Im Jahre 1956, nach den Osterferien, begann ich – noch neun Jahre alt – am altsprachlichen „Staatlichen Gymnasium Siegburg“ in der Humperdinckstraße Latein zu lernen. Wir waren in der Sexta A über 65 Jungen, die Parallelklasse hatte ebenso viele Schüler.
Aus meinem Heimatort waren außer mir nur noch Rolf und Manfred auf das Siegburger Gymnasium gegangen.1 Manfreds Vater war polnischstämmiger Fabrikarbeiter; später wurde Manfred Professor der Wirtschaftswissenschaften. Rolfs Vater war Kaufmann, mein Vater Ingenieur.
Der Unterricht fand an sechs Tagen statt: montags bis freitags höchstens sechs Stunden, samstags vier. Latein wurde acht Stunden pro Woche unterrichtet; ebenso viele Klassenarbeiten wurden im Halbjahr geschrieben. Weitere Fächer in der Sexta und Quinta waren Deutsch, Mathematik, Erdkunde, Geschichte, Biologie, Sport und Religion.
Unser Lateinlehrer hieß Heinen, sein Vorname war – glaube ich – Franz; sein zweites Fach war Französisch. Man erzählte sich, dass er im Krieg (natürlich im Zweiten Weltkrieg) als Soldat in Frankreich gewesen war. Wir saßen in uralten, fest montierten Zweierbänken: drei Kolonnen zu je zwölf Reihen. Der Lehrer thronte auf einem Podest. Wenn Heinen Vokabeln abfragen wollte, holte er die Schüler nach vorne; für jede nicht gewusste Vokabel gab es eine Ohrfeige.






