Richard 1837 – Deutsche Übersetzung
»Manuel du Voyageur sur les bords du Rhin, Itinéraire artistique, pittoresque et historique«, Paris, Audin 1837 (Auszug)
Die Seitenzahlen des Originals stehen in spitzen Klammern ‹…›. Die deutschen Anmerkungen des Herausgebers stehen jeweils am Ende des Abschnitts.
Nr. IV. Von Köln nach Bonn (per Dampfschiff, 6 ¾ Meilen)
{Siehe die Fortsetzung Nr. 9}
| Rechtes Ufer1 | Linkes Ufer | ||
|---|---|---|---|
| 1 | Köln | 2 | Deutz |
| 3 | Fort Nikolaus | 4 | Poll |
| Der Todte Jude | 5 | Westhofen | |
| 4 | Alte Burg | 6 | Ensen |
| 5 | Milote | 7 | Erk |
| Rodenkirchen | 8 | Rothehof | |
| 9 | Insel Rodenkirchen | 10 | Porz |
| 11 | Weirth | 14 | Zündorf, Insel |
| 12 | Sürdt | Ober-Zündorf | |
| 13 | Godorf | Abtshof, Abtei | |
| 16 | Nieder-Wesseling | Insel Langeler | |
| 17 | Ober-Wesseling | 15 | Langel |
| 18 | Urfel | 16 | Lülsdorf |
| 19 | Widdig | Lülsdorf | |
| 20 | Insel Pelzdorf | 18 | Nieder-Cassel |
| 27 | Herzel | 20 | Insel Werth |
| 32 | Buchsdorf | 22 | Rheidt |
| 34 | Grau-Rheindorf | 23 | Insel Krip |
| Marbach-Fluss | 24 | Rumerhaus | |
| 35 | Alfter | 25 | Mondorf |
| 38 | Jesuiterhof | 28 | Bergheim |
| 39 | Wichelshof | 29 | Alte Siegmündung |
| 40 | Kreuzberg | 30 | Schanzenkopf, Anhöhe |
| 41 | Bonn | 31 | Insel Pfaffenmütze |
| 33 | Sieg-Fluss | ||
| 35 | Geislar | ||
| 36 | Vilich | ||
| 37 | Gemmingerhaus | ||
Deutz, eine alte Stadt am linken Rheinufer, ist mit Köln durch eine Schiffbrücke verbunden. ‹35› Früher hieß sie Duitsch oder Initium2 und verdankt ihren Ursprung dem König Teuto oder Tuisto, der als Sohn der Erde und Gründer der deutschen Nation galt und hier eine Kolonie anlegte. Julius Caesar ließ hier eine hölzerne Brücke über den Rhein schlagen, an deren Stelle später Konstantin der Große eine steinerne setzte; er ließ dort auch ein Kastell errichten, das Monumentum Dutienza genannt wurde. Kastell und Brücke wurden jedoch um die Mitte des zehnten Jahrhunderts von Erzbischof Bruno abgerissen – sei es, um sich dem Vormarsch der Franken entgegenzustellen, sei es, um den Plünderungen und nächtlichen Mordtaten ein Ende zu machen, die die Bewohner dieses Ufers in Köln verübten. Die Kölner zerstörten die Stadt 1370. Sie wurde wieder aufgebaut und verschönert und wurde zur Zuflucht der Juden, als diese aus Köln vertrieben wurden; wegen der Nähe fanden sie hier zudem große Erleichterung für ihre Handelsgeschäfte. 1633 fiel sie in die Hände der Schweden, die die Befestigungen schleiften und die schöne Kirche St. Urban sprengten.
Die Stadt besitzt mehrere schöne Kasernen sowie sehr angenehme öffentliche Gärten, die an Sonn- und Feiertagen viele Menschen anziehen. In den Monaten Mai und Juni verbringt man einige köstliche Stunden in einem Lokal am Flussufer, wo man ein im Lande sehr geschätztes Getränk trinkt, den Maitrank, den wir den Reisenden empfehlen. Dort gibt es auch Konzerte.
Besonders bemerkenswert ist die ehemalige Benediktinerabtei, die 1101 am Rheinufer gegründet wurde.
Das im italienischen Stil erbaute Schloss Bensberg liegt fast neun englische Meilen, etwa vier Wegstunden (lieues), von Deutz entfernt. Es enthielt mehrere schöne Gemälde alter Meister; sie sind nach München gebracht worden. Die Decken des Gebäudes sind mit kunstvoll ausgeführten Malereien geschmückt. Die Aussicht, die man von den Fenstern und der Kuppel genießt, ist ebenso ‹36› großartig wie abwechslungsreich und reicht bis zu fast zwanzig deutschen Meilen, vierzig französischen Lieues, weit.
Die zweite Stadt, die auf dem Weg nach Mainz die Aufmerksamkeit des Reisenden verdient, ist Bonn, auf dem Wasserweg zwanzigeinviertel Meilen von Köln entfernt, auf dem Landweg drei deutsche Meilen, sechs französische Lieues oder etwa dreizehn englische Meilen. Diese letztere Art zu reisen ist die angenehmere, wenn man die Straße über Transdorf und Brühl nimmt, weil die Ufer des Flusses auf diesem Teil der Reise mehrere sehr bemerkenswerte Ausblicke bieten. Die Straße ist ausgezeichnet; sie ist mit Basaltgestein makadamisiert. Wir geben eine ausführliche Beschreibung beider Wege und überlassen dem Reisenden die Wahl: „Utrum horum mavis, accipe.“ (Nimm, welches von beiden du lieber willst.)
Die Vorschriften über die Abfahrt der Dampfschiffe ändern sich ständig; deshalb raten wir dem Reisenden, sich hinsichtlich der Abfahrtstage und -zeiten an die Auskünfte zu halten, die er vor Ort erhalten kann. Beim Verlassen der Stadt bietet sich dem entzückten Auge ein prächtiger Blick auf ihre Ausdehnung und ihre unzähligen Kirchtürme. Die hohen, stattlichen Masten der zahlreichen Boote und Schiffe, die den Hafen füllen, verleihen ihr den Anschein lebhaftesten Handels.
Fährt man mit dem Dampfschiff flussaufwärts, hat der Reisende wegen dessen Geschwindigkeit mehr Muße, die vielfältigen Naturschönheiten zu betrachten, die sich unaufhörlich seinem Blick bieten und an denen die Ufer und das umliegende Land ‹37› überreich sind. Indem wir unsere Leser bis Bonn begleiten, beschränken wir uns darauf, ihre Aufmerksamkeit auf die Städte und Dörfer zu lenken, mit denen die reizvollen Ufer dieses Flusses bedeckt sind, und die bemerkenswertesten Aussichtspunkte kurz aufzuzählen.
Nachdem das Dampfschiff den Bayenturm passiert hat, der die Befestigungen Kölns abschließt, nähert es sich bald dem kleinen Dorf Poll zur Linken3, inmitten von Feldern und Wiesen gelegen; zur Rechten Alte Burg, und weiter erscheint Rodenkirchen mit seinen reizenden Gärten, und am linken Ufer Westhofen, Ensen, Erk und der Rote Hof {Rothe Hof}. Man lässt rechts die kleine Insel Rodenkirchener Werth oder Grafeninsel liegen und links das kleine Dorf Porz. Der Fluss macht einen Bogen nach links und entfernt sich, nach rechts sich windend, in der Bucht von Weiss zur Linken: Das Auge verweilt auf dem Städtchen Zündorf und der kleinen Insel Zündorfer Werth. Die Stadt treibt einen beträchtlichen Kommissionshandel, versendet Kolonialwaren an den Oberrhein sowie eine große Menge im Herzogtum Berg hergestellter Waren und schickt verschiedene Artikel in die unteren Gegenden des Flusses, vor allem Main- und Moselweine. Nicht weit landeinwärts liegt das Dorf Abtshof.
Dann senken sich die Ufer, und der Fluss bildet eine Art See, was zusammen mit der umgebenden Landschaft manche malerische Schönheit bietet. Man lässt Sürth rechts, Langel mit der Insel Langeler Werth links und Godorf rechts liegen; der Fluss macht eine Biegung, und die beiden Dörfer Nieder- und Ober-Wesseling zeigen sich zur Rechten, zur Linken Lülsdorf mit seinen Ruinen und landeinwärts das Dorf Ranzel. Nachdem der Rhein nach links abgebogen ist, nimmt er einen geraderen Lauf; das reizende Dorf Niedercassel mit seinen Reben und Feldern erhebt sich links, und rechts das stille Dorf Urfeld. Nun genießt man den imposanten und prächtigen Anblick der sieben in den Legendenchroniken berühmten Berge mit ihren stolzen, steilen und phantastischen Gipfeln, gekrönt von Burgruinen, die sich mit Gruppen benachbarter Hügel und mit wald- und rebenbedeckten Bergen zu einem höchst romantischen Bild vereinen. Rechts liegt Widdig und Uedorf mit seinen ‹38› Windmühlen und die Insel Pelzdorf; links erblickt man die Inseln Werth und Krip sowie das Dorf Rheidt. Man lässt rechts Roisdorf und das reizende Dorf Hersel liegen. Fast gegenüber sieht man Mondorf mit dem Städtchen Bergheim, auf einer kleinen Insel an den Ufern der Sieg oder Segus gelegen, die früher bei Mondorf in den Fluss mündete. Jetzt ergießt sie sich etwas weiter oberhalb in den Rhein. Der Fluss strömt durch Felder und Weiden; die Landschaften ähneln sehr denen Hollands. Der Rhein überschwemmt wegen der von den Bergen herabstürzenden Wildbäche oft seine Ufer, ändert dann seinen Lauf und bildet sich ein neues Bett. Seine Gewässer sind reich an Forellen und Lachsen von ungewöhnlicher Größe.
Einige Meilen landeinwärts liegt der einzeln stehende Berg von Siegburg, der zusammen mit der Abtei einen interessanten Anblick bietet. Am Fuß sieht man ein Städtchen gleichen Namens.
Zu Beginn des elften Jahrhunderts wurde auf diesem Berg vom Pfalzgrafen Heinrich eine Festung mit Burg errichtet; dieser schenkte sie dem Erzbischof, der sie in eine Benediktinerabtei4 umwandelte, und in dieser Kapelle wurden die Gebeine des Gründers beigesetzt, der 1175 starb. Reben bedecken den größten Teil des Berghangs; der Reisende auf dem Gipfel kann eine sehr weite Aussicht genießen. Er kann dem majestätischen Lauf des Flusses folgen, der sich vom Siebengebirge bis in die Umgebung von Köln erstreckt. Seine vielfältigen Windungen bieten dem Blick eine wunderliche und reizvolle Unregelmäßigkeit; ebenso erfreut wird das Auge, wenn es über die Hügel und Täler schweift, über die lachenden Wiesen, durchzogen von Quellen und Bächen, die eilen, ihr Wasser dem majestätischen Rheinstrom zuzutragen. Unzählige Städte und Dörfer, über die Ebene verstreut, ‹39› beleben die Szene und verleihen diesem Bild einen Charakter höchst malerischer Wahrheit.
Zurück auf dem Dampfschiff sieht man die Insel, die heute Graupenwörth heißt und früher wegen ihrer einer Priestermütze ähnlichen Form Pfaffenmütze genannt wurde. Die Holländer befestigten sie 1620 mit einer starken Batterie; sie wurde im Dreißigjährigen Krieg sehr bekannt, später von den Spaniern eingenommen, die die Festung wieder aufbauten und sie Fort Isabella nannten; danach wurde sie geschleift und vollständig abgetragen.
Gegenüber dieser Insel liegt Graurheindorf mit seinem alten, 1149 gegründeten Kloster. Das Flüsschen Mahrbach oder Roes mündet hier in den Rhein; weiter liegt Alfter; und je weiter das Dampfschiff vorankommt, desto mehr sieht man von fern die Stadt Bonn aufsteigen. Dann erscheint rechts Geislar und Vilich, einst Velica, wo 980 Megingoz, Graf von Geldern, ein Kloster erbaute. Seine Tochter Adelheid war die erste Äbtissin: In einigen alten Legenden liest man, sie habe die eigentümliche Gabe besessen, die Stimmen ihrer Nonnen mit ein paar wohlgezielten Ohrfeigen klar und klangvoll zu machen. Glückliche Zeiten, in denen ein paar Ohrfeigen so wohlklingende Wirkungen hervorzubringen vermochten!
Näher am Fluss erblickt man das Dorf Schwarzrheindorf, das früher ein Benediktinerkloster besaß, 1152 vom Kurfürsten Arnold II. von Wied gegründet, dessen Grabmal sich noch dort befindet. Am rechten Ufer liegen der Jesuitenhof und der Wichelshof bei Bonn. Bevor man in diese Stadt gelangt, erwecken die reizvolle Lage, die Regelmäßigkeit, verbunden mit dem Weiß und dem heiteren Aussehen der Häuser, und die prächtigen Aussichten ringsum ein Gefühl unwiderstehlicher Bewunderung; und man kann den ersten Eindruck, der sich ‹40› der Vorstellung bietet, nicht besser ausdrücken als mit dem eleganten Ausruf einer Französin, die die Stadt zum ersten Mal sah: „Voilà Bonn, c’est une petite perle.“ (Da ist Bonn, eine kleine Perle.)
Anmerkungen des Herausgebers
- Heute bezeichnet man dieses Ufer als das linke Ufer, und „rive gauche“ umgekehrt als das rechte Ufer. ↩
- Der antike Name war „Divitia“, die Herleitung von Teut o. ä. ist unzutreffend. – Ganz allgemein sind die Angaben zur Geschichte – wie damals üblich – weitgehend fehlerhaft, von frommen Legenden beeinflusst und mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Nur die groben Fehler werden korrigiert. ↩
- Wie oben dargelegt, ist jedesmal „links“ durch „rechts“ und umgekehrt zu ersetzen. ↩
- Die Abtei wurde 1064 von Erzbischof Anno gegründet. ↩
Nr. V. Von Köln nach Bonn (auf dem Landweg, 3 deutsche Meilen, 6 französische Lieues)
Man wird uns verzeihen, dass wir den Reisenden an Bord des Dampfpaketboots zurücklassen, da wir, bevor wir ihn aussteigen lassen, zum Vorteil derer, die die Chaussee benutzt haben, die Beschreibung der Strecke ab Köln noch einmal beginnen müssen. Wir hätten die Langeweile, die damit untrennbar verbunden ist, gern vermieden; da aber die Feder vielfache Beschreibungen nicht verfassen kann, ohne auf ausgetretene Pfade zurückzugreifen, bleibt uns keine andere Wahl.
Wir haben bereits gesagt, dass der angenehmste Weg nach Bonn der Landweg ist; und obwohl die Straße, der wir folgen wollen, über Brühl und Transdorf, etwas länger ist, schmeicheln wir uns, dass der Reisende den Umweg, den wir ihn haben machen lassen, nicht bereuen wird.
Die direkte Straße lässt beim Verlassen Kölns das Fort Nikolaus rechts liegen, führt durch die Dörfer Milote, Godorf, Nieder- und Ober-Wesseling, Hersel und Roisdorf, dann nach Buschdorf zur Rechten; danach nach Alfter, weiter landeinwärts, und von dort nach Bonn.
Die Brühler Straße weicht weiter nach rechts ab; und beide Wege, besonders der letztere, entfernen sich etwas vom linken Rheinufer. Auf diesen kurzen Fahrten bieten sich unzählige bezaubernde Ausblicke: rechts ein reiches und fruchtbares Land, und links, auf der anderen Rheinseite bis zum Herzogtum Berg, eine lange Reihe von Hügeln und Bergen, deren Hänge ‹41› fast überall mit dichtem, buschigem Laub bedeckt sind. Die zahlreichen Dörfer, mit denen die Landschaft übersät ist, beleben das Bild; und von Zeit zu Zeit sieht man die Flaggen der vielen Boote wehen, die leicht über den Fluss gleiten und von fern aus dem Schoß der Erde aufzutauchen scheinen. Dass die Chaussee größtenteils von Bäumen gesäumt ist, trägt ebenfalls zur Annehmlichkeit der Reise bei.
Brühl, Broilum oder Brolium, hat mehr als 2.000 Einwohner; die Stadt liegt in einem schönen und fruchtbaren Land. 1284 nahm Erzbischof Engelbert von Falkenburg, als er aus Köln vertrieben worden war, hier Verhandlungen mit seinen aufständischen Untertanen auf. 1262 errichtete Siegfried von Westerburg, um die Einfälle der Kölner aufzuhalten, eine Festung auf den Ruinen des alten, von den Römern erbauten Forts. 1317/18 wurde sie von den Kölnern belagert und hielt vier Monate lang ihren Angriffen und denen ihrer Verbündeten stand; schließlich wurde sie genommen und dem Kurfürsten von Trier zur Verwahrung übergeben. Zur Zeit des Erzbischofs Gebhard aus dem Hause Truchsess litt die Stadt grausam unter den zahlreichen Angriffen ihrer Feinde und wurde schließlich all ihrer kostbaren Reliquien beraubt. Die Stiftskirche wurde 1491 von Erzbischof Hermann wiederhergestellt. Während des Exils des Kardinals Mazarin [1651] bot ihm das Brühler Schloss Zuflucht.
Ganz nahe bei der Stadt, am Fuß der Bergkette, die das Land in Richtung des Rheins durchzieht, liegt das reizende Schloss Augustusburg. Sein Bau wurde 1725 von Kurfürst Clemens August begonnen und 1740 von Max Friedrich vollendet. Die Umgebung ist von großer Schönheit, und man betrachtet ihre vielen Reize mit nicht geringerem Vergnügen als den Reichtum und Überfluss, die auf dem ganzen Land herrschen. Die Ausschmückung des Schlossinneren entfaltet prachtvollen Prunk und Geschmack. Die ‹42› Wandverkleidungen des großen Treppenhauses und die des großen Salons und der angrenzenden Gemächer sind mit Gemälden von Andruci und Carnioli bereichert; das des Salons insbesondere, ein Werk Carniolis, stellt das Göttermahl dar. Man sagt, er habe für dieses Gemälde fünftausend Pfund Sterling erhalten, und eine Anekdote, die man darüber erzählt, ist nicht ohne Interesse. Nachdem er diese Summe erhalten hatte, beschloss der Künstler, zufrieden mit diesem reichlichen Einkommenszuwachs, seinen Beruf aufzugeben. Durch ein weiteres vorteilhaftes Angebot eines anderen deutschen Fürsten ließ er sich jedoch überreden, noch einmal zum Pinsel zu greifen. Die beschwerliche Haltung, die er beim Arbeiten ständig einnehmen musste, zog eine Gehirnkrankheit nach sich. Da er damit beschäftigt war, himmlische Wesen zu malen, bildete er sich ein, selbst Flügel zu tragen, und als er vom Gerüst davonfliegen wollte, stürzte er tot auf den Boden.
Die Gärten enthalten schöne Spazierwege, Boskette und Wasserbecken. Im Park, in dem sich ein chinesischer Pavillon befindet, gibt es reichlich Wild. Eine Lindenallee führt zu einem kleinen Wald, in dem eine Falknerei namens Falkenlust mit einer Terrasse liegt.
In der Nähe Bonns führt die Straße durch das Dorf Transdorf, früher Villa oder Castra Trajani genannt5. Trajan, der mit seinen Legionen in Köln stand, als er zum römischen Kaiser gewählt wurde, baute hier und an anderen Orten zwischen dieser Stadt und Bonn mehrere Forts oder Kastelle, von denen einige seinen Namen annahmen. In Transdorf sieht man noch die Ruinen eines Turms und anderer Bauten römischen Ursprungs. In Roisdorf, am Fuß der Berge, die sich bis Brühl erstrecken, liegt ein Schloss, von dem man eine abwechslungsreiche und reizvolle Aussicht genießt. Es gibt dort eine Mineralquelle, die man den berühmten Godesberger Wassern vorzieht, weil die darin enthaltene Kohlensäure dichter gebunden ist, was sie leichter transportierbar macht.
Anmerkung des Herausgebers
- Namensgeber ist 1139 ein Cuno von Travinstorp. ↩
Nr. VI. Bonn
Geschichte. Bonn nimmt unter den alten Rheinstädten einen hervorragenden Platz ein. Ursprünglich war es die Hauptstadt der Ubier; man nannte es Ara Ubiorum6, und es war dem Gott Merkur geweiht. Danach erhielt es den Namen Verona, dann Bonna oder Bonnensia castra, wie es bei Plinius und Florus erwähnt wird. Man behauptet, diesen letzten Namen habe ihm die sechzehnte römische Legion gegeben, die eine Zeit lang vor seinen Mauern lagerte.
Der römische Feldherr Drusus Germanicus, der sich unter der Herrschaft des Augustus in seinen Kriegen in Germanien und Gallien auszeichnete, ließ während seiner Feldzüge an den Ufern des Rheins fünfzig Kastelle bauen, darunter eines in Bonn. Er schlug auch eine Brücke über den Fluss. Hier wurde der heilige Maternus durch das Wirken der Apostel zum Christentum bekehrt; er brachte die meisten Einwohner dazu, dem Heidentum abzuschwören, und riss die zu dessen Kult errichteten Altäre und Statuen nieder.
Nach langer Zeit wurde die Stadt bedeutend; Julian Apostata befestigte sie; unter Kaiser Konstantin dem Großen wurde sie mit einer Mauer umgeben. Helena7, die Mutter des Kaisers, legte den Grundstein zur Kathedrale und weihte sie den Märtyrern Florus8 und Malusius. Die Stadt wurde zweimal von den Römern [?] geplündert, die sie unter Karl dem Dicken mit Feuer und Schwert verwüsteten. Bonn wurde nach und nach wieder aufgebaut; 1240 umgab Konrad von Hochstaden es mit Mauern, erhob es zur Stadt und gewährte ihm mehrere Rechte und Privilegien. Zwischen 1254 und 1256 wurde es in den Hansebund aufgenommen. 1268 nahm Engelbert, Kurfürst von Köln, als er sich von den aufständischen Bürgern vertrieben sah, seinen Wohnsitz in Bonn, das seit dieser Zeit der ‹44› bevorzugte Aufenthalt seiner Nachfolger wurde, die diese reizende kleine Stadt mit seltenem Geschmack und seltener Eleganz verschönert haben. Man gestatte uns, eine alte lateinische Inschrift anzuführen, die durch ihren Stil beweist, welch hohe Meinung man von ihrer Pracht hatte:
Bonna solum felix, celebris locus, inclyta tellus,
Florida martyrio, terra sacrata Deo
Exulibus requies, asylum mite fuisti,
Semper, et externi te reperere suam.
(Sinngemäß: Bonn, glücklicher Boden, berühmter Ort, gepriesenes Land, blühend durch das Martyrium, Gott geweihte Erde; den Verbannten warst du stets Ruhe und milde Zuflucht, und auch die Fremden fanden in dir die ihre.)
1583 [richtig: 1346] ließ sich Kaiser Karl IV. in dieser Stadt von Kurfürst Walram krönen. 1588 wurde die Heirat des Erzbischofs Gebhard mit der reizenden Anna [richtig: Agnes], Gräfin von Mansfeld, für Bonn zu einem verhängnisvollen Ereignis; sie verursachte 1584 einen Krieg, der bis 1589 dauerte. Der größte Teil der Stadt wurde in dieser Zeit in Asche gelegt. Wie der Phönix sah man sie aus ihrer Asche wiedererstehen; 1673 ergab sie sich den verbündeten Heeren Hollands, Spaniens und Österreichs. 1689 fiel sie in die Gewalt Friedrichs III., Herzogs von Brandenburg, später König von Preußen. Man hatte ständig über tausend Arbeiter fast achtzehn Monate lang beschäftigt, um die Befestigungen auszubessern und sie widerstandsfähiger gegen eine lange Belagerung zu machen. Dennoch wurde die Stadt nach einer Beschießung von wenigen Stunden vom holländischen General Coehoorn eingenommen. Diese so kurze Verteidigung und der Name des Generals, Cohorn oder Kuhhorn, gaben Anlass zu mehreren Epigrammen:
Er lies einst Josua die Feltrompeten schallen,
Drauf musten mit Gewalt in sieben Tagen fallen
Die Mauren Jericho. – Dies war ein Wunder! Doch
Das Wanderwerk mit Bonn scheint etwas grösser noch. ‹45›
Es wurde mit Gewalt der Hauptort überwunden
In Kurser Tagefrist, und etlich wenig Stunden.
Kein Josua war das, der mit Trompeten bliess,
Es war ein Kuhhorn nur, das es zu Boden stiess.
(Die anschließende französische Prosafassung des Originals gibt dieses deutsche Gedicht nur sinngemäß wieder: Einst blies Josua die Trompete, die die Mauern Jerichos in sieben Tagen fallen ließ. Das war ein großes Wunder! Aber das von Bonn übertrifft es noch ein wenig. Die Festung wurde nach einigen Stunden genommen, doch kein Josua blies die Trompete – ein Kuhhorn {Hörnchen} genügte, um sie umzuwerfen.)
Der Herzog von Marlborough bemächtigte sich ihrer im selben Jahr. 1717 ließ Kurfürst Joseph Clemens die Befestigungen auf der Ostseite abreißen und legte den Grundstein zu einem weitläufigen und prächtigen Palast, den sein Nachfolger Clemens August vollendete und der genau an der Stelle steht, wo vier Paläste vom Feind in Asche gelegt worden waren.
Von 1795 bis 1814 waren die Franzosen Herren der Stadt. Napoleon wollte sie wieder befestigen; man hatte die Mauern bereits vermessen, doch der Plan wurde wegen der Nähe des Kreuzbergs aufgegeben, dessen hoher Gipfel die Stadt beherrscht. Im Januar 1814 nahm das verbündete Heer sie ein; 1818 wurde sie mit den Rheinprovinzen Preußens vereinigt, dem sie noch heute angehört. Durch ihre Lage am Rhein war Bonn während der Kriege zwischen Frankreich und Deutschland ein Platz von großer Bedeutung; deshalb hatte es auch ständig unter den Feindseligkeiten feindlicher Heere zu leiden.
Bauwerke. Bonn hat etwa 12.000 Einwohner. Die Stadt ist außerordentlich alt, dabei aber kompakt, sauber und angenehm; einst umfasste sie vier Kirchen. Die Kathedrale verdankt, wie wir schon sagten, ihren Ursprung der Kaiserin Helena; seitdem ist sie neu gebaut worden, das heutige gotische Gebäude ist leicht und elegant und verrät den Baustil des zwölften Jahrhunderts. Im ‹46› Inneren erblickt man vorn eine große Bronzestatue der Kaiserin; außerdem gibt es in der Kirche zwei Flachreliefs aus weißem Marmor, die die Geburt und die Taufe unseres Erlösers darstellen; sie sind von erlesenem Geschmack. Nahe der Kathedrale sieht man die Ruinen der ehrwürdigen Kirche St. Martin, die als eines der ältesten Gebäude Bonns gilt; nach der Architektur und den Resten ihrer Rundform zu urteilen, scheint sie von den Römern erbaut worden zu sein. St. Remigius ist mit einem Hochaltarbild von Spielberg geschmückt, das die Taufe Chlodwigs, des Königs von Frankreich, durch den heiligen Remigius darstellt; der Kopf des Heiligen wird sehr bewundert.
Der schöne und geräumige kurfürstliche Palast, jetzt in eine Universität für die Provinzen Rheinland und Westfalen umgewandelt, liegt auf erhöhtem Gelände; die Hauptfassade bildet ein reizendes Amphitheater, von dem man einen prächtigen Blick auf den Fluss und das Siebengebirge hat, und rechts auf das Schloss Poppelsdorf oder Clemensruhe mit seinem Dorf sowie auf die Hügelkette, die zum Godesberg und zum Kreuzberg hinüberführt; dieselbe Aussicht bietet sich von der Terrasse der Universität, vom Turm der Kathedrale und von der Bastei. Die Universität ist mit Poppelsdorf durch eine reizende, von Kastanien beschattete Allee verbunden, die eine Meile lang ist und die beliebte Promenade der Einwohner bildet.
Die Hochschule hat seit ihrer Gründung 1818 großen Ruhm erlangt. Der König von Preußen erließ nach dem Aachener Kongress, um den Jahrestag des Sieges der verbündeten Heere bei Leipzig zu feiern, ein Dekret zur Gründung einer Hochschule in Bonn; er schrieb an Fürst Hardenberg einen Brief, in dem er seine Absichten und Wünsche dazu im Einzelnen darlegt:
Ich habe die tiefe Überzeugung, sagt er, dass die Universität in dem Geist wirken wird, der bei ihrer Entstehung vorwaltete, indem sie wahre Frömmigkeit, gesunden ‹47› Verstand und gute Sitten verbreitet. Ich hoffe, dass meine getreuen Untertanen daraus erkennen werden, mit welcher vaterländischen Zuneigung ich die gleiche, unparteiische und nützliche Bildung aller betrachte und wie sehr ich die Erziehung als ein Mittel ansehe, jene unruhigen und nutzlosen Bestrebungen zu verhindern, die dem Wohlergehen der Nationen so sehr zuwider sind.
Der König gestattete, dass die Schlösser von Bonn und Poppelsdorf mit ihren Nebengebäuden der Hochschule zur Verfügung gestellt wurden. Die Studenten sind zahlreich; ihre Zahl beläuft sich auf 1.000 bis 1.100. Es gibt zwei gleichrangige theologische Fakultäten und Professoren der Philosophie, von denen einer protestantisch und der andere katholisch ist und jeder seine eigene Klasse hat.
Unter den Professoren zählte man Männer von großem Talent und gelehrt in den Wissenschaften, unter anderem den berühmten Wilhelm Schlegel, Professor Niebuhr, Verfasser einer ebenso interessanten wie gelehrten Römischen Geschichte, und Doktor Harless, berühmt unter den Mitgliedern der medizinischen Fakultät.
Die Gestalt und die Ausdehnung des ursprünglichen Palastes haben es erlaubt, nicht nur verschiedene Zweige der Universität zu vereinen, sondern auch – was für die Professoren der Medizin sowie für die Studenten sehr vorteilhaft ist – die chirurgischen, klinischen und geburtshilflichen Krankenhäuser mit Lesesälen und Sammlungen aller Art.
Im Antikenmuseum befinden sich mehrere römische Überreste von Interesse, darunter der Altar, der einst mitten auf dem Remigiusplatz oder Römerplatz stand; er wird von Säulen getragen und ist mit einigen Flachreliefs geschmückt, die Opferszenen darstellen, mit der Inschrift DEAE VICTORIAE SACRUM. Einige Altertumsforscher halten ihn für die wahre Ara Ubiorum, den Altar der Ubier. Es gibt auch einen schönen Merkurkopf, der 1821 in Heddernheim ausgegraben wurde.
Die naturkundlichen Kabinette, die Lesesäle, die Wohnungen der Professoren und der große ‹48› Botanische Garten befinden sich in Poppelsdorf. Das zoologische Kabinett enthält über 16.000 Exemplare, und die schöne Sammlung von Versteinerungen umfasst 10.000. Das Mineralienkabinett ist sehenswert als mineralogische Geschichte des Rheins und seiner Umgebung. Das Publikum verdankt diese schöne Sammlung dem unermüdlichen Forschen von Professor Nöggerath, der mehr als zwanzig Jahre daran gesammelt hat: Sie umfasst über 22.000 Exemplare. Der Botanische Garten umfasst zwanzig Morgen; er steht unter der Leitung eines geschickten Professors, der den jungen Botanikern oft Gelegenheit gibt, ihre Studien zu vervollkommnen und zu erleichtern, indem sie die Umgebung der Stadt durchstreifen und Pflanzen mitbringen.
Die Universität wird nicht so stark besucht wie die Berliner, doch die Bildung, die man hier erhält, ist ausgezeichnet und sehr preiswert. Die Kosten übersteigen nicht 1.500 Francs: 600 Francs für die Honorare der Professoren und die Ausgaben der Hochschule und 900 Francs für Kost und Logis usw.
Die Musikakademie ist mit Recht berühmt. Beethoven, Salomon9 und andere berühmte Komponisten erhielten hier die ersten Grundlagen dieser köstlichen Kunst.
Das Rathaus ist ein großes Gebäude im gotischen Stil: Es enthält einen Lesesaal, der vom letzten Kurfürsten gegründet wurde.
Die Plätze sind kaum bemerkenswert; der angenehmste ist der Marktplatz, der sich in länglicher Form vom Rathaus bis zur Sternstraße erstreckt; in seiner Mitte steht eine Pyramide mit einem Brunnen. Der Remigiusplatz, wo früher die alte, diesem Heiligen geweihte Kirche stand, heißt auch Römerplatz, weil der Altar, der sich jetzt im Antikenmuseum befindet, an dieser Stelle errichtet worden war. Ferner der Münsterplatz, wo das Gericht stand, Goding oder Gaugericht genannt, und der Viereckplatz, ‹49› der viereckige Platz. Nahe dem Koblenzer Tor steht ein Haus mit einer sehr alten Inschrift, dessen Gebälk und Karyatiden offensichtlich römischen Stils sind. Bonn besitzt auch schöne Adelshäuser, etwa das des Fürsten Metternich, und solche, die anderen Adligen oder einfachen Privatleuten gehören. Die Stadt steht vollständig unter preußischer Verwaltung.
Zur Zeit, als die Franzosen Bonn besetzt hielten, bestanden mehrere Manufakturen, die den unteren Volksschichten Beschäftigung gaben; seitdem hat die Einfuhr englischer Waren, die von den Fabrikanten jenes Landes auf einen äußerst niedrigen Preis gebracht wurden, was ihnen die Ausfuhr ins Ausland erleichterte, die verschiedenen Betriebe Bonns völlig ruiniert und jeden Wettbewerb zwecklos gemacht. Die meisten Einwohner sprechen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, mit gehässigen Gefühlen von diesem Thema. Es bestehen noch einige Manufakturen für grobes Leinen, für Weißblech und eine für Schwefelsäure nach dem Verfahren von Chaptal.
Der Gemäldeliebhaber findet hier mehrere sehenswerte Kabinette: Die wichtigsten sind die der Herren Falkenstein und Neusser. Bei Herrn Nöggerath kann man sehenswerte Proben der Mineralien und Fossilien des Rheins kaufen.
Auf der anderen Rheinseite liegt das Städtchen Beuel, mit Bonn durch eine fliegende Brücke oder Schiffbrücke verbunden, die der Kölner ähnelt. Auf dem Etnichberg [= Ennert] bei Beuel genießt man eine prächtige und weite Aussicht auf die Rheinberge bis Köln sowie auf das Siebengebirge, den Godesberg, den Kreuzberg und Bonn. In der Nachbarschaft gibt es Alaunfabriken.
Gasthöfe. Die wichtigsten Gasthöfe Bonns sind der Karpfen und der Engel am Rhein; der Stern, das Hotel de Cologne und der neue Keller am Marktplatz. Täglich fahren Postkutschen nach Köln, Andernach und Koblenz.
Anmerkungen des Herausgebers
- Ara Ubiorum ist Köln. ↩
- Eine fromme Legende: ein Kirchenraum – geschweige denn eine Kathedrale – ist nicht vor 700 n. Chr. nachweisbar. ↩
- Die legendenhaften Namensgeber sind „Cassius“ und „Florentius“, gelegentlich tritt hinzu ein „Malusius“. ↩
- Johann Peter Salomon (getauft 20. Februar 1745 in Bonn; † 25. November 1815 in London) war ein Geiger, Komponist, Dirigent und Musikimpresario. ↩
Nr. VII. Spaziergänge
Zum Kreuzberg, zum Godesberg, zur Draitscher Quelle, zum Drachenfels, Rückkehr nach Bonn.
1. Um zum Kreuzberg zu gelangen, geht man durch die Kastanienallee bis zum Schloss Poppelsdorf oder Clemensruhe, dem bereits erwähnten Teil der Universität. Diese reizende kurfürstliche Residenz hat ebenso wie das Dorf Poppelsdorf10, so benannt nach Publius, einem römischen Feldherrn, im letzten Krieg sehr gelitten, ist aber seitdem wiederhergestellt worden. Das Schloss ist viereckig und hat nur zwei Geschosse; innen liegt ein von Arkaden umgebener Hof, über denen sich eine leichte Galerie erhebt. Die Häuser von Poppelsdorf reichen bis an den Kreuzberg heran; das Dorf besitzt eine bemerkenswerte Porzellan- und Fayencemanufaktur. Hinter Poppelsdorf erstreckt sich ein reizendes Tal, das nach Röttgen führt, wo früher ein schönes Jagdschloss namens Herzogsfreude stand. Das Gelände ist jetzt mit Bauernhütten bedeckt.
Der Hang des Kreuzbergs – so genannt, weil die Wege und Alleen in Kreuzform angelegt wurden – ist bis zum Gipfel mit Tannen bepflanzt. Das alte Servitenkloster, das dort in früheren Zeiten errichtet wurde, ist jetzt abgerissen; an seine Stelle ist eine prächtige Kapelle getreten. Die Decke ist bemalt; man bewundert eine schöne Treppe aus italienischem Marmor, die Kurfürst Clemens August, der sie der Kapelle stiftete, beträchtliche Summen gekostet hat. Die zahlreichen Gläubigen, die in der Fastenzeit zur Andacht in die Kapelle pilgerten, hatten früher eine heilige Ehrfurcht ‹51› vor dieser Treppe und stiegen sie auf Knien hinauf. In den Katakomben des alten Klosters sieht man mehrere Mönchsskelette, die mit großer Sorgfalt aufbewahrt werden. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg schlug während der Belagerung Bonns 1689 auf dem Gipfel dieses Berges sein Hauptquartier auf.
Die Aussicht von diesem Ort ist weit und im höchsten Grade erhaben. Im Osten und Nordosten neigt sich ein Halbkreis dichter Wälder zum Rhein; an den gegenüberliegenden Ufern erheben die hohen und romantischen Sieben Berge, mit Reben und dichten Wäldern bedeckt, ihre stolzen Gipfel majestätisch über die benachbarten Berge.
Gegen Bonn hin wird die Aussicht immer abwechslungsreicher und majestätischer. Nachdem das Auge die ganze Stadt und ihre reizende Umgebung durchwandert hat, richtet es sich auf eine weite und malerische Fläche von Hügeln, Feldern, Wäldern und grünenden Weiden, die sich in unermesslicher Ferne gegen Brühl und Köln erstrecken, bis der Blick sich gänzlich am Horizont verliert.
2. Einer der interessantesten Ausflüge in der Umgebung Bonns ist der zum Godesberg und zu den Mineralwassern von Draitsch, die etwa fünf Viertel Lieues entfernt sind. Zwei Wege führen zu diesem reizenden Ort: Man bevorzugt den über Clemensruhe, der durch das Dorf Kessenich führt; zurück kommt man auf der Koblenzer Straße. Nach Kessenich ist das erste Dorf Dottendorf; dann gelangt man zu einem gotischen Baudenkmal namens Hochkreuz, einem sechsunddreißig Fuß hohen Kreuz, das nach den Kölner Chroniken 1333 von Erzbischof Walram von Jülich aus Steinen vom Drachenfels errichtet wurde, zum Gedenken an die Vollendung des Chors der Kathedrale jener Stadt. Früher hieß es, es sei von einem Baron von Hochkirchen errichtet worden, der, nachdem er einen Ritter im Zweikampf getötet hatte, ‹52› von Erzbischof Dietrich von Heinsberg dazu verurteilt worden sei, dieses Kreuz zur Sühne für sein Verbrechen zu bauen, was ihm den Namen Hochkirch-Kreuz eingetragen habe. Man erzählt auch, die Stelle, an der das Kreuz errichtet wurde, habe der alten Stadt Bonn als Markt gedient. Wir halten die erste dieser Angaben, die in den Kölner Chroniken verzeichnet ist, für die glaubwürdigste.
In der Nähe erblickt man Friesdorf, am Fuß einer Kette reizender Hügel gelegen, die sich vom Godesberg bis ins Innere des ehemaligen Roer-Departements erstrecken. Man findet an diesem Ort gewaltige Manganlager sowie Gruben, die bis zum gegenüberliegenden Rheinufer reichen. In der Nachbarschaft gibt es große Alaunfabriken.
Bald entdeckt man das Dorf Godesberg mit 800 bis 1.000 Einwohnern; es liegt anmutig am Fuß des gleichnamigen Berges. Die berühmte Draitscher Quelle entspringt in diesem Dorf und zieht zahlreiche Reisende aus verschiedenen Ländern an. Den Kranken, denen diese berühmten Wasser verordnet werden, lässt man jede erdenkliche Pflege angedeihen; außer ihren heilsamen Eigenschaften haben sie einen angenehmen Geschmack, und so empfinden die Kranken keinen Widerwillen, diese Tränke zu sich zu nehmen, die sonst wie die meisten Heilwasser unangenehm sind. Nach mehreren Analysen hat man festgestellt, dass diese Heilwasser nicht genug metallische Bestandteile haben, um als Mineralwasser zu gelten, obwohl sie mit Kohlensäure, Kalk, Magnesia, Eisen und Mineralsalz gesättigt sind. Man führt diese Wasser in beträchtlicher Menge in verschiedene Teile der Welt aus; sie stehen denen von Schwalbach und Spa nicht nach.
Auf dem Gipfel des Godesbergs sieht man die Ruinen einer Burg und der alten Kapelle ‹53› St. Michael. Einige Geschichtsschreiber erwähnen diesen Ort als die wahre „Ara Ubiorum“; sie behaupten, der Name Godesberg, Gottesberg oder Berg Gottes, sei ihm gegeben worden, weil man dort einen Wodan oder Merkur geweihten Tempel errichtet habe; doch diese Herleitung ist sehr umstritten, da Wodan nicht in Tempeln verehrt wurde und die dem Merkur geweihten Tempel selten auf Bergen standen. Wahrscheinlicher ist, dass der Name von Goding oder Gaugericht herrührt, einem Gericht, an dem im Mittelalter Recht gesprochen wurde. Die Überlieferungen alter Zeiten berichten, ein fremder König, begleitet von einem zahlreichen Gefolge, habe sich in der Nähe niedergelassen; dieser königliche Anführer habe Umgang mit den Engeln der Finsternis gehabt, denen er einen Tempel errichtete, in dem Menschenopfer dargebracht wurden. Durch die Macht der Dämonen habe er diese Rheingegend despotisch beherrscht bis zur Ankunft eines christlichen Priesters, dessen heiliger Überlegenheit diese gottlosen Wesen nicht standhalten konnten, und das Land wurde von ihrem verhassten Joch befreit.
Julian Apostata, der in diesem Land lagerte, ließ hier vermutlich einen Tempel oder ein Kastell bauen. Als die Bekehrungen unter den Ubiern zunahmen und Julian seine Heere aus diesen Gegenden abgezogen hatte, bauten die Einwohner später auf diesem Berg eine dem heiligen Michael geweihte Kapelle.
1210 baute Erzbischof Dietrich aus den Steinen dieser verfallenen Kapelle eine Burg, deren Reste noch Spuren römischer Architektur zeigen. Während des Dreißigjährigen Krieges11, der die Ursache dafür war, dass Erzbischof Gebhard, Kurfürst von Köln, zum Protestantismus übertrat und die Gräfin von Mansfeld heiratete, legte man eine holländische Besatzung hinein. 1593 [richtig: 1583] sprengten die Truppen des Erzbischofs Ernst, der nach der Vertreibung des für abtrünnig erklärten Erzbischofs Gebhard die Kurwürde übernahm, die Burg in die Luft. Der Turm, der dieser Erschütterung entging, ist neunzig Fuß hoch; ‹54› von dort hat man eine weite Aussicht auf die Kette des Siebengebirges, früher unter dem Namen Mons Rheticus, später als Mons Siebenus oder Sieberius bekannt, dessen hohe Gipfel mit den Trümmern der Burgen alter Barone bedeckt sind, die sich unmerklich in den sie umgebenden Wolken zu verlieren scheinen. Jeder verfallene Turm ruft der dichterischen Vorstellung die romantischen Zeiten des Rittertums ins Gedächtnis.
Der Drachenfels, der höchste der sieben Berge, hat eine sehr vorteilhafte Lage; er steigt jäh über dem Fluss zu gewaltiger Höhe empor, sein Hang ist mit Reben und Laub geschmückt, und sein Gipfel ist mit roten und grauen Steinen bedeckt; auf seiner gewaltigen, senkrechten Spitze erblickt man die Ruinen einer alten Burg, die von der Macht des Menschen zeugen. Dieser Berg ist mit dem Wolkenberg oder der Wolkenburg durch das Röperkämmerchen, den Vorhang des Berges, verbunden. Links, dem Rhein gegenüber, erblickt man den Stromberg oder Petersberg sowie die Kapelle St. Peter. Hinter diesen drei Bergen erblickt man in folgender Reihenfolge: den Nieder- oder Nonnenstromberg nahe dem Stromberg; dann den Ölberg, den Löwenberg und den Hemmerich, auf deren meisten man Ruinen entdeckt. Man behauptet, Kaiser Justinian habe während seiner Eroberungen an Rhein und Donau Türme auf dem Löwenberg und dem Stromberg errichtet. Die Tapferkeit der Bewohner dieser Flussufer, der Widerstand, den die Quaden den siegreichen Waffen des Kaisers entgegensetzten, und die Zeit, während der sie seiner Wut und seinem Groll trotzten, verursachten schließlich seinen Tod. Diese stolzen und kühnen Männer wurden 375 gezwungen, um Frieden zu bitten. Valentinian, der von Natur jähzornig war, geriet beim Anblick ihrer Gesandten so in Wut, dass ihm ein Gefäß platzte; er fiel bewegungslos hin und starb bald darauf. ‹55›
Nahe dem Drachenfels liegt am Rhein das Städtchen Königswinter. Weiter links liegt der Hof Pfaffroth, und fast gegenüber dem Godesberg die Dörfer Nieder- und Oberdollendorf. Weiter am Flussufer liegt Oberkassel. Landeinwärts die alte Abtei Ramersdorf, dann folgen Küdinghoven, Limperich, Voitshauschen und Beuel. Auf dieser Seite des Flusses liegen links vom Godesberg Auerhof und Plittersdorf, rechts erhebt sich Rüngsdorf, landeinwärts Muffendorf, nahe dem Mehlemer Bach, der seinen Lauf zu den Ruinen und dem Berg Rolandseck nimmt.
Die prächtigen und malerischen Landschaften umgeben diesen bezaubernden Ort wie ein Netz; die Natur hat hier die ganze Macht ihrer Kunst entfaltet und ihn mit Bergen, Hügeln, Tälern, klaren Gewässern, dunklen Wäldern, fruchtbaren Feldern, ergiebigen Weinbergen und blumenübersäten Wiesen bedeckt. Bonn, Poppelsdorf, der Kreuzberg, der majestätische Lauf des Rheins, die bergigen und wilden Gegenden, die prächtigen Täler, die fruchtbaren Landschaften, die sich jenseits Bonns zu beiden Seiten des Flusses bis Köln erstrecken, lassen uns glauben, dass die Erde nur wenige Orte birgt, die uns die schöne Natur in einem entzückenderen Licht zeigen und besser geeignet sind, uns die erhabenen und gewaltigen Wunder der Schöpfung bewundern zu lassen.
Wenn man den Berg zum Dorf Godesberg hinabsteigt und der Einwohner die heilsamen Wirkungen der berühmten Draitscher Wasser rühmt, kann man nicht umhin, an die Wunder zu glauben, die man erzählt. Muss die Vereinigung aller Reize der Natur nicht den Kummer und die düsteren Gedanken derer lindern, deren Körper den Gebrechen der Seele preisgegeben ist? Ist das Herz von Leidenschaften, Reue oder Sorgen zerrissen, wird es inmitten reizvoller Landschaften bald Frieden finden.
Man hat nichts versäumt, um den Kranken und den ‹56› Reisenden alle möglichen Bequemlichkeiten zu sichern: Die möblierten Häuser sind vortrefflich gelegen. Kurfürst Clemens August [richtig: Max Franz] gab sich alle Mühe, diesen Ort in Mode zu bringen; er baute einen Gesellschaftssaal, legte Lustgärten an und förderte durch Prämien den Bau möblierter Häuser. Die beiden wichtigsten Gasthöfe sind die zur Belle-Vue und zu Plenzler.
Der Weg, der nach Bonn zurückführt, folgt dem Lauf eines reizenden, baumbeschatteten Baches. Man lässt rechts Plittersdorf und Auerhof liegen und am gegenüberliegenden Ufer Oberkassel, die Abtei Ramersdorf sowie andere Dörfer, die wir schon beim Godesberg erwähnt haben. In der Nähe der Stadt durchquert man mehrere Weinberge, von denen der bemerkenswerteste den Namen Vinea Domini trägt; er enthält ein achteckiges Haus, in dem sich mehrere Rebzweige kreuzen und von dem man eine sehr schöne Aussicht genießt.
Die angenehmste Art, von Bonn aus das Siebengebirge zu besuchen, ist, mit einem Paketboot oder Dampfschiff nach Königswinter zu fahren, nach Besichtigung der Berge und Ruinen und Durchwanderung einiger Täler den Fluss zu überqueren, um nach Mehlem zu gelangen, den Rolandseck zu besteigen und dann die reizende Insel Rolandswerth oder Nonnenwerth zu erreichen, von wo man mit einem Dampfschiff rheinaufwärts weiterfahren kann.
Bevor wir unsere Bemerkungen über Bonn beschließen, glauben wir anmerken zu müssen, dass der Betrachter auf der Bastei, der Terrasse der Hochschule oder dem Turm der Kathedrale eine prächtige Aussicht auf den Rhein, die Berge und das angrenzende Land genießen kann; da aber die Landschaften denen vom Kreuzberg und Godesberg gleichen, die wir zu beschreiben versucht haben, und überdies der eindrucksvolle Gipfel dieser Berge eine viel weitere Aussicht bietet, wollen wir die Aufmerksamkeit unserer Leser nicht ermüden, sondern ‹57› uns mit der Bemerkung begnügen, dass trotz der Vielzahl malerischer Punkte das Auge nicht müde wird, sich unaufhörlich an ihren mannigfaltigen und zahlreichen Reizen zu weiden.
Der Boden in der Umgebung Bonns ist sehr fruchtbar; er bringt Getreide, Futter und Gemüse aller Art in Fülle hervor sowie ziemlich guten Rot- und Weißwein: Hier beginnen die Reben zu wachsen und zu tragen. Doch der Rheinwein, der in dieser Gegend geerntet wird, ist nicht mit dem Rebensaft südlicher Gegenden zu vergleichen.
Anmerkungen des Herausgebers
- Poppelsdorf ist die fränkische Straßensiedlung eines „Popil“. ↩
- Der Dreißigjährige Krieg begann erst 1618. ↩
Nr. VIII. Die Berge
Man bemerkt, dass der Rhein bei Bonn seine Richtung ändert und zu schlängeln beginnt. Ursprünglich teilte der Fluss seine Gewässer allem Anschein nach beim Godesberg, wo er in derselben Linie wie die Berge verlief; er bespülte die Mauern von Kessenich, Poppelsdorf und Transdorf und vereinigte sich, wie man glaubt, bei Brühl wieder mit dem Hauptstrom.
Bei Königswinter wendet sich der Rhein nach rechts; dann setzt er seinen Lauf gleichmäßiger fort, bespült die reizenden Ufer der Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth und verengt sich allmählich; man sieht dann auf beiden Seiten nur noch kahle und steinige Felsen, und die schönen Aussichten verschwinden fast ganz. Nachdem man Oberkassel links und Plittersdorf rechts gelassen hat, erscheinen weiter am gegenüberliegenden Ufer Nieder- und Oberdollendorf, Berg und Dorf Godesberg sowie der malerische Drachenfels zur Linken, die romantischen Ruinen und der Berg Rolandseck zur Rechten; man lässt auf derselben Seite Rüngsdorf und ‹58› in der Ferne Muffendorf liegen, eine alte Kommende des Deutschen Ordens, und gelangt nach Königswinter, wo der Fluss, der sich von Bingen her erstreckt, den Rheingau, das eigentliche Rheintal, beschließt.
Königswinter liegt am Fuß dreier Hügel namens Haise, Sauerberg und Hardberg, die fast ganz mit Reben bedeckt sind: Von ihrem Gipfel hat man eine schöne Bergaussicht auf Bonn und die fernen Landschaften. Man erzählt, Königswinter sei vor dem Jahr 446 von den Römern bewohnt gewesen, die von einem Frankenkönig vertrieben wurden; da ihn die vorgerückte Jahreszeit daran hinderte, den Fluss zu überqueren, verweilte das königliche Gefolge einige Wintermonate in dieser Stadt, was ihr den Namen Hibernia Regia {Königswinter oder Winter des Königs} eintrug. Die Einwohner, die im Ruf stehen, fleißig und ehrlich zu sein, sind meist Winzer oder Steinmetzen, weil man hier die Steine verschifft, die man aus der Wolkenburg und anderen Bergen bricht, was einen beträchtlichen Handelszweig bildet. Der wichtigste Gasthof ist der zum Drachenfels; es gibt auch einen anderen namens Moeurer.
Bevor man die Reise in die Berge unternimmt, muss man sich mit einem erfahrenen Führer versehen; obwohl die Aufstiege nicht schwierig sind, tun die Damen gut daran, sich trittsichere, an die Berge gewöhnte Maultiere oder Esel zu besorgen. Der Liebhaber des Malerischen, der Künstler, findet beim Durchstreifen des Drachenfels, des Löwenbergs oder des Strombergs eine unerschöpfliche Vielfalt an Ansichten. Die ganze Gegend des Siebengebirges ist reich an Gegenständen, die für den Botaniker oder Mineralogen interessant sind.
Wir haben bereits versucht, eine Vorstellung vom eindrucksvollen, steilen und gewaltigen Aussehen des Drachenfels oder Drachenfelsens zu geben, an dessen Fuß sich eine Höhle namens Dombruch befindet. Nähert man sich dem Gipfel, der sich 1.126 englische Fuß über den Meeresspiegel erhebt, gelangt man ‹59› zu einer Plattform namens Platz, wo man ein kleines Haus und Bänke sieht; hier wurde ein Obelisk zum Gedenken an den Tod jener tapferen Deutschen errichtet, die beim Rheinübergang 1811 ihr Leben opferten, als sie die Freiheit ihres Vaterlandes zu bewahren suchten. Die Namen des Majors von Boltersten und Gengers, eines Bürgers von Königswinter, die beide in der Nähe dieser Stadt fielen, sind in dieser Inschrift festgehalten. Die Aussicht, die man vom Gipfel des Berges sowie von der Wolkenburg genießt, bietet interessante, prächtige Ansichten und bildet eine Vereinigung von Landschaften, die, das Imposante mit dem Erhabenen, das Malerische mit dem Ländlichen verbindend, nicht verfehlen können, die Aufmerksamkeit zu fesseln und die tiefsten Gefühle der Bewunderung hervorzurufen.
Richtet man den Blick auf den Rhein, links bis zum Fuß des Berges, sieht man das Dorf Rönnersdorf und das Städtchen Honnef, inmitten eines Waldes von Obstbäumen gelegen, fast gegenüber der bezaubernden Insel Nonnenwerth; weiter entdeckt man Rheinbreitbach, Scheuren und das Städtchen Unkel. Am gegenüberliegenden Ufer sieht man Mehlem und den Rodderberg mit seinem Krater, einem Überrest erloschener Vulkane des Niederrheins; am Hang des angrenzenden Hügels erheben sich Rolandseck und die Ernten von Oberwinter, die sich wie alles Übrige im klaren Wasser dieses Flusses spiegeln. In der Nähe entdeckt man den Eifelwald und in der Ferne die vulkanischen Gipfel am Laacher See, den kegelförmigen Berg von Olbrück sowie die alte Burg des Hauses Waldbott; die ganze Aussicht ist mit gut bestellten Feldern und herrlichen Tälern übersät. Die Gegenstände, die das Auge gegen Bonn hin erblickt, sind zu bekannt, als dass man sie in Erinnerung rufen müsste. Das Siebengebirge beschließt die Bergkette, die Thüringen, Fulda und die Wetterau bis an die Ufer des Rheins durchzieht. Auf dem Gipfel des Drachenfels steht eine Burg, die der Familie dieses Namens gehörte: 1580 fiel sie an Otto Waldbott von Bassenheim, nach ‹60› seiner Heirat mit Apollonia, der einzigen Erbin des alten Hauses Drachenfels. Diese Burg, die von beträchtlicher Größe war, und die der Wolkenburg und des Rolandseck wurden von Kaiser Heinrich V. geschleift.
Legende des Drachenfels
Die Legende, die vom Ursprung des Namens Drachenfels berichtet, lautet so: Der Berg war in alten Zeiten von einem Drachen bewohnt, dessen Höhle man noch heute an der Südwestseite des Berges zeigt. Das Volk erwies diesem Ungeheuer göttliche Ehren und opferte seiner Gier Menschen. Der Zufall wollte es, dass unter den Gefangenen eine Jungfrau von hoher Geburt, die sich zum Christentum bekehrt hatte, in ihre Hände fiel. Ihre außerordentliche Schönheit entfachte in zwei jungen Anführern eine heftige Liebe, und sie stritten um ihren Besitz. Die Ältesten, die fürchteten, ein so bezauberndes Wesen könnte Hass und Zwietracht säen, verurteilten die Unglückliche, ihrem Götzen als Opfer zu dienen. In Weiß gekleidet, würdiges Sinnbild ihrer Unschuld, und mit einem Rosenkranz bekränzt, wurde sie vor Tagesanbruch auf den Berg geführt, und ihre zarten Glieder wurden an die verhängnisvolle Eiche gebunden, vor der ein Stein lag, der als Altar diente. Sobald die aufgehende Sonne den Gipfel des Drachenfels vergoldet und einen schwachen Lichtstrahl in die Höhle geworfen hatte, stürzte sich das Ungeheuer mit seinem sehnigen, schuppenbedeckten Leib und aufgerissenem Rachen auf seine Beute. Eine unzählige Menge war aus der Umgebung herbeigeströmt, um Zeuge dieses Schauspiels zu sein; und alle Herzen wurden beim Anblick des Schicksals des unschuldigen Opfers von Mitleid ergriffen. Das junge Mädchen, die Augen zum Himmel gerichtet, schien schweigend und mit frommer Ergebung seinen Tod zu erwarten. Als es beim Herannahen seines Feindes schon den Hauch seines ‹61› verpestenden Atems spürte, zog es ein kleines Kruzifix aus dem Busen und hielt mit zugleich demütigem und festem Vertrauen das Bild unseres Erlösers dem Angreifer entgegen. Der Drache hielt plötzlich inne, wich vor Abscheu und Entsetzen zurück, stieß Schreie und grässliches Geheul aus, stürzte sich in den Abgrund und verschwand für immer.
Die Zuschauer, von Ehrfurcht ergriffen beim Anblick dieses wunderbaren Ereignisses, eilten in Scharen herbei, um dieses engelhafte Opfer zu befreien, und sahen mit Staunen das Zeichen des Kreuzes, das ein so großes Wunder vollbracht hatte. Das heilige Mädchen teilte ihnen seinen Glauben mit. Plötzlich warf sich die Versammlung, von Verehrung ergriffen, ihm zu Füßen und flehte es an, in seine Heimat zurückzukehren und ihnen einen Priester zu senden, der sie die Lehren seiner Religion lehren und im Namen seines Gottes taufen sollte. So wurde der Drachenfels, dieser Berg des Götzendienstes, zur Wiege des Christentums in dieser Gegend. Man baute eine Kapelle an der Stelle, wo einst der Altar des Drachen gestanden hatte. Eine jüngere Überlieferung erzählt, das Ungeheuer sei von Siegfried getötet worden.
Ein Bergrücken namens Röpekämmerchen verbindet den Drachenfels mit der Wolkenburg. Dieser letztere Berg gleicht einem umgekehrten Kegel und war ursprünglich der höchste des Siebengebirges; jetzt hat er nur noch 1.100 Fuß. Die Burg, die einst auf seinem Gipfel stand, war häufig in Wolken und Nebel gehüllt und erhielt daher den Namen Wolkenburg, Nebelburg. Sie wurde von Friedrich I., Erzbischof von Köln, wieder aufgebaut, der dort starb und in Siegburg begraben wurde: Es ist keine Spur mehr von ihr übrig. Der Berg birgt große Steinbrüche, aus denen man die Steine gewinnt, die nach Königswinter gebracht werden. Man durchquert das hübsche Dorf Schöndorf [= Rhöndorf] sowie ein reizendes Tal, um von der Wolkenburg zum Löwenberg zu gelangen. Gewöhnlich begibt man sich zu diesem letzteren Berg, indem man von Königswinter aufbricht und über Rönnersdorf [= Rommersdorf] geht. ‹62›
Der Berg Löwenburg oder Löwenhügel ist 1.500 Fuß hoch und gilt als der höchste der Berggruppe. Das grünende Laub des Waldes, mit dem er bedeckt ist, bildet einen auffallenden Gegensatz zu seinen kahlen Abhängen. Am Rand dieses Hügels sieht man die Ruinen einer Burg, die den Freiherren von Heinsberg gehörte, ebenso wie die des benachbarten Berges Hemmerich. Der letzte Freiherr dieses erlauchten Geschlechts wurde in einem Streit mit einem Bischof von Köln getötet: Ein Pfeiler und ein Kreuz bei Lechenich bezeichnen die Stelle, an der er starb. Gräfin Agnes von Mansfeld, die Gemahlin des Kurfürsten Gebhard, kam in dieser Burg nieder12. Nach Osten gewandt genießt man einen sehr weiten Rundblick, der sich über den Westerwald, Siegen, Westfalen bis zu den Bergen des Taunus und zum majestätischen Feldberg erstreckt.
Nahe Königswinter liegt der reizende Hof Pfaffroth, dessen Gärten und Spazierwege am Ende eines anmutigen Tals liegen, das sich bis zum Fuß des Strombergs erstreckt. Dieser 1.100 Fuß hohe Berg heißt auch Petersberg, weil auf seinem Gipfel eine kleine, dem heiligen Petrus geweihte Kapelle steht. Einige Eremiten des Augustinerordens ließen sich dort 1134 auf Veranlassung des Erzbischofs Bruno II. und unter der Leitung eines heiligen Bruders namens Walter nieder. Erzbischof Philipp von Heinsberg sandte 1188 einige Mönche des Zisterzienserordens, die er aus dem Kloster Himmerod in der Eifel hatte kommen lassen; doch einige Jahre später verließen sie diesen kalten und unwirtlichen Berg und ließen sich im benachbarten Tal von Heisterbach nieder, dessen verfallene Abtei und Kirche aus dem zwölften Jahrhundert bemerkenswert sind.
Legende des Strombergs
[Die Geschichte des Diether von Schwarzenberg und der Treuenfels sind – nach Simrock – pure Erfindungen ohne jeden historischen Kern.]
Die Treuenfels. (Der Auszug endet hier.)
Anmerkung des Herausgebers
- Nicht zutreffend: ihre Ehe blieb kinderlos. ↩