Die Cronica van der hilliger Stat van Coellen
Eine Auswahl der Bilder
Die Seitenzahlen in Klammern beziehen sich auf die Nummerierung der digitalen Ausgabe der ULB Münster; weitere Digitalisate u. a. in ULB Düsseldorf, HAB Wolfenbüttel, HAAB Weimar und archive.org. Das Werk umfasst 301 nummerierte Blätter und 12 großformatige Holzschnitte.
Titelblatt
Mit den Bischöfen Petrus, Maternus, Heribert, Evergislus, Kunibert, Agilolph, Anno, Severin; in der Mitte das Wappen von Köln mit den drei Kronen für die heiligen drei Könige und den 21 Flammen für Ursula und ihre Gefährtinnen. (8)
Sancta Colonia diceris hinc, quia sanguine tincta |
Heiliges Köln wirst Du deshalb genannt, weil Du benetzt bist mit dem Blut |
Die Schöpfung
Adam und Eva leben im Paradies; Hirsche, Fische, Vögel, Bienen, Wald, Flüsse, Sonne und Winde sind dargestellt. (42)
Qui vivit in eternum, creavit omnia simul. |
Der, der in Ewigkeit lebt, hat alles zugleich erschaffen. |
Adam und Eva: Die Vertreibung aus dem Paradies
Van der scheppunge adams ind Even der eyrster mynschen.
Die traditionelle Darstellung mit der Schlangenfrau im Apfelbaum und dem Erzengel Michael, der Adam und Eva, die ihre Blöße bedecken, aus dem Paradies verjagt. (45)
Arche Noah
Noahs Schiff, besetzt mit zwei (von acht) Personen und Tieren; oben fliegt eine Taube herbei, im Schnabel einen frischen Ölzweig (1. Mose 8,11). Rechts auf dem Aas sitzt ein Rabe. (54)
Rom
Van der Stat Rome wanne und van wem dye begonnen sij.
Schematische Darstellung einer Großbaustelle: Im Vordergrund ein Baumeister mit einem rechten Winkel in der Hand, zwei Steinmetze, ein Arbeiter, der mit einer Hacke gräbt, zwei Arbeiter, die Steine wegtragen, ein Arbeiter, der ein Faß trägt. Im Hintergrund eine Stadt mit einem Stadttor, in der ein Kran auf einem hohen Gebäude steht, das von mehreren Arbeitern weiter gebaut wird. (65)
Caesar
Dargestellt sind Caesar und zwei zivile Begleiter auf Pferden. Das Banner zeigt einen Skorpion. (79)
Köln
Abgebildet sind Köln und Deutz. Köln ist identifizierbar durch den Baukran auf dem Südturm, daneben das Chor. Angedeutet ist Groß St. Martin. Am Hafen ist ein Schiff vertäut; im Fluss ein Schwimmkran und schwimmende Bauten. Auf der Deutzer Seite ist St. Heribert erkennbar, davor ein Bauer und Getreidefelder. (90)
Jupitersäule, Trier
Mehrere Männer und Frauen von Trier bringen der Figur auf der Säule Geld; die Figur trägt eine Rüstung, in der linken Hand einen größeren Ring. Ob es sich dabei um die Igeler Säule handelt, ist sehr fraglich: Die erste Beschreibung stammt aus dem Jahre 1562, ihr Aussehen weicht erheblich von dem Bild ab.
Unten die Wappen von Basel, Straßburg, Worms, Mainz und Köln. (96)
Marsilius
Vor den Toren der Stadt Köln treffen zwei starke Heere aufeinander, das linke mit einem Wappen mit drei Kronen, das rechte mit einem Reichsadler. (128)
„Zu den Heidenzeiten geschah es, daß ein römischer Kaiser Köln belagerte und es in große Not brachte. Es begann in der Stadt an allem zu mangeln, am meisten aber war Mangel am Holz. Da war ein edler Bürger und Hauptmann in der Stadt gesessen, der hieß Marsilius, der ersann einen listigen Anschlag und gab guten Rat. Eine Schar Frauen, als Männer verkleidet, mußte mit Karren und Holzwagen zu dem einen Tore aus und nach dem Walde ziehen, dort Holz zu fällen oder auch nur so zu tun, als sei das der Schar Geschäft und Wille, die Bürger aber unter ihrem Führer Marsilius zogen zu einem andern Tore hinaus, um den Feind, sobald er sich gegen die Schar der Frauen wenden würde, in den Rücken zu fallen. Und es geschah alles so, wie es vorgesehen war, und die Bürger drangen mit großer Macht auf den Feind, und auch die Frauen trugen ihre Wehren nicht zum Schein, und die Kölner gewannen einen vollständigen Sieg, erwarben viele Beute und gewannen eine große Schar von Gefangenen, darunter den Kaiser selbst, der ihre Stadt belagert. Der ward in einen tiefen Turm gelegt und sollte dann auf offenem Markte enthauptet werden. Schon war ein köstlicher Teppich bereitet, der des Römerkaisers Blut trinken sollte, und schon mußte der Kaiser auf ihn niederknieen; da sprach er: Ließet ihr mich leben, ihr Bürger von Colonia, so sollte euch mein Leben viel nützer sein denn mein Tod. - Da wurde dem Henker geboten, noch zu harren, und wurde noch einmal Rat gehalten, und Marsilius riet, dem Kaiser das Leben zu schenken, aber von ihm stattliche Gerechtsame zu begehren. Der Rat war den Kölnern abermals genehm, und Marsilius und die Senatoren entwarfen die Gerechtsame, welche sie fordern wollten, und schrieben sie auf eine glatte Tierhaut, und der Kaiser mußte sie besiegeln und seinen großen Ring in ein dickes Stück Wachs auf dem pergamentnen Brief drücken und seinen Namenszug danebenschreiben nach alter Sitte. Solches geschah an einem Donnerstage im Monat Junius, und hernachmals haben die zu Köln fort und fort am Donnerstag nach dem heiligen Pfingstfest diesen Tag begangen und ihn Holzfahrttag geheißen und sind mit Gesang und Spiel und Festlust nach dem Walde gezogen. Marsilius aber ward ob seines guten Rates hoch geehrt und der Stadt vornehmster Bürger und Hauptmann, und als er gestorben war, wurde sein Sarg in die Stadtmauer beigesetzt, da, wo man es nachher zu St. Aposteln genannt hat, und ihm ein steinern Denkmal aufgerichtet. Auch ist seine Bildsäule noch am Gürzenich zu sehen, dem alten Kauf- und Ballhaus der Stadt Köln, neben ihrem Begründer Marcus Agrippa, zu ewigen Ehren und Gedächtnis.“
Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930
Trajan
Kaiser Trajan und zwei Begleiter auf Pferden, mit einem Reichsadler. (144)
Kaiser Trajanus
Kaiser Trajan spricht:
Yr edell Burger Wyr frijen uch
Disse gulden bull sij ure getzuych
Umrahmt von zahlreichen Höflingen; unten Vertreter der ersten 15 Kölner Geschlechter, siehe unten. (146)
Die ersten 15 Geschlechter Kölns
Dit syn beyde Ritter ind knecht
Van Coelne dye xv geslecht:Overstoltze, Scherffgyn, vam Horne,
Quattermart, van der Adocht, Spyegel vam Roidenberch zum Dijsberch,
dye Jueden, Hardefuyst, Lieskyrchen,
vam Ghire, vam Grijne, Birckelin,
vam Hyrtzelyn, vam Overstoltz die man noempt van Effrem, Cleingedanck.
(149 ff.)
Maternus
Vor den Toren der Stadt Köln wird die Leiche eines Bischofs herausgetragen, in einem Boot liegt dieselbe Leiche. (161)
St. Gereon
Sent Gereon kyrche zto Coellen hait doyn machen die keyserinne Helena.
Eine hanebüchene Geschichtsklitterung: Die Kaiserinmutter Helena († 330) soll die Kirche des heiligen Gereon gebaut haben. Der Lyoner Bischof Eucherius hat diese Behauptung im 5. Jahrhundert verbreitet, in Zusammenhang mit der Legende der thebäischen Legion. (182)
Priamus, der erste Herzog der Franzosen
Ein Fürst und ein Begleiter auf Pferden, mit einer Fahne, die zwei aufrechte, gegenüber stehende Löwen zeigt. Phantasiebegabte Männer des Mittelalters wussten ganz genau, dass die Trojaner mit ihrem König Priamus nach Deutschland gekommen waren und Städte wie Xanten und Bonn gegründet hatten, siehe mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a131433.pdf. (200)
Van den xi dusent ionfferen (= Ursula)
Ein Schiff kommt 452 in Köln an: auf dem Schiff die heilige Ursula, ein Bischof und 7 Frauen, von denen zwei schon enthauptet sind. An Land ein Anführer und drei Bewaffnete, die mit einem Schwert, einer Armbrust und einem Speer auf die Frauen zielen. (215)
Hildebold
Hildeboldus der xix. byschoff tzo Coellen
Dargestellt ist eine Stadtmauer mit einem Stadttor, im Hintergrund Kirchtürme, vor dem Stadttor Hildebold mit dem Hirtenstab. Hildebold († 818 in Köln) war von 787 bis 795 Bischof von Köln und von 795 bis 818 der erste Erzbischof des Erzbistums Köln. Nach ihm ist der Vorgängerbau des heutigen Domes benannt. (266)
Otto I.
Otto primus keyser zo Rome.
Der gekrönte Otto reitet mit drei Begleitern, einer hält die Fahne, die den Reichsadler und zwei Löwen zeigt. (292)
1288 Worringen
Sijffert van Westerburch, der lij. Byschoff zo Coellen
Das Bild zeigt in der linken Hälfte die Truppen des Erzbischofs und seiner Verbündeten, rechts die Truppen der Kölner und die bergischen Truppen, jeweils erkennbar an den Fahnen. Unten das Dorf Worringen am Rhein. Oben rechts ein dreispänniges Fuhrwerk: der städtische (!) Wagen mit einem übergroßen Schlüssel.
Bischof Siegfried von Westerburg nahm Partei in dem jahrelangen Limburger Erbfolgestreit, sein Hauptgegner war Herzog Johann I. von Brabant. Am 5. Juni 1288 trafen die Heere auf der Fühlinger Heide bei Worringen aufeinander. Siegfried wurde schließlich gefangengenommen und musste am 18. Juni 1288 in einem Vertrag mit der Stadt die Souveränität Kölns anerkennen. (518)
Der Weberaufstand 20.11.1372
Bild einer Schlacht am Griechenmarkt: die Zunft der Weber unterliegt den Truppen der Patrizier. – Zu den Fahnen siehe oben Die ersten 15 Geschlechter Kölns. (588)
1423 Sachsen
Wanne wye ind durch wen dat hertzochdom van Sassen ind dat kuerfurstendom is komen an die heren van Mijssen und Doringen.
Auf einem Thron sitzt ein gekrönter Herrscher und hält in der linken Hand ein Schwert. Vor ihm kniet ein Edelmann, der mit der Rechten eine Fahne hält: In der linken Hälfte die gekreuzten Schwerter Meißens, die rechte Hälfte zeigt das askanische Wappen Sachsens: im neunmal von Schwarz und Gold geteilten Feld einen schrägrechten grünen Rautenkranz. Sein Begleiter, gegürtet mit einem Schwert, hält die Fahne von Thüringen mit dem aufrecht schreitenden Löwen. Hinter dem sitzenden Herrscher ein Mann, der ein Schwert gezogen hat.
Friedrich der Streitbare erhielt 1423 das Herzogtum Sachsen-Wittenberg und die Grafschaft Brehna. Durch die Übertragung des Herzogtums Sachsen-Wittenberg an den meißnischen Markgrafen konnten sich die Wettiner schließlich aufgrund der damit verbundenen sächsischen Kurwürde unter die deutschen Kurfürsten einreihen. (629)
Index
- A
- Adam → Schöpfung, Vertreibung
- Agilolph → Titelblatt
- Anno → Titelblatt
- Arbeiter → Rom
- B
- Basel → Jupitersäule
- Bauer → Köln
- Bischof → Ursula, Hildebold, Worringen
- Blut → Titelblatt, Marsilius
- Bürger → Marsilius
- C
- Caesar → Caesar
- Chronik → Einleitung
- D
- Deutz → Köln
- E
- Edelmann → Sachsen
- Erzbischof → Hildebold
- Eva → Schöpfung, Vertreibung
- Evergislus → Titelblatt
- F
- G
- Geld → Jupitersäule
- Gesang → Marsilius
- Geschäft → Marsilius
- Geschlechter → Kaiser Trajanus
- Gürzenich → Marsilius
- H
- Hauptmann → Marsilius
- Henker → Marsilius
- Heribert → Titelblatt, Köln
- Hildebold → Hildebold
- J
- Johann I. von Brabant → Worringen
- K
- Kaiser → Marsilius, Trajan, Kaiser Trajanus
- Köln → Einleitung, Titelblatt, Köln, Jupitersäule, Marsilius, Maternus, Ursula, Hildebold
- Kran → Rom, Köln
- Kunibert → Titelblatt
- L
- M
- Mainz → Jupitersäule
- Mangel → Marsilius
- Marcus Agrippa → Marsilius
- Marsilius → Marsilius
- Maternus → Titelblatt, Maternus
- Meißen → Sachsen
- Michael, Erzengel → Vertreibung
- Mose → Arche Noah
- Münster → Einleitung
- N
- Noah → Arche Noah
- O
- Otto I. → Otto I.
- P
- Paradies → Schöpfung, Vertreibung
- Petrus → Titelblatt
- Priamus → Priamus
- R
- Rhein → Worringen
- Ring → Jupitersäule, Marsilius
- Rom → Rom
- Rüstung → Jupitersäule
- S
- Sachsen → Sachsen
- Schöpfung → Schöpfung
- Severin → Titelblatt
- Siegfried von Westerburg → Worringen
- Sonne → Schöpfung
- St. Martin → Köln
- Straßburg → Jupitersäule
- T
- Taube → Arche Noah
- Thüringen → Sachsen
- Tod → Marsilius
- Trajan → Trajan, Kaiser Trajanus
- Trier → Jupitersäule
- U
- Ursula → Titelblatt, Ursula
- V
- Vertreibung → Vertreibung
- Vögel → Schöpfung
- W
- Wald → Schöpfung
- Wille → Marsilius
- Wittenberg → Sachsen
- Worms → Jupitersäule
- Worringen → Worringen