August 1648 sogar bis in die Gegend Bonn vordringen, groß Auflagen machen, und darauf ungestört zurückziehen konnte.198

Endlich nahm der 30jährige Krieg am 24sten Oktober 1648 in Folge des westphälischen Friedensschlusses sein Ende, und Aller Herzen, durch die langen Drangsalen ermattet, lebten fröhlich wieder auf. Allein der Friede kam dem Churfürsten Ferdinand von Köln sehr theuer zu stehen, da er zur Wegschaffung der hessischen Soldaten mit dem Erzstifte Mainz und der Abtei Fulda die Summe von 600.000 Rthlr. in neun Monaten zahlen mußte.

Unerachtet der 30jährigen Unruhen ließ Ferdinand sich die Verbesserung der gesunkenen Sitten seines Clerus sehr angelegen sein. Im Jahre 1613 führte er in seine Residenzstadt die Capuziner, darunter den Pater Ferdinandus, einen gebornen Bonner und berühmten Prediger, ein, und wies ihnen, bis sie sich mit seiner Hülfe ein andres Lokal erbaut hätten, die Gertrudskapelle zum Gottesdienste und den anliegenden Convent zur Wohnung an. Darauf verpflanzte er im Jahr 1624 die Franziskaner hieher, und auch diese erhielten, da inzwischen die Capuziner ausgezogen waren, jene Kapelle und den Convent so lange ein, bis sie sich nach Verlauf von 20 Jahren ein neues Kloster erbaut hatten; wozu der Churfürst ansehnlich beitrug. Auch standen einig Nonnen des Capuzinessen-Ordens bei Ferdinand darauf an, sich in Bonn klösterlich niederlassen zu dürfen. Der Stadtrath und die Bürger sahen jedoch diese Ansiedlung nicht gerne; indeß erlaubte der Churfürst auch diesen den Eingang und schickte zu deren Abholung sogar einen seiner Hofwagen nach Köln, während die, diesem Orden sehr gewogene Frau Agathe von Rensing, geborne Hemmermann, ihnen zum Empfang entgegen fuhr. Diese Geistlichen bezogen für 2 Jahre in der Wenzelstraße die jetzige ehemalige Hofapotheke und errichteten sich demnächst, durch Beiträge des Churfürsten und anderer Gönner unterstützt, ein schöneres Kloster an der Kölnstraße.199

Die Jesuiten aber, welcher wir schon früher gedacht haben, erbauten sich am Markte in den Jahren 1648 und 1649 ein Kollegium mit einer Kirche, und wurden bei diesem Unternehmen durch den Churfürsten und dessen Coadjutor, Maximilian Heinrich aus Baiern, so wie durch die Freigebigkeit anderer Wohlthäter unter die Arme gegriffen. Im Februar des Jahres 1650 zogen sie mit großer Feierlichkeit, welcher nicht nur der Churfürst Ferdinand, sondern auch der Bischof von Osnabrück beiwohnten, aus der alten Residenz in die neue Kirche und Wohnung ein. Noch in demselben Monate erhob ihr Provincial, Franz Piccolomini, ihre Residenz zu einem Kollegium, und gab diesem einen Rector. Sie zählten damals sechs Priester und zwei Brüder.200

Churfürst Ferdinand genoß indeß nicht lange die so theuer erkauften Früchte des westphälischen Friedens; er starb, betrauert von seinen Unterthanen, im Jahre 1650 am 13ten September im 73sten Jahre seines Alters, nachdem er vorher seinen Nachfolger und Vetter, Maximilian Heinrich von Baiern, den in Bonn versammelten Landständen vorgestellt hatte. Unter den Lobsprüchen, welche ihm im Leben und Tode gezollt wurden, mag folgender von Streversdorf201 hier eine Stelle finden:

Ferdinand war ganz deutsch und aufrichtig gesinnt, für Gott und den alten Glauben; für den Kaiser, das Reich und das Vaterland geneigt, hat er auf seine Kosten viele tausend Mann geworben und unterhalten; viele Kirchen erbaut und würdevoll geziert: sein Wahlspruch war nicht unrecht, ganz eines Fürsten würdig: Das Heil meines Volkes soll mein Gesetz sein.

Maximilian Heinrich trat nun die Regierung des Churfürstenthums Köln an, und las nicht nur seine erste Messe zu Bonn am 24sten September 1651 in der Hauptpfarrkirche St. Remigius, sondern empfieng auch daselbst am 8ten October die Salbung; — zwei festliche Begebenheiten, welche sich vielleicht niemals in dieser Stadt ereigneten, und daher auch mit besonderer Pracht in Beisein sämmtlicher Prälaten des Erzstiftes Köln begangen wurden.202

Unter diesem Fürsten führte im Jahre 1664 eine gewisse Dame Duplessis mit zwei andern Geistlichen aus dem Kloster Nomeny in Lothringen die sogenannte Congregation de Notre-Dame in Bonn ein. Diese fingen gleich an, mit Hülfe der beiden Novizen Anna Hedwig Buschmann, Theresia Billerbeck, und deren Familie, so wie durch Beisteuer der Frau Marquisin de Grana, auf dem käuflich erworbenen sogenannten Blankenheimer Erbe, in der Nähe des Kölnthors, ein Kloster und eine Kirche zu bauen, und nach Vollendung dieses Baues, darin öffentlichen Unterricht zu ertheilen; so daß die Stadt diesen Damen vieles zu verdanken hatte.203

Durch die Bemühungen des Churfürsten Maximilian Heinrich schenkte das Haus Baiern dem Erzstifte eine Summe von 1.600.000 Gulden, die es demselben während des truchsessianischen Krieges vorgeschossen hatte. Aber dieser Fürst bereitete auch für Bonn und das ganze Erzstift schlimme Zeiten, weil er sich dem Beispiele seines Stammhauptes, des Churfürsten von Baiern, so wie dem Rathe des Kardinals Wilhelm Egon von Fürstenberg, seines Ministers, folgend, an den König von Frankreich, Ludwig den XIV., anschloß, und dadurch in verschiedene Reichskriege verwickelt wurde, die ihren verderblichen Arm leider auch wieder über Bonn ausstreckten.

Ludwigs Absichten gingen unabläßig dahin, die deutsche Kaiserkrone dem östreichischen Hause zu entziehen, und sich dieselbe aufs Haupt zu setzen. Als dieses jedoch nicht gelang, und Leopold I. am 18ten Juli 1658 zum Kaiser erwählt wurde, auch der rheinische Bund, den Frankreich mit Schweden, Mainz, Köln, Pfalz Neuburg, Hessenkassel und den drei Herzögen von Braunschweig am 14ten August des zuletzt genannten Jahrs zur Aufrechthaltung des westphälischen Friedens, eigentlich aber gegen das Haus Oestreich zu Stande brachte, nach Verlauf von einigen Jahren sich auflöste, so fing Ludwig an, seine Augen auf die spanischen Niederlande, und als er einen Theil davon erobert hatte, auf die Generalstaaten von Holland zu richten, deren gänzliche Demüthigung und Eroberung er deshalb beschloß, weil sie ihm stets im Wege standen.

Bevor er gegen Letztere losbrach, verfiel Maximilian Heinrich mit der Stadt Köln in Streitigkeiten, die wir in Kürze angeben müssen, da sie denselben nicht wenig gegen Holland erbitterten, und vielleicht dazu beitrugen, daß er sich an Frankreich anschloß.

Als im Jahre 1669 mehrere Reichsstädte, wie Erfurt, Münster, Braunschweig und Magdeburg die Oberherrschaft ihrer Fürsten anerkennen mußten, gerieth die Stadt Köln in Furcht, daß Maximilian Heinrich ein gleiches Ansinnen an sie stellen und endlich dasjenige erlangen würde, worüber seine Vorgänger so viele nutzlose Kriege geführt hatten. Köln setzte sich daher in Vertheidigungsstand, und ließ, während es mit Holland in Allianz trat, durch einen holländischen Ingenieur neue Außenwerke errichten, die aber auf fremden Boden zu stehen kamen. Es wäre hier zwischen dem Churfürsten, der diese Eingriffe nicht dulden wollte, und deshalb französische Truppen heranzog, und der Stadt, die von Holland Hülfsvölker erhielt, zu einem blutigen Bruche gekommen, wenn der Churfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg zwischen Beiden unterm 2ten Januar 1672 nicht einen Interims-Vergleich zu Stande gebracht hätte.204

Dieses Ereigniß war Ludwig XIV. für seine Pläne auf Holland erwünscht. Mazarin, sein Minister, der mehrere Fürsten auf Frankreichs Seite zu bringen wußte, gewann den Churfürsten Maximilian Heinrich durch dessen Minister, den Kardinal Wilhelm Egon von Fürstenberg. Man versprach demselben nicht nur die Restitution der Stadt Rheinberg, welche seit dem Jahre 1633 von Holland behauptet wurde, sondern auch das Stift Utrecht nebst Appertinenzien. Der Churfürst von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, war aber zu keinem Bündnisse zu bereden, und entschied sich heimlich für Holland.

Durch den Beitritt des Churfürsten Maximilian Heinrich fand Ludwig XIV. in seiner Rüstung gegen Holland einen wesentlichen Vorschub, indem er Magazine von Artillerie, Munition und Victualien in Bonn, Neuß und andern Oertern anlegen konnte, wozu das Geld im Jahre 1672 auf 12 Karren, jede mit 3.000 Pfund beladen, unter Bedeckung von 100 Mann anlangte. Der Churfürst gestattete auch, daß die Franzosen zu Bonn eine große fliegende Brücke errichteten, damit die Kommunikation zwischen beiden Rheinseiten erleichtert würde, und stellte es Ludwig XIV. frei, seine Truppen bis Neuß über den Rhein gehen zu lassen.

Nachdem Alles bestens vorbereitet war, überzog Frankreich im Jahre 1672 auf einmal mit einer Armee von 146.000 Mann die holländischen Grenzen, und machte solche Fortschritte in der Eroberung, daß die Generalstaaten sich um Hülfe an den Kaiser und den König von Spanien wenden mußten. Beide, denen der Waffen-Erfolg der Franzosen nicht gefallen konnte, nahmen sich der Holländer kräftigst an; und so berieth sich Wilhelm, Prinz von Oranien, mit dem kaiserlichen General Montecuculi, und dem spanischen General Grafen von Montenai, wie die Sache am Vortheilhaftesten anzugreifen wäre. Man kam dahin überein, daß man sich, um den Churfürsten Maximilian Heinrich von der französischen Partei abzubringen, des ganzen kölnischen Erzstiftes bemeistern müsse. Während diese zur Ausführung ihres Planes schritten, begab sich der Churfürst, wohl voraussehend, daß vorzüglich ihr Augenmerk auf seine Residenzstadt gerichtet sein würde, am 12ten October 1673 nach Köln, und nahm in der dasigen Abtei St. Pantaleon seine Wohnung. Auch der Bischof von Straßburg205 und sein Bruder Wilhelm von Fürstenberg verließen Bonn, so wie am 22sten October auch 200 Frauen mit ihren Kindern in Köln Obdach und Schutz suchten; denn die Kaiserlichen drangen mit Gewalt vom Oberrhein vor, daher die Franzosen sich auch genöthigt sahen, eine stehende Brücke, die sie zu Andernach über den Rhein errichtet hatten, abzubrechen und nach Bonn abzuführen. Maximilian Heinrich war indeß für eine kurze Zeit wieder nach Bonn zurückgekehrt, und erließ daselbst am 27sten October an Bürgermeister und Rath den im Stadt-Archiv noch aufbewahrten Befehl, daß die Weingärten auf die Weite eines Kanonenschusses um Bonn ihrer Rahmen entblößt und die Reben auf die Erde niedergelegt werden sollten, damit der Feind bei bevorstehender Gefahr sich nicht dahinter verstecken könne.

Schon am 30sten October lagerte sich der Prinz von Oranien mit seiner Streitmacht zu Brühl und zog am Tage darauf an Bonn vorbei, um sich mit der kaiserlichen Armee zu vereinigen. Am 3ten November langten auch unter dem Prinzen Pio und dem Grafen von Starenberg 80 Schiffe bei Bonn an, bei denen die Hauptarmee am folgenden Tage erschien. Der Prinz von Oranien nahm sein Quartier unterhalb Bonn im Kloster Grafen Rheindorf; der Graf Montecuculi mehr aufwärts, im Kloster zum heiligen Kreuz, und der Graf Assentar in einem adeligen Hause oberhalb der Stadt.

Bonn war inzwischen noch mehr befestigt und mit allen nöthigen Gegenständen versehen worden. Es hatte eine Besatzung von 3.000 Mann, französische und churfürstliche Soldaten. Ueber erstere führte ein Franzose, Namens Gevillon, über die letztern der General-Major von Landsberg das Kommando. Die Belagerten steckten am 3ten November, als die feindliche Armee heran rückte, das Kloster Dietkirchen, damals noch vor der Stadt und dem Feinde vortheilhaft liegend, in Brand, und richteten alles auf eine kräftige Gegenwehr ein.

Sobald der Graf Montecuculi angekommen war, sandte er an den Baron von Landsberg einen Trompeter ab, mit der Auffoderung, die französische Garnison herauszuschaffen und dagegen die Kaiserlichen einzunehmen. Er erhielt aber zur Antwort, daß sein Herr, der Churfürst, ihm befohlen hätte, die Franzosen zum Schutze von Bonn bei sich zu behalten, welchem Befehle er schuldige Folge leisten müsse. Auch wurden wegen des Kaisers dem Churfürsten vier Punkte vorgestellt; nämlich er solle die französische Partei verlassen, zu Bonn und Neuß kaiserliche Besatzung einnehmen, die Brüder von Fürstenberg entlassen und eine neue Huldigung leisten, dann verspräche ihm Ihre Kaiserliche Majestät, das Erzstift in Ihren Schutz zu nehmen, und ihm wegen Rheinberg Genugthuung zu verschaffen. Allein Maximilian Heinrich gab nur zur Antwort, daß seine Soldaten Befehl hätten sich zu wehren. Auf diese Antwort fing man, sobald das Lager vor Bonn aufgeschlagen war, ungeachtet des heftigen feindlichen Feuers, sogleich an, die Laufgräben zu öffnen und die Batterien aufzuwerfen, während dem die Belagerten am 7ten November einen Ausfall wagten, der aber zu ihrem Nachtheil ausfiel. Am 9ten November waren alle Vorbereitungen getroffen, und noch am Abende begann man mit dem groben Geschütze auf die Stadt zu schießen, am folgenden Tage aber die Granaten zu werfen. Damit fuhr man mit großer Heftigkeit fort, und unterließ zugleich nicht, immer näher der Stadt zu rücken, was auch so gut gelang, daß der Prinz von Oranien am 10ten November bis auf wenige Schritte, und die Kaiserlichen sich dicht an die Festung genähert hatten, so daß das Geschütz der Stadt ihnen wenig Schaden mehr verursachen konnte. Dessen ungeachtet beharrten die Bürger und Soldaten in ihrer Standhaftigkeit, und thaten einen neuen Ausfall, der aber wieder zu ihrem Schaden ablief. Hundert Franzosen, die sich als Lothringer angaben und durch das kaiserliche Lager in Bonn wollten, wurden entdeckt, zerstreut und 20 davon gefangen und erschossen. Ebenso gingen für Bonn 250 Mann, die durchs spanische Lager zu kommen trachteten, verloren. Auch ward ein Bürger, der sich mit einigen in seinem Reisestock verborgenen Briefen in Bonn hinein schleichen wollte, ertappt und aufgeknüpft. Darauf foderte der Graf Montecuculi durch Briefe die Stadt zur Uebergabe auf, mit der ernstlichen Drohung, daß man sie im Weigerungsfalle mit Feuer und Schwert verfolgen würde. Aber die Antwort der Besatzung, die entweder auf Succurs durch den General Turenne, oder den Herzog von Luxemburg sich verließ, war abschlägig. Daher ließ der Prinz von Oranien am 11ten November aus seinem Quartier einen halben Mond vor dem Thore stürmend einnehmen, und warf sich darauf in den Graben, ließ Minirer an den trockenen Seiten arbeiten, zwei Minen verfertigen und durch die Reiter Reiswerk beibringen, damit am folgenden Tage ein allgemeiner Sturm vorgenommen werden könnte.

Bei solchen Anstalten, und da auch auf Entsatz gar nicht mehr zu rechnen, vielmehr einzusehen war, daß, obgleich den Belagerten 60 Kanonen und überflüssiger Vorrath von Munition u. s. w. zu Gebote stand, die Stadt den verheerenden Anstrengungen und Kugeln der Belagerer nicht lange widerstehen könnte, weil sie mit keinen Laufgräben versehen, und die Festungswerke in schlechtem Zustande waren: so fing man am 12ten November an die Chamade zu schlagen. Noch am nämlichen Tage wurde eine Kapitulation geschlossen, gemäß deren die Besatzung, noch 1.500Mann stark, am 13ten November mit aufgewickelten Fahnen, stillen Trommeln und ausgelöschten Lunten, unter Begleitung von 400 Reitern, auszog. So endete diese Belagerung. Sie kostete den Belagerten sehr viel Blut, und auch den Belagerern viele tapfere Männer, unter denen der Prinz von Oranien am meisten den Verlust seines Generals, des Grafen Königsmark, bedauerte.

Hierauf rückten die Kaiserlichen in Bonn ein, und der Marquis de Grana wurde zum Gouverneur der Stadt ernannt. Man fand darin bei 80 Kanonen, eine große Quantität Munition, Korn, Hafer, Wein und 10.000 fertige Röcke, die den Soldaten für den Winter sehr zu statten kamen. Der Marquis de Grana nahm seine Wohnung in dem Hotel des Bischofs von Straßburg, wo er den Prinz von Oranien und den Grafen Montecuculi herrlich bewirthete. Er ordnete auch an, was zur Herstellung der Fortifikationen nöthig war, und ließ eine Brücke über den Rhein schlagen zur bessern Kommunikation der beiden Rheinseiten. Der churfürstliche Hof und die Kanzleien wurden versiegelt und mit einer Wache beseht, die churfürstlichen Pferde und viele Mobilien aber dem Churfürsten in Köln zugestellt; nur die Habe des Bischofs von Straßburg hielt der Gouverneur für sich. Ein großer Theil der Armee zog hierauf über den Rhein, und marschirte ins bergische Gebiet, während andre Abtheilungen diese oder jene Stadt des Erzstiftes zu nehmen sich bemühten.

Ueber den Verlust seiner Residenzstadt und die Verheerung des Erzstiftes verfiel der Churfürst Maximilian Heinrich in große Trauer; und diese wurde dadurch noch vergrößert, daß der Kaiser seinen Günstling, den Kardinal und Minister Wilhelm Egon von Fürstenberg, wegen seines zu Gunsten Frankreichs ertheilten Rathes und seiner dem Kaiserhause abholden Gesinnungen und Handlungen gefänglich einzog. Dieses geschah in Köln am 14ten Februar 1674, als er einen Besuch bei der Gräfin von der Mark machen wollte. Er wurde am folgenden Tage nach Bonn gebracht und daselbst in der Wohnung seines Bruders, des Bischofs von Straßburg, von dem Marquis de Grana in Verwahr gehalten, endlich aber auf Befehl des Kaisers nach Wien geführt. Da in dieser Noth auch Ludwig XIV. seine Truppen aus dem Erzstifte zog, und also den Churfürsten seinem Schicksale überließ, besann sich Maximilian Heinrich nicht lange, den vom Kaiser vermittelten Frieden am 11ten Mai 1674 zu unterzeichnen, wodurch für Bonn und das ganze Erzstift, außer den Durchzügen und Winterquartieren dieser oder jener Armee, die Ruhe wieder hergestellt wurde.206

Gerade zu der Zeit, wo man mit der Belagerung und Beschießung Bonns beschäftigt war, eröffneten in demselben die Jesuiten ein Gymnasium, da sie vor und nach aus den Mitteln ihres Kollegiums verschiedene Häuser gekauft, und eines davon für Schulen bestimmt hatten; es war im Monat November 1673. Anfangs theilten sie die Schüler in drei Klassen. Darauf wirkten sie sich vom Churfürsten Maximilian Heinrich auch das Recht aus, den Unterricht allein zu ertheilen, damit die andern Klostergeistlichen, welche bis dahin in Klosterschulen gelehrt hatten, sich besser dem Chore widmen könnten. Schon im Jahre 1674 wurden die erwähnten drei Klassen durch die sogenannte Poetica vermehrt, und das Jahr darauf kam die Rhetorika noch hinzu.207

Während diese Schulanstalt herrlich aufblühte, und die Bürger Bonns nach vielen und harten Drangsalen die Früchte eines so sehnlichst erwarteten Friedens in häuslicher Ruhe genossen, war Ludwig XIV. noch immer nicht zur Ruhe gebracht. Zwar kam zu Nimwegen im Jahre 1678 zu seinem Vortheil ein allgemeiner Friede zu Stande; allein damit war sein Ehrgeiz und seine Ländersucht noch nicht befriedigt. Die Satzungen des westphälischen Friedensschlusses wurden jetzt zu Rathe gezogen, worin es nämlich unter andern heißt: daß Frankreich Elsaß und die andern Landschaften mit allen ihren Dependenzen erhalten solle. Um letztere nun auszumitteln, wurde von ihm im Jahre 1680208 Reunions- oder Vereinigungskammern niedergesetzt, die so gütig waren, dem König fast alles das, es mochte im Elsassischen liegen oder nicht, zuzusprechen, wozu er Lust hatte; daher gingen Klagen über Klagen von den betroffenen Fürsten beim Kaiser ein. Dieser machte Gegenvorstellungen, die aber nichts fruchteten. Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der wegen seiner clevischen Lande besorgt war, ließ hierauf den Churfürsten Maximilian Heinrich wegen der Gefahr, die seinem Erzstifte und seinen Hochstiftern drohte, angelegentlich warnen, besonders, da Ludwig XIV. beim Churfürsten den Antrag gestellt hatte, daß, im Falle Holland mit Frankreich brechen würde, er entweder den französischen Truppen den Durchmarsch durch seine Länder nach Holland gestatten, einige Festungen zur Kaution einräumen und Magazine errichten, oder selbst mit seinen eigenen Truppen einen Einfall in die vereinigten Niederlande machen sollte. Eins von beiden hätte sich der Churfürst zu wählen, oder zu gewärtigen, daß Frankreich sein Feind würde.

Maximilian Heinrich, der die Folgen eines Bündnisses mit Frankreich früher kennen gelernt hatte, wurde durch diese neue Zumuthung, trotz der beigefügten Drohung, bewogen, im Monat Februar 1684 mit dem Churfürsten von Brandenburg und dem Könige von Dänemark eine Defensiv-Allianz einzugehen, gemäß welcher von den drei Verbündeten eine Armee von 45.600 Mann errichtet werden sollte. Frankreich, dem dieses Bündniß nicht gefiel, wandte alle Mittel an, um Maximilian Heinrich davon abzubringen, drohte zuletzt sogar, eine Armee ins kölnische Erzstift zu senden: allein beim Churfürsten fand dieses alles, wenigstens dem Aeußern nach, keinen Eingang.209

Wilhelm Egon von Fürstenberg, der in Folge des Nimweger Friedens die Freiheit wieder erhalten hatte, und am Bonner Hofe von Neuem als Hof- und Staatsminister fungirte, wurde inzwischen bei Dänemark und Brandenburg in Verdacht gezogen, daß er den Churfürsten wieder auf die französische Seite bringe. Sie ersuchten daher Maximilian Heinrich dringend, daß er sein Contingent bewaffnen und mit allem Erfoderlichen versehen solle. Dieser ließ hierauf seine im Erzstifte Köln sowohl, als in seinen Hochstiftern Lüttich, Hildesheim und Münster, (welches letztere ihm nach dem Tode Bernhards von Galen auch zugefallen war,) stehende Truppen in Eile complettiren, neue Regimenter bilden, Rheinberg aufs Neue befestigen, dieses sowohl als Kaiserswerth mit allem Nöthigen versehen, und gegen den Monat Mai bei Zons ein Lager errichten, wo sämmtliche Truppen sich vereinigten und bis Ende September verblieben. Dem Feldmarschall Grafen von Choiseul wurde das Kommando über dieses Observations-Corps übertragen. Diese Maßregel und die Unterhaltung der Truppen vom April bis Ende September kostete dem Erzstifte die Summe von 479.258 Rthlr.210

Wilhelm Egon von Fürstenberg schien nunmehr in Bonn, nachdem seine Gesinnungen für Frankreich kund waren, nicht mehr die Sicherheit zu finden, die ihm nöthig dünkte. Er wußte daher den Churfürsten dahin zu bringen, daß er ihm eine Leibwache von 120 Mann stellte, deren Errichtung Maximilian Heinrich 6.600 Rthlr. und an monatlicher Unterhaltung 1.431 Rthlr. kostete.211

Ob nun Ludwig XIV. durch diese Kriegsrüstungen des Churfürsten von Köln und seiner Alliirten, oder durch andre Umstände bestimmt wurde, sich noch einige Zeit ruhig zu verhalten, bleibt dahin gestellt. Bewunderungswürdig ist aber, daß er sogar am 15ten August 1684 zu Regensburg einen 20jährigen Waffenstillstand mit dem Kaiser und dem Reiche abschloß. Jedoch gab es bald Gelegenheit, diesen wieder aus den Augen zu setzen. Es starb nämlich am 16ten Mai 1685 der Churfürst von der Pfalz, Karl, ohne männliche Erben zu hinterlassen. Frankreich benutzte diesen Umstand, um das Haus Löwenstein wider das Haus Neuburg in diese Länder einzusetzen, obgleich Philipp Wilhelm von Neuburg bereits zu Heidelberg die Huldigung empfangen hatte. So entstand also von Neuem ein Krieg, der nicht nur die ganze Pfalz, sondern auch den Rheinstrom verheerend heimsuchte, und ihnen die Segnungen des Friedens entriß.

Damit Ludwig bei der Ausführung dieses seines Plans von Seiten der jülich und bergischen Lande nichts zu befürchten habe, war ihm sehr daran gelegen, sich des Churfürsten Maximilian Heinrich zu versichern. Allein dieser schlug auch jetzt die angebotene Allianz aus. Ein solches Benehmen, so wie das hohe Alter und die Körperschwäche des Fürsten brachte nun den französischen Hof auf den Gedanken, dahin zu wirken, daß demselben in der Regierung Jemand folge, der Frankreich gewogen wäre; und indem es dazu den Kardinal Wilhelm Egon von Fürstenberg ausersehen hatte, brachte es Ludwig trotz aller Protestationen der Gesandten des Papste, des Kaisers, des Churfürsten von Baiern und des Churfürsten von Brandenburg dahin, daß Maximilian Heinrich denselben dem Domkapitel zu seinem Nachfolger empfahl, und dieses ihn am 7ten Januar 1688 förmlich dazu erwählte; eine Wahl, die für Bonn traurige Folgen hatte.

Man fürchtete nämlich, indem man solche zu hintertreiben suchte, daß durch den Erwählten, als einen Anhänger Ludwig XIV. nicht nur das Erzstift Köln, sondern auch die benachbarten Länder und der ganze Rheinstrom in die französischen Hände gespielt werde. Niemand wollte also den Neuerwählten anerkennen; der Kaiser gab dem Gesandten, der ihm diese Wahl anzeigen sollte, nicht einmal Audienz, und der Pabst Innocenz XI. erklärte dieselbe für null und nichtig, und versagte die Confirmation. Da Ludwig der XIV. aber entschlossen war, diese Wahl, wenn es sein müßte, mit Gewalt durchzusetzen, so schloß er mit Maximilian Heinrich im Mai 1688 einen Defensiv Tractat, vermöge dessen er sich verpflichtete, das Erzstift gegen alle Gewalt in Schutz zu nehmen. So entstanden schon zu Lebzeiten des Churfürsten einige Bewegungen, die sich leider nach dessen Tode, der noch in selbigem Jahre erfolgte, in einen verderblichen Krieg verwandelten.212

Maximilian Heinrich erzeigte dem Erzstifte unerachtet des Unheils, welches er durch seine Bündnisse mit Frankreich über dasselbe brachte, viel Gutes. Bei 750.000 Rthlr. gab er aus seinem Schatze hin zu Einlösung verschiedener churfürstlichen Güter, und das Erzstift wäre unter seiner Regierung sicher zu dem höchsten Flor gelangt, wenn man ihn zu jenen Bündnissen nicht immer beredet, und diese für sein Land unnachtheilig geschildert hätte.213

Dem Jesuiten-Kollegium in Bonn warf er im Jahre 1686 fünfzig tausend Thlr. zur Erbauung einer ansehnlichen Kirche, der noch stehenden Jesuitenkirche, aus, und brachte diese Summe an einem sichern Orte unter; gleichsam, als wenn er die Nähe seines Todes und die demselben folgenden Stürme geahnt hatte. Die beiden ersten Steine, mit bezeichnenden Inschriften, weihete und legte unter großen Feierlichkeiten der Churfürst selbst. Auch wurde das Kollegium in diesem und dem folgenden Jahre durch Ankauf von Gärten und Häusern sehr bedeutend erweitert.214

In seinem Testamente vermachte Maximilian Heinrich dem kölnischen Domkapitel die im Jahre 1654 von der Krone Spanien an ihn für die Summe von 76.000 Philippen verpfändeten Herrschaften Kerpen und Lommersem, oder den Pfandschilling, im Fall diese Herrschaften wieder eingelöst werden sollten.

Die Prinzen und Prinzessinnen des bairischen Churhauses bedachte er mit seinen Pretiosen, und einigen tausend goldnen und silbernen Römermünzen, welche bei Erbauung der Bonner Festungswerke von den Soldaten und Arbeitern waren gefunden und an ihn verkauft worden.

Ein großes mit Edelsteinen geschmücktes Pectoral-Kreuz sollte bei seinen Nachfolgern in der kölnischen Chur verbleiben, und von diesen bei kaiserlichen Krönungen und sonstigen erzbischöflichen Verrichtungen gebraucht werden. Als Exekutoren seines letzten, über 6.679.200 Rthlr. verfügenden Willens, hatte Maximilian Heinrich seinen Vetter, den Churfürsten von Baiern, und seinen Koadjutor, den Kardinal Wilhelm Egon von Fürstenberg, dem er 20.000 Rthlr. ausgeworfen hatte, bestimmt.215

Zehntes Kapitel.

Folgen der Wahl des Kardinals Wilhelm Egon von Fürstenberg zum Coadjutor. Französische Völker besetzen Bonn. Churfürst Friedrich III. von Brandenburg belagert dasselbe. Große Verwüstung. Uebergabe der Stadt.

Kaum hatte Maximilian Heinrich zu Bonn am 3ten Juli 1688 seine irdische Laufbahn vollendet, als Wilhelm Egon von Fürstenberg unter dem Namen eines Administrators sämmtliche kölnische Churlande mit allen festen Plätzen in Besitz nahm, seine Anhänger in Kriegs- und Civil-Aemter anstellte, Truppen anwarb, und Bonn mit noch einigen Außenwerken befestigte. Durch diese Anstalten gingen mehrere Lust- und Weingärten, so wie manches schöne Gebäude, worunter auch das prächtige Jägerhaus, zu Grunde, welches Maximilian Heinrich neu angelegt hatte. Inzwischen fand Wilhelm Egon aber bald, daß seine Wahl weder vom Papste, noch vom Kaiser und Reiche werde anerkannt werden, und mußte es also dulden, daß das Domkapitel am 19ten Juli zu einer neuen Wahl schritt, die zum Theil, wie er gehofft hatte, für ihn, zum Theil für den Herzog Joseph Clemens von Baiern ausfiel, vom Papste aber unterm 15ten September zu des letztern Gunsten ausgelegt und festgesetzt wurde.

Um sich den Besitz des erzbischöflichen Stuhles noch mehr zu sichern, wartete Wilhelm Egon die päpstliche Entscheidung nicht ab, und zog, indem er von Frankreichs Anerbieten Gebrauch machte, den französischen General Marquis von Beuflers, mit einer starken Armee in hiesige Lande. Dieses hatte zunächst zur Folge, daß der Acker in dieser Gegend für lange Zeit nicht mehr bestellt wurde, indem der Landmann, für seine Habe fürchtend, trotz der von Wilhelm Egon angedrohten Strafe der Confiscation und der Beschönigung des Einrückens der fremden Truppen, sich mit den Seinigen und seinem beweglichen Eigenthume in Sicherheit flüchtete.

Kaum war die Nachricht von der Bestätigung Ernsts von Baiern zum Erzbischofe und Churfürsten von Köln in Bonn angelangt, als Wilhelm Egon eine ganz andre Seite in seinem Benehmen blicken ließ, indem er den beiden churbaierischen Gesandten, den Grafen von Fugger und Tauffkirchen, die sich wegen der Erbschaft des verstorbenen Churfürsten in Bonn aufhielten, den Befehl gab, Stadt und Gegend zu verlassen, und ihnen einige der Pferde ohne Zaum nachschickte, die dem Hause Baiern vermacht worden waren. Die besten darunter, so wie das übrige Legat, mit Ausnahme der kostbarsten Edelsteine, die der churfürstliche Schatzverwahrer heimlich nach München gesandt hatte, behielt der Kardinal aber für sich.

So wenig Hoffnung sich Wilhelm Egon auch machen konnte, den kölnischen Stuhl mit Hülfe Frankreichs zu behaupten, besonders da sein Gegner am 11ten Dezember auch vom Kaiser und Reiche in seiner Würde bestätigt worden war; so wollte er doch denselben im Guten nicht fahren lassen, weil er durch die Kriegserklärung, welche Ludwig der XIV. dem deutschen Reiche neuerdings gemacht hatte, dessen Beistandes und des erwünschten Ausgangs seiner Sache gewiß zu sein glaubte.

Die Truppen Ludwigs fielen hierauf an verschiedenen Orten gleichzeitig ins Reich und waren, da sie nirgends Widerstand fanden, bald von der Pfalz, Franken, Schwaben und dem ganzen Rheinstrom bis Wesel Meister. Natürlich hatten sie in der Bonner Gegend nichts zu erobern mehr, sondern fanden dort nur Vorschub für ihre weitern Unternehmungen.

Schrecklich waren die Verwüstungen und Unmenschlichkeiten, die diese Eroberungszüge im Gefolge hatten, und unzählig die Seufzer und Thränen, die sie hervorriefen. Aber sie erweckten auch die alte deutsche Kraft aus ihrem Schlummer, besonders, da Ludwigs Absicht kund wurde, den Dauphin dem deutschen Reiche als König aufzudringen. Da der Kaiser in dieser schweren Zeit mit den Türken im Krieg lebte, und daher dem Reiche den Schutz und Beistand, den es nothwendig erheischte, nicht gewähren konnte, so schlossen die Churfürsten von Baiern, Sachsen und Brandenburg, der Herzog von Lüneburg und Landgraf von Hessen, unter Leopolds Vorwissen und Beistand, ein Bündniß gegen Frankreich, dem England und Holland, beide über dessen Uebermuth und Verletzung des Nimweger Friedens aufgebracht, beitraten. Die Kriegsrüstungen wurden in solcher Eile betrieben, daß schon mit dem Anfang des Jahrs 1689 sowohl am obern als am untern Rheine der Feldzug eröffnet werden konnte. Churfürst Georg von Sachsen, Churfürst Maximilian Emanuel von Baiern, und der Herzog von Lothringen, vereinigten ihre Schaaren mit den kaiserlichen Truppen und nahmen den obern Rhein vor, während sich der General Schöning mit den Brandenburgern dem kölnischen Erzstifte näherte, und bis zum 16ten Mai schon die Städte Linn, Neuß und Rheinberg den Franzosen entrissen hatte.

Unerachtet dieser mißlichen Aussicht hatte Wilhelm Egon von Fürstenberg doch den Muth, Bonn ganz ruhig zu bewohnen und auf Kosten des Erzstiftes und der Hinterlassenschaft seines verstorbenen fürstlichen Gönners, mit seinen Anhängern und Verehrern ein fröhliches Leben zu führen. Es lagen aber auch damals in dieser Stadt nicht weniger als 10.000 Mann Franzosen, worüber der Graf von Asfeld den Befehl führte, und unter deren Schutz man in einer ohnehin befestigten Stadt beruhigt sein konnte. Allein da das Gerücht vom Anmarsch der ganzen Reichsarmee ihm zu Ohren kam, verlor er doch mit der Hoffnung auch den Muth, bat Ludwig selbst um seine Entlassung, und verließ Bonn am 6ten April, nachdem er das Vermögen des verstorbenen Churfürsten in Sicherheit gebracht hatte.

Wirklich langte auch der Churfürst Friedrich III. von Brandenburg, nachheriger Friedrich I., König von Preussen, gegen Ende des Monats Juni 1689, nachdem er Kaiserswerth erobert hatte, mit kaiserlichen, brandenburgischen, holländischen und münsterschen Truppen, im Ganzen an 12.000 Mann zu Pferd und 5.000 zu Fuß, mit vielen Kanonen etc. vor Bonn an, und suchte vor Allem zuerst die Beueler Schanze jenseits des Rheins, welche ebenfalls mit Franzosen besetzt war, zu erobern.

Diese Schanze im Sturm zu nehmen, hatte sich schon im April der Obrist, Baron von Heiden, mit einer starken Abtheilung Infanterie, bestrebt; aber, obgleich er drei Angriffe machte, so herzhaft und kühn, daß er im letzten Anlauf selbst sein Leben einbüßte, und seine Truppen mit einem weitern Verluste von 40 Todten, 14 Gefangenen und vielen Verwundeten wieder nach Köln zurückgingen, so war doch Alles vergebens. In Folge dieses Ueberfalls ließen die Franzosen die Schanze um einen halben Mann erhöhen und rings umher auf eine Viertel Stunde alle Bäume und Gesträuche niederhauen und die Gebäude bis zur Erde niederreißen.

Die Besatzung der Stadt und der Schanze thaten mitunter verheerende Einfälle in die Umgegend, so am 17ten Juni einen mit 1.200 Pferden bis Lechenich, das sie mit sechs Dörfern ihres Viehes beraubten und in Asche legten; darauf einen andern bis Rheindorf, dessen Schloß sie in Brand steckten, weil es hieß, daß der Churfürst von Brandenburg darin sein Hauptquartier nehmen wolle. Diesem Unwesen wurde nun gesteuert. Denn mit der Eroberung des festen und wichtigen Werkes zu Beuel beauftragte am Anfange des Monats Juli der Churfürst von Brandenburg die Generale Barfuß und von Schwarz, und gab ihnen dazu neun Bataillonen Infanterie und vier Regimenter Kavallerie. Diese Krieger trafen sogleich alle Anstalten, und ließen sich durch den heftigen Ausfall, den die Franzosen auf sie machten, nicht stören. Letztere wurden vielmehr mit Verlust vieler Todten und Gefangenen zurückgeworfen, und hatten außer diesem Unfall auch noch zu beklagen, daß der Feind ihnen die Landbrücke in den Grund schoß, so daß die Verbindung zwischen der Stadt und der Schanze, wenn nicht gänzlich abgeschnitten, doch erschwert war. Die Alliirten machten mit Approchen und Batterien solche Fortschritte, daß sie bald drei Batterien ungefähr 100 Schritte von der Schanze anlegen konnten, von welchen mit Kanonen, Haubitzen und Feuermörsern dieselbe und die Stadt heftig beschossen wurde. So fielen am 9ten Juli schon mehrere Bomben in die Stadt und verursachten Feuersbrünste, die jedoch bald wieder gelöscht waren. Eine dieser Bomben gelangte in den Pferdestall des Kommandanten von Asfeld und erschlug darin drei Maulthiere und einige der schönsten Pferde. Die Franzosen antworteten zwar tüchtig mit ihrem Geschütze, allein eine feindliche Bombe zündete ihren Pulvervorrath, die Handgranaten und eine Mine in der Schanze, so daß ein Theil derselben unter furchtbarem Krachen und Getöse mit einigen hundert Franzosen in die Luft sprang; eine zweite Bombe fiel verheerend in ein am Rheinufer liegendes mit Reservisten beladenes Schiff, und eine dritte vermehrte den Schrecken unter den Belagerten noch mehr, so daß diese die Schanze, ohne die Pulverminen anzuzünden, mit flüchtigen Schritten verließen und sich in drei Schiffe begaben, die am Ufer lagen; worauf die Alliirten aus den Laufgräben sprangen, auf die Schanze losstürmten, und sie bald inne hatten. Sie fanden darin als Beute lauter Leichname, abgeschossene Arme und Beine und unbrauchbare Gewehre. Von jenen drei Schiffen ging eins nebst der Mannschaft zu Grunde, das zweite entkam glücklich, das dritte aber fiel nach heftiger Vertheidigung mit 1 Kapitain, 2 Lieutenants, 3 Sergeanten und 64 Gemeinen, die ins Stift Vilich in Verwahr gebracht wurden, in die Hände der Alliirten.

Die Schanze wurde hierauf nach dem Rheine hin mit Faschinen und Pallisaden versehen, damit die Soldaten darin mehr Schutz gegen die Kanonade aus der Stadt erhielten. Auch wurden zu beiden Seiten der Schanze Batterien für Kanonen und dazwischen eine dritte für Feuermörser aufgetragen, so wie die Linien und Trencheen gegenüber der Stadt gezogen. Darauf ließ der Churfürst Friedrich III. Bonn zur Uebergabe auffodern, aber die Antwort des Kommandanten, Grafen von Asfeld, der sich auf Hülfe des Marquisen von Beufler zu sehr verlassen mochte, war so entschieden, daß man sich zur förmlichen Belagerung genöthigt sah. Der französische Kommandant hatte indeß nicht erwartet, daß die Stadt von Beuel aus angegriffen werden würde, und daher unterlassen am Rhein Vorkehrungen zu treffen. Dieses holte er nun in aller Eile so gut als möglich nach. Auch wurden die tiefsten und festesten Keller für Bomben, Mehl, Fleisch, Salz, Pulver und andre nöthige Gegenstände in Beschlag genommen, um solche Sachen vor dem Feuer des Feindes zu bewahren. Denn es waren vor und nach, zu Wasser und zu Lande, über 300 Kanonen und eine bedeutende Zahl Feuermörser, so wie mehr als 100 Schiffe mit Pulver, Kugeln, Carcassen und Bomben dies und jenseit des Rheins angelangt, worunter sich Bomben von solcher Schwere befanden, daß deren drei von zwei Pferden kaum fortgezogen werden konnten.

Am 24sten Juli ward von der Beueler Schanze, Abends zwischen 6 — 7 Uhr, nachdem der Churfürst von Brandenburg alle getroffenen Anstalten selbst in Augenschein genommen hatte, aus 140 Kanonen, 46 Feuermörsern und 4 Haubitzen dem Grafen von Asfeld ein unfreundlicher Abendgruß gebracht. Schrecken und Verwirrung herrschte in Bonn, nirgends fand man mehr Sicherheit, in solcher Masse heulten verheerend die Kugeln heran; die erste Bombe fiel in das Hinterhaus des Gudenauerhofes, und erschlug 42 darin liegende kranke Franzosen. In vier Stunden lagen das churfürstliche Residenzschloß, die Pfarrkirche St. Remigius, die Kirchen und Klöster der Minoriten und Franziskaner, nebst dem begonnenen Bau der Jesuitenkirche in Schutt und Asche; gegen zwei Uhr des Nachts stand die Kirche und das Kloster der Capuziner in Flammen, so wie am Morgen die Thore und Mauern am Rheine so ruinirt waren, daß man ohne Hinderniß in die Stadt sehen konnte. In Zeit von 24 Stunden war ganz Bonn in einen Stein- und Aschhaufen verwandelt, so daß man kaum noch die Straßen zu unterscheiden vermochte. Durch diese Verwüstung und das anhaltende heftige Feuer der Belagerer wurde Asfeld genöthigt, sich mit den Seinigen in die weitläuftigen Außenwerke, Gewölbe und Keller zurückzuziehen, während die Bürger mit Weib und Kindern zum Theil ihre Keller bezogen, zum Theil die Stadt verließen. Ihre ganze Habe, die sie in die Keller geflüchtet hatten, wurde ein Raub der Besatzung und in die Außenwerke geschleppt. Ungeachtet dieser schrecklichen Zerstörung und des Jammergeschreies der Einwohner wollte der Kommandant von Asfeld sich zu keiner Uebergabe verstehen, besonders da die Belagerer Bonn noch nicht förmlich eingeschlossen hatten. Daher konnten die Belagerten ruhig aus- und eingehen, und fanden während des Kugelregens und Brandes in den Außenwerken, vor dem Stockenthore und bei Poppelsdorf, Kessenich und Friesdorf Schutz und Sicherheit. Auch in dieser Gegend hausten die Franzosen grausam, denn sie legten Poppelsdorf und Endenich in Asche, plünderten die Klöster auf dem Kreuzberge und zu Marienforst, und nahmen über 600 Malter Früchte mit in Bonn. Jedoch waren diese Zufluchtsörter bald für sie verloren, da der Churfürst von Brandenburg, nachdem eine Verstärkung des Belagerungsheers eingetreten war, am 8ten August die Stadt rundum einschließen, ober- und unterhalb der Stadt eine Rheinbrücke zur Verbindung mit Beuel errichten und darauf in der Nähe des Stockenthors, bei Poppelsdorf und von da bis Rheindorf Batterien und Schanzen aufwerfen und mit schwerem Geschütz versehen ließ. Nachdem diese Batterien ihr Feuer begonnen hatten, um die Franzosen aus den Werken in die zerstörte Stadt zu treiben, und für den beabsichtigten Generalsturm Breschen zu schießen, erschien beim Churfürsten im Hauptquartier, das er Anfangs in Wesseling, dann zu Rheindorf und jetzt im Kloster auf dem Kreuzberge hatte, ein Trompeter mit der Meldung, daß die Besatzung in Bonn abziehen wolle, wenn es mit ihrer Habe und auf Kriegsmanier geschehen könne. Dieses Ansinnen wurde abgewiesen; worauf von beiden Seiten das Feuern wieder begann. Ueberläufer sagten aus, daß der Mangel an Pulver in der Stadt zunehme, und klagten zugleich über die schwere Arbeit, die sie hätten errichten müssen, und über den erlittenen Mangel an Salz, Fourage und andern Bedürfnissen; dagegen wäre an Brod und Wein noch Ueberfluß vorhanden.

Eben als der Churfürst Friedrich der III. im Begriffe stand, die Trencheen öffnen zu lassen, empfing er von dem Churfürsten von Trier und dem Herzoge von Lothringen die unvermuthete Nachricht, daß der Marquis von Beufler mit einem ansehnlichen Corps nach der Mosel marschiere, mit der Bitt, der Churfürst möge dem Erzstift Trier zu Hülfe eilen; was auch schon deshalb nöthig wäre, damit von Beufler abgehalten würde, sich zwischen Koblenz und Bonn zu setzen und die Belagerung der letztern Stadt noch schwieriger zu machen. Das sah Friedrich III. gleich in, und er sendete deshalb, um der französischen Heeresabtheilung einen andern Weg anzuweisen, den Generalfeldmarschall-Lieutenant Schöning mit 10.000 Mann gegen sie. Durch diese bedeutende Schwächung der Armee wurde die Belagerung von Bonn einstweilen in eine Blokade verwandelt, aber doch dem Feinde an Redouten und Schanzen heftig zugesetzt. Andere Ueberläufer berichteten gegen Ende des Monats August, daß in der Stadt ein Pfund Brod kaum für 20 Stüber zu erhalten, weil nur 2 kleine Mühlen übrig, die andern alle zerstört seien, und daß bereits bei 800 Mann krank darnieder lägen.

Vom 6. bis zum 7ten September nahm der Churfürst von Brandenburg, keine Gefahr achtend, alle Approchen in Augenschein und verließ diese erst um Mitternacht. Am 9. und 10ten September wurde auf die französischen Werke und die Stadt stark gefeuert, welches Feuer die Belagerten mit ihren Schlünden und einem Ausfall erwiederten, der dahin auslief, daß sie bis an die Pallisaden zurückgetrieben wurden, und auf beiden Seiten viele Leute fielen. Von der Armee der Alliirten langten um diese Zeit noch einige 1.000 Mann vor Bonn an, und dieser Zuwachs an Mannschaft hatte zur Folge, daß alles einen Generalsturm auf Bonn wünschte; zu welchem denn auch alle Anstalten getroffen wurden. Ehe man jedoch dazu schritt, fielen noch acht Tage hindurch scharfe Scharmützel vor, wobei viele wackere Offiziere und Soldaten sowohl von den Franzosen als Alliirten den Tod fanden, von den letztern aber mehr, weil die Belagerten hinter ihrer hohen und doppelten Contrescarpe Schutz fanden, die Belagerer dagegen nur aus die offnen Approchen beschränkt waren.

Am 16ten September wurden endlich die Trencheen geöffnet. Eine Attake von den Churbrandenburgern ging von Poppelsdorf geradeaus die Stadt zu; auf der andern Seite führten die Holländer und Münsterschen einen besondern Angriff. Man machte bis zum 21ten solche Fortschritte, daß die Grenadiere den Feind aus einer äussersten Linie vor dem Glacis bis an die Contrescarpe trieben, und die Brandenburger 4 Batterien, jede mit 10 Kanonen, und die Holländer und Münsterschen zwei, jede mit 8 Stücken, und eine mit 13 Mörsern errichten konnten.

Am 24ten September Abends langten noch viele kaiserlichen Truppen vor Bonn an, bei denen sich der Herzog von Lothringen befand. Am folgenden Tage lud der Churfürst von Brandenburg den Herzog von Lothringen, den kaiserlichen General, Prinzen Commercy, den General von Dünewald und andre kaiserliche Generale zu sich in sein Hauptquartier auf dem Kreuzberge, und bewirthete sie herrlich. Am Abend nahm der Herzog von Lothringen mit vorgedachten Generalen die Approchen unter einem furchtbaren feindlichen Feuer, das die ganze Nacht fortdauerte, in Augenschein, und ließ darauf dem Stockenthore gegenüber, nicht weit von den Pallisaden, eine Batterie von 8 Stücken errichten, ungeachtet die Arbeiter gegen die Kugeln keinen Schutz, und mehrere daher den Tod fanden. Ueberläufer meldeten um diese Zeit, daß die Soldaten nur Pferdefleisch mit Brod bekämen, die Offiziere aber und Kranken gutes Fleisch. Der Wein und die Arzneien fingen auch an aufzugehen, daher sehr viele erkrankten und starben; die Garnison bestände nur noch in 3.000 Gesunden und 1.500 Kranken.

Am 28sten September rückte die hannoversche Infanterie und die kaiserliche Kavallerie ins Lager, und am 29sten ward von allen Batterien geschossen und zwar dergestalt auf die feindlichen Bastionen und Schießscharten, daß der Feind alle seine Linien verlassen und sich in die Contrescarpe zurückziehen mußte. Unter solchen Umständen fing man in Bonn an zur Uebergabe der Stadt ernstlich geneigt zu werden. Daher schickte der Kommandant von Asfeld am 4ten Oktober einen Trommelschläger heraus; dieser ward aber nicht angenommen, und da er nicht umkehren wollte, erschossen. Diesem folgte ein Trompeter, wieder vergebens.

Nachdem man am 9ten Oktober mit allen Attaken so weit als möglich vorgerückt war, und der Churfürst von Brandenburg mit seinen Alliirten sich entschlossen hatten, einen General-Sturm auf die Contrescarpe und das Hornwerk zu machen, so wurde in der Nacht vom 9ten auf 10ten unter Anleitung des churbrandenburgischen Generalfeldzeugmeisters Freiherrn von Spann alle Anstalten dazu getroffen, indem eine große Quantität Schüppen, Hauen, Aexte, Schanzkörbe, Woll- und Sand-Säcke hinter die Batterien gebracht, den Feldärzten auf letzteren eine Stelle angewiesen, die Zimmerleute zur Beschaffung der etwa erfoderlichen Brücken an einen bestimmten Ort aufgefodert, so wie Wein, Branntwein und Bier auf die Batterien gebracht, und dieses unter die zum Sturm kommandirten Soldaten ausgetheilt wurde. Der Churfürst Friedrich III. redete selbst sowohl den Offizieren als Gemeinen zu, versicherte sie alle, besonders aber diejenigen, welche beschädigt werden sollten, seiner Gnade und Fürsorge, und ordnete an, daß den Frauen derjenigen Offiziere, welche bei dem Sturme blieben, eine lebenslängliche Pension bewilligt werden sollte. Auch ließ er jedem Soldaten, der zum Sturm bestimmt war, 4 Rthlr. und jedem Offizier doppelt so viel reichen.

Nun begab sich der Churfürst auf die Batterie am Schloßgarten zu Poppelsdorf und ließ des Abends um 6 Uhr, bei noch hellem Tage, von derselben aus 3 Karthaunen das Signal zum allgemeinen Angriff geben. In dem Augenblick sprangen alle zum Sturm bestimmten Truppen aus den Laufgräben und fingen alle Batterien auf die feindlichen Werke und die Stadt furchtbar zu feuern an, so daß nun auch die Münsterkirche und die Kirchen St. Martin und St. Gangolf, die bisher verschont geblieben waren, ihrer Dächer und alles Brennbaren beraubt, und in dem Münster viele Güter und Lebensmittel und über 300 kranke Franzosen ein Opfer der Flammen wurden.

Von den Brandenburgern, die auf den Anhöhen vor dem Kreuzberge zwischen Endenich und Poppelsdorf in zwei Treffen und gegen die feindlichen Hauptfestungswerke aufgestellt waren, erfolgte der Angriff mit solcher Wuth und Tapferkeit, daß sie den Feind bald aus der Contrescarpe trieben und bis in den Graben verfolgten, dann über die Pallisaden setzten, den bedeckten Weg eroberten und das Ravelin St. Philibert nebst der Contregarde, das Ravelin St. Annen und die Contregarde der Bastion de la Chasse, auch Contregarde de Ste. Amour genannt, erstiegen, die Besatzung, die sich nicht ergab, niedermachten, und alle eroberten Werke behaupteten. Der Graf von Dohna war der erste auf der Contregarde Ste. Amour, dem jetzigen Knabengarten, nebst dem Prinzen von Zerbst, der als Freiwilliger diente. Ersterer warf sein Wappen, weil es zu schwer war, in den Graben, kämpfte mit unbedeckter Brust und nahm 4 Offiziere mit eigener Hand gefangen. Die Tapferkeit und Begeisterung war überhaupt so groß, daß viele Soldaten bis an die Mauern vordrangen, und der Obristlieutenant Cornow, der Erstürmer des Ravelin St. Annen, 200 frische Mann verlangte, um auch diese zu ersteigen, und so den Ort in diesem Sturme zu erobern. Da man jedoch in diese Mauern noch keine Bresche hatte schießen können, auch die Nacht eintrat, so wurden die weiter Fortschritte eingestellt, und bloß Vorkehrungen getroffen, das Eroberte zu behaupten.

Auch holländischer und münsterscher Seits wurde am Sternthore nicht minder tapfer gefochten; doch konnten diese Krieger nicht so rasch festen Fuß gewinnen, weil das Feuer des Geschützes an dieser Seite der Contrescarpe stärker und anhaltender war. Es gelang ihnen endlich doch, obgleich sie eine gute Zeit unbedeckt auf dem Glacis fechten mußten, sich in den halben Mond St. Elisabeth zu logiren.

Die kaiserlichen, an 14.000 Mann stark, fochten ebenfalls auf ihrem Posten am Stockenthor mit besondrer Tapferkeit und drangen unaufhaltsam auf das Hornwerk zu. Es kam ihnen sehr zu statten, daß der Feind seine Mine zu voreilig springen ließ, daher ihnen nur wenig Schaden zugefügt wurde. Man bemächtigte sich hierauf des Hornwerks, drang bis in die Contrescarpe vor, und hieb darin, was sich ihnen widersetzte, nieder. Weil jedoch zur Behauptung der Contrescarpe keine Materialien zur Hand waren, so zogen die Kaiserlichen sich wieder bis zum Hornwerk zurück und setzten sich in demselben fest. Diese für die Alliirten so glücklichen Attaken dauerten von 5 bis 7 Uhr, und das Feuer der Geschütze und die Wuth der Soldaten waren so heftig und groß, daß man meinte, wie es in dem brandenburgischen Berichte über diese Angriffe heißt, Himmel und Erde hätten vergehen sollen. Der Feind verlor sehr viele Leute, und der Gefangenen Aussage gemäß, kam von einigen Compagnien kein Mann und von etlichen Bataillonen gar wenige davon. Auch von den Alliirten blieben viele Tapfern. Der Churfürst von Brandenburg ließ an die Verwundeten Geld austheilen und trug besondere Fürsorge für ihre Verpflegung. Er gab auch Ordre, daß 1.000 Mann in die Werke marschieren und die daselbst befindlichen unterstützen, und alle Bataillonen am nächsten Morgen um 4 Uhr beim Poppelsdorfer Schloßgarten sich einfinden sollten, um den Angriff mit desto größerm Nachdruck zu erneuern, damit dem Feind keine Zeit zur Erholung bliebe; auch befahl er, daß auf der Contrescarpe, oder auf den Ravelinen, wo es am besten sei, Batterien zum Brescheschießen in die Mauern errichtet werden sollten.

Asfeld, selbst schwer verwundet, wartete aber einen zweiten Sturm nicht ab, sondern ließ gegen 7 Uhr des Morgens die Chamade schlagen, worauf der Churfürst von Brandenburg zwar das Schießen, aber nicht die Arbeit einstellen ließ. Die Bedingungen, welche der Kommandant zur Uebergabe der Stadt foderte, gefielen den Alliirten nicht, denn diese verlangten, daß er sich auf Discretion ergeben müsse, indem die Zeit für günstige Bedingungen vorüber sei. Darauf erschien der Major des Orts mit einer andern Kapitulation, welche viel annehmbarer als die vorige war, aber auch verworfen wurde. Der Churfürst gab nun die Bedingungen selbst an, unter welchen kapitulirt werden könne, mit dem Bedeuten, daß, wenn in einer Stunde keine kategorische Resolution erfolge, der Donner des Geschützes sich von Neuem vernehmen lassen würde. Diese Bedingungen verlangten unter Andern, daß die Franzosen mit Stäben in der Hand ausziehen sollten; das aber wollte der Kommandant, durchaus nicht gutheißen, und er erklärte, daß er lieber einen zweiten Sturm abwarten und mit der Garnison sterben wolle, als solchen Schimpf auf sich zu nehmen. Endlich ließ der Churfürst, der auch am Feinde die Tapferkeit ehrte, sich erweichen, und so kam am 12ten Oktober zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittags im Namen des Kaisers eine Kapitulation zu Stande, gemäß welcher die Garnison mit ihrem Gewehr und Bagage, Kugeln im Munde, Schallmeien und Trompeten Schall, fliegenden Fahnen und Standarten, und an beiden Enden brennenden Lunten, mit Blei und Pulver versehen, die Bandeliere, Musqueten und Piken auf den Schultern, die Reiterei zu Pferde mit dem Degen in der Hand, und die Dragoner gleichfalls beritten, ihre Flinten in die Höhe haltend, ungehindert ausziehen konnte. Was jedoch die Fahnen und Standarten der fremden und ausländischen Völker betrifft, so sollten diese dem Churfürsten von Brandenburg ausgeliefert werden. Zu dessen und der Alliirten Disposition blieb auch das Geschütz, sowie alle Kriegs Munition und Proviant. Was aus den Kirchen und Klöstern in die Stadt geschleppt worden war, wie auch das, was den Bürgern gehörte und noch bei der Hand sei, mußte zurückgegeben, und den letztern erlaubt werden, wieder in die Stadt zu kommen und nach dem Ihrigen zu sehen. Auch mußten alle in der Stadt gemachten Schulden bezahlt, und Verzeichnisse der Minen und Magazine eingereicht werden.

Kaum war die Kapitulation beiderseits unterzeichnet und hatten die Brandenburger das Sternthor mit 300 Mann besetzt, als der Churfürst Ernst ganz unverhofft vor seiner verwüsteten Residenzstadt im Lager anlangte, und vor Mitternacht noch die Sternschanz durch 600 Mann besetzen ließ.

Am 15ten Oktober zog die französische Garnison, welche aus Noth über 800 Pferde geschlachtet hatte, und von 10.000 Mann auf 2.400 Gesunde und 1.500 Kranke herabgeschmolzen war, aus und begab sich nach Dietenhofen, unter Begleitung des Grafen von Schlippenbach. Der Kommandant von Asfeld aber ließ sich wegen Körperschwäche in einer Sänfte heraustragen und reiste nach Aachen, wo er bald darauf starb.

An ihre Stelle zogen brandenburgische, münstersche und holländische Truppen als Besatzung ein, deren Befehlshaber, von Schlaberndorf, Freiherr von Landsberg, und Prinz von Holstein, täglich im Kommando wechselten; jedoch in der ersten Zeit schlechte Quartiere hatten, da alle Kirchen und Klöster, ausser der Kirche der Capuzinessen, und alle Häuser bis auf 19 oder 20 abgebrannt, sowie alle Gewölbe und Keller eingefallen waren. Auf diese Art wurde Bonn und das ganze Erzstift aus den Händen der Franzosen gerissen. Zum Andenken dieses Ereignisses wurden zu Ehren des Churfürsten Friedrich III. von Brandenburg, von der hocherfreuten Stadt mehrere Denkmünzen geprägt, wovon eine dessen Brustbild, und auf der Rückseite die Belagerung der Stadt, mit der Umschrift: bono redit omine Bonna, enthält.216

Während dieser Belagerung langte die Nachricht vom Tode des Papstes Innocenz XI. sowohl in Bonn als in Metz, wohin sich Wilhelm Egon von Fürstenberg begeben hatte, an. Dieses Ereigniß machte bei demselben neue Hoffnungen und veranlaßte ihn, noch einmal seine Wahl geltend zu machen; daher er sich an den neuen Papst, Alexander VIII. wendete. Allein auch dieser Schritt blieb erfolglos, weil der Kaiser und das ganze deutsche Reich seinem Wunsche entgegen war; vielmehr bestätigte der Pabst Alexander alles, was sein Vorgänger in dieser Sache gethan hatte; worauf denn der neue Churfürst Joseph Clemens am 1ten Dezember 1689 auch vom Kaiser die Reichslehen der kölnischen Lande erhielt.217

Bonn suchte sich inzwischen möglichst wieder aufzurichten, hatte aber durch den Muthwillen seiner Besatzung noch Manches zu leiden, bis letztere durch baierische Völker, und diese durch drei Regimenter unter dem General-Lieutenant Baron von Bernsau, die auf Rechnung des Erzstiftes waren gebildet worden, abgelöst wurden.218

Eilftes Kapitel.

Churfürst Joseph Clemens. Frankreich gewinnt diesen Fürsten für sein Interesse. Spanischer Erbfolgekrieg. Die Franzosen nehmen aufs Neue von Bonn Besitz. Letzte Belagerung und Uebergabe desselben. Rückkunft des Churfürsten Joseph Clemens. Demolirung der Festungswerke. Schloßbau. Vergrößerungsplan.

Erst im Jahr 1691 sah Bonn, das sich inzwischen wieder aus der Asche erhoben hatte, seinen neuen Landesvater, Joseph Clemens, in seiner Mitte, der gleich beim Antritte seiner Regierung den ausgeschriebenen Landtag am 7ten Mai in eigener Person eröffnete. Dieser Fürst, der am 21sten März 1692 die Landes-Vereinigung beschwur, und gleich darauf, am 21sten April, die berühmte kölnische Hofkammer-Ordnung erließ, richtete auch bald sein Augenmerk auf die bisher bestandene Verfassung seiner Residenzstadt, über die wir einige Worte hier aufnehmen müssen. Die erste Verfassung mag vom Churfürsten Engelbert II. herrühren, und in der Folge, außer von Salentin, auch von andern Churfürsten verbessert und vervollkommnet worden sein. Dem Churfürsten Gebhard endlich wollte aber die alte Verfassung von Grunde aus nicht behagen, wahrscheinlich, weil sie seinem Plane und Interesse nicht entsprach. Daher erließ er, ohne alle Berücksichtigung der alten Bonner Privilegien und Gebräuche, im Jahre 1582 eine Neue, gerade zu der Zeit, als er sich zur Heirath und Erhaltung seine Churfürstenthums anschickte. Dagegen protestirte zwar der Rath, aber seine Protestationen fanden erst Gehör beim Churfürsten Ernst, der darauf jene Verfassung an mehreren Stellen mildernd verbesserte und mit den alten Bonner Privilegien etc. mehr in Einklang setzte. Sie kam jedoch vor und nach in mehreren Punkten außer Anwendung, so daß der Churfürst Joseph Clemens, dem dieses nicht entgangen war, sich zum Vortheil der Bürgerschaft und zum Aufblühen der Stadt zur Erlassung einer ganz neuen Verfassung entschloß, und diese auch am 15ten Dezember 1698 zu Jedermanns Zufriedenheit bekannt machen ließ. Darin wurden unter anderen die Verpflichtungen, Rechte und Befugnisse der Bürgermeister, der Schöffen, des Raths, der Zwölfter oder Zunftmeister, des Stadtrentmeisters, des Stadtsekretärs und der Bürgerschaft von Bonn festgesetzt; dann, daß die Stadt für gewisse namentlich aufgeführte Accise die Unterhaltung der Thürme, Mauern, Thore etc. besorgen mußte, und endlich, daß Keiner in Bonn als Bürger aufgenommen werden konnte, bevor er sich nicht gehörig und befriedigend über sein Herkommen und seinen Lebenswandel ausgewiesen, dem Churfürsten und der Stadtobrigkeit Treue und Gehorsam geschworen und in die Stadtkasse für das Bürgerrecht 6 Goldgülden 16 Albus bezahlt hatte.219

Unterdessen war Frankreich diesem Fürsten nicht gewogen, nicht nur, weil er dessen Günstlingen von Fürstenberg und Bouillon bei der Wahl eines Erzbischofs von Köln und eines Großdeutschmeisters im Wege gestanden, sondern auch, weil er sich zur kaiserlichen Partei hielt. Das Erzstift Köln mußte deshalb von Zeit zu Zeit von den französischen Truppen leiden; Frankreichs Absicht ging sogar dahin, sich der Person des Churfürsten in seiner eigenen Residenz zu bemächtigen. Joseph Clemens getraute sich daher nicht, Bonn zu verlassen, bis endlich am 30sten October 1697 der Friede zu Ryswick zu Stande kam, der nicht nur das Kölner Erzstift, sondern ganz Deutschland mit Jubel und Freude erfüllte.220 Indeß gelang es doch späterhin der schlauen Politik Ludwig des XIV. diesen Fürsten für sich zu gewinnen. Zwei Umstände trafen hier zusammen. Erstens schrieb dieser es vorzüglich dem Hause Oestreich zu, daß er in dem Frieden zu Ryswick leer ausgegangen war. Besonders aber wählte er bei der bald zu erwartenden Erledigung des spanischen Throns Frankreichs Partei aus Rücksichten seines Bruders, des Churfürsten Maximilian von Baiern, welchem Ludwig einige Nebenländer der spanischen Monarchie versprochen hatte. — Der Churprinz Joseph von Baiern, den Karl II., König von Spanien, zu seinem Nachfolger ernannt hatte, war im Jahre 1699 gestorben. Die jetzt streitige Erbfolge setzte ganz Europa in Bewegung. Kaiser Leopold suchte dieselbe auf seinen Sohn, den Erzherzog Karl, Ludwig dagegen auf seinen Enkel, Philipp von Anjou, des Dauphins zweiten Sohn, zu bringen. Dagegen drangen besonders die Seemächte auf eine Theilung.

König Karl II. von Spanien starb zu Madrid am 1sten November 1700, und nun entbrannte der spanische Successionskrieg, der nicht nur für Bonn, sondern für den größten Theil Europas die traurigsten Folgen hatte. Auf Oestreichs Seite traten das deutsche Reich, der neue König von Preußen, Holland, England, Polen, Rußland und andre. Dagegen sagten sich die beiden Churfürsten von Baiern und Köln vom Reiche los, und verbanden sich mit Ludwig XIV. Joseph Clemens ließ, um seinem Verbündeten wirksame Hülfe leisten zu könne, Truppen werben, und zu Bonn und an andern Orte durch französische Ingenieurs neue Festungswerke anlegen. Je dringender auch der Kaiser durch seinen eigends dazu abgeschickten Gesandten, den Kardinal-Bischof von Raab, Herzog von Sachsenzeitz, und der König Wilhelm von England durch den Grafen von Gallowai, ihn von solchen kriegerischen Anstalten abmahnten, je feierlicher auch das Domkapitel sowohl als sämmtliche Landstände während des um diese Zeit zu Bonn ausgeschriebenen Landtages, am 10ten September und 1sten Oktober, gegen die mit fremdem Gelde und ohne ihre Einwilligung angestellte Werbung und begonnene Befestigung der Stadt Bonn protestirten, und, da Alles nichts fruchtete, den Landtag aufhoben, desto mehr legte Joseph Clemens die durch Frankreich eingeflößten gefährlichen Gesinnungen an den Tag, und ließ endlich am 15ten Oktober in seiner Residenz gegen jene Protestationen ein Gegen-Manifest unter Trompetenschall publiciren.

Da er nun voraussah, daß von Seiten der Landstände zur Unterhaltung der angeworbenen Truppen nichts bewilligt werden würde, so schrieb er in dem diesseits rheinischen Erzstifte einen allgemeinen Beitrag von 96.000 Rthlr. aus, wodurch, da alle erzstiftische Güter, auch jene des Domkapitels unter Strafe der Execution dazu beitragen sollten, große Bewegungen entstanden.

Der Kaiser Leopold ging unterdessen in seiner Güte so weit, daß er sich anheischig machte, die von Joseph Clemens geworbenen 4.000 Mann unter der Bedingung zu besolden, daß sie ihm und dem Reiche den Eid der Treue ablegen sollten, ein Vorschlag, der aber beim Churfürsten, obgleich es ihn später tief gereute, kein Gehör fand. Vielmehr zog dieser, da 1.000 Mann Holländer dem Rheine zu marschirten, und Churpfalz seine Truppen ansehnlich vermehrte, die in der Nähe stehenden französischen Truppen, 16.000 Mann stark, in das Erzstift Köln und das Hochstift Lüttich, und vertraute die Vertheidigung aller Festungen und Städte dieser beiden Bisthümer, mit Ausnahme seiner Residenz Bonn, französischen Befehlshabern an. Diese Völker erhielten den Namen: Burgundische Kreisvölker, und der Churfürst glaubte sein Benehmen in ein minder nachtheiliges Licht dadurch zu stellen, daß er denselben den Eid abfoderte, Niemanden anders als seinen Befehlen zu gehorchen, keine Feindseligkeiten gegen den Kaiser und das Reich auszuüben, und ohne Zögerung seine Länder zu verlassen, wenn er solches verlange.

Allein der Kaiser und die übrigen Fürsten wollten seine Gesinnungen und Absichten, so wie die burgundischen Kreisvölker zu gut kennen, als daß sie dem Benehmen des Churfürsten und dem Eide hätten trauen sollen; daher ließ Leopold, da alle Ermahnungen und alle Güte nichts fruchteten, ihm unterm 9ten Januar 1702 durch den Bischof von Raab, Herzog Christian August zu Sachsenzeitz, den Befehl zustellen, und in Bonn und in andern Städten öffentlich anheften, daß alle dem Churfürsten mit Eid und Pflicht verbundene sowohl hohe als niedre Beamten von ihren Pflichten freigesprochen und aus dessen Diensten entlassen seien. Hiergegen ließ nun der Churfürst unterm 1ten März ein weitläuftiges Manifest in allen seinen Landen anschlagen, worin er die kaiserlichen Befehle für nichtig erklärte, sein Benehmen beschönigte und seine Civil- und Militär-Beamten an ihren Eid erinnerte. Dieses fruchtete jedoch wenig, da sowohl Minister als Räthe anfingen, Bonn zu verlassen. Inzwischen war er sehr bemüht für die immer stärkere Befestigung seiner Residenzstadt, und ließ daher zur Anlegung neuer Vorwerke einige hundert Viertel Weingärten ausrotten; er hoffte sich dadurch in eine Lage zu setzen, die den drohenden Unruhen gewachsen wäre. Bisher hatte der Churfürst angestanden, den Franzosen Bonn zu übergeben, nicht einmal einzelnen Bewaffneten den Eintritt gestattet; jetzt fing er aber an, dieses zu erlauben, und erließ, da deren Zahl sich immer vermehrte, und Alles eine hellere und ernstere Gestalt annahm, an die Bonner den Befehl, sich auf ein Jahr mit Proviant zu versehen, und wenn Lärmen entstände, nicht aus den Häusern zu gehen, sondern zur Nachtszeit nur Lichter an die Fenster zu stellen, damit die Straßen beleuchtet wären. Dieser Ordre folgte die Erlaubniß, daß diejenigen, welche es wünschten, die Stadt verlassen könnten, nur müßten sie ihre Früchte und Weine zurücklassen. Von dieser Erlaubniß machten Viele Gebrauch und begaben sich nach Köln und Koblenz, da es ihnen noch frisch im Andenken war, welche Folgen die Besatzung der Stadt durch Franzosen haben konnte. Am 5ten März 1702 langten auch in Bonn schon 400 Karren mit Kanonen und Kriegs-Munition, von Metz kommend, an, denen der Graf von Montrevel mit vielen Offizieren und 500 Mann entgegen gezogen war, um sie vor dem Feinde sicher zu stellen.

Da der Churfürst im Guten die französische Sache nicht aufgeben wollte, und seine Gesinnungen endlich für jeden kein Geheimniß mehr waren, schritt der Kaiser zur Gewalt, indem er dem Fürsten von Nassau-Saarbrücken den Befehl ertheilte, sich mit den brandenburgischen und holländischen Truppen dem kölnischen Erzstifte zu nähern und aller festen Plätze zu versichern. Während dieser dem kaiserlichen Befehle gemäß auf das Erzstift losging, versammelte der Churfürst unweit seiner Residenz, bei Endenich, ein Heer von 5.000 Mann, welches noch durch ein französisches Hülfskorps unter dem Grafen von Tallard verstärkt wurde. Mit diesen Truppen gewann er mehrere Vortheile über den Feind. Allein die Freude über diesen günstigen Erfolg war kurz; denn die französische Heeresabtheilung erhielt den Befehl, sich anders wohin zu begeben, und ließ dem Churfürsten nur wenige Truppen zurück, womit dieser seine Hauptstadt und die Schanze zu Beuel besetzte. Zur Erhaltung der Kommunikation beider Orte hatte man außer der fliegenden Schiffbrücke auch eine stehende oberhalb der Stadt verfertigt; dieselbe wurde aber durch den Feind mittelst einer Flöße zerstört; — ein Vorfall, der den Churfürsten in große Verlegenheit setzte, besonders, da er schon die Nachricht erhalten hatte, daß seine Gegner Kaiserswerth, Andernach, Sinzig und Linz erobert hätten. Er merkte also, daß sich das ganze Ungewitter nun über Bonn zusammen ziehen würde, und verließ daher am 13ten Oktober diese ihm nicht genug Sicherheit mehr gewährende Stadt. Den Bürgern blieb seine Flucht eine Zeit lang verborgen, da er unter dem Vorgeben, einer Schweinsjagd im Kottenforst beizuwohnen, abgereist war. Er begab sich, nachdem er unter Thränen dem Meßopfer in der Dorfkapelle zu Poppelsdorf beigewohnt harre, nach Dinant, von da nach Luxemburg und Rissel, und endlich nach Valenciennes, wo er bis zum badischen Frieden, also über 12 Jahre, in Kummer verlebte.

Das Kommando in Bonn hatte er dem churkölnischen General-Major, Grafen Chabo von St. Maurice, und dem französischen Generale, Marquis d'Allegre, anvertraut; doch jener überließ diesem allein das Kommando und folgte dem Churfürsten nach. Indeß wollten die deutschen Offiziere der Regimenter St. Maurice und Wolfskehl sich nicht immer nach seinen Vorschriften richten; indem ihnen die kaiserlichen Befehle bekannt waren. Da ließ d'Allegre mittelst Trommelschlags verkündigen, daß es einem jeden Krieger der deutschen Garnison freistehe, den Befehlen des Kaisers zu gehorchen, jedoch sollten diejenigen, die solches zu thun entschlossen waren, durch den Henker zur Stadt hinausgeführt werden.

Da in Bonn am 15ten November noch ein schärferes kaiserliches Mandat erschien, worin Leopold dem Domkapitel die Verwaltung des Erzstiftes auftrug, so verließ auch der churfürstliche Kanzler, Joh. Friedr. Karg von Bebenburg, dem Joseph Clemens bei seiner Abreise die Verwaltung seiner Lande übertragen hatte, die Stadt, und das Domkapitel zog von dort die Hofkammer und den Kriegsrath nach Köln, und machte diese Aenderung den kölnischen Unterthanen am 25sten November 1702 bekannt, obgleich diese Maßregeln dem Churfürsten gar nicht gefallen wollten. Hiezu kam noch, daß auf einem zu Köln gehaltenen Landtage der Beschluß gefaßt wurde, dem Kaiser für die zugesagte Räumung des Erzstiftes von den Franzosen und die Befreiung von allen Erpressungen der Alliirten, 100.000 Rthlr. und 4.000 Malter Roggen und Hafer aus der Landkasse und den churfürstlichen Renten zu zahlen. Zwar suchte Frankreich den durch Kummer niedergebeugten Fürsten zu trösten, und versprach feierlich, ihn wieder in den Besitz seiner Lande zu setzen; allein auf dieses Versprechen wurde später gar nicht geachtet.

Man hätte es allseits gern gesehen, wenn die Alliirten noch im Jahre 1702 zur Belagerung von Bonn geschritten wären, um die Franzosen von fernern verheerenden Einfällen in die Umgegend abzuhalten, und aus Bonn und dem kölnischen Erzstifte überhaupt zu vertreiben; allein die ungünstige Jahrszeit war zu weit vorgerückt, so daß man sich auf eine bloße Blokade, die der Erbprinz von Hessen-Kassel übernahm, beschränken mußte. Die Besatzung von Bonn, aus 4.500 Mann bestehend, glaubte beim Heranrücken des Prinzen, man würd nun zur Belagerung schreiten, und stand deshalb im Begriff, einige neu angelegte Werke zu zerstören, weil sie sich augenblicklich, einem aufgefangenen Briefe des Kommandanten an den General Tallard gemäß, nicht stark genug fühlte, dies Werke und die Stadt zu besetzen; aus diesem Briefe, worin auf Verstärkung angetragen wurde, ging auch hervor, daß Bonn noch nicht hinlänglich mit Lebensmitteln versehen war.

Während also die Franzosen sahen, daß es noch nicht mit allem Ernste und Nachdruck auf sie los ginge, und daher die Werke fortbestehen ließen, trugen die Alliirten ihrerseits Sorge, daß keine Lebensmittel in die Stadt gebracht werden konnten. Das gefiel der Besatzung nicht, auch sah sie vorher, daß man mit ihr ein ernstes Spiel spielen werde, daher die Franzosen sich dafür zu entschädigen suchten. Die Schiffe, welche an Bonn vorbeifuhren, hatten sie bisher gegen eine billig Abgabe passiren lassen. Nun aber langte vom französischen Hofe der Befehl ein, daß jedes Schiff den zehnten Theil seiner Ladung zu Bonn abgeben und jeder Passagier fünf Rthlr. zahlen sollte, welcher Befehl der französischen Kammer eine schöne Summe einbrachte. Die Alliirten mußten diese geschehen lassen, weil ihr Macht noch nicht bis zur hinreichenden Stärke angewachsen war; inzwischen richteten sie aber alle für Bonns Belagerung im nächsten Frühjahre ein, zu welchem Ende im Bergischen eine große Zahl Bomben, Granaten etc. gegossen und nach Köln gebracht wurden, und das Domkapitel Truppen anwerben ließ, die es unter das Kommando des Baron von Bernsau stellte.

Am 15ten April 1703 wurde endlich zu Köln von dem Herzog Marlborough und den holländischen Generalen von Opdam und Cöhorn die Belagerung der Stadt Bonn beschlossen. Auf mehr als 150 holländischen Schiffen schaffte man zu diesem Ende die Artillerie und alles Nöthige mit der größten Schnelligkeit herbei. Schon am 24sten wurden alle Zugänge, besonders gegen das Gebirge hin durch den General Bulau mit 1.000 preußischen und lüneburgischen Reitern besetzt. Bis zum 1sten Mai langten die übrigen Belagerungstruppen an und schlossen die Stadt auf allen Seiten so ein, daß ihr Lager sich von Rheindorf bis zum Kreuzberge erstreckte. Nun begann die förmliche Belagerung. Der Angriff sollte auf drei Seiten geschehen. Oberhalb der Stadt hatten die churtrierischen und hessischen Truppen unter dem Kommando des Prinzen von Hessen-Kassel ein Bollwerk errichtet und auf dasselbe das mit der Schiffbrücke von Koblenz gebrachte schwere Geschütz aufgepflanzt. Unterhalb der Stadt lagerten sich unter Anführung der Generale Fagel und Opdam die preußischen, münsterschen und holländischen Truppen, und halten gleichfalls einige Bollwerke errichtet. Der holländische General Cöhorn221 aber, welcher bei Rheindorf eine Brücke über den Rhein schlug, machte die nöthigen Anstalten zum Angriffe der wichtigen Schanze zu Beuel, wozu er die holländische Artillerie, bestehend in 10 größern und mittlern Kanonen, 50 großen Bomben-Mörsern und 600 kleinen Mörsern, benutzte. Ueber das Ganze führte der englische General, Herzog von Marlborough, den Oberbefehl.

Nach vielen kleinen Scharmützeln und nachdem man seit dem 3ten Mai die Trencheen geöffnet, und mit diesen und den Batterien der Stadt und der Schanze sehr nahe gerückt war, wurde auf den 9ten Mai alles zu einem entscheidenden Angriffe vorbereitet. Jedoch zum bessern Gelingen desselben feuerten die Belagerer am Tage zuvor auf die fliegende Brücke und zerschossen die Ketten, wodurch jene den bei Rheindorf stehenden Truppen in die Hände fiel, und die Kommunikation zwischen der Stadt und der Beueler Schanze aufhörte, oder doch erschwert wurde. Am 9ten endlich gab der General von Hoffkirch auf den unterhalb der Stadt errichteten Bollwerken das Signal zur Abfeuerung sämmtlicher um die Stadt aufgepflanzten Kanonen; und im Augenblicke fielen unzählige Kugeln heulend und verheerend in Bonn nieder, und erfüllten seine Bewohner mit Schrecken. Der heftigste Angriff aber geschah gegen die Schanze zu Beuel, und zwar mit so gutem Erfolg, daß der Kommandant derselben, von Rabutin, die Baracken und andre Gebäude anzündete, um sich unter dem Schutze des Rauchs nach Bonn zu flüchten. Die Besatzung wurde darauf zum Theil niedergemacht, zum Theil gefangen genommen. Während auf der linken Rheinseite die Kanonade fortdauerte, wurden auf der eroberten Schanze am folgenden Tage verschiedene Batterien errichtet, und gegen acht Uhr Abends auch von denselben mit 60 halben Karthaunen, 40 andern schweren Kanonen und 42 Mörsern auf Bonns Mauern, Wälle und Bollwerke am Rheinufer so heftig geschossen, daß mit Anbruch des Tages die starke Bastion beim Zollhause über die Hälfte, und die in der Nähe des ehemaligen Ochsenthors222 gelegene Redoute ganz zerstört war. Auch das Josephthor und die angrenzenden Mauern lagen darnieder. Jetzt drangen die Feinde, darunter besonders die preußischen Truppen, an dieser Stadtseite unaufhaltsam vor; 10 Bataillone erstürmten die Contrescarpe, und die Belagerten zogen sich immer mehr ohne Widerstand zurück. Weil der holländische General Cöhorn die Stadt unaufhörlich beschoß, und überdieß auf den 15ten Mai wieder ein allgemeiner Sturm verabredet worden war, so hatte der Kommandant von Bonn, Marquis d'Allegre, keine Lust, diesen abzuwarten, und ließ des Morgens in aller Frühe an drei verschiedenen Stellen die Chamade schlagen, worauf ein Stillstand auf zwei Tage bewilligt und am 16ten Mai nach vielen Umständen eine Kapitulation vom Herzog von Marlborough und dem Kommandanten d'Allegre unterschrieben wurde, in deren Folge das Stockenthor durch einen Obristlieutenant und 300 Mann der Belagerer gleich besetzt wurde, und am 19ten die von 6.000 Mann auf 2.500 herab geschmolzene Besatzung mit Waffen und Bagage, Kugeln im Munde, klingenden Pauken, Trommeln und Trompeten, fliegenden Fahnen und Standarten, Bandelieren mit Pulver und Blei, die Kavallerie zu Pferde mit dem Degen in der Hand, die Dragoner gleichfalls beritten mit erhobenen Flinten, sammt aller Equipage, und mit sechs Kanonen am Sternthor auszog.

Nun war Bonn zum dritten Male aus den Händen der Franzosen gerissen und dem Erzstifte wieder gegeben, leider aber in einem Zustande, der Aergerniß, Trauer und Mitleid von allen Seiten hervorrief. Denn fast kein Gebäude war unbeschädigt mehr, das eine lag ganz, das andre zum Theil darnieder, und die Bewohner hatten während der Beschießung Schutz und Sicherheit auswärts und in den Kellern suchen müssen. Die Landstände waren zwar sehr besorgt gewesen, diese Verwüstung abzuleiten, weshalb sie der Generalität der Belagerer zur Abwendung des Bombardements 1.000 Ducaten hatten zahlen lassen. Aber wiewohl das Erzstift außer dieser Summe noch 145.729 Rthlr. entrichten mußte, so war dennoch, durch Umstände geboten, die Beschießung erfolgt.223

Unter den Gedichten, die Bonns Befreiung zu verherrlichen bestimmt waren, heben wir eins heraus, das die Stadt mit dem alten Jericho auf folgende Weise vergleicht:

Was durch Posaunenschall vor Jericho geschehen,
Das ist ein Wunderwerk bei aller Welt geacht,
Ein anders ist, was man bei Bonn jetzt hat gesehen,
Da eines Kühhorns Ton die Mauern fallen macht.

Zu Ehren ihres Generals Cöhorn ließen hierauf die Generalstaaten von Holland eine Denkmünze prägen, auf deren obern Seite sich das Brustbild desselben mit folgender Inschrift befindet:

Menno Bato de Coehorn summus apud Batavos Armorum Praefectus etc.224

Auf der Rückseite aber sieht man die Stadt Bonn, als ein anderes Jericho mit eingestürzten Mauern, und einer Inschrift, die jenes Gedicht hervorrief.

Auch die Königin von England, Anna, ließ wegen Eroberung der Stadt Bonn eine Denkmünze prägen. Auf der obern Seite steht ihr Brustbild, mit der Umschrift:

Anna D. G. Mag. Br. St. et Hiberniae Regina225;

auf der untern Seite erblickt man wieder die Stadt Bonn, wie solche von der Landseite beschossen, und die Außenwerke, unter Anführung des englischen Generals, Herzogs von Marlborough, mit Sturm eingenommen werden; mit der Umschrift:

Bonna a malis erepta socialibus armis, Idibus maji MDCCIII.226

Während die Belagerungsarmee auf andere Oerter losging, erhielt Bonn eine größtentheils holländische Besatzung, die ihm mehr zum Drucke, als zum Schutze gereichte, indem sie ihren Muthwillen nicht nur auf den Straßen, sondern auch in Kirchen und Klöstern trieb, und den Einwohnern durch List und Gewalt noch dasjenige nahm, was sie in den furchtbaren Belagerungen gerettet hatten. Das Domkapitel machte darüber beim Kaiser Vorstellungen, und dieser erließ auch die nöthigen Befehle, aber sie fruchteten nichts. Churfürst Joseph Clemens, dem es bei diesen Umständen nicht wohl zu Muthe war, sah nun ein, wie wenig man auf die Versprechungen Frankreichs vertrauen könnte und bat daher den Kaiser um Gnade. Aber Leopold, der zur Versöhnung geneigt war, starb, und sein Sohn Joseph, der ihm folgte, erklärte nicht nur ihn, sondern auch den Churfürsten von Baiern in die Acht. Inzwischen litt Bonn und seine Umgegend durch starke Einquartierungen und beständige Durchzüge verschiedener Truppen aufs Neue; so daß es wahrhaft zu verwundern ist, wie diese Stadt es so lange aushalten konnte, da sie nebst den persönlichen Lasten eines jeden Bürgers auch noch die ungeheuren Kosten zu tragen hatte, welche die holländische Besatzung und die Ausbesserung der Festungswerke verursachten, und die vom Jahre 1703 bis zum Jahre 1713 die Summe von 188.606 Rthlr. 55 Albus 8 Heller betrugen; während die Kriegskosten für das Erzstift überhaupt sich auf 3.699.870 Rthlr. beliefen.227 In Betracht dieser fast erdrückenden Lasten und auf die Beschwerde der Bonner setzte das verwaltende Domkapitel am 20sten Mai 1707 fest, »daß die Stadt Bonn alle zu Land einführende Pachten, Wein, Victualien, Holz und dergleichen Sachen von aller Zoll-Gebührnus frei sein und bleiben sollen.«228

Schon im Jahre 1709 begann Frankreich, durch die fortwährenden Kriege und Verluste, die es durch die tapfern Gegner, die Feldherrn Eugen, Marlborough und Ludwig von Baden, erlitten hatte, fast ganz erschöpft, mehr als jemals an den Frieden zu denken, und diesen selbst durch Opfer herbeizuführen. Ludwig XIV. erklärte sich daher sogar zur Abtretung der spanischen Länder und des Elsasses bereit, doch seinen Enkel Philipp selbst aus Spanien zu vertreiben, was ihm ebenfalls zugemuthet wurde, wollte er nicht zugestehen; und so begann der Krieg von Neuem, aber zum Nachtheil Frankreichs. Inzwischen starb der Kaiser Joseph, und Karl, sein Bruder, der für den spanischen Thron bestimmt war, bestieg als Karl VI. den deutschen Kaiserthron am 22sten Dezember 1711, worauf der Zankapfel, die spanische Monarchie, zwischen ihm und seinem Gegner, Philipp V., vertheilt wurde.

Endlich nahm der verheerende Krieg, der zwar Frankreichs Uebermacht brach, aber auch viele Länder verwüstete, durch den Frieden zu Baden, am 7ten September 1714 ein Ende, und der Churfürst Joseph Clemens wurde in dessen Folge wieder in seine Länder eingesetzt.

Schon lange der französischen Last überdrüssig, brach er ungesäumt und mit freudigem Herzen nach denselben auf, und langte am 12ten Dezember 1714 im Hochstifte Lüttich an, wo er die Wintermonate verweilte. Am 25sten Februar 1715 hielt er unter Jubel und Freudengeschrei seiner Unterthanen in Bonn seinen feierlichen Einzug und dankte in der Münsterkirche der Vorsehung für die glückliche Veränderung der Dinge. Bei diesem Einzuge sollte aber die Freude des Churfürsten nicht ungetrübt bleiben. Im Frieden hatten sich die Generalstaaten ausbehalten, daß die Festungswerke zu Bonn als ihnen unheilbringend völlig geschleift, und so lange dieses nicht geschehen wäre, die Stadt mit holländischen Truppen besetzt sein sollte. Der holländische Kommandant, Obrist v. Coitiers, wollte daher nicht zugeben, daß die zwei Regimenter des Churfürsten in die Stadt einquartirt wurden. Um also die Freude der Bonner und aller Anwesenden nicht zu vermindern, bewilligte Joseph Clemens, daß sie noch am nämlichen Abend die Stadt verlassen sollten.229

Obgleich der Churfürst sich zur Demolirung dieser Festungswerke nicht verbunden hielt, so fand er doch selbst für gut, wenigstens einen Theil derselben niederreißen, und den dadurch gewonnenen Pflanzraum unter seine Hofleute zur Anlegung von Gärten vertheilen zu lassen.230 — Die Holländer wollten indeß Bonn noch immer nicht räumen, unerachtet es der Kaiser selbst verlangte und ihre Kameraden, die westerwäldischen und paderbornischen Truppen, abzogen. Sich also von fremden Truppen in seiner Residenz gleichsam bewacht zu sehen, war dem Churfürsten höchst unangenehm, und wahrscheinlich der Anlaß, daß er im Monate September eine Reise nach München antrat. Auf derselben that er wegen Räumung Bonns noch mehrere Schritte, und als auch diese erfolglos blieben, so wurde auf seinen Befehl den Bonnern befohlen, den Holländern die Wohnung aufzukündigen, während zwei Regimenter Infanterie unter Kommando des General-Feldwachtmeisters Baron von Kleisten und des Brigadier Baron von Glimes, am 16ten November über die Brücke des Stockenthors in die Stadt eindrangen und sich darin mit Hülfe der Bürger aller Hauptposten, Hauptwachen und der Stadtthore bemächtigten. Nachdem dieses geschehen war, ließ der im voraus angelangte Großkanzler Baron von Karg den neuen holländischen Kommandanten, Burgmannia, in Güte auffodern, vor der auf den 10ten Dezember festgesetzten Ankunft des Churfürsten die Stadt zu verlassen, wobei er ihm nicht verhehlte, daß man widrigenfalls alle Güte bei Seite setzen und Gewalt gebrauchen würde. Aber auch diese warnende Auffoderung blieb unbeachtet, und so nahm man denn am 11ten Dezember, an welchem Tag der Churfürst wirklich eintraf, gewaltsame Maßregeln, und vertrieb endlich nach vielen Schwierigkeiten die halsstarrigen und unwillkommenen Gäste aus der Stadt. — Ueber dieses Verfahren schrien die Generalstaaten heftig; jedoch söhnte Joseph Clemens sich mit ihnen im Jahre 1717 aus; es kam in demselben am 28ten Juni ein auch vom Kaiser und dem Reiche bestätigter Vertrag zu Stande, worin der Churfürst sich verpflichtete, die meisten Festungswerke in drei Monaten schleifen zu lassen, was er auch durch 300 Mann in möglichst größter Geschwindigkeit ausführen ließ.231

Wegen dieser Demolirung, die für Bonns Wohl und Ruhe von hohem Interesse war, Frankreich aber um einen Haltpunkt brachte, dagegen Holland und andre Staaten von einer Unruhe befreite, haben wir heute nur noch in den Wällen, Gräben und Mauern, an welchen so viele Tapfern den Heldentod starben, ein schwaches Bild der ehemaligen Festigkeit dieser alten, so oft schrecklich heimgesuchten Stadt. Aber auch dieses verschwindet, wie alles Menschliche, mit jedem Jahre, weil man die Ueberreste zur Verschönerung und Vergrößerung Bonns allmählig wegräumt; doch das Wenige reicht noch immer hin, zu zeigen, welche Anstrengungen und Opfer es bedurfte, ehe man sich rühmen konnte, Herr dieser Festung zu sein.

Während Bonn nun in einer langen Reihe von Jahren sich des Friedens und der Ruhe erfreute, änderte sich in seinem Innern Alles zum Schönern. Um nämlich die gräßlichen Merkmale der Belagerungen bald zu beseitigen, und seiner Residenzstadt von Neuem Glanz und Ansehen zu verleihen, munterte Joseph Clemens die Bonner und geistlichen Gemeinen zur Herstellung der zerschossenen Häuser, Kirchen und Klöster auf; theilte unter seine Hofleute Bauplätze aus; setzte das vom Churfürsten Ferdinand erbaute und in den Belagerungen verwüstete Schloß wieder in einen guten Stand; weihete im Jahre 1717 die inzwischen fertig gewordene Jesuitenkirche ein; legte im selbigen Jahre den Grund zu einem neuen, dem jetzigen Residenzschlosse, und war auch Willens ausserhalb des Stocken- und des Neuthors Vorstädte zu gründen, wovon die erste Josephsstadt, die andre Judenstadt genannt werden sollte. Schon hatte er verschiedene Grundstücke zu diesem Zwecke angekauft und die Hausplätze mit Pfählen abgetheilt, als ihn leider mitten in seinen Entwürfen und Planen der Tod in Bonn am 12ten November 1723 ereilte.232 Aus dem Vorhergehenden ersehen wir, in welchen Flor das Erzstift Köln, besonders aber die Stadt Bonn, unter diesem Fürsten gelangt wäre, wenn derselbe nicht vorzüglich aus Rücksichten der Verwandtschaft für Frankreich auf den Kampfplatz trat. Gewiß waren aber die Folgen dieses unglücklichen Schrittes für seine Lande ganz andre, als er selbst gedacht, oder man ihm vorgehalten hatte; und gerne glauben wir, daß er zum Besten derselben bald wieder umgekehrt wäre, wenn es in seiner Macht gestanden hätte. Aber die Protestationen seiner guten Gesinnungen für Deutschlands Ruhe scheiterten an den eigenmächtigen Anweisungen des französischen Gesandten des Alleurs.233 Kurz Joseph Clemens glich einem reich beladenen Schiffe, das sich auf glückliches Gelingen der Fahrt in die hohe See gewagt, dann aber auf einmal vom Sturme ergriffen und trotz aller Gegenwirkungen weit von seiner Bahn an einen Ort geschleudert wurde, wo es zwar unbeschädigt anlangte; aber seine Rettung, zwischen Klippen festsitzend, einzig und allein günstigen Umständen überlassen mußte.

Zwölftes Kapitel.

Churfürst Clemens August. Bau des jetzigen Schlosses. Bonns etwaige Wiederbefestigung. Churfürst Max Friedrich. Stiftung einer Akademie. Erhebung derselben zur Universität. Churfürst Max Franz.

Dem Churfürsten Joseph Clemens folgte sein Vetter Clemens August, Herzog von Baiern, ein für das Schöne und Gute empfänglicher und von seinen Unterthanen herzlichst geliebter Fürst, der den Plan seines Vorgängers hinsichtlich der Vergrößerung Bonns zwar nicht aufnahm, aber einen glänzenden Hof liebte, zum Wohle seiner Unterthanen viel und prächtig baute, und namentlich auch den angefangenen Schloßbau beinahe vollendete. Erst am 13ten Mai 1724 hielt Clemens August in Bonn seinen feierlichen Einzug mit einem glänzenden Gefolge.234 Dieser Einzug wurde noch mehr verherrlicht durch die Anwesenheit des Herzogs Theodor von Baiern, dem am 22sten November der Churprinz Karl und Herzog Ferdinand folgten; so daß damals vier Herzoge von Baiern in unserer Stadt gegenwärtig waren.235 Im Jahre 1727 ging Clemens August, nachdem seine Mutter, die verwittwete Churfürstin von Baiern, in Bonn ihre Residenz für einige Zeit aufgeschlagen hatte, nach Italien, weil sich der Papst Benedict XIII. erboten hatte, die bischöfliche Consecration an ihm persönlich zu verrichten. Dieser Act fand am 9ten November in dem Dominicaner-Kloster Madonna della Quercia, bei Viterbo, unter großer Feierlichkeit Statt. In Bonn traf Clemens August zur Freude aller Einwohner am 23sten April 1728 wieder ein, und ließ gleich zum Empfange des Churfürsten von Trier, Franz Ludwig, Pfalzgrafen am Rhein und Hochdeutschmeisters, und des Churfürsten Karl Albert von Baiern, sowohl bei Hofe als in der Stadt alle nöthige Anstalten treffen. Diese beiden Fürsten langten noch am selbigen Tage des Abends zu Wasser an, und verursachten große Festlichkeiten, die mit Schießen, Feuerwerken auf dem Rheinstrome, vermummten Tanzen auf der fliegenden Schiffbrücke u. s. w. abwechselten.236 Bald darauf entstanden im Reiche Bewegungen wegen der Succession in Toskana, Parma und Piacenza, weil der darüber zwischen Spanien, England, Frankreich und Holland abgeschlossene Tractat für den Kaiser Karl VI. und sein Haus nachtheilig ausgefallen war. Dieser suchte daher alle chur- und fürstliche Höfe des römischen Reichs für sein Interesse geneigt zu machen, aber sein Gesandter, Graf von Kuffstein, fand überall und so auch in Bonn eine unbefriedigende Antwort. Da jetzt ein unvermeidlicher Krieg vorauszusehen war, so vereinigten sich die vier rheinischen Churfürsten von Mainz, Köln, Trier und der Pfalz dahin, ihre Truppen um das dreifache zu vermehren, und vor Ende des Monats September in schlagfertigem Zustande zu haben. Diese Maßregel gaben sie zwar als zu ihrem Schutze bei unvorhergesehenen Ueberfällen beschlossen, an, aber sie machte einen tiefen Eindruck am kaiserlichen Hofe, besonders, da um diese Zeit Friedrich Wilhelm, König von Preussen, bei allen rheinischen Churhöfen ansprach und ihre Gesinnungen mündlich einholte. Er langte daher auch am 8ten August 1730, mit seinem erhabenen Sohne, dem Kronprinzen, nachherigen König Friedrich II., und dem Fürst-Bischofe von Freisingen, Herzog Theodor aus Baiern, in Bonn an, und wurde auf die ihm gebührende Art empfangen und bewirthet, während die Stadt vom Jubel und Freudengeschrei wiederhallte.237

Im Jahre 1732, wo Clemens August mittelst seines ersten Staatsministers und Oberhofmeisters, Grafen Ferdinand von Hohenzollern, den ersten Stein zum Bonner Gymnasium legte238, erhielt derselbe auch die Würde eines Großdeutschmeisters, so daß er von dieser Zeit an die größte Macht unter den geistlichen Fürsten des deutschen Reichs besaß, da er außer dem Erzstifte Köln, Herr von vier andern fürstlichen Bisthümern, nämlich: von Paderborn, Münster, Hildesheim und Osnabrück war.239 Dies bewies Clemens August auch in dem zwischen dem kaiserlichen und französischen Hofe nach dem Tode des Königs August II. von Polen ausgebrochenen Kriege, da er damals Bonn, ungeachtet der Einwendungen Hollands, für den Nothfall in etwa wieder befestigte, und aus seinen Bisthümern verschiedene Regimenter zusammenzog, diese zwischen Bonn und Godesberg lagern, und endlich zur Reichsarmee abgehen ließ.240

Das alte Bonner Rathhaus, welches, sehr fest und geräumig, den Churfürsten mitunter zum Absteigequartier diente, und auch Räume für Ruhestörer und Hochverräther enthielt, war durch Alter und Beschießungen der Stadt in einen solchen Zustand gerathen, daß man sich im Jahre 1737 zur Erbauung eines neuen, des jetzigen Rathhauses, das an die Stelle des alten zu stehen kam, entschloß. Churfürst Clemens August legte dazu am 24sten April unter großer Feierlichkeit den ersten Stein; aber er erlebte nicht die Vollendung dieses schönen Baues, welche erst im Jahre 1782 eintrat.241

Während dieser Fürst seine Pflichten gegen den Kaiser und das Reich erfüllte, unterließ er nicht, auch für das Wohl seiner Lande bestens zu sorgen, wobei er mit Herablassung und Freundlichkeit selbst mit dem Geringsten seiner Unterthanen sich unterhielt. Er besaß einen frommen religiösen Sinn, den er bei jeder Gelegenheit zu nähren und zu beleben strebte, und eine Lust zum bauen, die so groß und folgereich war, daß man fast sagen könnte, alles Große und Schöne, was Bonn und seine Umgegend aus jener Zeit aufzuweisen haben, verdankt diesem großmüthigen Fürsten sein Dasein. Wir machen zur Bestätigung dieser Aussage nur auf das Bonner Schloß, die Pfarrkirche St. Peter242, das Lustschloß Poppelsdorf, die heilige Stiege aus dem Kreuzberge, das Jagdschloß Falkenlust und das Lustschloß zu Brühl aufmerksam.243

Nachdem Clemens August noch die Freude genossen, seinen Bruder, den Churfürsten Karl Albert von Baiern, wenn auch nur für kurze Zeit, mit der deutschen Kaiserkrone geschmückt zu sehen, und die Hälfte des siebenjährigen Krieges, ohne daß dieser wesentliche Nachtheile für seine Lande verursacht, erlebt hatte, starb er auf einer Reise nach Baiern, zu Ehrenbreitstein am 4ten Februar 1761, nachdem er vorher dem Erzstifte seine ganze Hinterlassenschaft vermacht hatte. Nicht zu schildern ist die Trauer, welche Aller Herzen bei dieser Nachricht ergriff, und unter den Inschriften, die erschienen, heben wir nur Zwei heraus, wovon die eine:

hIC CorDa popVLorVM

[I C C D V L V M = 1761]

die Liebe im Leben und den Schmerz am Grabe, und die andre:

reCorDate bonna aVgVstae CLeMentIae

[C D V V C L M I = 1761]

die Dankbarkeit für die empfangenen Wohlthaten kurz ausdrückt.244 In der That lebt auch das Andenken dieses Fürsten, wovon einzelne Theile in Bonn, nämlich in der Hauptpfarrkirche St. Remigius das Eingeweide, und in der Capuzinerkirche die Zunge, Augen und Gehirn beerdigt wurden, noch so frisch in dieser Gegend, daß überall, wo von ihm gesprochen wird, man nur Ausdrücke der größten Zufriedenheit hört, die von einer Generation zur andern übergehen.

Sein Nachfolger war Maximilian Friedrich, Graf von Königseck-Rothenfels, welcher, wie sein Vorgänger, Pracht und Glanz liebte, und dem, wie einem liebenden Vater, das Wohl seiner Unterthanen am Herzen lag. Er wurde in Bonn in der Hofkapelle am 16ten August 1761 durch den päpstlichen Nuntius Lucini zum Bischofe gesalbt, und mit dem Pallium geschmückt245, bei welcher Gelegenheit große Festlichkeiten Veranstalter wurden. Dieser Fürst wurde am 16ten September 1762 auch zum Fürst-Bischofe zu Münster erwählt. Er ließ sich die geistliche und weltliche Rechtspflege, die allgemeinen Landesangelegenheiten, die öffentliche Sicherheit, die Steuereinrichtungen, überhaupt alle Zweige der Verwaltung äußerst angelegen sein. — Im Jahre 1769 legte er in Bonn eine Naturaliensammlung an, welche bald an Umfang und Wichtigkeit zunahm.246 Als Papst Clemens XIV. mittelst der Bulle vom 21sten Juli 1773 die Gesellschaft der Jesuiten für alle Zeiten und in allen Ländern auflöste, und diese am 16ten August 1774 auch dem hiesigen Kollegium publicirt wurde, beschloß Maximilian Friedrich die Güter desselben fruchtbringend zu verwenden, und stellte deshalb vorerst im folgenden Monate Lehrer aus allen Facultäten am Bonner Gymnasium an.247 — Das Gute, was die Jesuiten in Bonn sowohl in wissenschaftlicher und kirchlicher, als in disciplinarischer Hinsicht geleistet haben, erregt bei jedem, der es kennt, das Bedauern, daß ihre Collegen nicht überall so treu ihrem Berufe gelebt haben. Sicherlich hätte sie dann der Schlag der Vernichtung nicht getroffen, und man würde sie fortan geehrt und geliebt haben. Aber sie wichen vom Anfangs betretenen schönen Pfade ab, und brachten vor und nach, wie durch ihr Ansehen die übrigen geistlichen Orden, so durch ihre Einmischung in politische Händel und überhaupt in alle Zweige der Verwaltungen, die höhern Staatsbeamten und Regierungen, und endlich selbst den Papst gegen sich auf, so daß Letzterer, nicht ohne innern Kampf, da ihm auch das Gute vieler Kollegien, und darunter des hiesigen bekannt war, zu jener Maßregel schreiten mußte, um die öffentliche Stimme zu beschwichtigen. In Bonn setzten die Exjesuiten noch eine Zeit lang den Gymnasial-Unterricht fort, aber mit dem Unterschiede, daß bei ihrem Abgange auch weltliche Lehrer eintraten.

Um durch sorgsame Pflege der Künste und Wissenschaften die Bildung seines Volkes zu erhöhen, und um zugleich seiner Residenz eine neue Zierde zu geben, errichtete Max Friedrich im Jahre 1777248 eine Akademie, und stattete diese meistens mit den Gütern des aufgehobenen Jesuiten-Ordens aus. Da dieselbe durch Beitrage der Klöster im Erzstifte unterstützt wurde, so vermehrte er im Jahre 1783 die Zahl der Lehrer, und wohnte am 11ten November selbst ihrer feierlichen Einführung bei.249 Bei dem sichtbaren Gedeihen dieser Anstalt trug der Churfürst beim Kaiser Joseph II. auf die Erhebung derselben zu einer Universität an; aber indem er der in Wien zum Abschicken bereit liegenden kaiserlichen Bestätigungsurkunde mit Sehnsucht entgegen sah, übereilte ihn der Tod und endete sein schönes, nützliches Leben in Bonn am 15ten April 1784.

Kurz vor diesem traurigen Vorgange fror hier vom 19ten bis 26sten Januar der Rhein so fest zu, daß schwer beladene Karren und Wagen darüber fuhren, mehrere Tage gleichsam Markt darauf gehalten und von Handwerkern einige Artikeln, als Fässer, Schuhe u. s. w. verfertigt wurden, die der Fürst zum Andenken an dieses für Bonn seltene Natur-Ereigniß und als Zeichen wahrer Verehrung erhielt. Als sich nach dieser großen Kälte Thauwetter einstellte, erreichte der Rhein am 27sten Februar eine furchtbare Höhe, und richtete unzählige Unglücke und Schäden an.250 Noch sind am Josephs- und Rheinthore und in der ersten Fährgasse die Zeichen der Höhe zu sehen.

Nach Max. Friedrich bestieg sein Coadjutor, Maximilian Franz, Erzherzog von Oestreich, den erzbischöflichen Stuhl. Er wurde am 8ten Mai 1785 in der Münsterkirche zu Bonn durch den Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Trier unter großer Festlichkeit zum Bischofe consecrirt und mit dem erzbischöflichen Pallium geschmückt.251 Da bald nach dem Anfange seiner Regierung jene Bestätigungsurkunde ankam, so geschah am 20ten November 1786 die Einweihung der neuen Universität mit der größten Pracht. Dieses Fest, als ein höchst wichtiges und seltenes, einer genauern Betrachtung würdig, war allen Universitäten mittelst Schreiben, und Jedem durch die öffentlichen Blätter bekannt gemacht worden. Vor dem Tage der Einweihung erschienen demgemäß von den übrigen Universitäten und höhern Lehranstalten Deputirte, auch das Domkapitel, der Graf- und Ritter-Stand, und die Städte des Erzstiftes, das Herzogthum Westphalen und die Grafschaft Vest schickten ihre Abgeordneten hierher. — Der Rath und die Bürger Bonns zeichneten sich besonders durch die Errichtung einer prachtvollen Ehrenpforte auf dem Markte aus, die eine Länge von 85 Fuß, eine Höhe von 70 hatte, und mit passenden Sinnbildern und Inschriften reichlich verziert war.

Am Vorabend des Festes wurden von 6 bis 7 Uhr Abends alle Glocken geläutet, und die Studirenden brachten dem Churfürsten, den anwesenden hohen Fremden und den Professoren einen mit Musik begleiteten Fackelzug. Am Tage der Einweihung hielt Max Franz im Thurmsaale des Schlosses eine Rede, worin er unter Andern, den Lehrern jeder Facultät ihre Pflichten ans Herz legte, und demnächst dem Universitäts-Curator, Freiherrn Spiegel zum Desenberg, das kaiserliche Diplom, die Statuten und die Insignien der Universität überreichte. Diese Rede erwiederte Letzterer durch eine andre, in derer die abwechselnden Schicksale der vaterländischen Schulanstalten schilderte; worauf der Zug sich nach der Hof-Kapelle in Bewegung setzte, um dort dem hohen Amte beizuwohnen. Unter Läutung aller Glocken und dem Donner des Geschützes begab sich demnächst der Churfürst, der ganze Hofstaat, und alle Fremden nach dem Universitäts-Gebäude, wo sie von den Lehrern und Studenten in Empfang genommen wurden, während die Garnison vor der churfürstlichen Residenz paradierte und die Bürger von der Stockenstraße bis zum Universitäts-Gebäude eine doppelte Reihe bildeten. Hierauf wurde dem Rector Oberthür der Eid abgefodert, und als dieser geleistet war, hielt derselbe eine Rede über die Schicksale der Wissenschaften von der Zeit an, wo Deutschland einen Anspruch auf dieselben machen kann, und schloß sie nach einer Pause, während der alle Professoren vor dem Throne des Fürsten kniend den Eid abgelegt hatten und zu Doctoren erhoben worden waren, mit der Einführung der letztern in ihre Aemter und der Bitte um Huld und Beistand in ihrem Wirkungskreise. Darauf verfügte sich Alles nach der Universitätskirche, und als das te Deum unter dem Klange der Musik, dem Donner des Geschützes und Läutung aller Glocken abgesungen war, nach Hofe. Dort hielt im Namen der Bürgerschaft der Schöffenbürgermeister Kaufmann eine Dankrede für die Erhebung ihrer Stadt zum Sitz einer Universität, und schloß mit den Worten: »Unvergeßlich wird dieser Freudentag dem glücklichen Bonn sein, und heilig auf immer der theuerste, höchste Name: Maximilian Franz.« Des Mittags und des Abends wurde am Hofe gespeist. Der Tag nach dem Feste ging mit Uebungen der vier Facultäten, denen der Churfürst beiwohnte, mit Speisung am Hofe, und einem freien Ball im sogenannten englischen Hofe vorüber. Der Mittwoch ward durch eine juristische Promotion gefeiert, wobei der Churfürst und der ganze Hofstaat ebenfalls zugegen war, und eine Mittagstafel am Hof und die Audienz der fremden Deputirten schloß die ganze Feier.252

Vortreffliche Lehrer, wie Hedderich, Dereser, Rougemont, Daniels, Fischenich, Reeb, Wurzer und mehrere andre; die unermüdliche Thätigkeit des Universitäts-Curators, Freiherrn von Spiegel, brachten die neue Universität bald in Aufnahme, so daß aus ihr, trotz der Kürze ihres Bestehens, tüchtige Männer hervor gingen. Auch unser hochwürdigster Erzbischof, Ferdinand August, Graf Spiegel zum Desenberg-Kanstein, begann hier, unter Leitung seines Oheims, seine akademische Laufbahn; sammelte vielumfassende Kenntnisse, sowohl in theologischen als juristischen Wissenschaften, und belebte und stärkte seinen hellen Geist mit gründlichen Forschungen seiner Studien, deren herrliche Früchte jetzt nicht allein seinem ganzen Clerus, sondern dem Vaterlande überhaupt zum Wohle gereichen.

Mit Recht wird Maximilian Franz unter Deutschlands edelste Fürsten gezählt. Außer seiner väterlichen Sorge für das geist- und weltliche Wohl seiner Unterthanen hat er sich besonders dadurch unvergängliche Lorbeeren erworben, daß sein erhabener Sinn Genies zu würdigen und hervorzuheben verstand. Louis van Beethoven, Salomon, Raaf, Gebrüder Kügelchen u. a. erfreuten sich seiner liberalen Unterstützung bei der Ausbildung ihres Geistes, und verherrlichen durch ihren Ruf noch jetzt den Namen ihres fürstlichen Wohlthäters und den ihres Geburtsortes.

Dreizehntes Kapitel.

Abzug und Tod des Churfürsten Max Franz. Die Franzosen ziehen in Bonn ein. Auflösung der alten Verfassung, der Universität, der Stifter und Klöster. Abnahme der Bevölkerung der Stadt. Napoleon und Josephine in Bonn.

Mit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts begann in Frankreich eine schaudervolle Zeit, indem das Volk, in Druck und Dürftigkeit lebend, den Hof und alle Großen zu hassen anfing, weil es sie als seine Unterdrücker ansah; dieser Haß ging zuletzt auch auf den König Ludwig XVI. selbst über, weil er die Missbräuche in der Staats-Regierung nicht abstellte. Daher foderte sein Volk am 1sten Mai 1789 auf der National-Versammlung zu Versailles laut, daß eine neue und bessere Verfassung erlassen werde, und daß der hohe Adel und die hohe Geistlichkeit verhältnißmäßig zu den Lasten des Staats beitragen sollten, damit auf diese Weise dem Bürger und dem Landmann eine Erleichterung werde. Aber beide Stände weigerten sich, und so war eine Revolution entschieden, die, obgleich Anfangs nur eine Auflehnung des Bürgerstandes gegen die Begünstigungen des Adels und der Geistlichkeit, später zu Aller Erstaunen die Ausartung der Menschen, die Hinrichtung des Königs, der Königin, und tausend Anderer; die Auswanderung der Ersten des Landes, die Verleugnung Gottes, und selbst eine große europäische Umwälzung im Gefolge hatte.

In Deutschland wurden zwar die Gemüther durch jene außerordentlichen Ereignisse aufgeregt, aber die Vorsehung bewahrte es vor den Greueln des Bürgerkrieges, da die Fürsten zu besonnen und die Völker zu treu und zu gut gesinnt waren. Und doch hat Germanien aller Theilnahme an den Leiden dieser stürmischen Zeit nicht entgehen können.

Der deutsche Kaiser, Franz II., sah die Vorgänge in Frankreich höchst ungern, und schloß deshalb, um sie mit Gewalt zu unterdrücken, mit dem Könige von Preussen, Friedrich Wilhelm II., ein Bündniß wider dasselbe. Die Franzosen erklärten ihm als Folge hievon den Krieg, und wurden inzwischen schon von dem preußischen Heere in ihrem eigenen Lande mit großem Glücke angegriffen. Dagegen erfochten die französischen Truppen über die Oestreicher bei Jemappe einen glänzenden Sieg, weil sie in größerer Macht und mit mehr Geschütz als diese den Angriff machen und aushalten konnten. Gleichzeitig nahm der französische General Custine die Reichsfestung Mainz ein. Diese glücklichen Erfolge der feindlichen Waffen veranlaßten den Churfürsten Max Franz seine Residenzstadt Bonn am 15ten Dezember zu verlassen, weil er sich dort nicht mehr sicher glaubte.

Halb Europa, Oestreich, Preussen, England und Holland, aufgebracht über die unmenschlichen Handlungen in Paris und über die Absicht der Franzosen, alle Throne zu stürzen, trat nun gegen Frankreich unter die Waffen, und seine Heere erfochten bei Aldenhoven, Neerwinden in den Niederlanden, auf den Feldern bei Famars und durch die Wiedereroberung von Mainz so glänzende Siege, daß der Weg nach Paris geöffnet wurde. Die neue Republik schien fast verloren, da bildete sich zu ihrer Rettung eine Schreckens-Regierung ohne Gleichen, an deren Spitze ein furchtbarer Mann, Robespierre, trat, und diese foderte ganz Frankreich gegen die Feinde auf. — Max Franz war inzwischen bei so günstiger Aussicht im Monat April 1793 zur Freude aller Bewohner in Bonn wieder angelangt, und wurde hier vom Kaiser Franz auf seiner Reise nach dem Feldlager besucht.

Aber nun stellte sich das verhängnißvolle Jahr 1794 ein, wo die französischen Waffen wieder die Oberhand gewannen, und das Glück derselben in seinem Laufe gegen Holland und den Rhein unaufhaltsam war. Die Oestreicher mußten, in mehreren Schlachten geschlagen, Braband verlassen und sich am 3ten, 4ten und 5ten Oktober zu Düsseldorf, Mülheim, Köln und Bonn über den Rhein zurückziehen. Der Churfürst Max Franz wurde dadurch abermals gezwungen, sich aus seiner Residenz und zwar jetzt, wie er selbst ahnte, für immer zu flüchten; er verließ sein geliebtes Bonn und dessen Einwohner mit Thränen und segnender Hand, und ihm folgten, nachdem der General Pichegrü schon am 7ten October von Bonn Besitz genommen, die eben hier heimisch gewordenen Musen, so wie das Glück und der Wohlstand der Stadt. An ihre Stelle traten der trügerische Ruf: Freiheit und Gleichheit, bald verdorrte Freiheitsbäume und republikanische Reden, Lieder und Tänze.

Während in Bonn der alte Magistrat seiner französischen Verwaltung weichen mußte, und die neue Verwaltung im Jahre 1795 das Herren-Geding, welches jährlich das weltliche hohe Gericht am Montag nach 3 Königen auf dem Münsterplatze am Leopard hielt253, einstellte, wurde die ohnehin schwache Aussicht zur Entfernung der fremden, unwillkommnen Gäste noch vermindert, als Preussen und einige andere Verbündete sich im Jahre 1795 mit der französischen Republik aussöhnten, und Oestreich und England allein gegen Frankreich blieben. Nach mehreren verlornen Schlachten, wozu die Talente Napoleons das Meiste beitrugen, schloß daher auch Oestreich am 17ten October 1797 Friede, und so stand das deutsche Reich von den Mächtigsten verlassen, offen und hülflos da. Ehe dieser Friede sich eingestellt hatte, entstand in Folge der französischen Kriegsoperationen oberhalb Bonn, in der Nähe der Vinea Domini, eine Brücke über den Rhein, die aus 26 doppelmastigen holländischen Schiffen zusammengesetzt, und herrlich anzusehen war. Denn auf 52 Masten wehten Fahnen und Wimpel, und jedes Schiff bildete die Wohnung des Schiffers und seiner Familie. Die Bonner und die Bewohner der Umgegend, rechts und links des Rheins, lustwandelten täglich über die Brücke, aber dieses Vergnügen währte nicht lange. Als nämlich die französische Division Poncet die Brücke bei ihrem Rückzuge aus Deutschland passirt hatte, ließ der Befehlshaber sie abbrechen, und lagerte am Abend die Seinigen um Bonn in einem großen Halbkreise, der während der Nacht durch Wachtfeuer beleuchtet, dieser Stadt das Ansehen einer belagerten gab. Der Bau und Abbruch der Brücke fand übrigens im Jahre 1796254, also über 1800 Jahre später Statt, als Cäsar und Drusus jeder eine Brücke unterhalb der Stadt errichtete.

In Bonn, wo man den neuen Gewalten nur mit Widerstreben gehorchte, wurde indeß, gemäß Beschluß des Generals Hoche, am 21sten März 1797 eine französische Intermediär-Commission niedergesetzt, welche sich dadurch beliebt machte, daß sie die französische Verwaltung aufhob, und den alten Magistrat und die alten Gerichte wieder einsetzte, jedoch nur, wie sich bald ergab, in der Absicht, damit die Contributionen besser und schneller eingingen. Diese Intermediär-Commission dachte auch das berüchtigte Project einer cisrhenanischen Republik aus, bestand aber nicht lange, und indem sie im Dezember 1797 aufgehoben wurde, zerfiel auch das cisrhenanische Staatsgebäude in sich selbst.255 Im Jahr 1799 trat der alte Bonner Magistrat wieder ab, und die neuen oder republikanischen Gewalten wurden mit großer Festlichkeit eingesetzt. Nachdem die beiden Friedensgerichte und Municipalitäten für die Stadt und den Canton installirt waren, wurde ein feierlicher Zug eröffnet, dem die constituirten Gewalten meistens in Costume beiwohnten; die meisten Bürger nahmen jedoch an diesem Vorgange keinen Antheil, und unter den Frauenzimmern, die den Zug begleiteten, waren die meisten Jüdinnen, froh, sich aus ihrer Straße nun herauswinden und in der Stadt ansiedlen zu dürfen. Der Zug ging vom Rathhause nach dem Hof- oder, wie er damals genannt wurde, dem Nationalgarten, zum Vaterlandsaltare, wo der Installations-Commissär, Bürger Geich, ein abtrünniger Geistlicher, in einer Rede die alte churfürstliche Regierung in das häßlichste Licht stellte und die Republik, als alles Gute bringend, bis in die Wolken erhob. Von da ging der Zug durch mehrere Straßen der Stadt nach dem Capuzinerkloster, dem Sitze der Cantons-Municipalität, wo ein Freiheitsbaum errichtet, und vom Commissär der letztern, Bürger Limbach, im Sinne jener, eine Rede gehalten wurde. Darauf setzte sich der Zug wieder nach dem Rathhause in Bewegung, wo man ebenfalls einen Freiheitsbaum aufpflanzte und der Municipalbeamte, Bürger Abshoven, eine wie jene zugeschnittene Rede hielt.256

Inzwischen war zu Rastadt ein Friedenskongreß angestellt worden, worauf die bessern Bürger Bonns laut nach ihrem rechtmäßigen Fürsten riefen; aber Frankreich, das einmal die linke Rheinseite haben wollte, störte sich an Alles nicht, und schon war man dem Abschluß nahe, als in Oestreich die alte Sorge für Deutschlands Sicherheit wieder erwachte und es mit seiner Macht gegen die Franzosen aufs Neue den Kampfplatz betrat. Unterstützt von Rußland, England und der Türkei erfocht es über sie mehrere glänzende Siege; jedoch nun kehrte Napoleon aus Egypten zurück, wurde zum ersten Konsul ernannt, und siegte überall da, wo seine Waffen sich blicken ließen. Oestreich mußte unter solchen Umständen die Hand zum Frieden reichen, und dieser kam denn auch am 9ten Februar 1801 zu Lüneville dahin zu Stande, daß das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten wurde.

Indeß verschwand die Hoffnung der Bonner auf Zurückkunft des Churfürsten immer mehr; sie empfanden es höchst schmerzlich, daß ihre Vaterstadt nicht mehr die Residenz des Erzkanzlers von Italien, eines der ersten unter den geistlichen Reichsfürsten von Deutschland, der außer dem Erzstifte Köln oft mehrere Bisthümer und die Deutschmeisterwürde besaß; daß sie nicht mehr der Sitz der Universität, der Versammlungsort der Landstände des kölnischen Churfürstenthums, und die Niederlassung einer großen Zahl reicher und adeliger Familien war; sie sahen sie mit tief betrübtem Herzen in eine immer traurigere Lage versinken und ihre Einwohnerzahl und den Frohsinn sich mit jedem Tage vermindern. Dazu gesellte sich endlich noch die schmerzliche Nachricht, daß Maximilian Franz nach vielen Leiden sein Leben zu Hetzendorf, einem Schlosse bei Wien, in der Nacht vom 26sten auf den 27sten Juli 1801 geendigt hätte. Wir sagen schmerzlich: denn was dieser Fürst unerachtet der Kürze seiner Regierung für das Wohl und Ansehen seiner Lande that, wie er für die Beförderung der Wissenschaften, für zweckmäßigen Religions-Unterricht, für die Bildung tüchtiger Stadt- und Landlehrer, für Abstellung der Mißbräuche in gerichtlichen Processen, für Verbesserung der Priester-Seminarien, für Abschaffung der übermüthigen Trauerpracht und des schädlichen Beerdigens in den Kirchen, wie er für Erweckung des Kunstfleißes, für Aufmunterung des Landbaus, für Sicherheit des Landes sorgte, wie er endlich als Muster christlicher Duldung die Beerdigung von Evangelischen auf katholischen Kirchhöfen gestattete, war Jedermann bekannt und wird stets in dankbarem Andenken bleiben.

Nun kam das Jahr 1802, in welchem, als Folge des Lüneviller Friedens, das deutsche Reich sich in seiner mehr als tausendjährigen Verfassung auflöste; indem Frankreich damals zur Entschädigung der weltlichen Fürsten die Erz- und Bisthümer säkularisirte. Während der Fall dieses zwar morschen, aber höchst ehrwürdigen Gebäudes jedes vaterländische Gemüth mit tiefer Trauer erfüllte, erhielt durch denselben die bisher gehegte Hoffnung der nach ihrem neugewählten Churfürsten Anton Victor, Erzherzoge von Oestreich, sich sehnenden Bonner den Todesstoß. Auch alle Stifter und Klöster gingen ein; in Bonn das Archidiaconalstift St. Cassius, das adelige Damenstift Dietkirchen, ein Minoriten-, ein Franziskaner- und ein Capuzinerkloster, so wie drei Nonnenklöster. Ihre Gebäude wurden theils abgebrochen, theils in Pfarrkirchen, Fabriken und Wohnungen verwandelt.

Um diese Zeit war schon die Bevölkerung durch Auswanderung von ungefähr 10.000 Einwohner auf 8.000 herabgesunken, welche um so härter das Drückende ihrer jetzigen Lage empfanden, je lebhafter sich ihnen die Vergleichung mit der goldnen Zeit der väterlichen Regierung der Churfürsten von selbst aufdrang.

Die Republik, welche, nach den Reden ihrer Anhänger, Bonn einen hohen Glanz versprach, und wie auf Felsen gebaut zu sein schien, ging indeß im Jahre 1804 durch die Thronbesteigung Napoleons als Kaiser der Franzosen, zu Grabe, indem derselbe die brausenden Fluthen der Revolution zum Stillstande und zum Gehorsam zu zwingen verstand.

Im Jahre 1806 errichtete Napoleon auch den bekannten rheinischen Bund, der dem Kaiser das Recht und den übrigen theilnehmenden Fürsten die Pflicht zuerkannte. Durch diesen Bund zerfiel das deutsche Reich auch der That nach, besonders da der Kaiser, Franz II., die entwürdigte Krone am 6ten August nämlichen Jahrs von seinem Haupte ablegte, und sich mit dem Titel eines erblichen Kaisers der östreichischen Monarchie begnügte. Bonn stand nun völlig unter Frankreichs Scepter. Da jener Bund meistens gegen Preussen und Oestreich gerichtet war, so brach noch im selbigen Jahre ein Krieg mit Preussen aus. Aber die Tapferkeit scheiterte hier an der Uebermacht und Schnelligkeit, und Napoleon erließ schon am 21sten November 1806 zu Berlin das berüchtigte Dekret gegen England, welches die Grundlage des sogenannten Continentalsystems bildete, den Handel zwischen diesem Reiche und dem festen Lande ins Stocken brachte, und auch in Bonn das lästige Institut der Commiß, die alle von der rechten Rheinseite Kommenden, sie mochten zum männlichen oder weiblichen Geschlechte gehören, mitunter bis aufs Hemd, visitirten, ins Leben rief.

Dieser neue Herrscher schien auf Bonn, gleich Ludwig XIV., ein großes Gewicht zu legen. Er selbst nahm diese Stadt wenigstens, als er im Jahre 1804 daselbst anwesend war, in Augenschein, bestieg demnächst den Kreuzberg und den Venusberg, und fand, zur Freude der Bonner, ihre Vaterstadt wegen der benachbarten Anhöhen für eine Festung nicht geeignet; der Befestigungsplan zerfiel daher in sein Nichts und alle Ausmessungsarbeiten waren vergeblich. — Ihm folgte seine erhabene Gemahlin, die Kaiserin Josephine, welche sich einige Tage hier aufhielt und Pathin der Tochter ihres Wirthes, des Grafen von Belderbusch, der jetzigen Freifrau von Böselager wurde.

Napoleon besuchte übrigens auch Bonn im Jahre 1811 vor dem Kriegszuge gegen Rußland, und hielt auf der Poppelsdorfer Allee Musterung über einige Regimenter Kavallerie. Hier stand er noch in aller seiner Macht, nicht ahnend, daß sein Leben auf einer weiten Insel ohne Land, Leute und Willen endigen werde.

Der Empfang dieses großen Mannes war jedesmal feierlich; aber Bonn konnte unter der französischen Herrschaft, unerachtet seiner Bitten und Anstrengungen, zu keinem Ersatz des Verlornen gelangen, dessen sich die Nachbarstädte jedoch mehr oder weniger zu erfreuen hatten. Es wurde zu sehr als Stiefkind erst des großen Volks und dann des großen Kaisers behandelt in Folge der treuen Anhänglichkeit an seinen alten Fürsten und der Abneigung der meisten seiner Bewohner gegen fast Alles, was die französische Revolution hervorgebracht hatte. Denn, daß Bonn zum Hauptort des gleichnamigen aus Landestheilen der Churfürstenthümer Köln und Trier und aus einigen churpfälzischen Besitzungen gebildeten Kreises, zum Sitze eines Unterpräfecten, eines Tribunals erster Instanz und zweier Friedensgerichte erhoben, daß darin ein Lyceum für alte Sprachen, Rhetorik, Logik, Moral und die Anfangsgründe der mathematischen und physikalischen Wissenschaften gegründet, und von reichen Kaufleuten mehrere Fabriken angelegt wurden, das Alles war kein Ersatz für den unermeßlichen Verlust, den es erlitten.

Welch ein großes Mißtrauen aber die Franzosen stets gegen Bonn hegten, dürfte wohl ein Vorgang am klarsten beweisen, der sich hier ereignete. Als im Jahre 1813 die Deutschen auf der rechten Rheinseite lagen und alle Kommunikation mit derselben aufgehoben, mithin gefährlich war, machten zwei kühne Beueler Schiffer mit einigen Kosacken die Wette, daß sie in Bonn oder dessen Nähe einige Flaschen Wein holen, und diese auf Deutschlands Wohl trinken wollten. In Begleitung der Kosacken landeten sie bei dunkelm Abend, unentdeckt von den französischen Posten, an der Vinea Domini, einer Weinschenke. Sie stiegen aus, klopften an, und foderten, als man ihnen die Thüre geöffnet hatte, Wein. Beim erschreckenden Anblick der Kosacken schrie jedoch die Hausfrau so laut um Hülfe, daß sie, als alle Worte der Beruhigung vergeblich waren, das Opfer einer Kosacken Kugel, der Wirth aber mit Gewalt in aller Geschwindigkeit auf jene Rheinseite mitgenommen wurde. Dieses Ereigniß wurde bald in Bonn bekannt, und kam auch zu den Ohren des Generals St. Germain, der gerade damals hier im Stern logirte. Der General glaubte gleich, die Bonner seien dabei betheiligt gewesen, und gab, zu ihrer Züchtigung, die barbarische Ordre, die Stadt in Brand zu stecken. Durch die Vorstellung der Ersten der Stadt kam es jedoch nicht dazu; nur wurde die fliegende Brücke auf dem Rheine, die mit Ketten bei Bonn befestigt lag, nebst andern Schiffen zertrümmert.

Wie sehr aber auch Bonn verwahrlost wurde, so müssen wir der französischen Herrschaft doch da Gerechtigkeit widerfahren lassen, wo sie es verdient, nämlich, daß sie für das Allgemeine viele Uebelstände beseitigte und Gutes stiftete. Leibeigenschaft, bäuerliche Lasten, Zehnten und Frohnen, Zünfte und Innungen, Kastensysteme und jede Ungleichheit vor dem Gesetze verschwanden; ein neugebornes kräftiges Bürgerthum ging hervor; vortreffliche Landstraßen wurden angelegt, und Münze, Maße und Gewichte vereinfacht; Unduldung und Aberglauben hörten auf; statt der hundert verschiedenen Gesetze entstanden zweckmäßigere, die so gut den Marschall als den Bauer umfaßten; der Volksunterricht wurde durch sogenannte Normalschulen gehoben u. s. w.

Was aber die höhere Bildung und das geistige Leben betrifft, so war dessen Erblühen mit so vielem andern Guten für Preussens väterliche Regierung aufbewahrt.

Vierzehntes Kapitel.

Ende der französischen Herrschaft. Bonn unter dem Scepter Friedrich Wilhelm des Dritten. Stiftung der Rhein-Universität. Vergrößerungs- und Verschönerungs-Arbeiten. Stand der Stadt-Schulden.

Der Glücksstern war indeß für Bonn nicht für immer untergegangen; er sollte nach einer Verfinsterung von mehr als zwanzig Jahren wieder glänzend über dem Horizonte der ehemaligen churfürstlichen Residenzstadt hervortreten.

Es war im Jahre 1813 als Deutschlands edle Fürsten ihr durch viele Drangsale geprüftes Volk zum erhabenen Kampfe für Freiheit und Vaterland vereinigten. Die Vorsehung verlieh den Verbündeten Kraft und Muth, und krönte ihr Unternehmen mit dem blutigen aber glorreichen Siege bei Leipzig, durch welchen ganz Europa befreit wurde. In Folge dieser Schlacht sah Napoleon im November 1813 die schönen Ufer des Rheins zum letzten Male; auch alle Franzosen verließen im Anfange des Jahres 1814 Bonn, das sie besetzt und vom Stockenthore bis zum Neuthore, als dem offensten Punkte der Stadt, mit Pallisaden versehen, so wie in die Stadtthore Schießscharten eingeschnitten hatten. Diese Anstalten erregten bei den Bonnern die Furcht, daß ihre Vaterstadt nicht ohne Schwertstreich vergeben werden würde. Indeß zogen die Franzosen eines Morgens in der Frühe ab und gaben die Pallisaden den Bürgern preis. Kaum hatte dieser unerwartete und stille Abzug Statt gefunden, als die Deutschen auf jener Rheinseite durch die Bonner davon in Kenntniß gesetzt und mit allen Mitteln zum Flußübergange so schnell als möglich versehen wurden. Der Freiherr von Halberg, als Heerbanner des Siebengebirges, war es, der mit seinem tapfern Landsturme Bonn zuerst in Besitz nahm, und ihm folgten Preussen und Russen in großer Zahl. Nachdem die Alliirten auch die Hauptstadt der Franzosen eingenommen hatten, wurde Bonn endlich, in Folge des Kongresses zu Wien, über seine Zukunft beruhigt. Es hatte das Glück, einem großen, mächtigen Reiche einverleibt, und unter das Scepter eines milden, gerechten und die Wissenschaften schützenden und fördernden Monarchen, unter das Scepter Friedrich Wilhelm des Dritten, Königs von Preussen, gestellt zu werden.

Während die Bonner die Anhänglichkeit, Treue und Liebe, womit sie früher ihrem Churfürsten ergeben gewesen waren, ihrem neuen Landesvater zuwendeten, und nicht vergebens unter Seiner Regierung Tage erwarteten, die ihren Verlust ersetzen, ihre Leiden vergessen machen könnten: war das Opfer, welches ihre Dankbarkeit den Befreiern Europa's brachte, nicht klein, ein Opfer, das man zu ermessen vermag, wenn man bedenkt, daß Bonn vom 15ten Januar bis zum 13ten Juli 1814

4.874 Offiziere, darunter 33 Generale,

und 72.217 Soldaten bewirthet und im Jahre 1815

10.200 Verpflegungstage für Offiziere und

160.903 für Gemeine aufzuweisen hat.257

Aber auch noch andre und sprechendere Beweise von guter Gesinnung und Handlung liegen vor, die wir, als des Aufnehmens würdig, hier folgen lassen. So schreibt der russisch-kaiserliche Generalmajor Yusefowitsch unterm 4. (15.) Januar 1814, nachdem er in einem Tagesbefehl den Bewohnern des Rhein- und Moseldepartements Ruhe und Ordnung empfohlen hatte:

»Die Einwohner von Bonn haben den Sinn bewiesen, der deutschen Bürgern ziemt; sie werden mit der Schonung behandelt werden, welche die Großmuth der hohen Alliirten allen eroberten Provinzen angedeihen läßt.«258

Der General Gouverneur vom Mittelrhein, Justus Gruner, beehrte den Oberbürgermeister und Gemeinderath von Bonn, am 22sten Januar 1814 mit folgendem Schreiben:

»Die Gesinnungen und das Vertrauen, welches Sie in Ihrem Schreiben vom 29sten pr[aesentis] zu äußern die Güte gehabt haben, sind mir um so angenehmer gewesen, als ich die Denkungsart der biedern Einwohner der guten Stadt Bonn in deren herzlichem mir unvergeßlichem Empfange sich aussprechen zu sehen, Gelegenheit hatte. Seien Sie, meine Herren, überzeugt, daß ich jede Gelegenheit benutzen werde, diesen wir öffentlich an den Tag gelegten Patriotismus gehörigen Orts zu rühmen, den hohen verbündeten Mächten bei einer ferneren Ausdauer in den ächt deutschen Gesinnungen die Stadt Bonn zur vorzüglichen Berücksichtigung zu empfehlen und für ihr Wohl kräftigst zu sorgen.«259

Der 6te April 1814 war für Bonn ein doppelt merkwürdiger Tag; der Tag der Nachricht von der Einnahme der Stadt Paris, und der Tag des Abmarsches der hiesigen 36 Freiwilligen, die nach eingenommener Erfrischung auf dem Rathhause, unter dreimaligem Rufe: es lebe hoch das deutsche Vaterland! mit kriegerischer Musik abzogen und von der Stadtbehörde und Tausenden von Bonnern bis vor's Stockenthor begleitet wurden. Seit < dem frühesten Morgen war ganz Bonn in der freudigsten Bewegung. Die Mauern und Umgegend wiederhallten von dem Geläute aller Glocken, von dem Beiern auf den schweren Glocken des Münsters, von den Salven des Stadtgeschützes, von den Freudenschüssen und dem Jubel der Bewohner. — Der damalige Stadt-Kommandant und Ober-Adjudant des freiwilligen Banners vom Siebengebirge, de Claer, machte in Betreff dieses Festes am 7ten April folgende Bekanntmachung:

»Der herrliche Geist, der Bonns brave Bürger ruhmvoll auszeichnet, hat sich an dem Tage, wo wir die offizielle Nachricht von dem Einzuge der hohen Alliirten in die Hauptstadt des Feindes erhielten, in seinem vortheilhaften Lichte gezeigt. Gewiß wurde kein Fest seit den churfürstlichen Zeiten mit so vieler allgemeiner Herzenstheilnahme gefeiert. Indem ich dem Herrn Oberbürgermeister und den übrigen braven Männern, die die Stadt an ihrer Spitze hat, wie auch den sämmtlichen Bürgern deshalb verbindlichst danke, bemerke ich, daß ich darüber meinen Bericht bereits zur obern Behörde erstattet habe.«260

Auch dem Ober-General der kaiserlich-russischen Armee, Grafen von Wittgenstein, hat es in Bonn vorzüglich gefallen, indem er dieses dem Oberbürgermeister, Grafen von Belderbusch, durch den neuen Stadtkommandanten, königlich-preussischen Rittmeister von Wiersbitzky, unterm 2ten Juni 1814 in folgenden Worten bekannt machen ließ:

»Se. Excellenz haben mit innigem Wohlgefallen und mit Rührung den hier allgemein herrschenden guten Geist, und die ungeheuchelte Anhänglichkeit an die gute Sache bemerkt. Glücklich schätze ich mich zu der Mit-Verwaltung so braver, biederer Einwohner berufen zu sein, und werde mir's jederzeit zur angenehmsten Pflicht machen, ihr Interesse aus allen Kräften zu fördern. Haben Ew. Hochgeboren die Gefälligkeit, den Dank Sr. Excellenz und den Ausdruck meiner Gesinnungen zur Kenntniß der hiesigen schätzbaren Bürgerschaft zu bringen.«261

Sogar erfreute sich Bonn von Seiten der russischen Regierung eines Schutzbriefes, den wir wörtlich hier mittheilen:

»Auf Befehl Sr. Kaiserl. Majestät [des Zaren] ist Gegenwärtiges den Einwohnern der Stadt Bonn dahier gegeben, damit sie von den Kriegsbeamten auf keine Weise beleidigt noch gestört werden; dazu bezeugend, daß diese Einwohner stets für die Verbündeten, und besonders für die russischen Truppen allerwilligst Nutzen geleistet und in allen Vorfallen ihre eifrige Ergebenheit für das bewiesen haben, was nur zum Vortheil der Truppen dienen konnte. Zur Versicherung dessen, bekräftige ichs mit Unterschrift und Beisetzung des Wappen meines Pettschafts. Stadt Bonn am Rhein den 23sten Mai (5. Juni) 1814. Gez. von Knorring, Generalmajor der Kavallerie u. s. w.«262

Der kaiserlich russische kommandirende General von Eschen schied ebenfalls freundschaftlich von Bonn, wie folgender Auszug seines Schreibens beweist:

»Ich bitte Sie, Herr Graf, den edlen Bürgern von Bonn, für ihr musterhaftes freundliches und großmüthiges Betragen gegen mich, meinen innigsten Dank zu erkennen zu geben. Ich werde mich Ihrer, in der Ferne selbst, mit vieler Liebe und Achtung erinnern. Menden, den 24sten Mai (6. Juni) 1814.«263

Doch genug dieser schriftlichen Beweise. Ehe wir uns aber zu einem andern Gegenstande wenden, müssen wir eines Mannes rühmlichst erwähnen, der nicht wenig zu deren Dasein und zum Wohls Bonns beitrug, des Grafen von Belderbusch, welcher zuerst als Maire, dann als Oberbürgermeister und zuletzt als Landrath von Bonn auftrat. Die Aeußerungen in folgendem, an den Hrn. Kreisdirektor Rehfues unter dem 3ten April 1814 von Koblenz aus gerichteten Schreiben werden indeß mehr als unsere eigenen Worte genügen:

»Des Herrn Generals Grafen von Wittgenstein Excellenz kamen hier unerwartet und bei Nacht an. Die ganze Stadt war mit wenigstens 4.000 Mann Truppen und 600 Offiziers angefüllt, und alles was man unter solchen Umständen hier hätte veranstalten können, würde nur das Gepräge des Erzwungenen geführt haben. Ich entschuldigte mich daher bestens und versicherte, daß in Bonn alles besser sein würde. Dieses Wort haben Ew. Hochwohlgeboren nun so ganz wahr gemacht, und ich bin unbeschreiblich dankbar dafür. Dem Herrn Grafen von Belderbusch sage ich gleichfalls den herzlichsten Dank für die neuen und wieder erhaltenen Beweise seines Patriotismus, welche solcher gegeben. Ich gestehe, daß ich solches vorhergesehen, weil ich es zu oft erfahren, daß wenn es darauf ankömmt, Opfer für das gemeine Wohl zu bringen, und unserm vaterländischen Landesstrich eine theure Rückerinnerung bei ausgezeichneten Ausländern zu verschaffen, der Herr Graf stets im ganzen Departement obenan steht, etc. Der General-Gouvernements-Kommissär gez. E. Dinke.«264

Unterm 6ten April 1815 erfolgte endlich von Wien aus das Patent wegen Besitznahme des Großherzogthums Nieder-Rhein von Seiten Sr. Maj. des Königs von Preussen, zu dem auch Bonn gehört. Dabei war eine Anrede des Königs an die Rheinländer, worin Er Alles das versprach, was unser Herz nunmehr freudig und dankbar erfüllt; und worin auch die wahrhaft Königlichen Worte vorkommen:

»Und so, Ihr Einwohner dieser Länder, trete Ich jetzt mit Vertrauen unter Euch, gebe Euch Eurem deutschen Vaterlande, einem alten deutschen Fürstenstamme wieder und nenne Euch Preussen! Kommt Mir mit redlicher, treuer und beharrlicher Anhänglichkeit entgegen.«265

Der 15te Mai 1815 war der Tag, wo dem neuen Herrscher von allen Rheinländern zu Aachen mittelst Deputirter der Huldigungseid geleistet wurde. Wie ohne Zweifel überall, so veranlaßte dieser Vorgang auch in Bonn ein großes Fest, das durch das Geläute aller Glocken und den Donner des Stadt-Geschützes am Vorabend angekündigt wurde. Die nämlichen Freudenzeichen ertönten beim Anbruch des Festtages. An diesem war in der Münsterkirche ein feierlicher Gottesdienst, Predigt und Te Deum unter Glockengeläute, Musik und Freudenschüssen, und unter Paradirung der Bürger-Militz und der Schützen Compagnie, die vereidet wurden. Des Nachmittags war Vogelschießen, wozu die Stadt die Preise gab, unter denen der Hauptpreis ein silberner Becher mit dem Namenszuge Sr. Majestät des Königs und einer passenden Inschrift versehen war. Des Abends war die ganze Stadt erleuchtet, und ein Nachtsball im englischen Hofe schloß die Feierlichkeit.

Napoleon, der im Jahre 1815 zu Aller Erstaunen die Insel Elba verließ und noch einmal die Zügel von Frankreichs Regierung ergriff, fand unter dem französischen Volke und bei seinen alten Soldaten einen so großen Anhang, daß er in kurzer Zeit wieder eine Armee von 150.000 Kriegern, aufs beste gerüstet, mit 400 Stück Geschützen versehen, gegen die Alliirten stellen konnte. Aber die Tage seiner Gewalt und seines Glanzes waren vorüber; in der Schlacht bei Belle-Alliance [oder Waterloo] wurde seine eiserne Macht für immer gebrochen. Der damalige Platzkommandant von Bonn, von Sötoft, zeigte den Bewohnern dieser Stadt den neuen Sieg der deutschen Waffen am 20sten Juni an, und der Oberbürgermeister, Graf von Belderbusch, nahm die »patriotischen Gesinnungen seiner Mitbürger, ihren guten Willen, ihre Vaterlandsliebe, ihre Mildthätigkeit« am 6ten Juli 1815 von Neuem in Anspruch, indem er bekannt machte, daß im Schlosse zu Poppelsdorf ein bedeutendes Lazareth für verwundete deutsche Krieger errichtet, und deren schon in den ersten Tagen an 400 anlangen würden, und auffoderte, Strohsäcke, Bettdecken, Leintücher und Kopfkissen zu liefern, andre Gaben aber, als Leinwand, Bandagen, Charpie, Geld und Geldeswerth an den Frauen-Verein abzugeben. Vorher am 1sten Juli hatte auch schon der Hr. Kreisdirector Rehfues sich um Beiträge und Hülfe an letztern Verein, und dieser durch seine Vorsteherin, Karoline von Nagel, an die Einwohner von Bonn in gleichem Sinne gewendet. Auf diese Aufrufe bestrebte sich Jedermann, für die Verwundeten, was er vermochte, beizutragen; so daß der Beitrage so viele eingingen, als es die Pflege der Tapfern erheischte.266 Am 5ten August 1817 hatte Bonn das Glück zuerst ein Mitglied des neuen Herrscher-Hauses, Se. Königl. Hoheit den Kronprinzen huldigend in seinen Mauern zu begrüßen.

Bald darauf erhielten die Städte des linken Reinufers, mittelst allerh. Kabinets-Ordre vom 22sten Dezbr. 1817267 die Erlaubniß, ihre alten Stadt-Wappen, welche die französische Herrschaft verdrängt hatte, wieder anzunehmen. Von dieser Erlaubniß machte auch Bonn Gebrauch. Das Wappen desselben ist getheilt; im untern Raume befindet sich ein rother, gekrönter Löwe im silbernen Felde, und im obern in einem gleichfarbigen Felde ein schwarzes Kreuz. Dieses Wappen ist jedoch nicht das älteste von Bonn; dasselbe führte die fünfthürmige Münsterkirche und den heil. Cassius, mit der Umschrift: Sigillum antiquae Veronae nunc oppidi Bunnensis, und wurde ohne Zweifel um das Jahr 1690 abgeschafft, denn von da an erscheint obiges Wappen mit der Umschrift: Sigillum civitatis Bonnensis. 1690.

Der von den Bonnern so lang ersehnte Augenblick, auch des Königs Majestät Allerhöchstselbst hier zu sehen und Ihm ihre Huldigung bringen zu können, rückte im Jahre 1818 heran. Se. Majestät reiste nämlich damals nach Aachen zum Kongresse, hielt sich aber nicht länger hier auf, als bis die Pferde gewechselt waren; und doch war dieser Tag ein wahrer Fest- und Freudentag der Bonner. — Wegen dieses Kongresses hatte Bonn auch die Ehre Se. Kaiserlichen Majestäten Franz von Oestreich, der einstens als deutscher Kaiser über Bonn herrschte, und Alexander von Rußland, dem Bonn für das ertheilte Schutzblatt besondern Dank schuldig war, in seinen Mauern zu sehen und feierlichst zu bewillkommen.

Wohlbekannt mit dem Grundzuge der Bonner, daß sie stets mit ganzem Herzen ihrem wahren und pflichtgemäß handelnden Fürsten ergeben, und nicht leicht von einer Sache abzubringen waren, die sie liebgewonnen, oder die altes Recht und Dankbarkeit geheiligt hatte, legte denn auch ein verehrter Staatsmann, der zu Bonns Wohle seit 1814 in dessen Mauern segnend wirkt, im Namen aller braven Bewohner dieser Stadt, folgende rührend schöne und wahre Worte268 vor dem Throne Sr. Königl. Majestät nieder:

»Erhabener Monarch! durchlaufe unsre Geschichte und Du wirst uns immer als treue Bürger des Herrschers finden, den sein Recht und unsre Liebe dafür erkannt haben! Der gute Fürst, welchem das letzte Opfer unserer Liebe gehört, ruht bei seinen Vätern. Unser Herz ist gewohnt, seinen Fürsten zu lieben. Den, welchen uns das Gesetz gab, haben wir immer geliebt. Die Ordnung der Dinge, die sonst unsern erledigten Thron besetzte, ist nicht mehr. Der Geist einer ganzen Zeitperiode hat ihn zernichtet. Der Wille von ganz Europa hat Asche auf das Grab dieser politischen Größe gestreut. Wir fühlen alle, daß die hochherzigen Befreier von Europa, uns ein neues Gesetz zu geben berechtigt sind. Wir beugen uns demuthsvoll und dankbar vor ihrem Willen. Sie vermochten Europa zu erlösen; unsere Rettung ist ihr kleinstes Werk. Aber da sie groß im Großen waren, so ists ihnen ein Leichtes und Natürliches, groß im Kleinen zu sein. Sie haben uns in der Umgestaltung des Zeitalters nicht vergessen; denn sie beriefen uns unter Deine väterliche Hand. Wir legen mit allem Muthe der Hoffnung das Opfer unserer Liebe vor Deinen Füßen nieder. Du bist zu weise, zu gütig, zu groß, um nicht zu erkennen, daß in den Prüfungen der Liebe gegen unsre bisherigen Fürsten die sicherste Bürgschaft unsrer Liebe für Dich liegt!«

Nicht umsonst wurden diese Worte der Zuversicht ausgesprochen, nicht umsonst zugleich die Vortheile, welche Bonn gegen andre Städte als Universitätssitz darbietet, entwickelt. In huldvoller Belohnung der Liebe und Treue der Bonner gegen ihre alten Fürsten, in vertrauender, beglückender Entgegennehmung der Versicherungen und Beweise von der freudig dankbaren Uebertragung dieser Gesinnungen auf das erhabene neue Herrscher-Haus, wurde ihre Vaterstadt von des Königs Majestät aus ihrer unverschuldet traurigen Lage befreit; denn Er erhob sie zur Kreisstadt von 9 Bürgermeistereien mit ungefähr 42.000 Seelen; dann zum Sitz des Oberbergamts für die Rheinprovinzen, und endlich am 18ten Oktober 1818 auch zum Sitze der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, einer Anstalt, die stets als glänzendes Denkmal des Preussischen National-Ruhms gelten wird. Der Königliche Kabinetsbefehl, welcher diese Bildungs-Anstalt ins Leben rief, verdient nicht nur wegen seines erhabenen, frommen und landesväterlichen Sinnes, sondern auch deshalb hier eine Stelle, weil er die Grundlage zur Wiederherstellung des gesunkenen Glücks der Bonner war. Er lautet wörtlich folgender Maßen:

»Dem Bestreben Meiner Vorfahren in der Regierung, durch sorgsame Pflege der Wissenschaft und durch heilsame Anordnungen für das Schul- und Erziehungswesen eine gründliche Volksbildung zu fördern, habe auch Ich seit dem Antritte Meiner Regierung Mich angeschlossen. Die vollständige Ausführung Meiner desfallsigen landesväterlichen Absichten wurde durch die schweren Schickungen unterbrochen, welche die Vorsehung über Mich und Mein Land verhängte. Jetzt aber, nachdem unterm Beistande des Höchsten Friede und rechtliche Ordnung in Europa hergestellt ist, habe Ich jene, für die Grundlage aller wahren Kraft des Staats und für die gesammte Wohlfahrt Meiner Unterthanen höchst wichtige Angelegenheit wieder aufgenommen und ernstlich beschlossen, das ganze öffentliche Unterrichtsund Bildungswesen in Meinen Landen zu einem möglichst vollkommenen, der Hoheit des Gegenstandes entsprechenden Ziele zu bringen. In Verfolgung dieses Zweckes habe Ich die Mir von Ihnen vorgelegten, von dem Staatsminister von Altenstein aufgestellten Hauptgrundzüge eines desfallsigen, das Ganze umfassenden Planes genehmigt und demnach auf die höhern Bildungsanstalten und zwar ganz vorzüglich in den wieder gewonnenen und neu erworbenen westlichen Provinzen des Staats Meine Aufmerksamkeit gerichtet und nach reiflicher Erwägung aller zu nehmenden Rücksichten beschlossen, jetzt eine neue Universität, und zwar in Bonn, als dem angemessensten Orte, zu begründen. Zu dem Ende, und um ein bleibendes Denkmal Meiner gegenwärtigen Anwesenheit in den Rheinlanden zu hinterlassen, habe Ich unter dem heutigen Tage die beiliegende Stiftungsurkunde der Universität Bonn eigenhändig vollzogen und dieser neuen Lehranstalt, indem Ich zugleich auch die ältern Universitäten in Meinem Reiche landesväterlich bedachte, eine solche Ausstattung gegeben, daß sie im Stande seyn wird, die Stelle, welche sie in Meinem Staate und im ganzen nordwestlichen Deutschlands einnehmen soll, mit Würde und Erfolg zu behaupten. Es ist Mein ernstlicher Wille, daß die Universität in Bonn ungesäumt eröffnet werde, und Ich erwarte von ihr mit Zuversicht, daß sie in dem von Mir in ihrer Stiftung-Urkunde bezeichneten Geiste wirke, wahre Frömmigkeit, gründliche Wissenschaft und gute Sitte bei der studierenden Jugend fördere und dadurch auch die Anhänglichkeit Meiner westlichen Provinzen an den Preußischen Staat, je länger je mehr befestige. Ueber die Ausstattung und Vervollkommnung, welche Ich den übrigen Wissenschaftlichen und Kunst-Anstalten in Meinem Reiche zu geben Willens bin, so wie über den Grundplan, nach welchem das gesammte öffentliche untere und höhere Unterrichts- und Bildungswesen in Meinen Landen zu Einem in sich selbst übereinstimmenden auf ein großes Ziel gerichteten Ganzen gestaltet werden soll, werde Ich das erforderliche Speciellere, nach, von dem Staatsminister von Altenstein eingereichtem und von Mir gebilligtem Plane, erlassen und denselben ermächtigen, das Nöthige zu seiner Zeit zur öffentlichen allgemeinen Kenntniß zu bringen, damit Mein treues Volk wisse und erfahre, wie Ich eine gleichmäßige, allseitige, ernste und tüchtige Bildung aller Meiner Unterthanen, mit landesväterlicher Liebe bezwecke und solche als das sicherste Mittel betrachte, einem der wahren Wohlfahrt der Völker so höchst nachtheiligen, unruhigen und unfruchtbaren Getriebe zuvorzukommen und das Wohl und Gedeihen des Preußischen Staats hauptsächlich auf die sorgfältig geleitete Entwickelung aller seiner geistigen Kräfte auch fernerhin zu gründen, gesonnen bin. Aachen, den 18. Okt. 1818. Gez. Friedrich Wilhelm. An den Staatskanzler Herrn Fürsten von Hardenberg.«

In der diesem allerhöchsten Befehle beigefügten Stiftungs-Urkunde heißt es § 2.:

Wir räumen der Universität das Schloß in Bonn, nebst Zubehör, auch das nah gelegene Schloß Poppelsdorf nebst Zubehör, in sofern solches wirklich nöthig ist, ein, und wollen, daß ihr erstgedachtes Grundstück als beständiges Eigenthum sogleich, letzteres aber eintretenden Falls, überwiesen und für ihre Zwecke so, wie jedes dazu am nutzbarsten ist, auf Unsere Kosten eingerichtet werde.

Die Universität, an der alle christlichen Confessionen gleiche Rechte haben, wurde also in diesen prachtvollen und geräumigen Gebäuden, wie befohlen, schon im Wintersemester 1818—19, unter dem Rectorate des Geheimen Regierungs-Raths, Hrn. Professor Hüllmann, vor einer Zahl von 45 Studirenden269, eröffnet. Unter der schützenden Huld ihres Königlichen Stifters, unter der sorgsamen Pflege des hohen vorgeordneten Ministerii und ihres Kurators, des außerordentlichen Regierung-Bevollmächtigten, Hrn. Geh. Regierungs-Raths von Rehfues, so wie durch die rastlose Thätigkeit der Hrn. Professoren ist sie nunmehr zu einer Blüthe und Bedeutung gestiegen, daß sie den ältern deutschen Universitäten, deren Rechte sie auch genießt, kühn an die Seite gesetzt werden darf. Die akademischen Institute und Sammlungen, welche vor und nach entstanden und in frischer Kraft für die Bildung der Studirenden und die Förderung der Wissenschaften im Allgemeinen wirken, sind wegen ihrer reichlichen Ausstattung und der darin herrschenden Ordnung und Reinlichkeit Gegenstände der Bewunderung eines Jeden, der sie sieht, und daher würdig, hier, wie folgt, namentlich aufgeführt zu werden:

die Universitäts Bibliothek mit fast 90.000 Nummern;

das katholisch-theologische Convictorium;

das evangelisch theologische und das evangelisch homiletische Seminar;

das medizinische, chirurgische und geburtshülfliche Institut;

das chirurgische Instrumenten- und Bandagen Kabinet;

das anatomische Theater und Museum;

das philologische Seminar;

das naturwissenschaftliche Seminar;

das naturhistorische Museum;

das Kunst-Museum;

das chemische Laboratorium und technologische Kabinet;

das physikalische Kabinet;

das pharmaceutische Kabinet;

der botanische Garten;

der pharmacologische, mathematische, musikalische und Zeichnen-Apparat;

das rheinische Museum vaterländischer Alterthümer. —

Auch besteht bei der Universität zur Beruhigung ihrer Lehrer, eine Wittwen- und Waisen-Versorgungs-Anstalt.

Außer der Universität, dem Oberbergamt, dem Landrathsamte und dem Oberbürgermeisteramt, ist auch in Bonn ein Oberzollamt, ein Postamt, ein Hypothekenbureau, ein Untersuchungsamt und zwei Friedensgerichte, das eine für den Stadt- das andre für den Landbezirk; ferner ist es der Sitz eines katholischen Dechanten, so wie eines israelitischen Konsistoriums; dann befinden sich darin ein Gymnasium, mehrere Stadt- und Privat- sowohl Mädchen- als Knaben-Schulen, ein Erziehungs-Institut für Töchter, und eine Freischule für arme Kinder beiderlei Geschlechts, und endlich ein Handlungslehr-Institut, eine lithographische Anstalt, vier Buchdruckereien, drei Buchhandlungen und zwei Musikalienhandlungen.

Im Jahr 1825 hatte Bonn das seltne Glück, sowohl des Königs Majestät, als Ihre Königl. Hoheiten, den Prinzen August und den Kronprinzen, begleitet von seinen durchlauchtigsten Brüdern, an einem Tage, 10. Sept., in seinen Mauern huldigend zu begrüßen. — Einige Zeit später, 1828, schlugen in dieser Stadt Ihre Königl. Hoheit, die Frau Churfürstin von Hessen, die verehrte Schwester unseres Monarchen, so wie Ihre Hoheiten der Churprinz und die Prinzessin Karoline für fast 2 Jahr lang ihre Residenz auf; eine Ehre, die im Mai 1829 noch dadurch erhöht wurde, daß damals eine zweite Schwester des Königs, Ihre Majestät, die Königin von Holland, zum Besuche Ihrer durchlauchtigsten Schwester hier mehrere Tage verweilte. Eine Quelle großer Freude gewährt es gewiß jedem Gönner Bonns zu sehen, wie diese Stadt auch in unsern unruhigen Zeiten, wo die Völker mehr oder weniger gegen ihre Fürsten aufstanden, ungeachtet ihrer verführerischen Lage und vielleicht selbst vieler Zuflüsterungen, doch ihren alten Ruhm rein bewahrt hat. Dafür stieg sie immer höher in der Huld und Gnade ihres Königlichen Herrn und in der Meinung und Gunst jedes Recht und Ordnung liebenden Mannes; denn während in den Nachbar-Ländern die Wohlfahrt gewährenden Schranken der Ordnung und des Gehorsams gebrochen, die Besten der Treue und der Liebe untergraben und die Bessern nicht nur dem Raube und der Mißhandlung, sondern selbst der Gefahr ihres Lebens ausgesetzt wurden, ließen sich in Bonn, als einem sichern und schönen Orte und als einem Sitze der Musen immer mehr adelige und reiche angesehene bürgerliche Familien häuslich nieder, so daß am Anfange des Jahrs 1833 die Bevölkerung der Stadt, ohne Militär und Studenten, einer amtlichen Zählung gemäß, 12.367 Einwohner270 betrug, eine Zahl, die seitdem noch gestiegen ist.

Bonn bietet auch zur Unterhaltung und Erheiterung, zur Ergehung und Lustwandlung die schönsten und ansprechendsten Gelegenheiten dar; in der Stadt: das Schloß, mit den akademischen Instituten und Sammlungen und der vom Maler Hrn. Götzenberger meisterhaft mit Fresco-Gemälden ausgeschmückten Aula; die Münsterkirche, nächst dem Dome in Köln, das schönste Baudenkmal am Niederrhein; die Kirche St. Remigius, mit ihrem kostbaren Altargemälde; die Lese- und Erholungsgesellschaft, welche im Jahre 1787 ins Leben trat und selbst den Churfürsten Maximilian Franz zum Mitgliede hatte; das im Jahre 1832 entstandene akademische Museum, eine ähnliche Anstalt; 2 Leihbibliotheken; Bälle; Concerte; Theater; Scheiben- und Vogelschießen, u. s. w.; außerhalb Bonn in der von der Natur und Kunst so reich gesegneten Umgegend sind die vorzüglichsten Punkte: der alte Zoll, mit seiner entzückenden Aussicht; der Hofgarten; der Godesberg mit einer schönen Ruine und einem Mineralbrunnen; Rolandseck mit einer Ruine; Nonnenwerth, eine Rheininsel, worauf in einem ehemaligen Klostergebäude Gastwirthschaft getrieben wird; das romantische Aarthal; das Siebengebirge mit seinen Ruinen, Waldungen und Weinpflanzungen; Siegburg mit einer Irrenheilanstalt; Köln mit dem majestätischen Dome und tausend andern Merkwürdigkeiten; Brühl mit einem schönen Schlosse; das dörferreiche Vorgebirge; Roisdorf mit einem Mineralbrunnen; der Kreuzberg, mit einer Kirche und einer eben so mannichfaltigen als erheiternden Aussicht; das Schloß Poppelsdorf mit seinen akademischen Sammlungen; und eine große Anzahl nahe um Bonn liegender wohlhabender und einladender Dörfer.

Zugleich legt diese Stadt mit jedem Tage den düstern und melancholischen Anblick ab, welcher vorher um so unangenehmer auffiel, jemehr die Spuren von altem Glanze mit ihrem damaligen Verfalle contrastirten. Wo vor Kurzem noch alte und nahen Einsturz drohende Gebäude das Gemüth mit Trauer erfüllten, sieht man jetzt neue prachtvolle Gebäude sich aus den Ruinen erheben; und wo vormals der Reisende beim Eintritt in die Stadt durch die halbverfallenen Festungswerke, Wälle und Mauern einen Ort zu sehen glaubte, der eben erst die Schrecken einer Belagerung ausgestanden hatte, da gewinnt jetzt alles eine erhabenere Gestalt; indem durch den Abbruch des Kölnthors und vieler Fortifikations-Ueberreste, so wie durch Ausfüllung der Gräben Bonn einen größern Umfang erhält und Schritt vor Schritt einer würdevollen Verschönerung näher rückt. Diese Arbeiten begannen, durch Beiträge der Bürger unterstützt, im Jahre 1825; schon am 19sten Juli 1827 wurde durch die anwesenden Mitglieder des hier zusammen getretenen Verschönerungs-Vereins und durch die Verwaltungsbehörde von Bonn in Gegenwart eines zahlreich versammelten Publikums der Grundstein zu den ersten neuen Wohnhäusern gelegt.

Folgende das Geschichtliche der Handlung erörternde Inschrift wurde in Kupfer eingegraben und in einer Kapsel unter eine wohlbehauene Steinplatte gelegt:

Unter der glorreichen Regierung Seiner Majestät Friedrich Wilhelm III., Königs von Preußen, wurden die unter dem Churfürsten Konrad von Hochstädten im Jahre 1240 an dieser Stelle erbauten Thürme und Zwinger der Kölner Pforte niedergelegt. Nach Einebnung der damit verbundenen Bastionen, Wälle und Festungsgräben entstand die den Eingang der Stadt bildende neue Häuserreihe und die westlich damit verbundene Wallstraße.

Die Ausführung der Arbeiten geschah durch Beiträge des Stadt-Magistrats und der Bürgerschaft zu Bonn unter Leitung des Vereins zur Verschönerung und Vergrößerung der Stadt Bonn.

Möge die göttliche Vorsehung dem in Eintracht und Liebe begonnenen Werke kräftigen Fortgang, Schutz und Gedeihen gewähren, und unsere Nachkommen sich der Segnungen des Friedens erfreuen, welche, nach lang jährigen Kriegsstürmen, die Bürgerschaft durch die vielfachen Aufopferungen für die Einebnung der Festungswerke dauernd zu sichern bemüht war.

Diese beiden ersten Häuser wurden erbaut von den Handelsleuten Martin Edelbrock und Friedrich Burkart durch den Bau-Conducteur B. Greuel und Maurermeister Gath. Der Grundstein dazu wurde gelegt durch den obenbenannten Vorstand des Vereins zu Bonn am 19ten Juli 1827.271

Bei allen Verschönerungen, welche die jetzige Stadtbehörde bereits traf und noch immer anordnet, trägt sie zugleich zu ihrem nicht geringen Ruhme angelegentlichst Sorge für die Tilgung der Schulden von Bonn. Diese hatten durch Beiträge zum Türkenkriege, durch die Schicksale der Stadt unter den Churfürsten und im Anfange der französischen Revolutions-Herrschaft eine ungewöhnliche Höhe erreicht272, so daß selbst Napoleon fast am Ende seiner Regierung eine Summe aus dem Gemeindebüdget festsetzte, um zur Zahlung der Schuld verwendet zu werden. Das kaiserliche Dekret273 lautet wörtlich:

»Im Pallast der Tuilerien den 10ten Februar 1813. Auf den Bericht Unsers Ministers des Innern; nach Anhörung Unseres Staatsraths, haben Wir dekretirt und dekretiren wie folgt:

Art. 1. Wir concediren, als völliges Eigenthum und auf ewige Zeiten, der Stadt Bonn, im Rhein- und Mosel-Departement, eine jährliche Summe von zwei tausend sieben hundert Franks aus der Einnahme ihres Büdget, um zur Zahlung ihre konstituirten Schuld verwendet zu werden.

Art. 2. Unser Minister des Innern ist mit der Vollziehung des gegenwärtigen Dekrets beauftragt. Napoleon.«

Erst unter Preussens väterlich milder Regierung vermochte man kräftiger an der Abtragung der Schuld zu arbeiten. Als überraschender Beweis davon dient, daß man seit 1816, wo die Schuld noch 146.144 Rthlr. 3 Gr. 10 Pf. betrug, dieselbe auf 35.360 Rthlr. 23 Gr. 9 Pf., durch Tilgung und Ablagen, herunterdrückte;274 eine Summe, die jedoch durch den Bau einer neuen Armenschule auf der Wilhelmsstraße275 und einer Schule zu Rheindorf, durch den Ankauf eines Hauses in der Neugasse und dessen Einrichtung zu einer Mädchenschule, und durch einen Beitrag für die Pastorat von St. Martin, bis zum Jahre 1833 auf 63.820 Rthlr. 23 Sgr. 9 Pf wieder erhöht werden mußte. Erwägt man, daß in so wenigen Jahren 110.783 Rthlr. 10 Sgr. 1 Pf., oder nach Abzug der neugemachten Schuld, 82.323 Rthlr. 10 Sgr. 1 Pf. — darunter natürlich viele Nachlassungen von Seiten der Gläubiger — von der Schuld abgeschrieben wurden, so darf man den würdigen Männern, denen eine so rühmliche Erscheinung verdankt wird, vertrauen, daß es ihrer guten Wirthschaft, vorausgesetzt, daß dieselbe durch die Segnungen des Friedens auch ferner unterstützt wird, vor Ablauf einiger Decennien gelingen werde, die Schuld, so weit sie tilgbar ist, ohne Gefährdung wichtiger Interessen, abzutragen. Während sich also unter Preussens Regierung in Bonn und im ganzen Rheinlande Alles zum Bessern gestaltet, während Künste, Wissenschaften und Volksbildung herrlich fortblühen, die alten Bisthümer wieder bestehen, und die Religion rücksichtslosen Schutz findet, während das Land wieder seine Selbständigkeit erlangt hat, und die Rechtspflege vortrefflich gehandhabt wird, und während Abgaben und Leistungen des Kriegsdienstes genau geregelt sind; genoß Bonn in dankbarer Wahrnehmung und Verehrung aller dieser Thatsachen im Mai 1828, also nach mehr als 30 Jahren, wieder das Glück, dem neuen Erzbischofe, Ferdinand August, Grafen Spiegel zum Desenberg-Kanstein, der einstens als Jüngling in seinen Mauern den Studien lebte, seine Huldigung bringen zu können. Se. erzbischöfliche Gnaden ertheilten damals in der hiesigen Münsterkirche das Sakrament der Firmung und verrichtete am 19ten Mai auch darin das Pontificalamt, dem Ihre Königl. Hoheit, die Frau Churfürstin von Hessen und Ihre Hoheiten, der Churprinz und die Prinzessin Karoline beiwohnten

Wieder eine Festlichkeit stellte sich für Bonn am 30. Mai 1831 ein, wo Se. Königl. Hoheit, der Prinz Wilhelm von Preussen, General-Gouverneur hiesiger Provinz, mit Seiner fürstlichen Familie diese Stadt zur innigsten Freude ihrer Bewohner besuchte, ihre Huldigung mit Wohlwollen empfing, und alle Merkwürdigkeiten in Augenschein nahm. Wohl waltet die göttliche Vorsehung über die hiesigen Vergrößerungs- und Verschönerungs-Arbeiten. Schon 16 prachtvolle neue Häuser sind bewohnt und mehrere noch im Entstehen begriffen. Zwar fanden die ersten Bauherrn im Anfange wenige Nachfolger, da man sich oberhalb der Stadt lieber anbaute, und demnächst auch die stark bewegte Zeit nicht ohne schädlichen Einfluß blieb. Jedoch da jenes nicht für alle gehen wollte, und man wegen des letztern Punktes sich durch die Festigkeit und Weisheit des Monarchen bald beruhigt fand, und da zudem die Bauplätze nicht nur eine angenehme Lage hatten, sondern sogar in Folge der Bewilligung Sr. Majestät de Königs mit zehnjähriger Grundsteuerfreiheit unentgeldlich angeboten wurden276, so sind sie nunmehr alle vergeben; während die Wallstraße seit dem 9ten September 1830, wo des Prinzen Wilhelm Königl. Hoheit, Sohn Seiner Majestät des Königs, zu Aller Freude hier anwesend war, unter dem Ehren-Namen der Wilhelmsstraße völlig eröffnet und seit 1832 auch gepflastert ist. Dagegen beschäftigt man sich oberhalb der Stadt, am Stockenthore, mit der Geradelegung der Heerstraße, die bald ihre Vollendung erreichen wird; auch ist man dort noch fortwährend mit prachtvollen Neubauten beschäftigt.277

So nimmt der Umfang und der Flor Bonns nicht nur unterhalb, sondern auch oberhalb in eben dem Maße mit jedem Tage zu, als Schönheit und Anmuthigkeit, Wohlstand und Frohsinn innerhalb der Stadt immer heimischer werden, und die Alterthumsgegenstände, welche man bei diesen Arbeiten in großer Anzahl findet und in Grabstätten, Figuren, Münzen u. s. w. bestehen, geben unserer Aussage, daß Bonn ein sehr wichtiger Ort der Römer war, wenn es einer solchen Bestätigung noch bedürfen sollte, immer mehr Bekräftigung.

Dieser sich immer vergrößernde Flor der alten Bonna erfreute auch nicht wenig Se. Königl. Hoheit, den Kronprinzen, als er dieselbe im Jahre 1833 neuerdings mit Seinem Besuche beglückte, auf einer Reise durch die Provinzen Rheinland und Westphalen, die den edlen und erfreulichen Zweck hatte, nicht bloß die Huldigungen ihrer Bewohner zu empfangen, sondern vorzüglich ihre Bedürfnisse kennen zu lernen. Der Allgeliebte langte hier am 29sten October Mittags an, nahm Sein Absteige-Quartier im Böselagerschen Hofe und verließ Bonn wieder am 30sten October gegen 11 Uhr Morgens, nachdem Er alle Merkwürdigkeiten der Stadt besehen, Niebuhrs Grab und den Kreuzberg besucht hatte. Wir wollen hier die Festlichkeiten übergehen, welche Bonn veranstaltete, da sie so waren, wie sie von einer treuen und dankbaren Stadt erwartet werden durften; aber wir können nicht umhin, unsern Nachkommen auch hier ein gnädiges, herzerhebendes, jedem Rheinländer und Westphalen theures Schreiben des Kronprinzen aufzubewahren, zugleich als den gültigsten Beweis von der treuesten Anhänglichkeit dieser Provinzen an ein Herrscherhaus, dessen Wahlspruch ist: Das Heil meines Volkes soll mein Gesetz sein. Das Schreiben, an den Herrn Oberpräsidenten von Pestel in Koblenz gerichtet, lautet wörtlich:

Längst war es Mein sehnlicher Wunsch, Westphalen und den Rhein wiederzusehen. Des Königs Gnade hat ihn erfüllt. Ich stehe am Ziele einer Mir unbeschreiblich theuern Reise. Eine Anerkennung der milden gesegneten Regierung Sr. Majestät erwartete Ich von Völkern deutscher Gesinnung. Ich habe mehr erfahren, und preise Gott dafür. Mit Liebe ward auch Ich empfangen. Sagen Sie den vielen Städten und Orten, denen Ich selbst nicht besonders danken konnte, Meinen wärmsten Dank dafür. Mit bewegtem Herzen scheide Ich aus ihrer Mitte. Meine heißesten Segenswünsche weilen aber stets bei ihnen, und gern kehre Ich dereinst wieder. Coblenz, den 20sten November 1833.

Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

Literaturverzeichnis

Vom Herausgeber zusammengestellt; aufgeführt sind die in den Anmerkungen nachgewiesenen Werke.

Anmerkungen

» … « Anmerkung des Verfassers · grau: Zusatz des Herausgebers · ↩ zurück zur Textstelle

  1. Fundstelle: BSB München, Signatur germ.sp. 320 s; urn:nbn:de:bvb:12-bsb10020687-9; ULB Bonn, Signatur Lf 891/25. Ferner bei Google und https://www.forgottenbooks.com/en/books/GeschichtederStadtBonn_11219657 zum Preis von $ 9.50. ↩
  2. »Vgl. Wallrafs Beiträge zur Geschichte der Stadt Köln. Köln 1819. Ir Bd. S. 167 fgde.« – (Wallraf, 1818) ↩
  3. »Siehe die Werke: Die erloschenen Vulkane in der Eifel und am Niederrhein, von Steininger. – Das Gebirge in Rheinland und Westphalen, von Nöggerath. Bonn 1822. Selbst Tacitus thut eines Erdbrandes in der vaterländischen Gegend, in S. Annal. Buch 13. Kap. 57, Erwähnung.« – (Steininger, 1821), (Nöggerath, 1823) ↩
  4. »Wallrafs Beiträge etc. S. 173 fgde. Jahrzähler des Rhein- und Moseldepartements. Jahrg. VIII, S. 101.« ↩
  5. »Cäsar Bell. Gall. II. 4, IV. 6, VI. 32.« ↩
  6. »Minola's Uebersicht des Merkwürdigsten unter den Römern am Rhein. Köln 1816. S. 194 fgde. – Brewers vaterländische Chronik der Rheinprovinzen etc. Köln 1825. II. Bd. S. 292.« – (Brewer, 1825) ↩
  7. »Cäsar erwähnt wenigstens eines Königs der Ubier nicht.« ↩
  8. »Siehe Aldenbrücks Geschichte des Ursprungs und der Religion der Ubier. Uebersetzt von Brewer. Köln 1819. Bd. I. S. 52. 53 u. 79. – Vaterländische Chronik von Brewer, namentlich Bd. I. S. 14, 15, 16–54, 85–105, 192–200, 705–8; Bd. II. S. 86–92, 337–45, und 396–406.« – (Aldenbrück, 1819) ↩
  9. »In S. Comment. de Tungris, Eburonibus etc. M. D. XLI pag. 44.« ↩
  10. »Geschichte des fränkischen Rheinufers, von van Alpen. Köln 1802, I. Bd. S. 398.« – (van Alpen, 1802) ↩
  11. »Tacit. Ann. XII, 27; Histor. I, 56, IV, 20, 25, 28, 56, 79; German. 28.« ↩
  12. »Germania antiqua ed. Cluverius. Lugd. Bat. MDCXVI lib II., pag. 79.« – (Clüver, 1616) ↩
  13. »Stände in der angezogenen Stelle: Coleret Segestes victam ripam, redderet filio sacerdotium (hominum): Germanos nunquam excusaturos quod inter Albim et Rhenum virgas et secures et togam viderint, die Leseart fest, so ließe sich daraus noch mehr folgern; allein hominum hat die einzige Handschrift der ersten sechs Bücher der Annalen, und daraus haben Einige hominem, Andere Romanum machen wollen; Herr Professor Ritter glaubt, daß hominum ganz zu tilgen sei.« ↩
  14. »Vgl. Livii Epitom. libr. 137; Strabo IV. p. 192; Dio Cass. LIV, 32; Sueton. Calig. c. 20. Claud. c. 2; Juvenal. I, 44.« ↩
  15. »Dio Cass. LV. Bd. III, S. 362 der Ausgabe von Sturz.« ↩
  16. »In s. Religio Ubior.« - ↩
  17. »Unter dem Titel: Déscription d’un autel de la Victoire, monument antique, érigé etc. von v. Gerolt.« – (von Gerolt, 1810) ↩
  18. »So ist Streversdorf und Minola für Sinzig; Graf von Nuenar, d'Anville und Vogel für Godesberg; Gelen, Burmann, Aldenbrück, Cluver, Campius, Türk, Blum, von Gerolt und Ruckstuhl für Bonn; Lipsius, Cellar, Masen, Teschenmacher, Mannert und Wallraf für Köln; Rau für Deutz; und Dr. Hundeshagen für Schwarzrheindorf; Anderer nicht gedenkend, die für diesen oder jenen Ort noch sprechen. Siehe Minola's Beiträge zur Uebersicht der römisch-deutschen Geschichte. Köln 1818. S. 136–39. Jahrbuch der Rhein-Universität 1. Bds. II. u. IIIs Heft. Bonn 1819. S. 220–28. – Die Stadt und Universität Bonn, von Dr. Hundeshagen. Bonn 1832. S. 20–23.« – (Hundeshagen, 1832) ↩
  19. »Sonderbar, daß der Schreiber der Kölner Chronik dieser Insel nicht gedenkt.« ↩
  20. »Wallrafs Beiträge etc. S. 27 fgde.« ↩
  21. »Die Sieg fließt bei Mondorf, eine halbe Stunde unterhalb Bonn, in den Rhein.« ↩
  22. »Vaterländische Chronik von Brewer. Bd. I, S. 292 fgde. u. 392 fgde. Beide interessante Aufsätze, auf die wir hier verweisen, sind von v. Gerolt und betitelt: Die Ubier und Tencterer.« ↩
  23. »Von Gerolt ist der Meinung, daß der vier bis fünf Stunden von Linz landeinwärts gelegene Ort Hübchen auch ein Hauptort der Ubier war (Siehe Brewers vaterländ. Chronik II, S. 25).« ↩
  24. »Wollten wir indeß zugeben, daß die Ubier wirklich einem solchen Unterschiede Beachtung hätten schenken können, so spräche dieses wieder nicht für Köln; denn dort beträgt die Breite des Rheins 1300, bei Bonn aber nur 1240 Fuß (Siehe Simons Annalen der innern Verwaltung der Länder auf dem linken Rheinufer. Köln 1822. I. Buch 1ste Abth. S. 141). Die Wallraf'sche Insel änderte hier nicht, da dieselbe so nahe am Lande, oder richtiger landeinwärts lag, daß sie in der Folge der Stadt einverleibt und bebaut wurde. Wahrscheinlich bildete sie ein Arm des Rheins, der später durch Zufall oder Menschenhände gehemmt, und mit dem Flusse da wieder vereinigt wurde, wo er sich von ihm getrennt hatte.« ↩
  25. »Vielleicht dachte aber Wallraf, von der Brücke des Jul. Cäsar sei ein Theil noch vorhanden und dadurch das linke Rheinufer mit der Insel verbunden gewesen; wenigstens läßt er auch die Brücke der Insel wegen dort aufschlagen, und macht sogar den künftigen Herausgeber von Cäsars Werken auf den Umstand aufmerksam, daß Cäsar durch die Inselbreite die Brücke um 4–500 Fuß kürzer als anderswo, mithin eher in 10 Tagen, habe anfertigen können. (Siehe S. Beiträge etc. S. 30). Wir haben aber bereits in der vorigen Note bemerkt, daß die Insel wegen ihrer Lage die Breite des Flusses nicht verminderte und daß derselbe dort 60 Fuß breiter ist, als zu Bonn. Wäre dieses jedoch auch nicht der Fall, die Brücke wird doch schwerlich zu Köln gesucht werden dürfen.« ↩
  26. »Tacit. Hist. IV, 19, 25, 70, 77; V, 22. Bonnense praelium, IV, 20. Bonnensia castra, IV, 62.« ↩
  27. »Dieser Name ist auf dem Steine nicht ausgeschrieben, sondern es steht blos ein T da. Dieses Zeichen nimmt Gerolt für eine T (Tiberiana), Andere aber für eine I (prima) an. Wir kommen dem erstern bei; denn sicher ist, daß jener Buchstabe einer T, und nicht einer I ähnelt. Tiberius begünstigte, beförderte und beschenkte die erste Legion mit der Zierde neuer Standarten, und durfte also von der Dankbarkeit derselben eine solche Auszeichnung erwarten. Auch benannten die Alten lieber nach Namen als nach Zahlen. Wir verweisen übrigens auf den sachkundigen und interessanten Aufsatz von Gerolt über diesen Grabstein in der vaterländischen Chronik von Brewer, Bd.II, S. 253 fgde.« ↩
  28. »Bonner Wochenblatt von 1810. Nro. 143.« ↩
  29. »Wallrafs Beitrage etc. S. 183.« ↩
  30. »Bei Erwähnung dieses Kaisers müssen wir unsern geschichtsunkundigen Lesern in Kürze mittheilen, was für Steuern und Abgaben unsere Urväter schon an die Römer zu zahlen hatten: Als Augustus kaum Gallien und den Rhein besaß, verordnete er eine Zählung des Volks, und legte diesem die nämlichen Abgaben auf, die im ganzen Reiche bezahlt werden mußten. Und zwar: Abgaben an Zehnten, Weidegeld, Zöllen, Kopfsteuer, den 20sten Theil von Testamenten und Vermächtnissen, den 25sten Theil von verkauften Sklaven, den 100sten Theil von verkäuflichen Waaren. (Siehe die Geschichte des fränkisch. Rheinufers, von van Alpen I. S. 385).« ↩
  31. »Siehe das Jahrbuch der Rhein-Universität, I. Bds. Is Heft S. 70 und IIs Heft, S. 132–37.« ↩
  32. »L. IV, c. 12. – Herr von Gerolt hat über diese Brücke einen interessanten Aufsatz, betitelt: »Die Brücke des Drusus zu Bonn«, und darauf eine nähere Entwicklung dieses Aufsatzes geliefert, worin er die falschen Lesearten des Florus beseitigt und jeder Einwendung begegnet. Dieser Aufsatz und Nachtrag sind zu finden in Brewers vaterländischer Chronik 1. Bd. S. 367 fgde. u. S. 466 fgde. Siehe in dieser Beziehung auch Minola's Uebersicht des Merkwürdigsten etc S. 236 fgde.« ↩
  33. »Siehe Beilage pos. 25–36 inclus.« [hier nicht abgedruckt.] ↩
  34. »Diese Ueberreste wurden der Erde wieder übergeben. Zu wünschen wäre es allerdings gewesen, daß dieses nicht geschehen sei. Allein dann hätten sie wohl zuversichtlich nicht lange mehr bestanden; denn außerdem, daß eine muthwillige Jugend daran Beschädigungen anrichtete, waren auch Erwachsene der Zerstörungssucht oder dem Verlangen unterworfen, Steine von diesem ehrwürdigen Ueberreste der Vorzeit zu besitzen, oder durch Losbrechung des Gemäuers und Aufwühlen des Bodens Münzen und andere Alterthumsgegenstände zu erhalten. Daher sah sich auch der Herr Oberbürgermeister Windeck am 15. April 1819 veranlaßt, ein scharfes Verbot gegen diese Beschädigungen zu erlassen. (Siehe Wochenblatt von 1819 Nro. 406).« ↩
  35. »Denkmale germanischer und römischer Zeit in den hiesigen Landen, von Dorow. Stuttgart und Tübingen 1823. 4. Ir Bd. Nachgrabungen bei Bonn am Wichelshofe in den Jahren 1818 u. 1819, von Ruckstuhl. Diese Schrift findet sich im Jahrbuch der Rhein-Universität, Bd. 1. Heft II, S. 159–223. abgedruckt.« – (Dorow, 1826), (Ruckstuhl, 1819) ↩
  36. »S. Beilage pos. 48.« ↩
  37. »Sammlung der merkwürdigsten altdeutschen Geschichten. 24 Bd. oder Gebhard Truchses von Waldburg. 2r Th. S. 46.« ↩
  38. »Die Stadt und Universität Bonn, von Dr. Hundeshagen. Bonn 1832. S. 21.« ↩
  39. »S. Beilage pos. 12.« ↩
  40. »Daher will man auch die Namen dieser Dörfer alle von römischen Kriegsobersten ableiten, als: Friesdorf von Frisius, Kessenich von Cassius, Poppelsdorf von Publius, Endenich von Ennius, Gilsdorf von Gellius, Trebelsdorf von Trebellius etc.« ↩
  41. »Minola's Uebersicht dessen, was sich am Rheine unter den Römern Merkwürdiges ereignete. S. 235 und 236, nebst Anmerkung.« ↩
  42. »Wir nehmen hier hauptsächlich den interessanten Aufsatz de Herrn von Gerolt, abgedruckt in Brewers vaterländischer Chronik der Rheinprovinzen, IIr Bd. S. 268 fgde. zur Hand.« ↩
  43. »Dieser Bogen ist in den Kellern der Häuser Nro. 31 und 231 zu sehen, und hat eine Länge von 23 Fuß, eine Höhe von 12, und im Durchmesser 11 Fuß.« ↩
  44. »Nämlich hinter den Markt- und Sternstraßen-Häusern von Nro. 172–183, und hinter den Häusern auf der Achterstraße von Nro. 214–226.« ↩
  45. »Stadt und Universität Bonn, von Dr. Hundeshagen. S. 54.« ↩
  46. »s. Beilage pos. 1« ↩
  47. »Die Chronik besitzt eine ehemalige Nonne dieses Klosters, die Jungfrau Eisweiler in Bonn, welche die Güte hatte, sie mir zum Gebrauche einzuhändigen.« ↩
  48. »Geschichte des Erzstifts Köln von Süß, Schulpfleger und Pastor. Köln 1826. S. 4. Der Herr Verfasser stützt sich auf die ältern und neuern Martirologen, daher wir auf ihn verweisen.« – (Süss, 1826) ↩
  49. »Daselbst S. 417, wo auch der mehrseitigen Annahme, als habe Maternus im 3ten Jahrhundert gelebt, mit triftigen Gründen begegnet wird.« ↩
  50. »Dieser Bau fand gemäß einer Tafel, die sich an der Kirche befunden haben soll und von Minola in seiner Uebersicht des Merkwürdigsten etc. S. 243 mitgetheilt wird, im Jahre 96 Statt. Sie lautet: A. D. 96. Maternus I. Ep. Col. Templum hoc: consecravit, et a Dedone rege gentili antea erectum, nunc a. 1653 renovatum.« ↩
  51. »Bonner Chorographie von Hofkammerrath Vogel. I. S. 17–18. Die Stadt und Universität Bonn von Dr. Hundeshagen. Bonn 1832. S. 30–31.« – (Vogel, 2020), (Hundeshagen, 1832) ↩
  52. »v. Alpen's Geschichte des frank. Rheinufers. I. S. 484–5.« ↩
  53. »Minola's Uebersicht des Merkwürdigsten etc. S. 41.« ↩
  54. »v. Alpen's fränk. Geschichte etc. I S. 487.« ↩
  55. »v. Alpens fränk. Rheinufer. I. Bd. S. 574.« ↩
  56. »Siehe das Werk: Die Lage der Kölnischen Kirche in den ersten Jahrhunderten ihrer Entstehung bis auf die Regierung Erzbischofs Hildebald im J. 782, von Georg Franz Edlen von Blum. Bonn 1788. S. 60 u. 109, nebst Anmerkungen.« – (von Blum, 1788) ↩
  57. »Fränk. Rheinufer von van Alpen, I. Bd., S. 585 fgde.« ↩
  58. »Bonner Chorographie I. S. 145–146. Materialien der geistl. u. weltlichen Statistik des niederrheinischen etc. Kreises. Erlang. 1783. III. Bd. S. 435 u. 436. Die Lage der Kölnischen Kirche in den ersten Jahrhunderten ihrer Entstehung etc. von Blum. S. 109 u. Anmerkung.« – (Eichhoff, 1783) ↩
  59. »Bonner Chorographie I. S. 146–147.« ↩
  60. »Ammian Marcell. XVI. 2. 3. – Bonner Chorog. I. 146–147. Van Alpens fränk. Rheinufer I. S. 601 fgde.« ↩
  61. »In seiner Uebersicht dessen, was sich am Rheinstrome Merkwürdiges ereignete, S. 247–248.« – (Minola, 1816) ↩
  62. »siehe Beilage.« ↩
  63. »Siehe Bonner Chorographie VII. S. 168.« ↩
  64. Ebd. ↩
  65. »Van Alpens fränk. Rheinufer etc. II. S. 27.« ↩
  66. »Bonner Chorographie. I. S. 147.« ↩
  67. Ebd. ↩
  68. Ebd. ↩
  69. Ebd. ↩
  70. »Minola's Uebersicht des Merkwürdigsten am Rhein etc. S. 249.« ↩
  71. »Van Alpens fränk. Rheinufer II. S. 246.« ↩
  72. a.a.O., S. 246. ↩
  73. Ebd. ↩
  74. a.a.O., S. 255. ↩
  75. »Van Alpens fränk. Rheinufer. II. S. 264–267.« ↩
  76. a.a.O., S.268. ↩
  77. »Brewers vaterländische Chronik. II. S.261.« ↩
  78. »Siehe dessen Schrift: Die Stadt Bonn und Universität Bonn. S. 67f.- Auch Minola ist dafür, daß in Bonn ein Königshof stand. Siehe dessen Uebersicht des Merckwürdigsten am Rheine. S. 235 und Anmerkung.« ↩
  79. »Bonner Chorographie. I. 149.« ↩
  80. »Topographisch-statistische Beschreibung der königl. preuß. Rheinprovinzen. Von F. von Restorff. Berlin und Stettin 1830. S. 257.« – (von Restorff, 1830) ↩
  81. »Chron. Gualteri 1. 2.« – (Gualterius, 1614) ↩
  82. »In s. Opusculo de prodigiis, pag. m. 222 et 223.« – (Lykosthenes, 1557) ↩
  83. »Bonner Chorographie. I. 151. – Dieser Verheerung gedenkt auch Rhegino in seiner Chronic. Normann. Tom. I. Monument. German. histor. edit. fol. 534., nur läßt er sie ein Jahr früher, 881, Statt finden. Durch ihn erfahren wir auch, daß Bonn damals noch ebensowohl wie Köln als eine Civitas galt, während Jülich, Neuß und Zülpich nur Castella waren.« ↩
  84. »Bonner Chorographie. I. 152. Rhegino weicht auch hier in der Zeitbestimmung ab; nach ihm geschah die Verwüstung im Februar 892.« ↩
  85. »Siehe die bereits erwähnte Chronik dieses Klosters.« ↩
  86. »Bonner Chorographie. I. S. 152.« ↩
  87. »Bonner Chorographie. I. S. 153. Chronik von Rhegino.« ↩
  88. »Bonner Chorographie. VII. S. 168.« ↩
  89. »Siehe die Chronik der hilligen Stat van Coellen (gedrukt 1494). S. 134, 2.« – (Koelhoff, 1499) ↩
  90. »Stadt und Universität Bonn von Dr. Hundeshagen. S. 95–96.« ↩
  91. »Bonner Chorographie I. S. 156.« ↩
  92. Ebd. ↩
  93. Ebd. ↩
  94. Ebd. ↩
  95. a.a.O., S.158. ↩
  96. Ebd. ↩
  97. a.a.O., S.159. ↩
  98. »Geschichte von Lissabon, von Damian Goe.« – Damião de Góis, latinisiert: Damianus de Goes und Damiani a Goes, (*1502 in Triana/Alenquer, Portugal; †1574 in Alcobaça) war ein portugiesischer Diplomat und Historiker. ↩
  99. »Stadt und Universität Bonn von Dr. Hundeshagen. S. 46. 67.« ↩
  100. »Bonner Chorographie. I. S. 160.« ↩
  101. »Bonner Chorographie. I. S. 161 f.« ↩
  102. »Diese Urkunde ist abgedruckt in Günthers Urkundensammlung zur Geschichte der Rhein- und Mosellande. Koblenz 1822–26. 1. Th. S. 387–391.« – (Günther, Urkunden-Sammlung, 1822) ↩
  103. »Stadt und Universität Bonn von Dr. Hundeshagen. S. 53.« ↩
  104. »Bonner Chorographie. I. S. 130.« ↩
  105. a.a.O., S. 132. ↩
  106. a.a.O., S.134 f. ↩
  107. »Vaterländische Chronik von Brewer, II. S. 262.« ↩
  108. »Minola's Uebersicht des Merkwürdigsten am Rheine etc. S. 249.« ↩
  109. a.a.O., S. 448. – »Bonner Chorographie I. S. 134.« ↩
  110. »Kurze Uebersicht der Geschichte Cölns, von E.W., S. 60.« (?) ↩
  111. »Bonner Chorographie. I. S. 135.« ↩
  112. »Bonner Chorographie. I. S. 135. – Simons Annalen der innern Verwaltung des linken Rheinufers, Köln 1822. 1sten Buchs 1ste Abth. S. 90.« – (Simon, 1822) ↩
  113. »Es ist höchst wahrscheinlich, daß sich damals Mitglieder dieser alten und vornehmen Familie in Bonn häuslich niederließen, weil es ihnen in Köln in Folge der erzbischöflichen Anordnungen unmöglich mehr gefallen konnte. Denn es befand sich hier an der Stelle der zweiten Pfarrkirche St. Peter, eine alte Kapelle, St. Paulus-Kapelle zum Overstolz genannt, die mit einem Gerichtshofe und Hospitale versehen, den Damen des Stiftes Dietkirchen von 1680 bis 1729 zum Gottesdienste eingeräumt wurde, weil ihre Kirche zerstört worden war. (s. Bonn. Chorogr. IV. S.177f).« ↩
  114. »Historische Beschreibung der Kölner Domkirche, mit vaterländischen Geschichten der Vorzeit begleitet, von A. E. d'H... Köln 1821. S. 46.« – (d'Hame, 1821) ↩
  115. »Kurze Uebersicht der Geschichte Cölns, von W., S. 72.« ↩
  116. »Historische Beschreibung des Kölner Doms etc. S. 60.« ↩
  117. »Historische Beschreibung des Kölner Doms etc. S. 63.« ↩
  118. »Bonner Chorographie. I. 136. – Köln und Bonn mit ihren Umgebungen. Köln 1828. S. 242.« – (Jakob/Noel/Nöggerath, 1828) ↩
  119. »Bonner Chorographie. I. S. 123f.« ↩
  120. »Kremers akademische Beiträge zur Jülich und Bergischen Geschichte. I. Bd. S. 6. – Günthers Urkundensammlung etc. I. Th. S. 25.« – (Kremer, 1769) ↩
  121. »Kremers akademische Beiträge etc. I. S. 8.« ↩
  122. a.a.O., S. 137. ↩
  123. »Kurze Uebersicht der Geschichte Kölns, von W... S. 84.« ↩
  124. »Bonner Chorographie. I. S. 137.« ↩
  125. »Günthers Urkunden-Sammlung. II. S. 41.« ↩
  126. »Dieser Erzbischof ertheilte den Bonnern im J. 1296 das Privilegium, daß sie ihre Getreidearten auch außerhalb der Stadt mahlen lassen durften. (Städtisches Archiv).« ↩
  127. »Bonner Chorographie. I. S. 137 f.« ↩
  128. »Topographische Geschichte der Stadt Coblenz, von Günther. Coblenz 1815. S. 58.« – (Günther, Topographische Geschichte, 1813) ↩
  129. »Dieser Erzbischof bestätigte 1306 den Bonnern alle ihre Privilegien. (Städtisches Archiv).« ↩
  130. »Schmidt Geschichte der Deutschen. Frankenth. 1795. 8r Bd. S. 231. – Bonner Chorographie. I. S. 139.« – (Schmidt, 1783) ↩
  131. »Rheinreise von Mainz bis Cöln, von Professor Joh.Aug.Klein. Koblenz 1828. S.291. – Chorographie von Brühl, von Vogel. I. S.16.« – (Klein, 1826) ↩
  132. »Bonner Chorographie I. S. 139.« ↩
  133. a.a.O., S. 140. ↩
  134. Ebd. ↩
  135. »Geschichte der Deutschen von Schmidt. 8r Bd. S. 358.« ↩
  136. »Ueber Wallram finden wir im Stadt Archiv folgende alte Bemerkung: Erzbischof Wallrams Begnadigung dero Wochenmark und auf alle vier Wochen dero Pferde-Markt in Bonn. Am Ende seiner Regierung, 1348, kam erst der Gebrauch auf, das Fleisch mit dem Pfund zu verkaufen. (Bonner Chorographie. 1. S. 141).« ↩
  137. »Vogel's Chorographie von Brühl. I. S. 17.« ↩
  138. »In den Materialien zur geist- und weltlichen Statistik des niederrheinischen und westphälischen Kreises etc. Erlangen 1781. ersten Jahrgangs erstes Stück, S. 91 finden wir, daß die Juden in Bonn, auf 200 Köpfe angeschlagen, jährlich einen Tribut von 1.500 Rthlr. Kölnisch zahlen mußten. Ob diese Abgabe aber im 14ten Jahrhundert festgesetzt wurde, besagt unsere Quelle nicht.« ↩
  139. »Zwei Jahre früher, 1357, wuchs der sogenannte Löffelwein, den man mit hölzernen Klumpen auspressen mußte. Bonner Chorographie. I. 142.« ↩
  140. »Topographische Geschichte der Stadt Coblenz, von Günther. Coblenz 1815. S. 79 f.« ↩
  141. »Engelbert III. war, als er zur Regierung gelangte, ein alter und schwächlicher Mann, und sah sich deshalb genöthigt, im Einverständniß des Domkapitels und mit Genehmigung des Papstes, in der Person des Erzbischofs Kuno von Trier einen Coadjutor zu wählen, der dieses Amt nicht nur zum Wohle des Erzstiftes verwaltete, sondern den Bonnern auch ihre Privilegien am 9. Januar 1363 bestätigte. (Stadt. Archiv).« ↩
  142. »Günthers Urkunden-Sammlung. 3ten Bds. 2te Abth. S. 722 ff.« ↩
  143. »Bonner Chorographie. I. S.137.« ↩
  144. »Topographisch-statistische Beschreibung der Rheinprovinzen, von v. Restorff. S. 635. – Im Jahre 1369 ward der Gebrauch der Krahnen in dieser Gegend eingeführt. Bonner Chorographie. I. S. 143.« ↩
  145. »Kurze Uebersicht der Geschichte Kölns, von W... S. 93.« ↩
  146. »Ein Jahr später bestätigte Friedrich III. den Bonnern alle Privilegien, und 1377 vermehrte er auch die von Heinrich II. ihnen geschenkte Accise. (Stadt-Archiv).« ↩
  147. »Bonner Chorographie. I. S. 143. II. S. 124.« ↩
  148. a.a.O., S. 143. ↩
  149. Ebd. ↩
  150. a.a.O., S. 144. ↩
  151. a.a.O., S.145. ↩
  152. a.a.O., S. 146. ↩
  153. Ebd. ↩
  154. »Einige Jahre früher, am 25. März 1420, hatte Theodorich den Bürgern dieser Stadt noch eine Erleichterung eingeräumt, nämlich daß sie zu Godesberg und zu Godorf von ihrer Habe, die sie in ihren Häusern gebrauchten, keinen Zoll zu entrichten hatten. (Stadt-Archiv).« ↩
  155. »Archiv für die Geschichte und Statistik des Vaterlandes. I. Bd. Bonn 1785. S. 66.« – (Archiv für die Geschichte und Statistik des Vaterlandes, 1785) ↩
  156. a.a.O., S.81. ↩
  157. »Von diesem Fürsten besitzt Bonn auch noch ein Andenken in dem St. Katharinen-Markt, indem er der Stadt darüber im Jahre 1450 das Privilegium ertheilte. (Stadt-Archiv).« ↩
  158. »Auch dieser Churfürst bestätigte die Privilegien von Bonn. (Stadt-Archiv).« ↩
  159. »Kurze Uebersicht der Geschichte Cölns, von W., S. 105.« ↩
  160. »Bonner Chorographie. I. S.148.« ↩
  161. »Vogels Neußer Chorographie. V. S.18.« ↩
  162. »Hermann bestätigte alle Bonner Privilegien im Jahre 1475 als Administrator, und im Jahre 1480 als Erzbischof und Churfürst. (Stadt-Archiv).« ↩
  163. »Bonner Chorographie. I. S. 148.« ↩
  164. »Neußer Chorographie V. S. 33.« ↩
  165. a.a.O., S.34. ↩
  166. »Bonner Chorographie. I. S. 148.« ↩
  167. »Sie findet sich abschriftlich im Stadt-Archiv und abgedruckt in den Materialien zur geist- und weltlichen Statistik des niederrheinischen und westphälischen Kreises etc. Erlangen 1783. Bd. III. S. 293 fgde.« ↩
  168. »Auch dieser Erzbischof bestätigte den Bonnern alle Privilegien. (Stadt-Archiv).« ↩
  169. »Hermann bestätigte alle Privilegien der Bonner im Jahre 1519. (Stadt-Archiv). Unter diesem Fürsten brach in hiesiger Gegend im Jahre 1528 abermals eine grausame Hungersnoth aus, auf welche die sogenannte englische Schwitzseuche folgte, die in 24 Stunden einige tausend Menschen hinwegraffte. (Bonner Chorog. I. 150).« – Die E.S. war eine sehr ansteckende Erkrankung unklarer Ursache mit meist tödlichem Ausgang, die im 15. und 16. Jahrhundert in fünf Seuchenwellen in Europa, hauptsächlich in England, auftrat. ↩
  170. Laurenz von der Mühlen (auch Mylius) war ein Buchdrucker in Bonn im 16. Jahrhundert. Er druckte im April 1543 wichtige reformatorische Schriften, darunter das »Einfältigs Bedenken« von Erzbischof Hermann von Wied. ↩
  171. »Siehe das Werk: Religions-Geschichte der Kölner Kirche unter dem Abfall der zweien Erzbischöfe Hermann und Gebhard. Von Arnold Meshovs und Michael von Isselt«. Ir Bd. S. 20–231.« – (Meshov/von Isselt, 1764) ↩
  172. »Erzbischof Adolph bestätigte die Privilegien dieser Stadt am 10ten Februar 1547, und zwar, wie es in der Urkunde heißt, »weil sie sich jederzeit treu und ehrbarlich gehalten und bewiesen habe«(Stadt-Arch.).« ↩
  173. »Bonner Chorographie. I. S. 156f.« ↩
  174. »Auch diese 4 Fürsten bestätigten alle Bonner Privilegien; Antonius am 3 Decbr. 1556; Joh. Gebhard im Jahr 1558; Friedrich 1562 und Salentin am 7. Februar 1568. (Stadt-Archiv).« ↩
  175. »Bonner Chorographie. II. S. 128.« ↩
  176. »Dieser Vertrag ist abgedruckt in der Gesetzsammlung des Erzstifts Köln, gesammelt auf Befehl des Churfürsten Maximilian Friedrich. Köln 1772 II. Bd. S. 347 ff. – Siehe auch Bonner Chorographie. II. S. 126 ff.« – (Vollständige Sammlung …, 1772–1773) ↩
  177. »Bonner Chorographie. II. S. 131.« ↩
  178. »Unsere Hauptquellen für die zunächst folgenden Thatsachen sind die bereits einmal erwähnte Religionsgeschichte der kölnischen Kirche, von Meshovs und Isselt. I. Bd S. 249–672; II. Bd. S. 1–262; so wie Bonns Chorographie II. S. 132–171.« ↩
  179. »Gebhard bestätigte den Bonnern im Jahre 1577 ihre Privilegien, und gab ihnen auch das Privilegium über zwei neue Jahrmärkte, welche gehalten werden sollten Petri Stuhlfeier und Petri Kettenfeier.« ↩
  180. »In seinem Catalogus der geistlichen Churfürsten, pag. 158.« – (Cratepoil, 1597) ↩
  181. »Es war dieses das höhere Absteige-Quartier der Stadt, und ist jetzt von dem Gasthofe zum Stern und dem Hause zur Blume begrenzt, Eigenthum seines Bewohner, des Herrn Mompour.« ↩
  182. »Bonner Chorographie. II. 173–182. – Warhafftige Zeitung von der Belagerung vnd Einnemung der Statt Bonn Anno 1588 etc., abgedruckt in den Materialien der geist- u. weltl. Statistik des niederrh. etc. Kreises. Erlang. 1781. Bd. 2. S. 332–346.« ↩
  183. »Programm des Bonner Gymnasiums pro 1825. Demselben ist ein hier benutzter interessanter Aufsatz des Hrn. Oberlehrers Domini vorgedruckt. S. 3.« ↩
  184. »Bonner Chorographie. III. S. 126 f.« ↩
  185. »Siehe Gesetzsammlung des Erzstifts Köln. Köln 1772. 1. Bd. Fol. S. 216–221. – In den Jahren 1614 und 1700 erfolgten neue Judenordnungen, und demnächst auch noch andere schützende und beschränkende einzelne Verordnungen, die daselbst, S. 221–244 und S. 702 f, ebenfalls zu finden sind.« ↩
  186. »Am 13ten Februar 1614 bestätigte derselbe alle Privilegien der Stadt Bonn. (Stadt-Archiv).« ↩
  187. »Bonner Chorographie. III. S. 188 ff.- In der Fama Austriaca von Caspar v. Ens, die Vogel benutzte, befindet sich Blatt 603 eine Zeichnung dieser berühmten Schanze.« ↩
  188. »Bonner Chorographie. III. S. 145.« ↩
  189. a.a.O., S. 146 f. ↩
  190. a.a.O., S. 150. ↩
  191. a.a.O., S.151. ↩
  192. a.a.O., S.154. ↩
  193. Ebd. ↩
  194. »Dieser Beitrag aus Protocollen und Erläuterungen derselben bestehend, ist zu finden in den Materialien zur geistl. und weltl. Statistik des niederrh. u. westphäl. Kreises, Erl. 1781. Bd. I. Stück 5. S. 448–492 Siehe auch Schwaben's interessante Geschichte von Siegburg. Köln 1826., in dem sich dort ebenfalls über die Hexenprozesse Mehreres darbietet.« – (Schwaben, 1824) ↩
  195. »Dieser Spee, zu Kaiserßwerth im Jahre 1595 geboren, trat in den Orden der Jesuiten 1615, und wagte es zuerst, den Hexereien öffentlich Fehde zu bieten. Sein Buch, worin er die armen, als Hexen beschuldigten Subjekte in Schutz nimmt und über andere Punkte des damaligen Criminalprozesses, besonders aber über die peinliche Frage sich äußert, führt den Titel: Cautio criminalis seu de processibus contra Sagas liber, ad Magistratus Germaniae hoc tempore necessarius etc MDCXXXI.« ↩
  196. »Bonner Chorographie. III. S. 156 f.« ↩
  197. a.a.O., S.161. ↩
  198. a.a.O., S. 162 f. ↩
  199. »Bonner Chorographie. III. S. 133–136; 166–169.« ↩
  200. »Programm des Bonner Gymnasiums pro 1826. S. 4.« ↩
  201. »In seiner Beschreibung des Erzstifts Köln.« ↩
  202. »Bonner Chorographie. IV. S.126.« ↩
  203. a.a.O., S.134. ↩
  204. a.a.O., S.143 ff. ↩
  205. »Der Bischof von Straßburg, Franz Egon von Fürstenberg, welcher zugleich Domdechant in Köln war, besaß in Bonn ein Haus, das in der Neugasse lag, sich an die Häuser zur Blume und zum Rosenthal anlehnte und Anfangs truchsessischer Hof hieß. Als am 12ten Mai 1664 sein Stammhaus, das gräfliche Haus von Fürstenberg-Heiligenberg, auf Vermittlung der Churfürsten von Köln und Baiern in den Fürstenstand erhoben wurde, ließ er an seinem Hotel in Bonn sein Wappen mit dem Fürstenhute geziert, über dem Einfahrtsthore anbringen. (Bonner Chorogr. IV. S. 133–134). Dieses Hotel ist in dem jetzigen Wohnhause des Hrn. Weinhändlers Hoffmann und in der daneben liegenden städtischen Mädchenschule zu suchen, welche beide Gebäude Anfangs und lange nachher nur Eines bildeten. An dem Schullokale befindet sich das Einfahrtsthor, und darüber war vor einigen Jahren das erwähnte Wappen noch zu sehen.« ↩
  206. »Europäisches Theater, oder Beschreibung der denkwürdigsten Geschichten in Europa etc. Frankf. a. M. 1682. XI. Bd. S. 235 f u. 343 -349. – Schmidts Geschichte der Deutschen. 13r Bd. S. 194–205. – Bonner Chorogr. IV. S. 156 ff.« – (Abelinus/Merian/Oraeus, 1633 ff) ↩
  207. »Programm des Bonner Gymnasiums pro 1825. S.4.« ↩
  208. »Im Anfange des Jahrs 1680, sahe man eine Meerkuhe von mehr als 14 Schuhen lang an Bonn vorbei den Rhein hinauf schwimmen, und diese seltene Erscheinung in Verbindung mit einem Kometstern wurde als eine üble Vorbedeutung erklärt. Das Geräusch der Wellen und die Wassergüsse, welche aus des Thieres Stirne hervorsprangen, hatten bald die ganze Stadt ans Rheinufer gelockt, um etwas zu sehen, das vielleicht mancher nur dem Namen nach kannte. Die Wache auf dem Bollwerke des alten Zolls gab auf die Kuhe einige Mal Feuer, aber diese setzte muthig ihren Weg fort bis Straßburg. Man fand sie nach einigen Monaten unterhalb Köln beim Dorfe Neel, todt am Ufer liegen; indem sie 4 Schüsse nahe am Kopfe erhalten hatte. (Bonner Chorog. IV. S. 162–64.)« ↩
  209. »Bonner Chorographie. IV. S. 165 f.« ↩
  210. a.a.O., S. 167 f. ↩
  211. Ebd. ↩
  212. »Europäisches Theater. XIII. Bd. S. 375–397. Bonner Chorographie. IV. S. 169–172.« ↩
  213. »Bonner Chorographie. IV. S. 172.« ↩
  214. »Programm des Bonner Gymnasiums pro 1825. S.5.« ↩
  215. »Europäisches Theater. XIII. Bd. S. 376 f. – Bonner Chorographie. IV. S. 173 f.« ↩
  216. »Europäisches Theater XIII. Bd. S. 737–750. – Die Erz-Bischöffl. Churfürstl. Cöllnische Residenz-Stadt Bonn, wie solche in diesem 1689 Jahre belagert und erobert worden. – Bonner Chorographie. V. S. 123–140.« ↩
  217. »Bonner Chorographie. V. S. 142.« ↩
  218. a.a.O., S.142. ↩
  219. »Gesetz-Sammlung des Erzstifts Köln. Köln 1773. Fol. 2r Bd. S. 301 fgde.« ↩
  220. »Bonner Chorographie. V. S. 148 f.« ↩
  221. Menno Baron van Coehoorn (*1641 in Britsum † 1704 in Den Haag) war ein niederländischer Artilleriegeneral. ↩
  222. »Das Ochsenthor, jetzt nicht mehr vorhanden, stand in der Gegend des städtischen Schlachthauses, am Ende der Stadt. Bei demselben befand sich die berühmte Bäckerswippe, eine Strafanstalt für Bäcker, die dem Brode das Gewicht oder seine Güte nicht gaben. Die Wippe bestand aus einem starken Pfosten, in dessen Gabel eine lange Stange mittelst eines eisernen Stiftes befestigt war; am Ende derselben hing ein hölzerner Sattel, worauf der Schuldige festgeschnallt und so oft, nach Maßgabe des Vergehens, entweder halb oder ganz in den Rhein gehißt oder gewippt wurde, als es das Urtheil des churfürstlichen Stadtmaiers vorschrieb. (Bonner Chorog. V. S. 169.)« ↩
  223. »Europäisches Theater XIV Bd. S. 74–97, 669- 703 u. 264–268. Fortsetzung.- Bonner Chorographie. V. S. 151–171.« ↩
  224. Menno Coehoorn, der Oberbefehlshaber bei den Batavern. ↩
  225. = Anna Dei Gratia Magnae Britanniae Scotiae(!) et Hiberniae regina, Anna. Von Gottes Gnaden Königin von Grossbritannien, Schottland und Irland. ↩
  226. »Bonner Chorographie. V. S. 171 ff.« – Bonn von den vereinten Waffen dem Übel entrissen, an den Iden des Mai/15.05.1703. ↩
  227. »Bonner Chorographie. VI. S. 124 u. 138.« ↩
  228. »Gesetzsammlung des Erzstifts Köln. II. Bd. S. 352–361.« ↩
  229. »Bonner Chorographie VI. S. 154 ff.« ↩
  230. a.a.O., S. 157. ↩
  231. a.a.O., S.157 ff. ↩
  232. a.a.O., S. 160 ff. ↩
  233. a.a.O., S. 160. ↩
  234. Bonner Chorographie VII. S. 138 f. ↩
  235. a.a.O., S.140. ↩
  236. a.a.O., S. 142 ff. ↩
  237. a.a.O., S. 146 f. ↩
  238. a.a.O., S. 148. ↩
  239. a.a.O., S. 145 und 148. ↩
  240. a.a.O., S. 149. ↩
  241. a.a.O., S. 152. ↩
  242. »Diese Kirche erbaute Clemens August im Jahre 1729, weil das Stift Dietkirchen, dessen Verlegung in die Stadt der Churfürst Maximilian Heinrich im Jahre 1680 gestattet hatte, durch die erlittenen vielen Ueberfälle und Verheerungen außer Stande war, den Bau selbst zu unternehmen, daher die Stiftsdamen sich auch lange Jahre mit der S. 67 gedachten St. Paulus-Kapelle, zum Overstolz genannt, begnügen mußten.« ↩
  243. »Auch die Schützengilde, welche in Bonn seit undenklichen Jahren besteht, und sich im Jahre 1475 mit der vom Churfürsten Rupert von Köln gestifteten Sebastians-Bruderschaft vereinigte, erhielt unter Clemens August einen höhern Aufschwung. Dieser Fürst schrieb sich selbst als Mitglied in das noch vorhandene Schützenbuch ein, und nahm sogar am Schießen Theil. Ihm folgten in dieser Beziehung im Jahre 1765 Churfürst Maximilian Friedrich, und 1784 Maximilian Franz; so wie 1780 die Erzherzogin von Oestreich und Gouvernantin von Braband, Maria Christina; deren Gemahl, der Herzog Albert Casimir von Sachsen-Teschen, und 1791 der Churfürst Clemens Wenzeslaus von Trier, und dessen Schwester Maria Cunigunda, Fürstin zu Essen und Thorn, die sich damals am Bonner Hofe aufhielten.« ↩
  244. a.a.O., S. 161 f. ↩
  245. a.a.O., S. 163 f. ↩
  246. a.a.O., S. 166. ↩
  247. »Programm des Bonner Gymnasiums pro 1815. S.10.« ↩
  248. »In diesem Jahre wurde das Bonner Residenzschloß fast ganz ein Opfer der Flammen, die so gewaltig um sich griffen, daß der Churfürst Max Friedrich sich in seinen Nachtkleidern flüchten mußte. Das Schloß wurde zwar sogleich wieder hergestellt, doch nicht mit der vorigen Pracht.« ↩
  249. »Siehe die Schrift: Entstehungs- und Einweihungsgeschichte der kurkölnischen Universität zu Bonn etc. Bonn 1786. Fol. S. 4.« – (Dereser, 1786) ↩
  250. »Um sich davon einen wahren Begriff zu machen, lese man nur die Schrift: Ausführliche Nachricht von dem erschrecklichen Eisgange und den Ueberschwemmungen des Rheins im Jahre 1784., von I. L. Thelen. Köln. 8.« – (Thelen, 1784) ↩
  251. »Ueber diese Festlichkeit kam zu Bonn in der Hofbuchdruckerei eine kleine Schrift unter dem Titel: Ordnung aller dabei beobachteten geistlichen Ceremonien etc. heraus.« ↩
  252. »Siehe die schon erwähnte Schrift: Einweihungsgeschichte der kurkölnischen Universität zu Bonn etc.« ↩
  253. »Dem Herrengeding mußte jedesmal die ganze Bürgerschaft unter Geldstrafe beiwohnen, um das uralte Schöffen-Weisthum ablesen zu hören. Der Leopard, nunmehr verschwunden, war ein Stein, fast einem Wolfe ähnlich, daher er auch das steinerne Wölfchen genannt wurde. An ihm wurden sowohl churfürstliche, stiftische als städtische Gerichte gehalten.« ↩
  254. »Vaterländische Chronik von Brewer. I. Bd. S. 375.« ↩
  255. »Reise durch die deutschen und französischen Rheinländer von Klebe. Frankf. a. M. 1806. S. 514 ff.« – (Klebe, 1800) ↩
  256. »Bonner Dekadenschrift, von Geich.« – (Geich, 2022) ↩
  257. »Ansprüche und Hoffnungen der Stadt Bonn, von P. J. R. Bonn 1814. S. 5. u. Anmerkg. – Bonner Wochenblatt von 1815. Nro. 210.« – (Rehfues, 1814) ↩
  258. »Bonner Wochenblatt von 1814. Nro. 107.« ↩
  259. »Bonner Wochenblatt von 1814. Nro. 110.« ↩
  260. »Bonner Wochenblatt von 1814. Nro. 118.« ↩
  261. »Bonner Wochenblatt von 1814. Nro. 126.« ↩
  262. Ebd. ↩
  263. »Bonner Wochenblatt von 1814. Nro. 127.« ↩
  264. Ebd. ↩
  265. »Bonner Wochenblatt von 1815. Nro. 173.« ↩
  266. »Bonner Wochenblatt von 1815. Nro. 180.182.183.184.186.« ↩
  267. »abgedruckt im Bonner Wochenblatt v. 1818 Nro.315.« ↩
  268. »In der geschätzten Schrift: Ansprüche und Hoffnungen der Stadt Bonn etc. von P. J. R. Bonn 1814.« ↩
  269. »Die Zahl der Studirenden stieg schon bis 1.000. Jetzt beträgt sie seit einigen Semestern 800–900, worunter sogar Jünglinge aus den entferntesten Provinzen Deutschlands, ja mitunter selbst aus fremden Welttheilen sich befinden.« ↩
  270. »Bonner Wochenblatt von 1833. Stück 67.« ↩
  271. »Bonner Wochenblatt von 1827. Nro. 59.« ↩
  272. »Der Grundstein zu dieser Schuld wurde am 24sten Juli 1550 durch Aufnahme eines Kapitals von 300 Goldgülden, und zwar, wie es in der Urkunde heißt: »umb Nutzen, urbar und Besten vnserer Stadt willen«von Bürgermeister, Schöffen, Rath etc. gelegt. Schon im Jahre 1566 wurde das Gebäude um 1.000 Goldgülden, oder 2.500 Rthlr. vergrößert, die der Bonner Magistrat durch zwei Schuldurkunden, jede vom 26sten September 1566, lehnbar aufnahm und in Folge der kaiserlichen Auffoderung für den Türkenkrieg beitrug. So arbeitete man an dem Baue bis zum Ausbruch der französischen Revolution und dem Abzuge des Churfürsten langsam fort, aber von da an wurde er so kräftigst betrieben, daß im Jahre 1797 die letzte Hand daran gelegt werden konnte.« ↩
  273. »Abgedruckt im Bonner Wochenblatt von 1818. Nro. 72.« ↩
  274. »Indem wir dieses Resultat mittheilen, dürfte es gut sein, auch anzugeben, wie hoch sich die Kommunalsteuer in Bonn beläuft und durchschnittlich für den Kopf darstellt.
    Bonn hat ein Gemeindebüdget von 22.931 Rthlr. Darunter befinden sich 40 Prozent der Mahl- und Schlachtsteuer 9.083 Rt. 40 Prozent der Grund- und Häusersteuer 6.430 Rt.
    und eine zusätzliche Communalsteuer von 4.600 [Summe:] 19.013 Rt.
    Zieht man aus dieser Summe den Durchschnitt für den Einzelnen der Seite 252 aufgeführten Gesammtzahl der Bevölkerung, so ergibt sich pro Kopf
    1 Rt. 12 Sgr.; während in Düsseldorf 1 Rt. 19 Sgr., in Koblenz 27 Sgr., in Trier 29 Sgr. und in Berlin 1 Rt. 22 Sgr. auf die Person kommen, Summen, welche, wenn nicht andre Einnahmen von eigenem Vermögen etc. zu Hülfe kamen, in
    Bonn auf 1 Rt. 26 Sgr., in Düsseldorf auf 2 Rt. 3 Sgr., in Koblenz auf 2 Rt. 29 Sgr., in Trier auf 1 Rt. 12 Sgr. und in Berlin auf 4 Rt. steigen würden (Vergl. Ueber die Gemeinde-Ausgaben, v. Prof. Benzenberg in Düsseldorf. 1833. gedruckt als Handschrift).« ↩
  275. »Außer dieser wohlthätigen Anstalt erfreuen sich hier die Armen einer Natural- und Geld-Unterstützung, und die Waisen einer guten Erziehung und Versorgung, wozu die Stadt dem Armenfonds einen jährlichen Beitrag von 5.858 Rt. leistet. Auch besitzt Bonn zwei Armenhäuser, das St. Aegidiushospital, am Münsterplatze gelegen und gestiftet vom Churfürsten Friedrich I. von Köln im Jahre 1110 (Bonner Chorographie. I. S. 158), und das St. Jakobshospital in der Spitalsgasse; jedes versehen mit einer Kapelle. Einer dieser Anstalten, wahrscheinlich der letztern, vermachte der Churfürst Max Heinrich, in seinem Testamente vom Jahre 1688, ein Kapital von 6.000 Rt. unter der merkwürdigen Bedingung, daß es zwei Narren, zwei Zwerge und zwei Türken lebenslänglich verpflegen müsse. (Europäisches Theater. XIII. Bd. S. 377). Ueber das St. Jakobshospital finden wir im Stadt-Archiv in einem alten Urkunden-Verzeichniß folgende Notiz: Im Jahre 1454 den 23. November schenkten Nicolaus und Margaretha, Eheleute, das Hospital, damals noch auf der Pisternenstraße (Sternstraße) gelegen, der Stadt Bonn, mit Vorbehalt der Verwaltung auf alle Zeiten. Dieses Hospital nimmt 26, das Egidiushospital 16 arme Alte und Gebrechliche auf.« ↩
  276. »Bonner Wochenblatt von 1826. Nro. 86.« ↩
  277. »Bonn zählt, indem wir dieses schreiben, innerhalb seiner Mauern 1.165 und außerhalb derselben 69 im Ganzen also 1.234 Häuser, in welcher Zahl jedoch die im Entstehen begriffenen nicht enthalten sind.« ↩